Ich bin Gladbach-Fan – holt mich hier raus!

Dezember 18th, 2008

So ist es, in Hoffenheim-Land ein Borussia-Fan zu sein: Beim Training meiner Kreisliga-Mannschaft bin ich die Lachnummer und jedesmal, wenn ich eine Chance neben das Tor kicke,  schreit der Trainer von der Außenlinie “Gladbaaach! Gladbaaach!”

Aber es ist ja was dran. So viel hätte ich im Laufe der letzten Woche gar nicht essen können, wie ich kotzen wollte. Das Dortmund-Spiel hat mir erstmal die Lust auf Fußball verhagelt und deshalb – dachte ich – käme die Winterpause zur rechten Zeit.

Aber nein: Es ist keine Zeit der Erholung. Die Borussia lässt mich genauso weiter rotieren wie im Laufe der 90 Minuten am Freitag. Drei Dinge bringen mich zur Weißglut:

1. Neuzugänge

Als Neuzugänge scheinen angepeilt: Galasek, Stalteri, Klimowicz, Bastürk und sogar Edgar Davids. Durchschnittsalter: 33,5 Jahre. Alle über ihren Zenit hinaus, langsam und/oder verletzungsanfällig und mangels Einsätzen nicht im Wettkampf-Modus unterwegs (bis auf Galasek).

Möchte man es wohlwollend betrachten, würde man sagen: Meyer gibt der Mannschaft mit geballter Erfahrung und Cleverness Stabilität. Nur lehrt mich die Erfahrung, dass mit alternden Stars nichts zu holen ist. Selbst die Winter-Transfers der legendäre Saison 04/05 waren gegenüber den gehandelten Namen Jungspunde: Elber, Keller, Böhme, Moore und Thijs.

Möchte man weiter Positives interpretieren, dann, dass diese Spieler vielleicht mit einem Halbjahres-Vertrag zunächst zufrieden sind und man sich keinen Ballast für den Gang in die zweite Liga an das Bein bindet. Dafür hätte man dann ein paar neue Jugend-Trainer oder Scouts, denn ganz ohne Perspektive kommen gerade ältere Spieler nicht.

Eine Lösung für die großen Defizite in Sachen Speed und Qualität in der Abwehr ist hingegen nicht in Sicht.

2. Hans Meyers Coaching

Offensichtlich bei dem Kaufhaus-des-Westens-deja-vu ist eines: Auch Hans Meyer kann mit dem aktuellen Kader nicht erfolgreich arbeiten. Dabei muss man ihm den Vorwurf machen, dass er in den wenigen Spielen, die er in der Verantwortung stand, viele Fehler gemacht hat, die man gerade von einem erfahrenen Coach nicht erwartet hätte.

Er traf auf eine völlig verunsicherte und aufgrund der Rotation wenig eingespielte Mannschaft. Die erste Amtshandlung hätte sein müssen, ein festes System und eine klare Stammelf zu etablieren. In beiden Punkten tat Meyer genau das Gegenteil und knüpfte nahtlos an die Ära Luhukay an. Es wechselte Systeme durch und schaffte es sogar, auf der Torwartposition drei Spieler einzusetzen. Statt den Profis das Selbstbewusstsein zurückzugeben, stellte er öffentlich ihre Tauglichkeit infrage.

Von daher ist die aktuelle Einkaufstour nur konsequent. Aber so kann es nicht funktionieren. Als Trainer weiß man, welche Spieler man hat, bevor man einen Vertrag unterschreibt. Und dann sollte man zumindest ein paar Steine auf den anderen lassen. Alles andere ist zu einfach.

3. Das Kompetenz-Team

Die Marke „Kompetenz-Team“ hat der  PR-Abteilung sicher einige Lorbeeren eingebracht. Denn, wow!, Gladbach hat erstens Kompetenz und zweitens ein Team in der sportlichen Führung. Leider taugt das Label nicht mehr als der Aufdruck „Light“ auf der Zigarettenpackung.

Was bei Gladbach geht, gibt Hans Meyer vor.

Christian Ziege hat sich erst selbst in der Hierarchie ein paar Stufen nach unten befördert und wurde dann innerhalb kürzester Zeit abgesägt. Wer glaubt schon an die „persönlichen Gründe“? Er war gerüchteweise der Einzige, der gegen die Verpflichtung Meyers als Trainer gestimmt hat. Würde das stimmen, dann müsste man ihm eine gewisse Konsequenz bescheinigen. Allerdings hätte er sich dann gar nicht als Hütchenaufsteller hergeben dürfen, sondern sofort das Handtuch schmeißen müssen.

Mit Max Eberl ist jetzt ein Sportdirektor im Amt, den ich für nicht mehr als einen Grüßaugust halte. Jedenfalls ist er nicht mit der notwendigen Autorität ausgestattet, einem Meyer im Ernstfall Paroli bieten zu können; nicht mit dem Netzwerk ausgestattet, um echte Schnäppchen an Land zu ziehen; und nicht mit einer Vision am Start, die Gladbach zu einem modernen Verein werden lassen könnte.

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4 Responses to “Ich bin Gladbach-Fan – holt mich hier raus!”

  1. Torsten Wieland on Dezember 19, 2008 00:36

    Vor der Saison gab es ein großes Interview mit Ziege und Luhukay bei 11 Freunde. Da ging es darum wieso gerade Kontinuität so wichtig ist. Dass in Gladbach etwas Frisches, Neues mit Perspektive ausgebaut werden würde. Und wie gut alles harmoniere.

    Meine Fresse, wie schnell sowas immer geht, wie schnell immer etwas, dass gerade noch als Vorzeigemodell herhalten konnte, plötzlich als Ursprung des Übels abgesägt werden muss.

    Und ich weiß, mein Club ist keinen Deut besser …

  2. hilti on Dezember 19, 2008 03:01

    Tja, nicht nur die Rotation der Mannschaft verhindert Konstanz. Die Rotation bei den leitenden Angestellten ist wahrlich beeindruckend. Aus Lange Geschichte der Fehlgriffe:

    Die einzige Konstante der vergangenen Jahre ist Präsident Rolf Königs. Der Unternehmer gibt zu, dass er wenig von Fußball versteht, doch offenbar verfügt er zudem über ein großes Talent, sich mit den falschen Fachleuten zu umgeben. Seit seinem Amtsantritt im April 2004 hat er die Sportdirektoren Christian Hochstätter, Peter Pander und Christian Ziege verschlissen, Hans Meyer ist der achte Trainer seiner Ära,[...]

    Schon vier neue Sportdirektoren und acht neue Trainer eingewechselt. In viereinhalb Jahren. Tatsächlich mehr als bei meinen 96ern (aktuell 3. Manager und 4. Trainer seit 2004)...

  3. Dülp on Dezember 20, 2008 00:12

    @HerrWieland: Das ist genau der Arschtritt, der die ganze Angelegenheit noch viel schlimmer macht, als sie eh schon ist.

    Vor der Saison hatte ich ein wirklich gutes Gefühl. Ich glaubte an eine stabile Mannschaft a la KSC letzter Saison, die alleine aufgrund der Gruppendynamik im ersten Jahr wenig mit dem Abstieg zu tun haben würde. Ich glaube immer noch, dass diese Gruppendynamik auch vorhanden gewesen wäre, hätte man nicht durch endlose Experimente das Gebilde auseinandergepflückt.

    Für mich fängt das bei Rösler an. Natürlich kein Riesen-Spieler, aber für den Auftritt der Mannschaft eminent wichtig. Erstens weil er der wirkliche Leitwolf war und zweitens weil die große Stärke Gladbachs in der letzten Saison Flanken und Standards waren, bei denen er seine limitierten Qualitäten voll ausspielen konnte. Leider hat er nie eine Chance bekommen.

    Mein Mitleid mit euch hält sich allerdings angesichts unseres Status quo in Grenzen. Schalke ist schon ein paar Deuts besser. Auch wenn diese Saison nicht so gut läuft, finde ich es immer noch erstaunlich, wie sich Schalke in den letzten Jahren oben etabliert hat. Bei allem Jammern über den aktuellen Stand: Da ist ganz viel richtig gemacht worden. Ausgehend von dem Potential vor 15 Jahren.

  4. Patrick on Dezember 30, 2008 13:26

    Vor der Sasion hat jeder damit gerechnet, dass Gladbach nach dieser starken Sasion in der zweiten Liga auch eine entsprechende Leistung in der ersten Liga bietet. Klar war, dass man gegen den Abstieg spielen wird, nicht klar war aber, dass man nach der Hinrunde so schlecht steht und sogar Tabellenletzter ist. Ein Vorteil hat es: man kann sich zumindestens nur noch verbessern :) .

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