Magath, der Künstler des Abgangs

Mai 6th, 2009

Ich gebe zu, die Überschrift ist eine Replik auf den Titel beim Indirekten Freistoß „Die Kunst des Abgangs ist Magath nicht gegeben“. Dort zitiert Oliver u.a. die Stuttgarter Zeitung: Magath hinterließe bei seinen Abgängen verbrannte Erde.

Das mag sein. Aber keiner hat die Mechanismen des Trainergeschäfts so gut verstanden wie Magath und macht sie sich zunutze. Und kann man ihm zum Vorwurf machen, in diesem gnadenlosen Geschäft vor allem an sich zu denken?

Erfahrung mit Hire & Fire hat er zur Genüge. Ob HSV, Bremen oder Frankfurt – auf seinen ersten Trainerstationen bekam er die Spielregeln des Geschäfts zu spüren und musste nach nicht allzu langer Zeit seinen Posten räumen. Daraus zog er seine Schlüsse. Seine erste echte Erfolgsstation war der VfB Stuttgart. Er führte den Verein vom Abstiegskandidaten zum CL-Teilnehmer. Und als ein besseres Angebot kam, griff er zu. Das musste er. Wie oft bekommt man die Chance, Bayern-Trainer zu werden? Genau. Für Emotionen ist da kein Platz.

Magath hat in den ersten Jahren seiner Trainerkarriere am eigenen Leib erfahren hat, dass man stets an den eigenen, bereits erreichten Erfolgen gemessen wird und nicht an den realistischen Perspektiven einer Mannschaft. Je mehr man vorlegt, desto wahrscheinlicher ist es, in der nächsten Saison die Vorgaben der Vereinsführung und die Erwartungen der Fans zu verpassen.

Nicht zuletzt war es Magath, der später seinen Rauswurf beim FC Bayern lakonisch und anscheinend kaum enttäuscht kommentierte, man dürfe als Trainer nicht damit rechnen, länger als zwei oder drei Jahre bei einem Verein arbeiten zu können.

Der Wechsel auf dem Höhepunkt ist für einen Trainer immer die logischste Entscheidung. Das hat er verstanden.

Was sollte er noch mit dem VfL Wolfsburg erreichen? In dieser Saison trifft seine exzellente Arbeit, mit der er eine Mannschaft weit über ihre Möglichkeiten geführt hat, auf die turnusmäßige Schwäche der Bayern. Er hat seinen Marktwert auf das Optimum gesteigert. Würde er beim VfL bleiben, könnte er nur noch verlieren.

Aber, und das sei betont, Magath ist nicht feige. Mit dem FC Schalke hat er sich die aktuell schwierigste Aufgabe im deutschen Fußball ausgesucht. Extrem hohe Erwartungen treffen auf einen schlecht zusammengestellten Kader bei einem Verein, der sein Budget arg zusammenstreichen muss.

Einmalig und kaum zu fassen sind die Bedingungen, auf die sich Schalke eingelassen hat: Magath als Trainer, Manager und Vorstandsmitglied in Personalunion. Allein diese Machtfülle darf eigentlich keinen Zweifel an seiner strategischen Kompetenz aufkommen lassen und macht ihn zum Künstler des Abgangs.

Siehe auch: Königsblog

Druckversion Druckversion

2 Responses to “Magath, der Künstler des Abgangs”

  1. Nick on Mai 10, 2009 18:00

    Für so logisch, dass es fast schon zwangsläufig ist, halte ich Magaths Abgang aus Wolfsburg nun auch nicht. Was ist denn mit ‘Früchte der Arbeit ernten’, sprich CL-Teilnahme (wenn sie es nicht noch vergeigen) – das wäre doch der nächste Schritt, dann wäre auch genügend Geld für den Kader da.

    Nur Magaths persönliche Einkünfte scheinen nicht seinen Erwartungen entsprochen zu haben.

  2. Yalcin [Fehlpass.com] on Mai 15, 2009 00:10

    Ich halte es genau die Dülp für den besten Zeitpunkt seines Abganges. Magath kann im nächsten Jahr nicht besser werden. Aus Wolfsburg hat er das Maximum rausgequetscht. Jetzt sucht er sich die nächste Aufgabe. Aber nicht mehr lange, dann hat er alle Vereine in der Bundesliga durch und heuert wieder beim HSV an :-D

Trackback URI | Comments RSS

Name (erforderlich)

Email (erforderlich)

Webseite

Sachet, Otze! (Links in der Form: Linktext)


    Ciao

    Twitter
    Counter
    Bolzplatz im Abo