Meine Fan-Seele auf dem Prüfstand

Januar 5th, 2009

Ein paar Wochen war es sehr ruhig hier. Mir fehlte schlichtweg die Lust, mich mit Fußball zu beschäftigen. So angepisst war ich bisher in meiner Fan-Karriere noch nie. Die Gladbacher Personalpolitik treibt mich zur Weißglut.

Was ich erlebe, ist Advocaat Reloaded. Ein Trainer erklärt den Kader für untauglich und darf mehr oder weniger blind einkaufen. Das ist mir viel zu einfach.

Natürlich musste Meyer in der Abwehr nachlegen.  Aber das hätte sachlich und punktuell ablaufen könne. Stattdessen wurde die Qualität in allen Mannschaftsteilen infrage gestellt. Und mir schmeckt es nicht, dass jeder, den man als Charakterkopf bezeichnen könnte, abgesägt wurde. Das konterkariert alles, was noch vor Kurzem als Philosophie ausgerufen wurde.

Mag sein, dass mit den neuen Spielern die Stammelf auf ein besseres Niveau gehoben wurde. Nur fehlt mir bisher der Glaube daran. Hinter fast jedem Transfer steht  ein großes Fragezeichen und aufgrund der bisherigen Erfahrung fehlt mir das Vertrauen in das Gladbacher Händchen.

In der Innenverteidigung soll ein Dante helfen. In der französischen Liga konnte er sich nicht durchsetzen, in der belgischen war er ein Leistungsträger. Ob das auf Anhieb reichen wird?  Bundesliga ist ein anderer Schnack. Ein Madlung auf dieser Position – der ebenfalls zur Diskussion stand – hätte mich deutlich mehr überzeugt.

Stalteri hat in der Premiere League Defizite in Tempo und Spiel bewiesen und ihm mangelt es an Spielpraxis. Ob er auf Anhieb eine klare Verbesserung gegenüber Voigt darstellt oder ob er ähnlich eingeht wie der mit Vorschusslorbeeren geholte Jaures? Ich tendiere zunächst zu zweiter Option.

Galasek soll ja in der tschechischen Liga der totale Abräumer gewesen sein. Aber da schießen auch Marek Heinz und Vaclav Sverkos knapp 20 Tore pro Saison. Ein Siegel für die aktuell vorhandene Qualität ist das für mich nicht. Mit einem halben Jahr Vertrag im Rücken wird das Herzblut nicht in Strömen fließen.

Bailly ist der einzige Neuzugang, dem ich vorbehaltlos zustimme. Der Junge ist entwicklungsfähig, kann angeblich gut mitspielen und beendet für’s erste die unselige Torwart-Diskussion. Apropos Diskussion. Diskussionswürdig ist das, was dahinter passiert ist. Nicht Heimeroth geht, sondern der gerade von Meyer zur Nr. 1 beförderte Gospodarek. Das versteht kein Mensch. Wenn man Heimeroth so absägt, muss man ihn abgeben. Selbst dann, wenn Gospodarek auch geht. Dann sitzt eben Löhe als Nr. 2 auf der Bank.

Hätte ich nicht eine Dauerkarte – der Nordpark würde mich sobald nicht wiedersehen. Sollte es tatsächlich für den Klassenerhalt reichen, wäre meine Euphorie dennoch sehr gebremst. Ich habe, was ich nicht für möglich gehalten hätte, eine emotionale Distanz zu dem Verein aufgebaut. Nein: Die emotionale Distanz hat sich von selbst aufgebaut. Ein seltsames Gefühl.

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14 Responses to “Meine Fan-Seele auf dem Prüfstand”

  1. Nick on Januar 6, 2009 00:36

    Aber das neue Jahr ging doch gut los: Köln geschlagen, “Hyundai-Cup” gewonnen… nee, ernsthaft, gut dass du wieder schreibst und wenn die Liga wieder anfängt, kommt das Herzblut sicher zurück.

  2. kurtspaeter on Januar 6, 2009 11:28

    Mal abgesehen von der Transferpolitik im Winter, es ist einfach schade, was bei der Borussia seit dem Sommer passiert.
    Luhukay und Ziege hatte ich eigentlich zugetraut, perspektivische Arbeit zu leisten und im letzten Jahr sah ebendiese nach Hand und Fuß aus.
    Aus mir nicht bekannten Gründen ist man zu Beginn der Saison von Stabilität und Zuversicht abgewichen (Heimeroth hatte ich schon mehrfach, Rösler als Garant für den Aufstieg demontiert, Neuville macht 1 Spiel von Beginn an) und ins Chaos verfallen, was in der Umstrukturierung quasi aller handelnden Positionen (Luhukay, Meyer, Eberl, Ziege minus König Königs) gipfelte. Im Grunde wiederholt man damit eins zu eins die Fehler der letzten Jahre.

  3. klinkinho on Januar 6, 2009 12:59

    prinzipiell binsch bei dir. auch wenn die emotionale distanz bei mir nich da is, und die auch bei dir mit dem rückrundenstacht wieder abnehmen wird. eine anmerkung allerdings doch noch. stalteri fehlt die spielpraxis, das is richtich. aber angeblich soller ja fulham mit vorm abstieg gerettet haben in der rückrunde 08. datt is ja nu nich solange her. und im gegensatz zu voigt hat er mal auf nem hohen niveau gespielt. voigt nie, unabhängig davon soller ja nu auch rechts spielen und is damit die alternative zu levels, das sollte er ohne probleme bringen können. links spielen dorda, van den bergh, daems, jaures. eins aus 4, wobei ich momentan auf dorda tippe.

  4. Trainer Baade on Januar 7, 2009 13:00

    Ich mag ja eigentlich keine “wollte ich auch sagen”-Beiträge, aber “Advocaat reloaded” ist genau das, was mir auch dazu in den Sinn kam. Und genauso wenig verstehe ich die Aktion mit Gospodarek. Scheint, als würde nicht nur die Borussia ihr Image verspielen, sondern nun auch der alte Kauz.

  5. primusPC on Januar 9, 2009 09:32

    Kann mich nur anschließen das Image ist def. weg! Schade um einen solchen Traditionsverein, aber auch mit einem Dante der meiner Meinung nach jetzt schon ein Fehleinkauf ist, wird das nichts mit dem verbleib in der Bundesliga.

  6. taktiktafel on Januar 9, 2009 19:30

    Hmmm, was oder besser wen hattest Du denn erwartet? Im Winter ist der Spielermarkt bescheiden und ein Abstiegskampf bis zum letzten Spiel ja wenig verlockend für einen “besseren” Spieler …
    Der Galasek-Transfer ist IMHO der Vernünftigste. Eine befristete Aktion bis zum Sommer einen eingespielten, bundesligaerfahrenen Spieler auf einer vakanten Position zu verpflichten, kostet allein das Gehalt (und die Ablöse?). Dante kenn ich nicht, Prinzip Wundertüte. Stalteri hat seit Sommer nicht gespielt und ja, auch Berti Vogts hat mal auf einem hohem Niveau gespielt, kommt der jetzt auch zurück? Bailly sieht auf dem berüchtigtem Papier aus wie eine Lösung auf eine Frage, die niemand gestellt hat, es sei denn er macht jetzt auch noch die nötigen Tore vorne.

  7. Dülp on Januar 9, 2009 21:54

    @taktiktafel: Bei Galasek stört mich in erster Linie das Alter und die damit verbundenen natürlichen Leistungseinschränkungen. Und, dass er auf genau der Position spielt, auf der sowieso schon ein Überangebot herrscht. Da spielen Bradley, Alberman, Paauwe, Jantschke – die beiden erstgenannten in dieser Saison für insgesamt über 5 Millionen geholt. Wenn ein Galasek-Transfer notwendig ist, dann ist das eine lautstarke Armutserklärung an die Transfers zu Saisonbeginn und ein Misstrauensantrag Richtung Jantschke, der ja wirklich gut aufgespielt hat in seinen wenigen Einsätzen. Ganz zu schweigen von Rösler, der in der letzten Saison ganz hervorragend in der Defensive den zweiten 6er markiert hat.

    In der Abwehr mag ich Stalteri Unrecht tun. Hätte er z.B. bei Leverkusen oder bei Bremen auf der Bank gesessen und nicht bei Tottenham außerhalb meines Radars, dann wäre mein Urteil sicher gnädiger ausgefallen.

    Wie ich schon geschrieben habe, mangelt es Gladbach m.E. in der Abwehr sehr an Tempo und taktischer Ausbildung. Zumindest im ersten Punkt hilft uns Stalteri nicht weiter. In Sachen Taktik kann ich ihn noch nicht beurteilen.

    Was ich mir besseres versprochen hätte? Einen Spieler, bei dem ich Perspektive gesehen hätte. Gladbach war vor der Saison an Beck und Riether dran. Die waren zu diesem Zeitpunkt zu teuer, heute wäre man froh, hätte man sie geholt.

    Mein Vorschlag an dieser Stelle war, aus zweitklassigen Ligen wie Schweiz, Tschechien oder Belgien hoffnungsvolle Spieler zu holen. In Sachen Dante hat Gladbach zumindest den Versuch gemacht.

    Was mich aber jetzt schon stört: Dante hat zuletzt Linksverteidiger gespielt und wird hier als neuer Innenverteidiger ausgerufen.

    Und da habe ich ein Deja-vu. Weil es in den letzten Jahren häufiger vorgekommen ist, dass ein Spieler von einer solchen Ankündigung selbst überrascht war. Bsp. Thygesen: “Stürmer? Ich? Ich spiel doch offensives Mittelfeld!”

    Aber abgesehen von den Einzelpersonalien ist es der Gesamteindruck, der mich extrem stört. Wie schon geschrieben, macht es sich Gladbach viel zu einfach. Meiner Ansicht nach war das Personal zu Beginn der Saison ausreichend, aber das Team und der Zusammenhalt wurden kontinuierlich zerstört und nach der Verpflichtung von Meyer ist es keinen Deut besser geworden, sondern in genau der gleichen Marschrichtung weitergegangen.

    Ich kann mich jedenfalls in keiner Weise mit dieser Art der Vereinsführung identifizieren.

  8. hilti on Januar 10, 2009 01:17

    Ich habe gerade in Hochstätters Transferbilanz was nettes gefunden:

    Auf die Liste mit den Fehleinkäufen gehört zweifellos Thomas Kleine. Der Innenverteidiger kam im Juli 2007, blieb den Beweis der Erstligatauglichkeit jedoch schuldig und wechselte bereits nach einem halben Jahr zu Borussia Mönchengladbach.

    Tja, nun sehe ich bei Transfermarkt, dass der Junge diese Saison nur vier Spiele für euch gemacht hat. Passt zu unserer damaligen Analyse, oder war er länger verletzt?

  9. Timo on Januar 12, 2009 14:03

    Ich hatte beim Lesen ein Deja-Vu: Vor ein paar Jahren schlug mein Fan-Herz für den 1.FC Kaiserslautern.

    Und die haben echt alles getan das auch bei mir der Satz galt: “Ich habe, was ich nicht für möglich gehalten hätte, eine emotionale Distanz zu dem Verein aufgebaut.”

    Mittlerweile gibt es weniges was mir egaler ist als der FCK.

    Ums kurz zu machen: Ich fühle mit dir.

  10. Yalcin [fehlpass.com] on Januar 12, 2009 17:40

    Das Problem heisst Rolf Königs.
    Seine Bilanz: 65 Spieler, sechs Trainer, vier Sportdirektoren.

    Wen habe ich vergessen?

  11. klinkinho on Januar 12, 2009 18:23

    65 spieler hat nahezu jeder verein in eine zeitspanne von mehr als 6 jahren ausgetauscht. das ist usus. trähner uns sportdirektoren nicht. und da liegt das problem.

  12. Yalcin [Fehlpass.com] on Januar 13, 2009 01:05

    Entschuldige, ein Fehler.

    Ich meinte eigentlich: 65 grösstenteils mittelmäßige Spieler.

  13. taktiktafel on Januar 14, 2009 11:49

    @dülp Dein Problem ist das Verhältnis mannschaftliche Geschlossenheit und sportlicher Erfolg. So wie Du argumentierst würde eine mannschaftlich geschlossene Kreisklassentruppe in der Bundesliga bestehen können. Natürlich ist das Unsinn, mannschaftliche Geschlossenheit macht andererseits jede Mannschaft “stärker”. Darüber hinaus ist der kausale Nexus vielleicht sogar umgekehrt. Nichts schafft so zuverlässig mannschaftliche Geschlossenheit wie der sportliche Erfolg. Da fallen mir nicht nur Gladbach in der letzten Zweitligasaison ein, sondern auch Karlsruhe in der Hinrunde der letzten Erstligasaison. Karlsruhe ist auch ein gutes Beispiel, das mannschaftliche Geschlossenheit nicht ein Grundmaß an Qualität von Einzelspielern ersetzen kann. Die stehen ohne diesselben internen Querelen und weitgehend gleicher Aufstellung genauso wie Gladbach auf den Abstiegsplätzen.
    Im Rückblick kann man Luhukay viel eher den Vorwurf machen, daß er nicht vor der Saison die mannschaftliche Geschlossenheit konsequent zerstört hat, indem er Rösler, Voigt et al. verabschiedete. Er hat an seinem Personal festgehalten und die haben es ihm nicht gedankt.
    -Übrigens, Rösler ist in München als Offensivspieler hinter den Spitzen vorgestellt worden und hat die ominöse 10 geerbt. Auf den Bildern sah er reichlich untrainiert aus (Rettungsring).-
    Zu Galasek: Bei dessen kurzem Vertrag würde ich mir als Nachwuchsspieler keine Sorgen machen. Viel eher wenn die sog. hoffnungsvollen Spieler kommen, die in der Winterschlussverkaufspanik mit gutdotierten, langlaufenden Verträgen ausgestattet werden, so daß die im Fall der Fälle ihre Karriereende sitzend in Gladbach erwarten werden. Streit anyone?
    Die Versäumnisse im Sommer kann Hans Meyer nicht rückwirkend gutmachen und Spieler wie Riether sind einfach zu gut um sich jetzt als Notbesetzung auf der Titanic zu verdingen. Ganz abgesehen davon, daß Gladbach ja einfach an Compper hätte festhalten können …
    Jetzt habe ich zum ersten Mal im Leben Hans Meyer verteidigt und es soll auch das letzte Mal sein. ;)

  14. Dülp on Januar 23, 2009 18:38

    @taktiktafel: Luhukay hat nicht an seinem Personal festgehalten. Gladbach hat Alternativen zu den vorhandenen Spielern geholt, aber keine Verstärkungen. Luhukay hat taktische Flexibilität gepredigt. Folge: Die erfolgreiche Formation des Vorjahres hat nie wieder in der Form zusammengespielt.

    Die Diskussion um den kausalen Nexus ist die um das Huhn und das Ei. Im Nachhinein kann ich allerdings nur feststellen: Alles falsch gemacht.

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