FC Köln: Anspruch und Wirklichkeit
Eine objektive Analyse des Status Quo war noch nie die Sache des FC Köln. Die Erwartungen sind sowieso und unabhängig von sämtlichen Rahmenbedingungen so hoch, dass für die sportliche Führung ein normales Arbeiten kaum möglich ist. Außer natürlich, man erfüllt diese Erwartungen uneingeschränkt.
In der aktuellen Saison leidet der Verein vor allem darunter, dass sämtliche Verantwortliche das Umfeld nicht zur Besonnenheit aufgefordert, sondern die Euphorie geradezu angefacht hat. Alleine im Vertrauen auf die Personen, die nicht auf dem Platz stehen. Trainer, Management, all das ist längst erstligareif. Vergessen hat man indes, die Mannschaft so aufzustellen, dass sie über jegliche Zweifel erhaben ist.
An dieser Stelle beisst sich die Katze allerdings in den Schwanz. Wie kann es sein, dass ein so kompetenter Stab einen Kader zusammenstellt, der trotz eines gewaltigen Budgets nur bedingt um den Aufsteig mitspielen kann? Daum und Maier haben eine Mannschaft auf den Platz gestellt, die schlichtweg nicht höchsten Ansprüchen genügt. Betrachtet man die Einzelspieler, die Köln verpflichtete, gab es viele Verstärkungen. Diese waren allerdings sehr ungleich verteilt. Die Abwehr wurde mit Özat und McKenna aufgepumpt, der Sturm ist der beste der Liga, im Tor wurde ein herausragender Führungsspieler geholt. Doch wie zum Teufel kann man das Mittelfeld so unbeachtet lassen und lediglich Antar holen? Daneben: Broich, Vucicevic, Andre, Mitreski, Scherz, Suazo, Chihi. In den verschiedensten Kombinationen, in den verschiedensten Grundaufstellungen. Es gab keine klare Linie. Im Vergleich dazu Gladbach: Mit Rösler und Paauwe wurden zwei Leistungsgaranten als Achse verpflichtet. Daneben mit Marin und Ndjeng zwei klare Stammkräfte. Nach dem fünften Spieltag in einer stets gleichen Formation.
Diesen blinden Fleck kann man Daum tatsächlich zum Vorwurf machen. Aber sind nicht Overath und Maier Berater genug, um dem Trainer an dieser Stelle auf Laissez-faire aufmerksam zu machen?
Für mich ist es nicht die Trainer-Leistung, die Köln eine Zitter-Saison beschert, sondern der grenzenlose Optimismus, dass man mit einem unausgewogenen Kader alleine aufgrund für die zweite Liga großer Namen auf Einzelpositionen aufsteigen könnte. Was danch folgte, das Tagesgeschäft, hat Daum sehr ordentlich erledigt – und hat nur eine Niederlage in den letzten zehn Spielen vorzuweisen.
Kein Wunder also, dass der Trainer einigermaßen pikiert reagiert, wenn er nun derjenige ist, der an den Pranger gestellt wird, während seine Kollegen von der Tribüne aus Schelte üben. Ein angemessenes Verhalten wäre Geschlossenheit und im Angesicht der sich bietenden Chance, einem dreckig erspielten Aufstieg, die Faust in der Tasche zu ballen, um die Chance zu nutzen, diesen Trainer auch in der ersten Liga noch an der Seitenlinie zu haben. Einen besseren bekommt der FC in den nächsten 10 Jahren nicht.
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10 Responses to “FC Köln: Anspruch und Wirklichkeit”


So wenig ich Meier und Overath schätze, da muss ich dann doch widersprechen:
Der Kader ist ausschließlich von Daum zusammengestellt. Er hat sich da weitgehend freie Hand geben lassen. Meier ist eben auch kein Fußballfachmann, sondern Kaufmann. Und Overath war dreißig Jahre aus dem aktuellen Fußballgeschehen raus.
Als Verstärkung in der Abwehr würde ich vor allem Mohammad nennen, der Mann kann quasi allein Viererkette spielen. McKenna ist für eine offensiv ausgerichtete Mannschaft ebenso wie Ümit eigentlich zu langsam.
Und dass ein Trainer übersieht, dass er im defensiven Mittelfeld ein Riesenproblem hat (was er mit Souazo, Mitreski, zwischenzeitlich Antar zu stopfen versucht hat) spricht ebenfalls nicht für ihn. Zumla ich ihm die fehlende Konstanz im Team auch zum Teil ankreiden würde – wegen wenig glücklicher öffentlicher Auftritte und fehlender Linie bei den Aufstellungen.
Und von Optimismus kann zumindest im Umfeld des FC kaum noch die Rede sein. Fast alle Leute sind bestenfalls von einer Zittersaison ausgegangen. Euphorie gab es weder vor noch während der Saison. Die Stimmung rund um den Verein war und ist eher skeptisch.
Hab gerade mal bei dir nachgeguckt. Diesen Artikel hast du hier verlinkt. Ich zitiere mal daraus:
“Manager Michael Meier hat gleich nach seiner Ankunft in Kärnten seinem Cheftrainer vorgetragen, wie es nun weitergehen wird mit dem Verpflichten neuer Spieler. Nämlich überhaupt nicht. „Wir haben schon vor Monaten gemeinsam einen Personalplan aufgestellt und alles weitgehend realisieren können. Wir müssen nun sehen, dass wir die Positionen, die nach Ansicht des Trainers nicht so gut besetzt sind, aus den eigenen Reihen besetzen.“ Christoph Daum ist davon alles andere als begeistert, schließlich hatte er noch die Verpflichtung eines Außenverteidigers sowie vor allem eines defensiven Mittelfeldspielers zur absoluten Notwendigkeit erklärt.”
Klingt also für mich klar nach geteilter Schuld. Je nach Gusto kann man natürlich auch argumentieren, dass Meier nicht genug Geld zur Verfügung gestellt hat oder Daum die Prioritäten falsch gesetzt hat.
Letzteres würde ich sagen. Und welcher Trainer hätte nicht noch gerne einen Spieler mehr?
Daum hat, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, nach der letzten Saison 7 neue Spieler für den festgelegten Betrag gefordert und bekommen.
Der Optimismus und fast grenzenlose Realitätsverlust hält beim FC leider schon Jahre an und sollte nicht nur den Herren Meier, Overath und Daum angekreidet werden…
Nicht alles, was Meier und Overath den lieben langen Tag so machen, kann ich blind unterstützen… doch an der sportlichen Talfahrt muss ich leider komplett Daum die Schuld zu sprechen…
Ich erinnere: Als er kam verpflichtete erst einmal zwei junge Brasilianer, die er wenige Monate später verfluchte. In diesem Sommer hatte er freie Hand und hat objektiv betrachtet wirklich gute Neuverpflichtungen an Land gezogen (Antar, Vucicevic, McKenna, Mohamad). Dass es nun nicht so rund läuft, muss man ihm ankreiden, weil er es einfach nicht geschafft hat eine klare Linie ins Spiel zu bringen. Von Taktik oder Spielsystem bzw einer klaren Handschrift sehe ich nichts. Stattdessen immer wieder lange, weite Bälle nach vorne. Damit nimmt er Spielern, wie Vucicevic und Antar, die eher spielerisch stärker sind, all ihre Qualitäten. Die ständigen Wechselspielchen in den Aufstellungen wirken kontraproduktiv!
Ich war vor etlichen Monaten unendlich glücklich, dass Daum die Herausforderung angenommen hatte und zurück kam, aber mittlerweile wäre ich froh, wenn er am Ende der Saison das Feld räumt…
Wobei ich den Eindruck habe, dass der Realitätsverlust beim FC inzwischen auch nicht mehr größer ist als bei anderen Traditionsvereinen. Wenn ich mich in meinem Umfeld umhöre, höre ich da wenig von Bundesligatauglichkeit und Aufstieg. Zumindest nicht bei denjenigen, die regelmäßig Spiele sehen. Da herrschen eher Frust, Zynismus und wenn überhaupt eine trotzige “Aufsteigen, auch wenn’s häßlich ist”-Stimmung.
Auch Meier hat vor der Saison von einer Zittersaison geredet.
Oder um es einfach zu sagen: Alte Klischees auszugraben ist unter Deinem Niveau, Christian…
Ich meinte auch nicht die Fans, Stefan, sondern wirklich den Verein an sich. Ich selbst könnte auch bei jedem Spiel auf’s neue kotzen, wenn ich die Elf auf dem Rasen sehe… wir dürfen nicht Gefahr laufen, uns ewig an unsere Tradition zu klammern… man sieht ja an Lautern, wo das hinführen kann, wenn man der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen will…
Im Vorstand muss erkannt werden, dass wir nicht mehr “der große FC” vergangener Tage sind, sondern aktuell einfach eine Fahrstuhlmannschaft, die den eigenen Ansprüchen meilenweit hinterher hinkt…
Irgendwo muss die Erwartungshaltung wohl her kommen, sonst würde die Trainer-Diskussion nicht geführt. Und die Erwartungshaltung lautet doch mindestens: Mit einer konsequenteren taktischen Ausrichtung und mit weniger zweifelhaften personellen Entscheidungen (z.B. McKenna) hätte Köln einen deutlichen Vorsprung auf die Nichtaufstiegsplätze.
Die Trainer-Diskussion wird deswegen geführt, weil der Fußball, den die Mannschaft spielt, schlecht ist. Weil keine Handschrift und kein klares taktisches Konzept zu erkennen sind, weil nach fast 30 Spieltagen die Laufwege noch immer nicht stimmen, weil die Mannschaft zu langsam ist, wenn sie von Abwehr auf Angriff umstellt, weil sie es oftmals an Laufbereitschaft fehlen lässt, weil sie sich – trotz seiner von Daum gern ins Feld geführten psychologischen Kompetenz – schnell und leicht verunsichern lässt, weil manche Spieler spielen, obwohl sie auf dem feld nur Schrott produzieren und andere, die zumindest einen Hauch besser sind, auf der Bank bleiben, und weil wir diese Art von Fußball seit 8 Jahren sehen und es eigentlich scheißegal ist, wer Trainer ist.
Nichtsdestotrotz ist Köln aktuell zweiter in der Liga. Trotz taktischer Mängel, trotz suboptimaler Einkaufspolitik. Und bei dem Restprogramm hat der FC alles selbst in der Hand. Hoffenheim und Mainz zuhause, Augsburg und Lautern auswärts. Irgendwas muss also auch richtig gelaufen sein.
Für mich als außenstehenden Beobachter bleibt angesichts Eurer Kritik an Daum nichts anderes als der Eindruck, dass nicht alleine der Erfolg zählt. Ihr wollt berauschenden Fußball und deutlichen Abstand vor dem Rest des Feldes. Ein dreckiger zweiter Platz reicht nicht, weil…ja weil die Erwartungshaltung sehr hoch ist.
Vielleicht sollte man auch dem in der zweiten Liga unerfahrenen Daum eine zweite volle Saison zugestehen, um sein Konzept zu verwirklichen und seine Fehler zu korrigieren. Wie schon oben geschrieben und von dir Stefan bestätigt: Wer soll es denn besser machen? Ihr habt genug Trainer verbrannt in den letzten Jahren und einen mit mehr Potential findet ihr garantiert nicht.
Berauschend muss er nicht sein, wir wären mit Fußball ganz zufrieden.
Andererseits hast Du recht, zumal bei den Namen, die aktuell ums Geißbockheim herumgeistern (Labbadia und Finke). Zumal Daum wenigstens unkündbar ist und für eine gewisse Kontinuität sorgen könnte (Wir hatten halt nicht damit gerechnet, dass er für Kontinuität in der Spielweise sorgen würde).
Deutlicher Abstand vor dem Rest des Feldes will jeder. Aber das kann man schlicht nicht verlangen.
Wie ich bei mir aber irgendwann schon schrieb: Die dreckigen Aufstiege führen meiner Erfahrung nach direkt in einen blitzsauberen Abstieg.