Kurzer Hype für nix – Marin nicht dabei
Ja, es war eine tolle Story. Ein 19-jähriger aus der zweiten Liga mischt die Nationalmannschaft auf. Welcher Journalist hätte sich nicht darauf gestürzt? Genau keiner.
Ich habe in den letzten Tagen keinen Artikel gelesen, in dem Marin seinen EM-Platz nicht bereits sicher gehabt hätte. Als hätten sie es herauf beschwören wollen. Wenn dann gerade einen Tag nichts passiert wäre, hätte man immer noch den Joker in der Tasche gehabt und hätte wieder einmal etwas über den kleinen Dribbler mit der bosnischen Herkunft schreiben können, der sich für die deutsche Nationalmannschaft entschieden hat. Und wenn alles perfekt gelaufen wäre, dann hätte dieser Marin im Viertelfinale in der 80. Minute, kurz nach seiner Einwechslung, drei Gegenspieler auf dem linken Flügel vernascht und die Vorlage zum entscheidenden Tor gemacht.
So aber müssen sich die Journalisten eine andere Geschichte suchen und ich frage mich: War das notwendig? Hat Jogi Löw mit der überraschenden Trainingslager-Nominierung irgendjemandem einen Gefallen getan?
Wenn man es positiv sehen will: Löw hat Marin die Chance geben wollen, in eine EM-Vorbereitung reinzuschnuppern und ihm ein klares Signal gesendet, dass er der Mann der Zukunft ist.
Wenn man es negativ sehen will: Löw hat Marin unberechtigte Hoffnungen gemacht und die Nachwuchshoffnung muss nun die Enttäuschung verarbeiten und könnte einen Knacks für die Zukunft bekommen.
Welche Alternative dem eigenen Gusto entspricht, muss jeder für sich entscheiden. Um ein objektives Urteil fällen zu können, müsste man die Gespräche kennen, die zwischen beiden abgelaufen sind. So wie sich Marin geäußert hat, schien er nicht völlig überrascht von seiner Aussortierung.
Die Begründungen, die Löw in der Öffentlichkeit hat verlauten lassen, dürften indes nur als fadenscheinig gelten. Dass es vom kämpferischenher Defizite gegeben habe (konnte ich gegen Weißrussland beileibe nicht erkennen. Eher im Gegenteil). Dass es von der zweiten Liga ein zu großer Sprung zur internationalen Klasse sei (hat man schon vorher gewusst).
Vielmehr wahrscheinlich ist, dass es bereits vor der Einladung um Trainingslager einen klaren Kader gab, an dem nur im Extremfall etwas geändert worden wäre. Für mich das deutlichste Anzeichen dafür: Die Spieler, die gegen Weißrussland mit den Nummer 24, 25 und 26 aufgelaufen sind, waren Helmes, Jones und Marin. Das ist durchaus in Ordnung, solange dies den Betroffenen mit dieser Deutlichkeit mitgeteilt wurde.
Als Gladbach-Anhänger ist mir sowieso das Hemd näher als die Jacke. Wir brauchen zu Beginn der nächsten Saison unbedingt einen ausgeruhten Marin. Wie die Form junger Spieler unter der Turnier-Belastung leider kann, haben wir zur Genüge an Podolski, Schweinsteiger oder Borowski gesehen. Ich kann Löws Entscheidung also nur begrüßen.
P.S.: Vielleicht, aber auch nur vielleicht, war es der Hype an sich, der Marin die EM-Teilnahem gekostet hat. Mir Sicherheit hat es Löw nicht geschmeckt, wie in den letzten Tagen berichtet wurde.
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One Response to “Kurzer Hype für nix – Marin nicht dabei”


Mein Eindruck war, dass Löw die drei Spieler gestrichen hat, die am wenigsten in der Mannschaft “etabliert” waren und – logisch – auf den Positionen, wo er streichen konnte. Das macht schon Sinn. Genau wie es Sinn gemacht hätte, die drei mitzunehmen. Eigentlich also ein Luxusproblem und ich glaube nicht, dass Marin jetzt einen psychischen Knacks hat.