Ganz groß: Spielanalyse-Feature auf SpOn
So sieht für mich die Zukunft des anspruchsvollen Sportjournalismus aus. Keine Scheißhausparolen, sondern eine Analyse des Sports mit modernen Mitteln. Ob die Schlüsse, die Biermann hier zieht und ob er den Finger an der richtigen Stelle in die Wunde legt, ist diskutabel. Aber das ganze basiert auf einer objektiven Grundlage – und das macht Spaß.
In der verlinkten Szene zum Beispiel vermisse ich einen für mich offensichtlichen Hinweis. Der Angriff läuft gut, bis der Ball auf Grossmüller kommt. Der spielt aber auf links außen zu Lövenkrands. Dort hat der Gegner eine 2:1 Überzahl. Hätte er den Ball in die Mitte gespielt, auf den heranstürmenden Bordon oder auf Ernst, wäre dort eine 3:2 Überzahl zustande gekommen. Der ballführende Spieler hätte sich entscheiden können, ob er den Ball auf den Kasten kickt oder, falls er geblockt wird, dem dann frei werdenden Stürmer zupasst.
Davon abgesehen: Ein erfolgreicher Angriff über außen findet nur dann statt, wenn der Flügelspieler es schafft, den Ball an seinem Gegenspieler vorbeizuspielen. Das erfordert es individuelle Überlegenheit, die gegen Chelsea nicht gegeben ist, wenn sie gut stehen. Bereits bei Balleroberung standen fünf Leute kompakt in der Defensive, ich kann keinen erfolgsversprechenden Laufweg erkennen. Da kann man nicht von sehr viel Platz für einen schnellen Konter sprechen.
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2 Responses to “Ganz groß: Spielanalyse-Feature auf SpOn”


Ja, mir hat diese Darstellung auch sehr gut gefallen.
Und zum dargestellten Angriff:
Natürlich wäre es besser gewesen, durch die Mitte zu kommen. Aber wenn schon der Paß auf Außen geht, dann muss er vernünftig in den Lauf kommen. Man kann gut sehen, das Lövenkrands langsamer werden muss, um den Ball anzunehmen. Und seine individuelle Überlegenheit besteht eben (leider nur) in seiner Geschwindigkeit.
Für mich sieht das aus, als wäre der kaum in den Lauf zu spielen, weil dort der rechte Verteidiger von Chelsea drauf wartet, den Ball abzufangen.