Eine mutige Entscheidung, eine Fehlerkorrektur, der kleinste gemeinsame Nenner
Wir haben Hans Meyer zurück. Wie die meisten Gladbach-Fans, setze ich durchaus Hoffnung in diese Personalie. Die Demission Meyers wird von den meisten Anhängern immer noch als größter Fehler in der jüngeren Vergangenheit erachtet. Wir erinnern uns: Als Gladbach den Klassenerhalt mit Ewald Lienen schaffte, feierte Hans Meyer zusammen mit seinem Nachfolger am letzten Spieltag vor der Fankurve. Man könnte es den familiärsten Trainerrauswurf der Bundesligageschichte nennen.
Mit der erneuten Verpflichtung von Meyer kommt für die Fans so etwas wie der verlorene Sohn nach Hause. Gleichzeitig ist er der kleinste gemeinsame Nenner. Einer, auf den sich in dieser Situation alle einigen können. Er ist qua Historie Hoffnungsträger und der einzige ernstzunehmende Kandidat (der bereit war, sich Gladbach anzutun) auf dem Markt gewesen – außer der Gladbacher Vorstand hätte eine ähnlich mutige Entscheidung wie bei der erstmaligen Verpflichtung Meyers getätigt und ein in der Bundesliga unbeschriebenes Blatt verpflichtet.
Es ist aber auch eine mutige Entscheidung. Meyer hatte bei den Abstiegskandidaten Gladbach und Nürnberg zwar einen guten Start und setzte Maßstäbe, aber gerade als man glaubte in ruhigen Gewässern zu fahren, gerieten seine Teams in den Abstiegstrudel. Seine Art, die vor wenigen Jahren noch als erfrischend und angenehm anti-mainstream galt, wird ihm heute oft vorgeworfen, weil sie sich in der Wahrnehmung abgenutzt hat und zynisch wirkt. Bei ausbleibendem Erfolg wirkt Meyers Art ätzend und kann wie ein Bumerang auf den Verein zurückprallen.
Die erstaunlichste Entwicklung in Gladbach ist aber gar nicht Meyers Verpflichtung, sondern die Umstrukturierung in der sportlichen Führung. Christian Ziege entlässt sich aus eigenem Antrieb aus der Position des Sportdirektors und wird Co-Trainer. Dieser Schnitt ist korrekt, denn man hatte bei Ziege nicht mehr das Gefühl, dass er mit vollem Herzen hinter seiner Aufgabe steht. Vielleicht brauchte Ziege diese Zeit auf seinem Posten, um zu erkennen, dass es nicht das ist, was er in den nächsten Jahren betreiben will. Aber nach außen macht es für mich nicht den optimalen Eindruck. Denn mit dieser Personalie scheint es mir, als wäre Meyer sein Co-Trainer diktiert worden und er habe nicht den Assistenten seines Vertrauens mitbringen können. DieAbsicht ist wohl klar: Ziege als Nachfolger aufbauen und Meyer in zwei Jahren in den Vorstand befördern. Wenn es so läuft, wie beabsichtigt.
Max Eberl auf dem Sportdirektor-Posten ist ein Mann, der aus dem eigenen Stall aufgebaut wurde und vor Jahresfrist auf gleicher Position bei einem ambitionierten Zweitligisten hätte anfangen können. Er hat aber vorgezogen, bei Gladbach in der Jugendarbeit zu bleiben und erntet nun die Früchte seiner Loyalität. Bei ihm kann man sich zumindest sicher sein, dass er mit vollem Herzen dabei ist. Inwieweit er Standards setzen kann, muss sich herausstellen. Seine Kompetenz ist nicht einzuschätzen.
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11 Responses to “Eine mutige Entscheidung, eine Fehlerkorrektur, der kleinste gemeinsame Nenner”


Finde ich auch interessant und ungewöhnlich, dass Ziege jetzt plötzlich den Co-Trainer macht. Vielleicht war das zu früh zuviel Verantwortung für ihn als Sportdirektor. Mit Meyer als Chef kann es klappen, wenn Ziege sich mit der Lehrlingsrolle abfindet – wovon ich jetzt mal ausgehen würde. Wenn allerdings auch Meyer scheitert, bleibt sein Co-Trainer davon unberührt? Ich glaube nicht.
Fand die Geschichte mit Ziege/Eberl auch den interessantesten Aspekt an diesem “Umbruch” und teile auch den Eindruck des “Aufzwingens”, der dem ganzen ein gewisses Geschmäckle gibt.
Es könnte aber ansonsten eine ganz gute Geschichte sein, da Eberl weitaus unglamouröser ist, als Ziege oder jetzt auch Meyer und dadurch sicherlich mehr in Ruhe arbeiten kann als sein Vorgänger.
Dennoch bin ich leicht skeptisch, ob Meyer selbst wirklich die richtige Wahl war. Er schien mir doch ein bisschen verbrannt und “durch” zu sein, gerade wenn man auch gestern wieder das Interview bei den Dummschwätzern vom DoPa sah, wo es schon von vornerein nicht darum zu gehen schien, Antworten zu bekommen, sondern nur ein paar Lacher. Aber vielleicht tut das der Mannschaft ja gut, wie es auch schon bei seinen letzten Stationen der Fall war.
Für mich als Nicht-Gladbacher auf jeden Fall ein Gewinn in Sachen Unterhaltung. Freue mich vor allem jetzt schon auf die PK nach dem Rückspiel Köln-Gladbach…
Was ist an der Verpflichtung Hans Meyers mutig? Das Umfeld will ihn, die Fans wollen ihn, die Presse (bis auf einen Journalisten) feiern das auch.
Außerdem ist er als Feuerwehrmann erfolgreich gewesen.
Das einzige, was diese Entscheidung nicht bringt, ist die von dir gern geforderte Kontinuität, weil seine Mannschaften nach ein bis zwei Jahren in Schwierigkeiten geraten.
Das ist die ängstlichste Entscheidung, die Gladbach treffen konnte. Auch wenn sie in dieser Saison tatsächlich den benötigten Erfolg bringen kann.
Ich finde es gut, dass Ziege den Co-Trainer macht, da er wirklich auf einen großen Fundus an Erfahrung zurückgreifen kann und das durchaus von Vorteil für die Fohlen sein kann!
@Stefan: Im Moment ist wohl ziemlich wenig Basis für Kontinuität vorhanden und dem galt wahrscheinlich nicht das Hauptaugenmerk bei der Trainerverpflichtung. Dass Meyer seine übliche Taktik auf dem vorhandenen Personal aufbauen kann, ist wohl eher Zufall. Das Material für das von ihm bevorzugte 4-3-3 ist jedenfalls vorhanden.
Für eine wenigstens beabsichtigte Kontinuität spricht die Personalie Ziege, der zweifellos zum Nachfolger aufgebaut werden soll. Ich könnte mir vorstellen, dass Meyer den Trainer nicht viel länger als zwei Jahre machen soll und anschließend für eine Position in der Führungsetage vorgesehen ist. Klingt insgesamt für mich immerhin nach einem Versuch in die richtige Richtung.
Nur weil Meyer eine populäre Wahl ist, bleibt sie (aus meiner subjetiven Sicht) mutig. Mit deiner Feststellung hast du insoweit recht, dass sich das Präsidium erstmal aus der Schusslinie gebracht hat.
Ich weiss nicht wieso, aber das Ganze erinnert mit an den Filmtitel “Zurück in die Zukunft”.
Die Personalie Ziege ist mir dann aber zu spekulativ. Taugt der überhaupt als Trainer? Falls ja, sollte er dann nicht eher zwischenzeitlich in der 2. Liga anfangen?
Dass wir uns aber nicht falsch verstehen. Die Personalie Meyer halte ich aktuell für eine kluge Entscheidung. Weil er gezeigt hat, dass er schnell für Erfolg sorgen kann. Mittel- oder gar langfristig ist die Trainerfrage allerdings zweitrangig. Da geht es eher darum, wie der sportliche Bereich organisiert wird. Ob Meyer so etwas kann oder überhaupt will, kann ich aus der Distanz nicht beurteilen. Mein Eindruck ist aber, dass er so etwas eher nicht macht.
Das ist zum Beispiel etwas, was mich aktuell an Daum überrascht und freut: der trainiert nicht nur, der krempelt den ganzen Verein um.
Die Personalie Ziege ist gar nicht spekulativ, sondern steht im Moment so fest. Königs wollte ihn schon jetzt als Trainer. Ob er als Trainer taugt, scheint dabei zweitrangig zu seine. Der Vorstand hat da einen Narren gefressen.
Spekulativ ist allerdings meine Aussage, dass Meyer in den Vorstandsbereich wechseln könnte. Im Umfeld wird dringend gefordert, dass sportlicher Sachverstand ins Präsidium integriert werden soll (Calmund anyone?)Da wird sich definitiv etwas tun in den nächsten Jahren.
Mal so formuliert: Sollte Meyer erfolgreich sein und sollte er mittelfristig als Trainer zurücktreten/zurückgetreten werden, dann wird der Verein sich bemühen, ihn in anderer Position zu halten.
Vielleicht ist das das Problem? Da darf jemand Trainer werden, unabhängig davon ob er dazu taugt oder nicht.
Da hast du wohl Recht, Stefan
Dann habt ihr ein Kompetenzproblem im Verein. Weniger auf dem Trainerstuhl. Was sich durch die Situation, dass der eigentliche Entscheider über den Trainerposten (nämlich der Sportdirektor) selber Trainer sein will, noch verschärft.
Aber wahrscheinlich gewinnt ihr am Wochenende 3:0 und alles ist wieder gut.