Unbemerkt: Investoren-Alarm bei der DFL

November 8th, 2007

Gestern wies Seitenwahl.de zurecht darauf hin, dass im ganzen Kirch-Gedöns einige Stimmen der letzten DFL-Sitzung untergegangen sind, die forderten, sich ausländischen Investoren zu öffnen. Und zwar durch Abschaffung der 51%-Regel. 51% der
Anteile an einer zur Gesellschaft ausgelagerten Profi-Abteilung müssen (noch) in den Händen des Vereins bleiben. Christian Heimanns hat dazu eine sehr lesenswerten Artikel verfasst, der in Langform das ausdrückt, was ich vor Wochenfrist zum Thema Pay-TV-Einnahmen bei breitnigge kommentierte:

“Das Problem mit den fehlenden Pay-TV-Einnahmen in Deutschland spielt für mich nur auf internationaler Ebene eine Rolle. Und betrifft deswegen nur einige Spitzenclubs. Fakt ist: Auch mit den bisherigen Einnahmen ist die deutsche Liga finanziell unter den Top-Vier-Ligen Europas und muss den aktuellen Uefa-Koeffizienten halten oder verbessern können. Interessiert es einen VfL Bochum oder Eintracht Frankfurt, ob deutsche Mannschaften in der CL konkurrenzfähig sind? Eher nicht.
Das A und O für zwei Drittel der Bundesliga-Vereine und für die Zweitliga-Vereine bleibt unabhängig von den Einnahmen, dass diese zentral verteilt werden. So hält man die Liga so weit wie möglich spannend und für alle Fans attraktiv.

Bis auf wenige Ausnahmen sind eben Fußballvereine in Deutschland keine Wirtschaftsunternehmen, bei denen es um Gewinnmaximierung geht und Dividendenausschüttung geht. Jeder Euro, der mehr eingenommen wird, geht ohne Umwege auf das Konto von Spielern und Beratern.”


Dasselbe Fazit zieht Seitenwahl. Der Einstieg eines Investors bringt einen einmaligen Geldregen, der schnell in die Taschen der Spieler gerieselt ist. Es dauert nicht lange, bis die bisherigen Verhältnisse weitaus fester zementiert sind als zuvor. Es würde nur wenige Gewinner geben. Erstens die Vereine, die sowieso schon international hohe Ambitionen hegen, weil sie auf dieser Ebene finanziell konkurrenzfähiger würden. Und Vereine wie die TSG Hoffenheim, die im Mäzenen-Lotto den dicksten Fisch an Land ziehen.

Aber vielmehr würde es ehrliche und langfristige Arbeit bestrafen. Vereine mit einer solchen Philosophie können nur verlieren.Die deutschen Vereine sollten die vorhandenen Beschränkungen als Chance verstehen. Um ein plumpes Beispiel zu bemühen: Die Playstation 3 ist zwar die fetteste Konsole, aber scheitert an den eigenen Ansprüchen. Die Wii hat bescheidene Mittel, aber bietet Raum für Kreativität und neue Konzepte. Solange es auf nationaler Ebene so fulminant läuft, die Stadien so voll sind und die Liga so spannend, besteht aus Sicht der Fans mit Sicherheit kein Handlungsbedarf. Dafür bietet sich dem deutschen Fußball die Chance, eigene Talente und damit Identifikationsfiguren zu formen. So geil Arsenal spielt: Ich will keine Mannschaft, in der kein einziger Deutscher unterwegs ist im Nordpark sehen.

Themenwechsel: Nächstes Wordpress-Problem. Wie oben zu sehen gibt es in diesem Artikel keine Absätze. Ich werd jeck! In der visuellen Ansicht sind die Absätze vorhanden. In der Code-Ansicht sind keine entsprechenden Tags zu sehen. Füge ich p- oder br-Tags ein, sind sie nach dem Speichern wieder verschwunden. Woran kanns liegen?

Druckversion Druckversion

3 Responses to “Unbemerkt: Investoren-Alarm bei der DFL”

  1. Marius on November 9, 2007 10:21

    Den Beitrag kann man nur unterschreiben. Es ist zwar schade, wenn ich sehe wie Stuttgart, Bremen und Schalke in der laufenden CL-Saison teilweise vorgeführt werden, aber letztlich interessiert mich das nur nebenbei. Die heimische Liga ist mir immer noch am liebsten. Klar will jeder seinen Verein an der Spitze sehen, aber nicht mit allen (finanziellen) Mitteln. Wenn die Identifkation für die Fans flöten geht, werden die Vereine auf lange Sicht die nachhaltigste Geldquelle verlieren, nämlich die Fans selbst. Die Karawane der Gelegenheitsgucker zieht nämlich dann bei Erfolgslosigkeit zum nächsten potenten Dorfverein weiter.

  2. Mozalini on November 9, 2007 11:45

    vermarktungstechnisch gebe ich dir recht. lieber einen ausgeglichenen spannenden alltag als europäische spitzenklasse und eine liga, die extrem nach unten abfällt (vgl. spanien).

    aber was ich nie verstehen werde: wieso können nur einheimsiche spieler zu identfikationsfiguren werden? identifiziert man sich wirklich mehr mit dem schwaben rösler als mit brouwers? (bei spielern aus der eigenen jugend a la jansen?—> geschenkt). bei arsenal z.B. besteht doch, so weit ich das aus der ferne beurteilen kann, die identifikation in spielweise und auftreten des teams und letzlich am erfolg und nicht an der nationalität.

  3. Dülp on November 9, 2007 15:02

    @mozalini: Die Reihenfolge lautet etwa so: aus der eigenen Jugend / aus der Region / aus Deutschland / aus einem coolen Land / der Rest.

    Zumindest ist das der Grundsatz, von dem es durchaus Ausnahmen gibt. Wenn ein ausländischer Spieler genau die Qualitäten mitbringt, die ich/man sehen will, dann steht der Identifikationsfigur nichts im Wege (s. Kasey Keller, Marc Wilomts).

    Identifikation hat aber auch viel mit gemeinsamer Kultur und Sprache zu tun. In einem Typ wie z.B. Joachim Hopp, der selbst am Stahlkocher gestanden hat, findet sich der Ruhrpottler wieder. Bei einem deutschen Spieler ist die Wahrscheinlichkeit einfach viel höher, dass er mir Ansatzpunkte dafür bietet.

Trackback URI | Comments RSS

Name (erforderlich)

Email (erforderlich)

Webseite

Sachet, Otze! (Links in der Form: Linktext)


    Ciao

    Twitter
    Counter
    Bolzplatz im Abo