Nachgeblogged: Wehen – Gladbach

November 30th, 2007

Es gibt so Arbeitstage, die sind einfach scheiße. Da geht acht Stunden lang nix, aber um 16 Uhr am Freitag nachmittag steht ein Meeting auf dem Terminplan. Deswegen bin ich erst um kurz nach sechs nach Hause gekommen und hatte keine Bock mehr auf Live-Blogging.

Ein schlechtes Omen? Scheinbar ja. Denn der SV Wehen hatte heute ganz viel Sahne und Gladbach ließ Chancen für drei Spiele aus.

Nun soll dieses kurze Fazit nicht die Wehener Leistung unter den Scheffel stellen. Denn die war wirklich gut. Kompakt in der Abwehr, aufopferungsvoll kämpfend. Doch die klare spielerische Unterlegenheit konnte kein Beobachter wegdiskutieren.

Mit dem Nimbus des Brita-Arena-Fluchs war der SV in das Spiel gestartet. In der ersten Hälfte konnte man jedoch nichts von mangelndem Selbstbewusstsein sehen. Im Gegenteil Wehen spielte erfrischend auf und konnte Gladbach in allen Belangen das Wasser reichen. Extrem gefährlich waren die Standardsituationen, vor allem wenn Catic sie von Außen hereinschnibbelte. Dass dies die Stärke der Heimmannschaft ist, war kein Geheimnis. Dennoch fanden selbst die sonst bei Standards gut aufgestellten Gladbacher kein Mittel dagegen. Übrigens nicht nur in der Defensive, sondern im gesamten Spiel blieb auch die Offensive bei Ecken und Freistoßflanken harmlos.

Das 1:0 konnte man trotz dieser Vorzeichen als Kuriosum abstempeln, denn es war nicht eine scharfe Hereingabe, die die Führung brachte, sondern ein harmloser Freistoß aus dem Niemandsland des zentralen Mittelfelds. Der schließlich erfolgreiche Hackentrick war ohne jeden Zweifel sensationell.

Mit der Führung stellte Wehen die Offensivbemühungen weitgehend ein. Bereits in den 15 verbleibenden Minuten vor der Pause hatte Gladbach glänzende Gelegenheiten: Unter anderem einen Pfostenschuss von Neuville. Das probate Mittel des SV um möglichst wenig abrennen zu lassen: Die Flügel Ndjeng und Marin wurden weitgehend kalt gestellt. Wenn was ging bei Gladbach, dann durch die Mitte.

Mit nicht mehr ganz so viel Druck startete Borussia in die zweite Halbzeit. Trotzdem blieb es ein Spiel auf ein Tor. Die rechte Seite war fast komplett ausgeschaltet, der eingewechselte Touma fand erneut noch keine Bindung zum Spiel. Wenn ein öffnender Pass kam, dann auf die rechte Seite, wo Levels bewies, dass er nicht zum Flankengott geboren wurde. Mindestens zehn seiner Hereingaben landeten hinter dem Tor (Apropos Levels. Mit dem scheint sich kein Kommentator ernsthaft zu beschäftigen. Letzte Woche noch konsequent als “Fleßers” bezeichnet, wurde ihm diese Woche unterstellt, seinen Stammplatz gegen Compper gewonnen zu haben. Kein Wort von Bögelund).

Zu diesem Zeitpunkt konnte sich Wehen nur noch bei Keeper Richter bedanken, der entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten herausragend den Kasten sauber hielt. Bei Röslers Lupfer in der 75. Minute konnte aber selbst er nur noch gebannt zuschauen, wie der Ball von der Latte abtropfte.

In der Schlussphase rechnete keiner mehr mit dem Ausgleich. Wehen hatte Beton angerührt und Gladbach lief mehr oder weniger kopflos an. Für die teilweise hervorragenden schnellen Kombinationen aus der 35. bis 60. Minute fehlten Kraft und Platz.

Umso erstaunlicher, dass in der 88. Minute nochmal ein Angriff wie ein Stachel gesetzt wurde. Voigt bekam den Ball in der Halbposition kurz vor dem 16er, ging auf den Strafraum zu, spielte einen Doppelpass mit Touma und dann clever auf Neuville. Neuville drehte sich in unnachahmlicher Manier, drosch den Ball so aufs lange Ecke, dass Richter nicht festhalten konnte und Colautti schob aus zwei Metern ein.

Aber genau das macht Gladbach stark. Rob Friend hatte – wie schon gegen Offenbach – einen ganz schweren Stand, kämpfte und rackerte viel, aber kam nie in Position. Sein Ersatz Colautti brachte nicht viel Belebung, stand aber im richtigen Moment am richtigen Ort.

Ein klar verdienter Punkt, aber nach dem Spielverlauf ein unwahrscheinlicher. An die Niederlage hatte schon jeder einen Haken gemacht. Umso erfreulicher und wichtiger, dass am Ende doch noch ein Punkt rumgekommen ist. Freiburg kann kommen.

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