Live-Blogging: Hannover – Gladbach
Spielende: Bitterstes Lehrgeld hat Mönchengladbach heute gezahlt. Der nach dem Bremen-Spiel aufgekommene Optimismus wurde durch fünf Tore zerbombt.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Und ich weiß nicht, wie sich dieses Spiel so desolat entwickeln konnte.
Gladbach war in den ersten 30 Minuten gleichwertig und stand in der Abwehr sehr souverän. Danach kam Hannover durch einen individuellen Fehler nach dem anderen ins Spiel. Beim 1:0 schafften es drei Spieler nicht, Bruggink vom Ball zu trennen. Beim 2:0 boten die Innenverteidiger Schlaudraff eine Riesenlücke, in die der 96er reinlaufen konnte und Heimeroth sprach viel zu weit vor seinem Tor eine Einladung aus. Das 3:0 völlig katastrophal von Coulibaly und Brouwers. Beim 4:0 macht Schlaudraff 5 (!) Gladbacher nass.
Abgesehen von diesen individuellen Fehlern muss Luhukay merken, dass das 4-2-3-1 nicht das Gladbacher System ist. Drei Niederlagen sprechen eine deutliche Sprache. Auffällig ist, dass die Durchschlagskraft völlig fehlt, wenn nur ein Stürmer auf dem Platz ist und die beiden Außen Matmour und Marin auch für Defensivarbeit zuständig sind. Obwohl die 96er-Abwehr völlig verunsichert war, schaffte es Gladbach fast nie, für Torgefahr zu sorgen. Spätestens zur Halbzeit wäre eine Wechsel und eine taktische Umstellung unbedingt notwendig gewesen.
Ndjeng auf rechtem Verteidger mag eine vielversprechende Idee sein, aber sie geht (noch) nicht auf. Durch seinen Offensivdrang macht er seine Seite viel zu oft auf und bietet dem Gegner eine Angriffsfläche. Die Innenverteidigung hat sich einmal mehr nicht bundesligatauglich gezeigt. Sobald sich Forsell fallen ließ oder auf die Halbposition ausgewichen ist, wussten Browers und Callsen-Bracker nicht, wie sie sich stellen sollten.
Fazit: Die Niederlage geht auf das Konto von Naivität und mangelnder Torgefahr. Das kann abgestellt werden. Aber es wurde auch deutlich, dass Gladbach nur eine Chance hat, wenn die Mannschaft geschlossen und in Topform spielt. Die individuelle Klasse einzelner Spieler (insbesondere in der Abwehr) wurde vor der Saison vielleicht überschätzt und kann nur kompensiert werden, wenn das defensive Mittelfeld die Bälle abräumt.
18.43: Elfer für 96. Klare Fehlentscheidung. Daems grätscht den Ball souverän und völlig fair von Husztis Fuss.
5:1 Forssell.
18.40: Beinahe das 5:1. Forssell setzt sich im Strafraum rustikal durch, spielt Heimeroth aus und hämmert den Ball an den Pfosten des leerenTores.
18.24: Wieder ein Konter von Hannover, wieder brennt es lichterloh, wieder sind Schlaudraff, Huszti und Forssell beteiligt. Wieder sieht die Gladbacher Abwehr wie ein Hühnerhaufen aus. Forssell vergeigt völlig frei aus 10 Metern
TOR für Hannover. Schlaudraff mit einer sensationellen Einzelaktion, dribbelt mit dem Ball quer zum Tor fast die komplette 16er-Linie entlange, schlägt einen Haken und schießt halbhoch ins lange Eck. Erinnerte stark an das Baumjohann-Tor.
18.20: Gladbach drängt auf den Anschlusstreffer. Aber wie in der ersten Halbzeit, sind die Flanken und finalen Pässe viel zu harmlos. Hannover hat den Sieg geistig eingetütet und macht nur noch das Notwendigste.
18.12: 3:1 durch Friend. Geht da noch was? Hannover im Aufbauspiel an der Mittellinie. Baumjohann erobert den Ball, schickt Friend steil, der frei auf Enke zugeht und halbhoch über den fallenden Keeper einnetzt.
18.03: 3:0 für Hannover. Gladbach mit ganz üblen Fehlern. Die ganze Mannschaft ist aufgerückt, da verliert Coulibaly im Aufbauspiel völlig unnötig den Ball und versucht die Situation mit einer öffensichtlichen Schwalbe zu retten. Natürlich pfeift der Schiedsrichter nicht, genausowenig wie beim folgenden Steilpass, bei dem Brouwers unmotiviert und unberechtigt Abseits fordert, statt ins Laufduell mit Forssell zu gehen. Forssell dadurch frei durch, geht auf Heimeroth zu, passt quer auf den ebenso freien Huszti, der nur noch ins leere Tor einschieben muss. Jetzt ist Schadensbegrenzung angesagt.
Halbzeit: Ein nicht unbedingt verdiente Führung für 96. Mitte der ersten Halbzeit hatte Gladbach den Gegner im Griff, Hannover wurde nervös, die Fans pfiffen bereits. Doch dann leistete sich die Borussia unkonzentrierte 5 Minuten. Ein Elfer, eine Großchance und schließlich das Tor durch Huszti waren das Ergebnis.
Gladbach fehlte davor und danach die letzte Konsequenz im Abschluss. Der finale Pass kam nie an, Friend hängt bisher in der Luft. Dennoch steckte Gladbach nie auf und drängte auf den Ausgleich. Klar, dass die Defensive vernachlässigt wurde, aber so offen wie beim 2:0 darf man nicht stehen. Auf dem rechten Flügel verliert Borussia den Ball, der klärende steile Ball landet bei Huszti, der unbedrängt auf Forssell spielt, welcher direkt weiterleitet. Heimeroths Stellungsspiel ist ein Geschenk für den nach nur 3 Spielen bereits angezählten Schlaudraff. Nur eine Minute vor der Halbzeit war der folgende Lupfer eventuell schon die spielentscheidende Situation.
17.43: 2:0 für Hannover. Konter über die verwaiste rechte Gladbacher Abwehrseite. Huszti treibt den Ball nach vorne, passt diagonal nach vorne auf den am 16er postierten Schlaufdraff. Obwohl ihn beide Gladbacher Innenverteidiger bedrängen, kommt Heimeroth aus seinem Kasten und wird locker überlupft. Torwartfehler, aber auch ein Fehler der Gladbacher Defensive. Ndjeng war weit aufgerückt, aber wurde nicht abgesichert.
17.35: Beinahe der Ausgleich durch Matmour. Von Friend sehr schön und völlig frei im 16er angespielt, trifft er nur das Außennetz.
17.33: Tor für Hannover durch Huszti. Bruggink zieht in den Strafraum und ist eigentlich schon gestoppt. Doch der Holländer behauptet den Ball im Fallen gegen drei Borussen und spitzelt ihn zu Huszti, der aus 12 Metern flach ins Eck abzieht.
17.32: Nächste dicke Chance für Hannover. Forsell zieht nach einer Ecke aus spitzem Winkel ab. Der Ball prallt entweder an Heimeroth oder Daems ab.
17.26: Elfer für 96. Baumjohann sägt völlig übermotiviert Forssell auf der 16er-Linie um, statt nur zu blocken. Doof.
HEIMEROTH HÄLT! Huszti kickt unplatziert flach halbrechts. Kein Problem für den Keeper.
17.17: Erneut Unsicherheiten in der 96-Abwehr. Eggiman spielt den Ball völlig unbedrängt am 16er ins Seitenaus. Hannovers Fans werden, wie angkündigt, unruhig: erste Pfiffe gellen durch die Arena.
17.15: Erste Großchance des Spiels – für Gladbach. Coulibaly luxt Balitsch den Ball an der Eckfahne ab, flankt in die Mitte. Marin rutscht am kurzen Pfosten in den Ball, aber Enke steht so gut, dass der Ball nicht an ihm vorbei kann.
17.10: Wenig spektakulärer Auftakt. Das Spiel findet zu 90% 30 Meter vor und hinter der Mittellinie statt. Hannover mit mehr Ballbesitz, findet aber keine Lücke, um den Ball in gefährliche Distanz zu bringen. Meist kloppt 96 den Ball nach einigem Hin- und Hergeschiebe hoch Richtung Strafraum.
Gladbach mit wenigen Kontern, die aber durch individuelle Fehler auf Strafraumhöhe verpuffen.Paauwe muss verletzt raus, für ihn kommt Coulibaly. Ein herber Verlust.
16.55: Gladbach mit derselbem Personal wie in der Vorwoche, aber mit 3er- statt 4er-Kette. Dies wahrscheinlich der Hannoveraner Taktik mit zwei offensiven Außenspielern geschuldet.
Heimeroth – Daems, Callsen-Bracker, Brouwers, Ndjeng – Marin, Albermann, Paauwe, Baumjohann, Matmour – Friend
Enke – Schulz, Eggiman, Vinicius, Balitsch – Huszti, Yankov, Schulz, Bruddink, Schlaudraff – Forssell
16.45: Moinsen zusammen. Gladbach heute mit realistischen Chancen auf einen Auswärtssieg. Geht schließlich gegen den Tabellenletzten. Was den Optimismus leicht trübt: Hecking hatte zwei Wochen Zeit, die Stellschrauben zu justieren. Und früher oder später wird bei Hannover der Knoten platzen. Hoffentlich später.
96 ist mittlerweile so etwas wie ein Auffangbecken für Ex-Borussen. Hecking war als Spieler Anfang der 80er am Bökelberg, Forssell rettete die Borussia 2003 vor dem Abstieg, Schlaudraff wurde vor drei Jahren als untauglich aussortiert, Enke war in seinem Premierenjahr als Profi 1999 am ersten Gladbacher Abstieg beteiligt und Hochstätter führte Gladbach vor zwei Jahren als Manager in die zweite Liga.
Bei Gladbach hat die überragende Vorstellung gegen Bremen die Unkenrufe erstmal verstimmen lassen. Baumjohann gilt in Gladbach als neuer Hoffnungsträger – aufgrund eines einzigen 60-Meter-Solos natürlich ein wenig verfrüht. Viel wichtiger war, dass die Mannschaft als solche funktioniert hat und die in den ersten beiden Spielen zwischen Abwehr und Mittelfeld klaffenden Lücken schließen konnte.
Sollte der VfL an die Form anknüpfen können, wartet auf Hannover ein ganz undankbarer Gegner. Gegen einen Aufsteiger vor eigenem Publikum ist ein Sieg eigentlich Pflicht. Steht es lange 0:0 oder geht Gladbach gar in Führung, werden die Nerven blank liegen und die Fans unruhig. Gladbach wird den Erfolg über die schnellen und trickreichen Außen Marin und Matmour suchen – sehr undankbar für jeden Verteidiger. Nicht viel anders sieht es auf der anderen Seite aus, nur heißen hier die Flügel Schlaudraff und Huszti.
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One Response to “Live-Blogging: Hannover – Gladbach”


Ich will Dir ja die Laune nicht verderben, aber die ersten drei Absätze hätte ich mit anderem Personal vor drei bzw. fünf bzw. sieben Jahren über den FC schreiben können.