Neue Fohlen: Das Marin-Zwischenfazit

November 17th, 2007

Während auf der großen Bühne Schottland ganz bitter verliert und Deutschland seine Pflichtaufgabe meistert, geht – natürlich und berechtigt – ein Freundschaftsspiel der U21 gegen Island aufmerksamkeitstechnisch unter. Aus Gladbacher Sicht konnte man allerdings schon ein Auge darauf werfen. Es war zwar nur der “zweite Anzug”, aber dennoch muss man tief in den Archiven graben, bis man eine Junioren-Nationalelf findet, in der drei Borussen in Schlüsselpositionen gespielt haben. Fleßers in der Innenverteidigung, Marin und Polanski im zentralen Mittelfeld. Und nicht überraschend – oder vielleicht doch? – war Marin der überragende Mann auf dem Platz. Nicht überraschend, weil ein Gegner wie Island seiner Spielweise natürlich entgegen kommt. Da hat er Platz, da sind unbeschlagene Gegner auf dem Platz. Überraschend, weil er immer noch in der U18 spielen dürfte.

Wer meine Live-Bloggings liest, wird nicht verpasst haben, dass ich große Stücke auf ihn halte und ihn in der gesamten Saison als Leistungsträger gesehen habe. Der Kicker zum Beispiel sieht ihn deutlich kritischer. Das liegt wohl daran, dass er zwar sein überragende Technik ausspielt, aber nicht zielstrebig genug ist. Er sucht selten selbst den Abschluss, und wenn er das gemacht hat, von Außen hereinziehend, hätte er oft besser abspielen sollen. Was ihm also noch fehlt ist die Balance zwischen dem entscheidenden Pass und dem erfolgversprechenden Schuss. Zwischen Mittellinie und Strafraum ist er (mit recht hoher Sicherheit) der meistgefoulte Spieler der zweiten Liga. 1860 war am letzten Wochenende die erste Mannschaft, die ihn fair verteidigen konnte.

In der Rückrunde und in der nächsten Saison werden wir mehr von ihm sehen. Denn was oft Lippenbekenntnis ist, zieht Luhukay gerade wirklich durch. Er will den Jungen langsam ranführen. Normalerweise ist das die Rechtfertigung dafür, dass man ein vielversprechendes Talent auf der Bank versauern lässt. Marin spielt tatsächlich und spielt oft. Er hat einen Stammplatz. Alle drei bis vier Spiele aber wird ihm eine Auszeit gegönnt. Er spürt Vertrauen, aber auch Konkurrenzkampf.

Oft genug war Gladbach ein Talentegrab. In diesem Fall wird es es nicht sein. Zu schade nur, dass man schon sicher weiß, dass wir nicht lange Spaß an dem Jungen haben werden.

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