Nie mehr Bumm-Bumm-BummBummBumm
Eine der ersten Eindrücke meines Fan-Daseins war dieser kleine Typ mit der Kappe, der vor der Nordkurve auf dem Zaun saß – immer an der selben Stelle. Er hatte sich dort einen Sitz festschweißen lassen. Sobald er auf seine Trommel schlug, stimmte das ganze Stadion mit ein. Es waren immer dieselben Rhythmen. Bumm-Bumm-BummBummBumm oder Bumm! (bummbummbumm) Bumm! (bummbummbumm).
Obwohl er erst mit 29 Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam und bis dahin von Borussia Mönchengladbach höchstwahrscheinlich nie etwas gehört hatte, und erst mit 38 anfing, den Trommelstock zu schwingen, wurde er zum Oberfan, in einer Zeit, als es in Deutschland Einheizer vor der Kurve noch unbekannt waren.
1977 hatte er seinen ersten Einsatz. Als ich ihn bewusst miterleben durfte, ca. Mitte der 80er, war er bereits ein lebendes Denkmal. Ein Spieler durfte sich ausgezeichnet fühlen, wenn er nach dem Spiel zu Manolo auf den Zaun klettern und auf die Trommel schlagen durfte. Und wehe, ein anderer Zuschauer kam ihm zunahe. Dann konnte man aus der Ferne beobachten, wie seine Halsschlagader anschwoll und er mit den vorhandenen Utensilien den ihm vorbehaltenen Ehrenplatz verteidigte. Zweifellos konnte man ihm Eitelkeit nicht absprechen.
Manolo war ein Relikt der alten, der unkommerzialisierten Bundesliga. Bezeichnend, dass er seiner Krankheit zur gleichen Zeit Tribut zollen musste, als die Borussia den Bökelberg verließ. Im Nordpark habe ich ihn nicht erlebt, ich wüsste auch nicht, dass er dort nochmal den Takt vorgeben durfte. Heute ist Ethem Özerenler gestorben und Allah hat wahrscheinlich für ihn eine riesengroße Pauke im Djanna reserviert.
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