Eberl und Frontzeck – frischer Wind?

Juni 13th, 2009

Vor wenigen Wochen noch, stand ich der sportlichen Leitung der Borussia sehr skeptisch gegenüber. Da war kein renommierter Name auf der Position des Sportdirektors verpflichtet worden, sondern mal wieder einer aus der eigenen Nachwuchsabteilung: Max Eberl.

Max Eberl ist keiner mit internationalen Kontakten. Keiner, der Beziehungen hat und darüber den einen oder anderen Geheimtipp bekommen würde. Max Eberl ist ein Arbeiter, wie er es auch schon auf dem Fußballfeld war.

Es passte für mich ins Bild. Rolf Königs ist ein Sonnenkönig und was man so hört lässt vermuten, dass er gerne Ja-Sager um sich versammelt und Kontra nur ganz schlecht verträgt. Das ist nicht ungewöhnlich für einen Unternehmer alter Schule, aber in einem von ihm nicht gelernten Bereich sicher nicht förderlich.

Die Installation Eberls rundete das Ganze ab. Ein willfähriger Steigbügelhalter auf  der entscheidenste Position des Vereins, der wenig Widerworte gibt. Das Trauma Ziege immer noch im Hinterkopf, als ein B-Jugend-Trainer zum Entscheider befördert wurde und nach einer guten Saison alles kollabierte.

Umso erstaunlicher ist es, wie viel Profil Max Eberl in den letzten Wochen an den Tag gelegt hat. Eine angeblich 500-seitige Ausarbeitung zur Zukunft der Borussia soll er vorgelegt haben. Und er hat mal kurz die strategische Ausrichtung des Vereins neu definiert.  Und alles, was von seinem Konzept bisher nach Außen gedrungen ist, gefällt mir nicht nur, ich kann es 100% so unterschreiben und es deckt sich mit den Gedanken, die ich in diesem Blog schon länger hege:

Dass ein Verein eine Philosophie haben sollte, die unabhängig ist von Trainern. Dass der Verein System und Grundstrategie vorgeben sollte, um Kontinuität gewährleisten zu können und nicht alle halbe Jahre die Aufstellung neu ausrichten muss. Denn nur dann ist gewährleistet, dass man mit dem vorhandenen Spielermaterial arbeiten kann und nicht nach dem Gusto des neuen „Erfolgscoachs“ erstmal auf Einkaufstour gehen muss und fünf neue Flügelstürmer einkaufen muss, weil bisher 4-4-2 gespielt wurde.

Max Eberl hat diese Philosophie in nettere Worte gekleidet. Der Verein baue dem Trainer eine Autobahn. Wie dieser darauf fahre, bleibe ihm überlassen. Aber nach links und rechts gebe es eben eine Begrenzung.

An diesem Punkt kommt die Personalie Michael Frontzeck ins Spiel. Den besten Kommentar dazu habe ich auf Seitenwahl.de gelesen. Es gebe nichts, was gegen Frontzeck sprechen würde. Aber es gebe auch keine Argumente für ihn.

Frontzeck hat seine Teams bisher genau dahin trainiert, wo sie hingehören. Er hat keine Überraschungen nach oben oder nach unten geschafft. Sollte er an diese Tradition anknüpfen, stünden immer drei Mannschaften unter Mönchengladbach in der Tabelle. Das ist doch schon mal was.

Im Kontext, nach allem was Eberl hat verlauten lassen, passt Frontzeck haargenau in das Profil. Als ich die Anforderungen las: fleißig, loyal, anpassungsfähig – wusste ich, es kann nur auf Frontzeck oder Funkel hinauslaufen.  Frontzeck ist uneitel, ehrlich und glaubwürdig. Er ist kein großer Stratege, aber ein Teamplayer.

Um den beschriebenen Neuanfang zu machen, kann er also genau der richtige Mann sein – um ein, zwei solide Saisons zu spielen, den Verein wieder in der Bundesliga zu etablieren und Ruhe in den Verein einkehren zu lassen. Aber diese –geringe – Erwartungshaltung muss er  bestätigen. Ich glaube eher, dass Frontzeck nach der Hinrunde entlassen wird, als dass er ein zweiter Thomas Schaaf wird.  Ich traue ihm nicht zu, eine Überraschungssaison zu spielen. Ich traue ihm nicht zu, aus der Mannschaft viel mehr rauszuholen, als das Spielermaterial erwarten lässt.

Zum Glück bin ich mit meinen Prognosen an dieser Stelle in der letzten Saison ganz mies gefahren. Hoffentlich liege ich also falsch – mit der Perspektive ins gesicherte Mittelfeld.

Druckversion Druckversion

Borussia Mönchengladbach – das Saisonfazit

Mai 27th, 2009

Als Gladbacher, das hat sich einmal mehr herausgestellt, muss man leidensfähig sein. Diese Saison hat alles an Nerven gekostet, was ein Fußballfan aufbringen kann. Und obwohl es gut geendet ist und das Saisonziel erreicht wurde, muss ich ein absolut negatives Fazit ziehen.

Nach dem letzten Bundesligaabstieg versprach die Vorstandsetage, dass nun alles anders, alles besser würde. Man wolle auf kontinuierliche Arbeit setzen, eine Mannschaft mit Charakter aufbauen – dies sollte gar einer der Hauptkriterien bei Neuverpflichtungen werden – und das Kaufhaus des Westens sollte für alle Zeit die Tore schließen.

Es kam alles anders. Die Saison war ein einziges großes Missverständnis.

Luhukay und Ziege gingen mit sehr viel Vertrauensvorschuss in die Spielzeit – hatten sie doch im Jahr zuvor aus dem Nichts einen stimmigen Kader aufgebaut, der Typen beinhaltete, mit denen sich alle Fans identifizieren konnten.

Viel Breite, keine Spitze

Mit dem gleichen Personal gingen sie in die neue Saison und glaubten, ihn nur punktuell und in der Breite verstärken zu müssen. Diese „Breite“ ging jedoch soweit, dass Luhukay und Ziege einen Kader zusammenkauften, der jedes System spielen können sollte und zwar mit voller Absicht – ein aufgeblähter Kader, nichts in der Spitze.

Als es in die Saison hineinging wurde klar, dass Luhukay tatsächlich System und Personal von Spiel zu Spiel auf den Gegner einstellen wollte. Flexibilität total, Kontinuität null.

Man könnte es ein Experiment nennen. Das Experiment explodierte vor den Augen der Verantwortlichen. Das in der zweiten Liga eingespielte System, das auf bestimmte Stärken setzte, wurde komplett demontiert.

Stärken demontiert

In der Vorsaison waren die Stärken: Flügelspiel mit zwei kopfballstarken Abnehmer, Friend und Rösler, in der Mitte. Und saustarke Standards, bei denen unter anderem Brouwers und Gohouri die Überlegenheit im Strafraum klar machten.

In den ersten Spielen in der ersten Liga gab es das alles nicht mehr. Scorer-König Ndjeng, der zugegeben nie mehr die Top-Form erreichte, wurde aussortiert. Für ihn lief Matmour auf, der aufs Tor zieht, aber nicht flankt. Ohne Rösler (der sich ebenfalls aufgrund mangelnder Fitness auf dem Team katapultierte) gab es keinen mehr, der aus dem Mittelfeld in den Strafraum stieß. Vieles kam zusammen. Die Kopfballmacht war passe.

Passe war auch die Hierarchie. Die Leitwölfe Voigt, Rösler und Paauwe konnten von ihrer Leistungen her dem Team nicht mehr helfen und hinterließen eine Lücke, die bis zur Winterpause brach lag.

Abwehrschwäche war absehbar

Diese Punkte habe ich so vor der Saison nicht erwartet. Ich hatte erwartet, dass es ein großer Kampf wird. Dass sogar mit einem Rösler in Alemannia-Form vorne war gehen würde. Ich glaubte, dass die Verantwortlichen die Stärken kennen und ausbauen, aber zumindest nicht demontieren würden. Es kam anders.

Nicht nur, dass vorne alles was lief, nicht verfolgt wurde. Die sich ankündigende Abwehrschwäche wurde ignoriert. Dies war die größte Verfehlung von Ziege und Luhukay: Zwar wurden sehr viele Spieler zu verpflichten, aber nicht auf den vakanten Positionen zum Beispiel auf der rechten Abwehrseite. Stattdessen zwei bis drei Neuverpflichtungen auf der völlig überbesetzten 6er-Position.

Keine Lehren aus der Vorsaison

Trotz all dem hätte es vielleicht besser laufen können, hätte man die Lehren aus der Vorsaison ernst genommen. Dort hatte nur ein 4-4-2 funktioniert, mit dem 4-5-1 stand eine (für einen Aufsteiger) desaströse Bilanz. Aber Luhukay legte sich auf einen Stürmer fest und hielt nicht am erfolgreichen System fest.

Und als Meyer kam, wurde es nicht besser. Diesen Vorwurf muss man Meyer machen, obwohl er im Endeffekt erfolgreich war. In der Hinrunde hat er alles vergeigt, auch weil er in seiner Taktik nicht flexibel war.

Er schob es auf die „mangelnde Balance“. Aber das ist zu einfach. Man muss die Karten spielen, die man hat, und nicht das Spiel, für das man die Karten nicht hat. Einen Neuville als klaren 4-4-2 Stürmer kalt zu stellen – das darf man sich mit diesem Spielermaterial eigentlich nicht leisten.

Viel Glück in der Rückrunde

In der Rückrunde wurden zwar 20 Punkte geholt, aber es war längst nicht alles Sonnenschein.

Meyer beförderte Baumjohann zum Spielgestalter. Der hatte zwar einige lichte Momente, aber viel mehr Schatten. Abgesehen von den Situationen, die man in der Sportschau gesehen hat und einigen anderen gefälligen Pässen, war er vor allem phlegmatisch und hat mich zur Weißglut getrieben. In jedem Moment wünschte ich mir Marin auf seiner Position. Ich bin froh, dass er bei Bayern gelandet ist.

Aushilfsstürmer Colautti zeigte in jedem Moment, dass er nicht bundesligatauglich ist und ein System mit ihm als einzige Spitze nicht funktionieren kann.

Bailly und Galasek top, Dante mit viel Schatten

Das einzige Highlight: Galasek und Bailly wurden gekauft und retteten der Borussia den Arsch. Bei Bailly hat man gesehen, wie viel Punkte Unterschied zwischen einem mittelmäßigen und einem guten Bundesligatorwart liegen. Galasek war die ordnende Hand und der lange vermisste Führungsspieler.

Stalteri konnte zwar nicht wirklich auftrumpfen, schloss aber die Lücke in der Verteidigung – ebenfalls ganz wichtig.

Dante war der Spezialkandidat. Er taumelte zwischen Genie und Wahnsinn. Im letzten Spiel gegen Dortmund hätte ich ihn zur Halbzeit – wenn nicht früher – ausgewechselt. So schlecht war er. Aber am Ende köpfte er das 1:0, wie er schon in zwei Spielen  zu vor ein  entscheidendes Tor markierte.

Klassenerhalt nur mit viel Glück

Meyer hat in der Rückrunde nicht alles richtig gemacht, aber seinen Dickschädel durchgesetzt und wurde am Ende mit sehr, sehr, sehr viel Glück belohnt. Das ist kein Grund, seine Arbeit nicht zu hinterfragen, denn er hat vor allem von der Schwäche der Konkurrenz profitiert.

Er hat sehr gut und punktuell eingekauft, er hat die Mannschaft gerettet. Aber Gladbach hat bis auf zwei, drei Spiele nicht so gespielt, wie es die Punkteausbeute von 20 Zählern vermuten lässt. Da war verdammt viel Glück dabei.

Nichtsdestotrotz – einen Trainerwechsel möchte ich nicht heraufbeschwören. Viel zu viel ist bei Gladbach passiert. Meyer hatte extrem schwierige Ausgangsbedingungen und wenn er noch eine Saison dran hängt, glaube ich, dass er die Borussia in ruhigeres Fahrwasser bringen kann.

Druckversion Druckversion

Yesss! Big Point. Meyer ballt die Faust

Mai 13th, 2009

Irgendwas stimmt hier nicht. Gladbach hat zweimal hintereinander in der 90.  Minute gewonnen. Diese Spielphase war in den letzten zehn Jahren konsequent für den Gegner reserviert.

Irgendwas stimmt also wirklich nicht. Aber man schaut nicht dem Gaul ins Maul, den man sich hart erarbeitet hat. Vor zwei Wochen noch – nach dem Remis gegen Bielefeld – hatte ich mich von der ersten Liga verabschiedet. Jetzt plötzlich nach 6 Punkten brenne ich wieder.

Gegen Schalke war es nur Glück. Gegen Cottbus war Gladbach die klar bessere Mannschaft, ihr fehlte es nur an einem vernünftigem Sturm, um die Sache früher dingfest zu machen. Dass es am Ende eine Ecke war, bei der ein Spieler glücklich seinen Schädel in die Flanke hielt, ist geschenkt.

Vielleicht kommt jetzt all das zurück, was uns Gladbach-Fans in den letzten Jahren verwehrt blieb. Das Tor im richtigen Moment. Das Tor in einem Graupen-Spiel.

Jetzt fehlt wohl nur noch ein Unentschieden, um die Klasse zu halten. Nächste Woche geht es gegen Leverkusen, das in Düsseldorf noch kein Spiel gewonnen hat. Der einzige Zweifel ist: Es wird ein Heimspiel für Gladbach. Zwei Drittel der Fans im Stadion werden Borussen sein. Hoffentlich wird Leverkusen nicht seine Auswärtsstärke ausspielen.

Ein wenig rührend fand ich Meyer nach dem Spiel. Der, der sich sonst nichts anmerken lässt, ballte die Faust vor der Interviewkamera. Das sagt viel über unseren Gemütszustand.

Druckversion Druckversion

Magath, der Künstler des Abgangs

Mai 6th, 2009

Ich gebe zu, die Überschrift ist eine Replik auf den Titel beim Indirekten Freistoß „Die Kunst des Abgangs ist Magath nicht gegeben“. Dort zitiert Oliver u.a. die Stuttgarter Zeitung: Magath hinterließe bei seinen Abgängen verbrannte Erde.

Das mag sein. Aber keiner hat die Mechanismen des Trainergeschäfts so gut verstanden wie Magath und macht sie sich zunutze. Und kann man ihm zum Vorwurf machen, in diesem gnadenlosen Geschäft vor allem an sich zu denken?

Erfahrung mit Hire & Fire hat er zur Genüge. Ob HSV, Bremen oder Frankfurt – auf seinen ersten Trainerstationen bekam er die Spielregeln des Geschäfts zu spüren und musste nach nicht allzu langer Zeit seinen Posten räumen. Daraus zog er seine Schlüsse. Seine erste echte Erfolgsstation war der VfB Stuttgart. Er führte den Verein vom Abstiegskandidaten zum CL-Teilnehmer. Und als ein besseres Angebot kam, griff er zu. Das musste er. Wie oft bekommt man die Chance, Bayern-Trainer zu werden? Genau. Für Emotionen ist da kein Platz.

Magath hat in den ersten Jahren seiner Trainerkarriere am eigenen Leib erfahren hat, dass man stets an den eigenen, bereits erreichten Erfolgen gemessen wird und nicht an den realistischen Perspektiven einer Mannschaft. Je mehr man vorlegt, desto wahrscheinlicher ist es, in der nächsten Saison die Vorgaben der Vereinsführung und die Erwartungen der Fans zu verpassen.

Nicht zuletzt war es Magath, der später seinen Rauswurf beim FC Bayern lakonisch und anscheinend kaum enttäuscht kommentierte, man dürfe als Trainer nicht damit rechnen, länger als zwei oder drei Jahre bei einem Verein arbeiten zu können.

Der Wechsel auf dem Höhepunkt ist für einen Trainer immer die logischste Entscheidung. Das hat er verstanden.

Was sollte er noch mit dem VfL Wolfsburg erreichen? In dieser Saison trifft seine exzellente Arbeit, mit der er eine Mannschaft weit über ihre Möglichkeiten geführt hat, auf die turnusmäßige Schwäche der Bayern. Er hat seinen Marktwert auf das Optimum gesteigert. Würde er beim VfL bleiben, könnte er nur noch verlieren.

Aber, und das sei betont, Magath ist nicht feige. Mit dem FC Schalke hat er sich die aktuell schwierigste Aufgabe im deutschen Fußball ausgesucht. Extrem hohe Erwartungen treffen auf einen schlecht zusammengestellten Kader bei einem Verein, der sein Budget arg zusammenstreichen muss.

Einmalig und kaum zu fassen sind die Bedingungen, auf die sich Schalke eingelassen hat: Magath als Trainer, Manager und Vorstandsmitglied in Personalunion. Allein diese Machtfülle darf eigentlich keinen Zweifel an seiner strategischen Kompetenz aufkommen lassen und macht ihn zum Künstler des Abgangs.

Siehe auch: Königsblog

Druckversion Druckversion

Kicker-Journalisten sind keine Mathematiker

Mai 1st, 2009

Wenn ich nett sein wollte, würde ich Rainer Franzke nur ein gestörtes Verhältnis zu den Grundrechenarten vorwerfen. Oder eine schlampige Einstellung zu journalistischen Grundtugenden. Wahrscheinlicher ist aber, dass er seine Leser für dumm verkaufen will.

In seinem Kommentar verteidigt er die neue Anstoßzeit – Sonntags  um 15.30 – mit zwei Argumenten, die beide haarsträubend sind.

Erstes Argument: Die Anstoßzeit habe eingeführt werden müssen, “denn ohne die etwa 200 Millionen Euro von Premiere hätte die Liga vor einem Crash-Szenario gestanden.”

Nope.  Die Liga hätte vielleicht weniger kassiert, aber mit Sicherheit wäre Premiere nicht komplett von Bord gegangen, denn der Sender ist auf Gedeih und Verderb auf die Bundesliga angewiesen.

Zweites Argument: “Die Amateure hängen am Tropf der Liga, die ihnen ohne das Geld aus dem Pay-TV die etwa 11,1 Millionen Euro aus ihren Einnahmen nicht hätte zukommen lassen können.”

Nope.

Erstens: Während Herr Franzke die Pay-TV-Einnahmen pro Saison nennt, sind diese 11,1 Millionen wohl die kumulierte Summe über die Vertragslaufzeit (nehme ich an, denn er erwähnt mit keinem Wort, wie er auf den Betrag kommt). Im Kicker-Bericht zum DFB-Bundestag sehen die Zahlen noch so aus:

In den Spielzeiten 2009/10 und 2010/11 kassiert der DFB jeweils 4,75 Millionen Euro, in der Saison 2011/12 sechs Millionen Euro. Im Gegenzug wird der DFB den Ligaverband auch in Zukunft an den Einnahmen der Nationalmannschaft beteiligen.

Zweitens: Dem DFB sind lt. Wikipedia  rund 26.000 Vereine angeschlossen. Teilt man 4,75 Millionen durch 26.000, so bekommt jeder Amateur-Verein pro Saison 182 Euro von der DFL. Pro Heimspieltag sind das 10,70 Euro.

Das Almosen der DFL macht also wirtschaftlich bereits dann keinen Sinn, wenn bei einem Amateur-Club wegen der neuen Anstoßzeit nur zwei zahlende Zuschauer pro Spieltag fern bleiben. Und dabei ist noch nicht eingerechnet, dass die DFL auch ohne die neue Anstoßzeit ein hübsches Sümmchen gezahlt hätte.

Und wie wenig Ahnung Franzke vom Amateur-Fußball hat, zeigt sich spätestens im letzten Satz:

Das neue Sonntags-Spiel “ermöglicht, so verrückt es ist, dass noch immer im Breitensport an der Basis Prämien bezahlt werden.”

Die Prämien werden sicher nicht von den 182 DFL-Euros pro Saison gezahlt, sondern von den lokalen Geschäftsleuten, die ihre Eitelkeit über den Fußball pflegen. Dass Prämien in der Kreisliga ohnehin pervers sind, das wäre mal ein Thema, das der Kicker aufgreifen könnte.

Druckversion Druckversion

A New Hope

März 14th, 2009

Was für ein Tag für Gladbach! Es war nicht nur ein Derby-Sieg. Es waren nicht nur 4 Tore gegen Köln. Es war auch die Bestätigung der Vermutung, dass Gladbach wieder lebt.

War es bisher nur die Hoffnung, dass der Klassenerhalt möglich wäre, ist es jetzt der Glaube. Denn Gladbach hat die letzten beiden Spiele nicht zufällig gewonnen. Heute schaffte es die Mannschaft, dass Köln kaum Torgefahr entwickeln konnte. Die Gegentore fielen aus eigentlich harmlosen Situationen durch Distanzschüsse. Dagegen brannte es auf der anderen Seite deutlich häufiger. Marko Marin und Alex Baumjohann zeigten einmal mehr, dass es gegen sie ganz schwer zu verteidigen ist.

Diese Highlights sind nur deshalb möglich, weil die Mannschaft wieder kompakt steht und die Technikern  in Szene setzt. Der Unterschied zur Hinrunde liegt in der Verbindung von defensivem Mittelfeld und Abwehr.

Hans Meyer hat lange gebraucht. Jetzt ist seine Handschrift ist zu erkennen und sein ausführender Arm ist Tomas Galasek. Ich muss zugeben: ich habe nicht geglaubt, dass der alte Mann so wichtig sein kann für die Struktur der Mannschaft. Aber er ist es.

Von der Grundaufstellung ist es dasselbe System wie in der Hinrunde. Aber auf dem Platz sieht es ganz anders aus.  Die Ordnung stimmt. Michael Bradley findet an Galaseks Seite zu ganz großer Form und Marin und Baumjohann dürfen kombinieren, ohne Angst vor einem Fehler haben zu müssen.

In der Offensive gibt es wohl keine Mannschaft im Tabellenkeller, die Gladbach spielerisch das Wasser reichen kann. Aber das ist auch die Gefahr. Denn nach einer guten Phase schraubt Gladbach gerne einige Gänge zurück und glaubt, nicht mehr kämpfen zu müssen. Gegen Mannschaften, die mitspielen, wie den HSV oder Köln zuhause, ergeben sich gute Kontermöglichkeiten. Aber wenn es gegen Cottbus oder Bochum geht, sind andere Qualitäten gefragt. Gladbach muss jetzt beweisen, dass es seine Qualität auch in Drecksspielen auf den Platz bringen kann.

Druckversion Druckversion

Der Doping-Bumerang

März 6th, 2009

Na großartig. Laut Premiere gibt es Doping-Vorwürfe gegen Gladbach. Das einizig Positive: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es ein Spiel betrifft, das Gladbach gewonnen hat.

Druckversion Druckversion

DFB windet sich aus dem Doping-Fall

März 6th, 2009

Irgendwie war es so zu erwarten, denn in allem, was die DFB-Verantwortlichen von sich gegeben haben, schien durch, dass die Spieler verschont werden sollen und dass das Strafmaß in diesem Präzendenzfall milde ausfallen werde: Janker und Ibertsberger, die beiden Zu-Spät-Pinkler, sind auf ganzer Linie freigesprochen worden und alle Schuld wurde den Doping-Beauftragten der TSG und damit dem Verein angelastet.

Nun gut. Sollte es tatsächlich so sein, wie es Theo Zwanziger betont, dass der “Sachverhalt akribisch untersucht” wurde und die Spieler tatsächlich nichts von der Doping-Probe wussten, dann ist das in Ordnung. Allerdings bewahre ich mir deutliche Zweifel an dieser Aussage, denn der DFB selbst hat aufgrund seines bisherigen Umgangs mit dem Thema ein großes Interesse daran, dass die Angelegenheit geräuschlos über die Bühne geht – den bekannten Klüngel mit Hoffenheim noch gar nicht in die Betrachtung einbezogen.

Dem Verein droht laut SpOn jetzt eine Geldstrafe von – heyheyhey -  bis zu 150.000 Euro. Bliebe es dabei, es wäre ein Witz. Auch ohne die Vereinsbrille aufzuhaben, kann das nicht die Sanktion sein. Damit irgendjemand irgendetwas versteht, muss ein Punktabzug dazu kommen. Sonst wäre das bisherige System, Vereinsangehörige als Dopingbeauftragte einzusetzen, eine Generalbefreiung von jeglichen Konsequenzen in Dopingfällen.

Immerhin scheint der DFB seine Schlüsse zu ziehen und setzt künftig Chaperons ein. Dass dies nicht viel früher passiert ist, sondern im Prinzip eine Freifahrtschein für Manipulationen ausgestellt wurde, kann gar nicht oft genug betont werden.

Edit: Hintergrundmaterial und die DFB-Erklärung im Wortlaut gibt es bei Jens Weinreich.  Ich habe ihn übrigens mit dem Zwanziger gegen Zwanziger unterstützt. Wer Fußball-Fan ist, sollte es genauso machen.

Druckversion Druckversion

Blind und trotzdem glücklich: Der Auftakt einer Serie?

Februar 14th, 2009

Heute bin ich um zehn Jahre gealtert. So einen unverdienten Punkt hat Gladbach nicht mehr mitgenommen, seit Kasey Keller gegen den HSV ein dritter Arm gewachsen war. Heute hat sich eindeutig gezeigt, dass Gladbach mindestens einen richtigen Transfer in der Winterpause gemacht hat.

Logan Bailly hat unfassbar gut gehalten. Genau so ein Torwart hat Gladbach in der Hinrunde gefehlt. Genau so ein Torwart kann am Ende der Saison den Unterschied machen.

Über die Leistung der zehn anderen Spieler werfe ich das Mäntelchen des Schweigens. Ich hoffe nur, dass der zählbare Erfolg das Selbstbewusstsein stärkt und dass die zwei Spiele ohne Niederlage so etwas wie der Auftakt einer Serie sind.

Es war ruhig hier im Blog  und das lag nicht nur daran, dass ich eine Woche lang beruflich offline war. Ich bin immer noch schwer angekotzt von allem, was rund um den Borussia-Park passiert. Ich nehme es nur am Rande war, weil ich mich gar nicht tiefer damit beschäftigen will, und deshalb kann ich nur das beurteilen, was durch die Medien gejagt wird.

Der Brandbrief: Ich kann völlig verstehen, dass die Mannschaft ihren Unmut mit der Personalpolitik äußert. Ist ja keine Tiefenpsychologie. Wenn man dauernd den Eindruck hat, dass Hire & Fire waltet, dann kann man keine Top-Leistung bringen. Dass die Spieler das äußern, in welcher Form auch immer, sollte der sportlichen Leitung zu denken geben. Das direkte Gespräch wäre der konsequente Weg. Wenn es tatsächlich ein von dem Gros der Spieler  getragenes Schreiben sein sollte, dann hat diese Form sicher auch ihre Gründe.

Klar, Hans Meyer hat Recht. Die Spieler geht es im Prinzip einen Scheißdreck an, wie der Verein seine Personalpolitik plant und umsetzt. Aber: Wir befinden uns im Jahr 2008 2009 und da muss man seine Angestellten mitnehmen. Die Zeit, in der das Personal autoritäre Ansagen stillschweigend akzeptiert, sind seit ca. 15 bis 20 Jahren vorbei. Wie sich in diesem Punkt die interne von der externen Kommunikation unterscheidet, kann ich nicht beurteilen, ist aber entscheidend.

Dann wurde noch kurzfristig Rainer Bonhof als Vize-Präsident installiert. Rainer Bonhof? Genau. Der Alt-Internationale, der die Borussia als Trainer zum ersten Abstieg führte, der als Co-Trainer von Berti Vogts Fußball aus der Vergangenheit propagierte, der als Coach der schottischen U-21 keinen einzigen Sieg erreichen konnte. Er soll den sportlichen Sachverstand in die Vorstandsetage bringen. Abgesehen davon, dass er vielleicht einige gute Kontakte haben könnte, ist das nicht der Mann, dem ich eine Vision zutraue, wie man Gladbach mittelfristig nach vorne bringen könnte.

Zurück zum heutigen Spiel: Eine Diskussion dürfte beendet sein: Ob ein Christopher Heimeroth ein ordentlicher Rückhalt für Gladbach war. Heute hat man den Unterschied gesehen, den ein Torwart machen kann.

Druckversion Druckversion

Meine Rückrunden-Prognose

Januar 30th, 2009

Ich gebe zu, ich bin berüchtigt für meine unzutreffenden Saisonprognosen und lande bei den Kollegen vom Ball-Blog regelmäßig auf den unteren Plätzen. Das kann aber auch daran liegen, dass bei meinen Tipps sehr viel Wunschdenken mitschwingt und ich ungern die sichere Nummer wähle, sondern Überraschungen platziere. Die wirklichen Überraschungen sind dann natürlich ganz andere Mannschaften, was mich doppelt Punkte kostet.

1899 Hoffenheim

In meinem Umfeld lautet die klare Meinung: Absturz. Eine durchschnittliche Rückrunde und nicht mehr als Platz 6 am Ende. Da halte ich mal dagegen. Den Ausfall von Ibisevic wird das Team kompensieren, Sanogo zwar keine 17, aber trotzdem ordentlich Hütten machen. 1899 wird außerdem davon profitieren, dass sich auf den folgenden Plätzen weiterhin keine Mannschaft als klare dritte Kraft etablieren kann.

Platz 2

Bayern München

Was soll man anderes prognostizieren als die Meisterschaft?

Platz 1

Hertha BSC Berlin

In der letzten Woche noch mal solide verstärkt durch Babic und Cufre, geht Berlin als kompakte Mannschaft ohne Stars in die Rückrunde. Die Neueinkäufe haben eingeschlagen. Aber in der Hinrunde haben die Berliner einige knappe Spiele für sich entscheiden können, die genauso gut auch andersrum hätten ausgehen können. Deshalb darf man nicht erwarten, dass Hertha die Punktausbeute bestätigen kann. Dennoch wird die Saison ein großer Schritt nach vorne, selbst wenn am Ende nichts herausspringen sollte.

Platz 7

HSV

Wer hätte nicht De Jong für 20 Millionen verkauft? Ein Geniestreich. Für die Mannschaftsqualität dennoch eine herber Verlust. Ob Rincon ein Ersatz sein kann, ist fraglich. Hamburg wird nicht ganz an die Hinrunde anknüpfen können, aber Jol wird die Weichen für die nächste Saison stellen, international abschließen und dann richtig für die neuen  Saison aufrüsten können.

Platz 4

Leverkusen

Diese Mannschaft hat mir neben Hoffenheim in der Hinrunde am besten gefallen und hat Steigerungspotential. Bekommt Labbadia wird in die junge Truppe mehr Konstanz reinbrigen und eine sehr erfolgreiche Rückrunde spielen.

Platz 3

Borussia Dortmund

Ob Boateng eine Verstärkung ist? Ich glaube nicht. Dortmund hat eine solide Mannschaft, aber keine überzeugende. Damit es für höhere Ansprüche reicht, muss sich die neu formierte Abwehr ein weiteres halbes Jahr einspielen und das Mittelfeld mit dem lange verletzten Kehl Konstanz finden.

Platz 9

Schalke 04

Personell einer der besten Kader der Liga. Aber wird Rutten den Schlüssel finden und kann 04 eine Aufholjagd starten? Ich sage: Nein. Es stimmt nicht in der Mannschaft und im Verein. Rutten wird den Hut nehmen müssen und Schalke die schlechteste Saison seit Jahren spielen.

Platz 8

Werder Bremen

In der Hinrunde hat einiges nicht gepasst. Diego war in Peking, Pizarro stieß erst spät zum Team, Mertesacker hatte ein Tief. In der Rückrunde werden die Leistungsträger die volle Vorbereitung mitgemacht haben und die Mannschaft besser harmonieren.

Platz 6

VfL Wolfsburg

Beim VfL hat Magath die Mannschaft umgekrempelt und es dauert noch eine Zeit, bis alles so läuft, wie der Trainer es sich vorstellt. Die ersten Schritte dahin werden in der Rückrunde zu erkennen sein. Die Abwehr wird bessern harmonieren als zuvor. Wenn die Offensive die Leistung der Vorrunde bestätigen kann, geht es leicht nach vorne.

Platz 5

VfB Stuttgart

Der Babbel-Effekt wird nicht länger anhalten, es ist in der Rückrunde eine Lame Duck. Das alleine kostet einige Prozent Leistungsvermögen. Stuttgart wird diese schwierige Saison nur mittelmäßig beenden.

Platz 10

FC Köln

Köln war von den schlechten Mannschaften in der Hinrunde die beste. In der Rückrunde wird sie die Euphorie tragen, denn mit dem Podolski-Transfer hat die Vereinsführung ein Zeichen gesetzt und der Palaver lenkt die Aufmerksamkeit von der Mannschaft. Das reicht locker für den Klassenerhalt, auch wenn es nicht ganz so gut läuft wie bisher

Platz 13

Eintracht Frankfurt

Bruchhagen hat mal wieder ein Zeichen gesetzt und mit Funkel verlängert. Die unter dem Trainer übliche Erfolgsserie war bisger noch nicht am Start, wird aber auch aufgrund der klaren Ansage an die Spieler folgen.

Platz 11

Hannover 96

Personell ist 96 am besten ausgestattet von allen Mannschaften im unteren Bereich. Auch wenn da nichts Brillantes folgen wird, die Klasse setzt sich durch.

Platz 12

Arminia Bielefeld

Bielefeld hat eine Lebensversicherung namens Wichniarek. Bleibt der Stürmer fit, könnte es reichen. Aber nur knapp.

Platz 15

KSC

Seit der überragenden Rückrunde vor anderthalb Jahren geht es steig bergab, Ich sehe nicht, was dies ändern sollte.

Platz 18

Cottbus

Wie immer hat Cottbus eigentlich keine Chance. Ich hoffe, sie nutzen sie diesmal ausnahmsweise nicht.

Platz 17

VfL Bochum

Ich glaube immer noch, dass Bochum sich gut verstärkt hat und bisher unter dem Leistungsvermögen agiert. Deshalb geht es nach oben.

Platz 14

Borussia Mönchengladbach

Ohne Argumentation. Ich hoffe auf den Relegationsplatz

Platz 16

Druckversion Druckversion

    Ciao

    Twitter
    Counter
    Bolzplatz im Abo