Gastbeitrag: Dieb ohne Ehre?

April 26th, 2008

Per Mail erreichte mich dieser Text, gezeichnet vom “Kommando Schwarzer Abt”. Klingt martialisch, was dahinter steckt, weiß ich nicht. Auf Nachfragen, worum es sich bei diesem Kommando handelt und welche Personen dahinter stecken, bekam ich leider keine befriedigende Antwort, sondern pathetische Ansagen a la:

Ich spreche für die unterdrückten und enteigneten Fans in der Kurve. Für mehr Freiheit und Freiraum, für mehr Selbstbewußtsein gegenüber Borussia und dem Fußball-Marketing Zirkus. Meine Stimme richtet sich gegen die Stigmatisierung von Fußballfans durch die Massenmedien, gegen Hochsicherheitstrakte, Verbote, Einschränkungen und Überwachung. Und das nicht personifiziert. Anliegen die unsere Fanvertreter (Fanprojekt/Fanbeauftragte) öffentlich thematisieren sollten, jedoch nicht tun. Ich bin gegen die zunehmende Ausgrenzung von Fußballfans und für mehr Leidenschaft in der Kurve, für unseren Aufstieg und für den Klassenerhalt des FCs.

Allzulange kann der Autor die Volljährigkeit noch nicht erreicht haben, denn der Name Klaus Gerster sagte ihm gar nichts. Meine Irritation angesichts der Titulierung “Schwarzer Abt” konnte er dementsprechend nicht nachvollziehen. Nichtsdestotrotz ist es ein eloquenter Text, der durchaus einen respektablen Standpunkt vertritt.

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Köln – Borussia 1:1, 7.4.2008

Dieb ohne Ehre?

Die Fahnen sind weg! Geklaut! Mit einem ganz einfachen Trick; drei 15jährige können sich nach dem St. Pauli Spiel frei aus dem Raum hinter Block 18 bedienen. Ein Typ vom Catering schließt gutgläubig auf. Großartig. Super Coup!

Hätten wir das nicht alle gerne hinbekommen? Dem FC kurz vor dem Derby ein paar Fahnen klauen, zusammen nähen und beim Spiel in der Kurve präsentieren und dann zerreißen, am liebsten verbrennen. Und auf der Asche tanz der VFL. Natürlich!

Die Ultras lösen sich daraufhin auf. Was für ein Haufen Jammerlappen. Die Fahne ist weg. Würde ich das Stück Stoff mit ins Bett nehmen, wenn es mir so wichtig wäre? Ja, ich würde. Doch die Ultras überlassen es Gott und einem Catering Mann. Warum hat so ein Trottel überhaupt den Schlüssel für die Schatzkammer? Nun, was tun? AUFLÖSEN!

Warum nicht den Geißbock von der Weide entführen und ein Tauschgeschäft aushandeln; Hennes gegen Fahne. Fertig. Geht die Fahne im Block hoch wird das kölsche Vieh gegrillt! Doch wir wackeln beim Spiel nur wütend am Zaun und schmeißen ein paar Räucherstäbchen. Was für eine brillante Aktion.

Wie zu erwarten überschlägt sich der Boulevard mit Schwachsinn: „Randale in Köln – Schnappt endlich die Feuerchaoten“ (1). Es wird der Eindruck erweckt, dass es sich um eine Horde von Fußballverbrechern handelt, die mit Drohgebärden Stadien und Städte in Aufruhr bringen können und die innere Sicherheit ernsthaft bedrohen.

Der DFB bestraft Borussia mit 7500,- € und der Verein distanziert sich von seinen Fans. „Wir sind vereint unter der Raute, hier wird jeder akzeptiert…ganz egal was auch passiert (2) 1994 schmückten Bengalos noch die Titelseite des Fohlen Echos (3) , doch die Zeiten ändern sich. Ex-Trainer, Trunkenbold und DSF-Plaudertasche Lattek folgt massenmedial verbreiteten Vorurteilen und weiß: „Solche Leute haben mit Fußball gar nichts zu tun. Sie sollten mit aller Härte bestraft werden“ (4). Wer hat das nur wie hinbekommen, dass heute alles kriminalisiert wird? Wer hat uns das Spiel geklaut?

Aber nicht nur die schreiende Öffentlichkeit fordert Konsequenzen, auch die Fanvertretung ist für mehr Repressionen. „Die Kölner Ordnungskräfte…hätten eingreifen können“ (5). Nein! ORDNER AUS DER KURVE, DAMIT DIE KURVE LEBT! Vergessen? Der Kölner Fanbeauftragte wird aufgefordert Namen zu nennen. Es sollen Köpfe rollen: „Auf den bekannten Fotos von eurer Kurve würde ich, wenn das meine Szene wäre, mindestens 20 Mann mit Namen nennen können(6) Und auch verraten? Mir wird ein wenig anders bei dem Gedanken, dass meine Fanvertretung mich an Polizei oder Kölner ausliefern würde.

Apropos Kölner: Alexander Voigt glaubt, der „Skandal kostet uns den Sieg“ (7) und ein FC-Fanclub entschuldigt sich öffentlich für die Aktion: „Irgendwo sollte die Rivalität kein Spiel beeinflussen“ (8) Doch! Ich wünsche mir jedes Wochenende genau das: Wir nehmen Einfluss auf das Spiel. Wir sind der 12. Mann, oder? Wir haben sogar von Joris van Hout das Trikot übernommen, „denn nur den Fans gehört das Spiel“ (9), zumindest doch ein Teil davon! Und wenn das Zerreißen einer Fahne hilft, bitte, ich bin dabei!

Durch die fortschreitende Kommerzialisierung des Fußballs wird uns jedoch nur die Rolle der lustigen Stimmungsmacher zuteil. Vielleicht bald in der Punica-Oase an der Weisweiler Allee? Als reibungslos funktionierende Sportkonsumenten. Wir aber wollen, trotz Groningen, Konfetti, Bengalos und Rauch im Stadion, keine Ordner und Polizei, keine Überwachungskameras, keine Zäune und keinen Jünter. Ich möchte im Block Fahnen verbrennen können und dem FC die Pest an den Hals wünschen. Doch „lassen wir uns mal überraschen was da in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren auf die Kölner zukommt“ (10). Das ist wohl als Aufforderung zu verstehen.

Mit viel Spaß und Glück dabei!

Der Schwarze Abt

(1) Bild, 9.4.2008
(2) B.O.: Wir sind Borussia, CD, 2002
(3) Fohlen Echo, 26.2.1994, Nr.5 29.Jahrgang
(4) Udo Lattek, Express 8.4.2008
(5)Thomas Ludwig, NK Extra, 13.4.2008
(6)Tower, NK Extra, 13.4.08
(7) Express, 9.4.2008
(8) J. Lintermann, Fan Club „anti-bayern”, RP, 9.4.08
(9) B.O.: Dein Verein, CD, 2002
(10) Tower, NK Extra, 13.4.08

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