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Neuer DFL-Spielplan: Der Fan bleibt draußen

Oktober 31st, 2008

Das Bild, dass die DFL vom, Bundesliga-Fan hat sieht so aus:

  • sozial vereinsamt

  • keine familiären Verpflichtungen

  • keine Hobbys außer Fußball im Fernsehen

  • kein Interesse an Live-Spielen im Stadion

  • und – obwohl alles bisher genannte eindeutig auf einen alkoholkranken Hartz-4-Empfänger schließen lässt – Zahlungsbereitschaft ohne Ende

So etwa lässt sich die neue TV-Rechte-Ausschreibung zusammenfassen. Jedenfalls, wenn man die Aussage ernst nimmt, dass das gefundene Modell ein “attraktives Angebot für Fans” darstellt.

Ich kann nur inständig hoffen, dass Seifert und Co bewusst ist, dass diese Aussage zynische PR-Scheiße ist. Dass Attraktivität einzig und alleine für Pay-TV-Sender geschaffen werden sollte.

Selbst das ist nicht der Fall. Ich habe bereits vor einem halben Jahr festgestellt, dass ein Spielplan, wie er jetzt vorgelegt wurde, viele Verlieren kennt, aber keinen echten Gewinner. Daran hat sich nichts geändert, denn die Ausschreibung wurde nur im Detail verändert.

Meine Aussagen von damals kurz zusammengefasst (und um einige Punkte erweitert):

  1. Die Zweitliga-Clubs werden massiv benachteiligt, weil die Spiele zu Unzeiten angepfiffen werden (Fr. 18 Uhr Sa. 13 Uhr, So. 13.30). Für Auswärtsfans ist bei längerer Anreise keine einzige der Anstoßzeiten einzuhalten, außer mit einem Tag Urlaub oder Anreise am Vortag incl. Hotelkosten.

  2. Die Drittliga-Clubs werden jeder exclusiven Anstoss-Zeit am Wochenende beraubt

  3. Die Amateur-Fußballer – übliche Anstoßzeit Sonntags 15 Uhr – bekommen ein Erstliga-Spiel als Konkurrenz vor die Nase gesetzt und werden noch mehr Zuschauerschwund haben als es schon der Fall ist (dass die Kultur, seinen Stadtteils- bzw. Ortsverein zu verfolgen, massiv nachgelassen hat, werde ich bei Gelegenheit in einem eigenen Post thematisieren).

  4. Familienväter werden kaum rechtfertigen können, Sonntagsmittags die Glotze anzuwerfen.

  5. Den Auswärtsfans in allen Ligen wird die An- und Abreise an einem Tag erheblich erschwert.

  6. Die Stadiongänger können je nach Anstoßzeit die Zusammenfassungen der anderen Spiele nicht mehr anschauen.

  7. Der reine Fernseh-Fan muss abartig viel Zeit aufwenden, will er alle Geschehnisse live verfolgen

Zusammenfassend: Die DFL hat den Pay-TV-Sendern Exklusivität ausschließlich auf Kosten der Fans zur Verfügung gestellt. Und nicht nur der Fans, die gar kein Interesse an Pay-TV haben. Auch die zahlende Kundschaft wird deutlich benachteiligt.

  • Konnte ich vorher mit einem Zeiteinsatz von 6 Stunden pro Wochenende (und das war selbst mir schon zuviel) alle Bundesliga-Spiele verfolgen und damit das Angebot, für das ich viel Geld zahle, voll wahrnehmen, muss ich nach dem neuen Modell 10 Stunde aufwenden.

  • Bin ich ein Vereins-Fan, konnte ich vorher einigermaßen sicher sein, das Spiel meines Bundesliga-Vereins auf jeden Fall anschauen zu können. Jetzt verpasse ich mindestens zwei Spiele pro Saison, weil ich Sonntags um 15.30 selbst spiele (oder weil ich je nach persönlichem Zeitplan zu einer anderen Anstoßzeit Besseres vorhabe).

Für den Fan ist das neue Angebot also weniger attraktiv als das bisherige, mithin weniger wert und die  Zahlungsbereitschaft sinkt.

Das 18.30-Spiel am Samstag als Kaufanreiz zu verstehen, halte ich für naiv.  Bin ich bereit, für Exklusivität Geld auszugeben, habe ich es auch schon vorher gemacht. Wenn nicht, warte ich eben bis zum Sonntag, um die Zusammenfassung zu sehen. Ob es nun zwei oder drei Spiele sind, die ich erst mit Verspätung serviert bekomme, wird mir die Geldbörse nicht lockerer sitzen lassen.

Fakt ist: Echte Exklusivität darf die DFL dem Pay-TV aufgrund kartellrechtlicher Probleme nicht bieten. Stattdessen basteln sich Seifert und Genossen ein Pseudo-Exklusivität zusammen, die in Wahrheit genau das Gegenteil von dem Beabsichtigten erreicht. Damit gibt die Bundesliga einen ihrer wenigen Trümpfe aus der Hand. Die im Gegensatz zu anderen Ligen noch vorhandene Fan-Orientierung, die die Werbewirtschaft mit großzügigen Sponsor-Verträgen honoriert.

Ich hoffe, dass die ARD erkennt, dass die Gebühren nicht dazu da sind, Fußball-Millionäre zu füttern. Sondern dass die Free-TV-Rechte zu einem echten Marktpreis (der deutlich niedriger ist als der aktuelle Kurs) an Private durchgereicht werden.  Das wäre ein erheblicher Dämpfer, der die Gedanken der Verantwortlichen in eine vernünftige Richtung lenken könnte. Und dass die Werbepartner knallhart kalkulieren, dass Exklusivität für das Pay-TV weniger Exklusivität für die eigene Präsenz darstellt.

Meine Theorie lautet schon seit längerem, dass Christian Seifert als Vollwurst in die Annalen des deutschen Profi-Fußballs eingehen wird. Weil er ein Manager ist, der vielleicht bei Karstadt die richtige Besetzung war (Karstadt 2000 – 2005, Erfolgsgeschichte anyone?),  aber keinerlei Fingerspitzengefühl für sein aktuelles Geschäft hat.  Der nicht versteht, dass mangelnde Pay-TV-Einnahmen keine Frage des Spielplans, sondern der sehr speziellen deutschen Strukturen sind.

Schlimmer als diese Personalie finde ich allerdings die Zustimmung zu einem solchen Konzept durch die Profi-Vereine in persona DFL, die sich damit ganz weit von der Basis entfernen und unter anderem leere Stadien in der bis dahin als weltbeste gefeierten zweiten Liga in Kauf nehmen.

Nur noch eins zum Schluss: Das ewige Argument, der Fan könne ja nicht wollen, dass die Bundesliga international in der zweiten Reihe spielt, ist für die Füße. Mehr als 50 Prozent selbst der Erstligavereine haben keine dauerhafte europäische Perspektive. Bei denen geht es nur ums nationale Geschäft und darum, dieses so interessant wie möglich zu halten. Extrem hohe Einnahmen für Bayern München aus der CL stehen dem diametral entgegen.

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8 Responses to “Neuer DFL-Spielplan: Der Fan bleibt draußen”

  1. Don Z on November 2, 2008 16:56

    Ich find’ diese Pläne schon sehr spannend und beobachte schon jetzt, dass ich kaum noch Fussball schaue oder so genau weiss wann welches Spiel ist. Di und Fr selber Training und Sonntags Spiel. Den Samstag widme ich da schon lieber meiner Freundin, wie auch die restliche Zeit. Irgendwie gibt es da ja auch noch Arbeit. Da geht vllt. nur noch das aktuelle Sportstudio oder So bei rechtzeitigem eintreffen im Vereinlokal Premiere (Arena oder wie es auch heissen mag). Wenn das alles noch weiter “entzerrt” wird, werde ich wohl irgendwann im Mai mal fragen was den so passiert ist in der verg. Saison. Persöhnlich hab ich für mich bereits die Entscheidung getroffen weder unmengen Zeit oder Geld in Profifussball zu investieren, sondern mich eher meinem eigenen Vereinsleben zu widmen und bevor ich das mache kommen da erst noch ‘ne Menge anderer Dinge.

  2. r0ssi on November 2, 2008 19:04

    man kommt sich hier als – nicht gerade wenig – zahlender pay-tv abonnent doch erst richtig verarscht vor. wann soll man sich das denn alles noch anschauen? schon jetzt schaue ich sonntags wenn gladbach nicht spielt doch nur wegen der konferenz. ich werde doch den teufel tun, mir hintereinander cottbus-bielefeld und
    wolfsburg-bochum zugeben, dadurch den sonntag zu ruinieren und meine ehe aufs spiel zu setzen, nur damit sich irgendwelche realitätsverweigerer bei der dfl ins fäustchen lachen. kann man premiere wegen so einer scheiße nicht außerordentlich kündigen?

  3. Pokerheuschrecke on November 3, 2008 10:22

    Na da kann man sich nur noch glücklich schätzen einen Festplattenrekorder zu besitzen. Ich zeichne die Spiele auf und gucke die Spiele meines Vereins zeitnah, ohne vorher davon erfahren zu haben oder schaue mir die Konferenz zeitversetzt an. Freitags und Sonntags schaue ich ohnehin nur noch sporadisch. Es sind einfach zu viele Termine. Auswärts fahre ich inzwischen nicht mehr und Heimspiele nehme ich nur noch am Samstag wahr.

  4. Tristan on November 3, 2008 10:27

    eine Lösung: komplette Selbstvermarktung und Borussias Spiele live auf FohlenTV. Da wären wir am Ende reicher als die Hoffenheimer…

  5. Michael on November 4, 2008 10:43

    Zuviel Fusball im Fernsehen an verschiedenen Tagen kann auch zu einer Übersättigung führen. In den englischen Wochen könnte man dann jeden Tag ein Spiel verfolgen.
    Schon jetzt bekomme ich kaum noch Spielberichte mit von den Sonntagsspielen, da 22:00 h einfach zu spät ist.

    Man muss es dann halt so hinnehem, wie es kommt.

  6. Dülp on November 9, 2008 19:25

    Nö, man muss es nicht so hinnehmen wie es kommt. Ich überlege mir gerade ernsthaft, ob sich das Pay-TV-Abo noch lohnt. Und ich bin ein Hardcore-Gucker.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich die angebliche Exklusivität zu einem Bumerang entwickeln wird, weil das Angebot einfach weniger attraktiv ist.

    Aber das entscheidet der Markt. Wenn der die neue Struktur gegen meine Erwartung gut findet, muss ich mich fügen.

  7. kurtspaeter on November 11, 2008 19:50

    Ich weiß nicht, ob man sich fügen muss.
    Im Moment habe ich dazu jedenfalls wenig Lust. Ich schreibe mich jetzt mal in Rage.

    Ich habe keine Zeit und keine Lust, daß ganze Wochenende vor der Glotze zu hängen, ich habe auch keine Lust mehr, vor der Saison, kurz vorm Mitgliederkartenverkauf von Schalke so über den Daumen gepeilt auszurechnen, in welcher Woche wegen Europapokal ein Freitags- und/oder Sonntagsheimspiel unwahrscheinlich ist, weil ich eben nicht mehr bereit bin, Sonntags abends erst gegen 1 Uhr nachts wieder zuhause zu sein.

    Letztlich und endlich sollten Fußballfans/sympathisanten bereit sein, wenn die Klubs, die DFL und der DFB nicht aufhören den Fußball tot zu kommerzialisieren, wenn die Klubs die Preisschraube im Stadion weiter anziehen, wenn der Spielplan ein vernünftiges Anreisen fast unmöglich macht, die Stadionbesuche runterzuschrauben.
    Desweiteren, wenn die DFL/der DFB und die TV-Anstalten Spieltage unübersichtlich machen und dafür effektiv viel zu viel Geld verlangen, die Pay-TV-Abonnements links liegen zu lassen und sich wieder dem Amateurfußball beim Klub um die Ecke, im eigenen Viertel zu widmen.

    Noch dazu, dieser Schwachsinn, das die bislang und weiterhin angeblich ungenügenden Gelder vom Fernsehen unseren Fußball hinter den drei großen europäischen Ländern herhinken lassen, auch den kann ich nicht mehr hören. Gegen wen scheidet der durchschnittliche Bundesligaverein aus? Scheitert Bremen gerade an Famagusta und Athen? Im letzten Jahr kamen die Endstationen im UEFA-Cup aus Portugal, Schottland und Russland. Und das waren noch exklusive Klubs verglichen mit den Jahren davor.

    Hausaufgaben machen im Scouting, im Training, im spieltaktischen und technischen Bereich, daß wäre wesentlich wichtiger als immer von den fehlenden Möglichkeiten zu faseln.

  8. Dülp on November 11, 2008 21:34

    Ich werde Kompromisse machen. Ich werde mir die Gladbach-Spiele weiterhin, soweit ich Zeit habe, live anschauen. Ob ich dafür aber Geld ausgebe, steht auf einem anderen Blatt. Irgendwann zahl ich die 30 Euro im Monat lieber wieder in der Sport-Kneipe statt an Premiere.

    Die angeblich hinterherhinkenden Fernseheinnahmen sind sowieso nur eine Milchmädchenrechnung, denn mit Sponsoren-Geldern und Zuschauererlösen liegt Deutschland hinter England auf Platz zwei und hat mehr Geld zur Verfügung als Italien und Spanien. Was es hier jedoch nicht gibt, sind Berlusconis und Agnellis. Aber die will ja sogar die DFL nicht (jedenfalls die meisten Clubs).

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