Eberl und Frontzeck – frischer Wind?
Vor wenigen Wochen noch, stand ich der sportlichen Leitung der Borussia sehr skeptisch gegenüber. Da war kein renommierter Name auf der Position des Sportdirektors verpflichtet worden, sondern mal wieder einer aus der eigenen Nachwuchsabteilung: Max Eberl.
Max Eberl ist keiner mit internationalen Kontakten. Keiner, der Beziehungen hat und darüber den einen oder anderen Geheimtipp bekommen würde. Max Eberl ist ein Arbeiter, wie er es auch schon auf dem Fußballfeld war.
Es passte für mich ins Bild. Rolf Königs ist ein Sonnenkönig und was man so hört lässt vermuten, dass er gerne Ja-Sager um sich versammelt und Kontra nur ganz schlecht verträgt. Das ist nicht ungewöhnlich für einen Unternehmer alter Schule, aber in einem von ihm nicht gelernten Bereich sicher nicht förderlich.
Die Installation Eberls rundete das Ganze ab. Ein willfähriger Steigbügelhalter auf der entscheidenste Position des Vereins, der wenig Widerworte gibt. Das Trauma Ziege immer noch im Hinterkopf, als ein B-Jugend-Trainer zum Entscheider befördert wurde und nach einer guten Saison alles kollabierte.
Umso erstaunlicher ist es, wie viel Profil Max Eberl in den letzten Wochen an den Tag gelegt hat. Eine angeblich 500-seitige Ausarbeitung zur Zukunft der Borussia soll er vorgelegt haben. Und er hat mal kurz die strategische Ausrichtung des Vereins neu definiert. Und alles, was von seinem Konzept bisher nach Außen gedrungen ist, gefällt mir nicht nur, ich kann es 100% so unterschreiben und es deckt sich mit den Gedanken, die ich in diesem Blog schon länger hege:
Dass ein Verein eine Philosophie haben sollte, die unabhängig ist von Trainern. Dass der Verein System und Grundstrategie vorgeben sollte, um Kontinuität gewährleisten zu können und nicht alle halbe Jahre die Aufstellung neu ausrichten muss. Denn nur dann ist gewährleistet, dass man mit dem vorhandenen Spielermaterial arbeiten kann und nicht nach dem Gusto des neuen „Erfolgscoachs“ erstmal auf Einkaufstour gehen muss und fünf neue Flügelstürmer einkaufen muss, weil bisher 4-4-2 gespielt wurde.
Max Eberl hat diese Philosophie in nettere Worte gekleidet. Der Verein baue dem Trainer eine Autobahn. Wie dieser darauf fahre, bleibe ihm überlassen. Aber nach links und rechts gebe es eben eine Begrenzung.
An diesem Punkt kommt die Personalie Michael Frontzeck ins Spiel. Den besten Kommentar dazu habe ich auf Seitenwahl.de gelesen. Es gebe nichts, was gegen Frontzeck sprechen würde. Aber es gebe auch keine Argumente für ihn.
Frontzeck hat seine Teams bisher genau dahin trainiert, wo sie hingehören. Er hat keine Überraschungen nach oben oder nach unten geschafft. Sollte er an diese Tradition anknüpfen, stünden immer drei Mannschaften unter Mönchengladbach in der Tabelle. Das ist doch schon mal was.
Im Kontext, nach allem was Eberl hat verlauten lassen, passt Frontzeck haargenau in das Profil. Als ich die Anforderungen las: fleißig, loyal, anpassungsfähig – wusste ich, es kann nur auf Frontzeck oder Funkel hinauslaufen. Frontzeck ist uneitel, ehrlich und glaubwürdig. Er ist kein großer Stratege, aber ein Teamplayer.
Um den beschriebenen Neuanfang zu machen, kann er also genau der richtige Mann sein – um ein, zwei solide Saisons zu spielen, den Verein wieder in der Bundesliga zu etablieren und Ruhe in den Verein einkehren zu lassen. Aber diese –geringe – Erwartungshaltung muss er bestätigen. Ich glaube eher, dass Frontzeck nach der Hinrunde entlassen wird, als dass er ein zweiter Thomas Schaaf wird. Ich traue ihm nicht zu, eine Überraschungssaison zu spielen. Ich traue ihm nicht zu, aus der Mannschaft viel mehr rauszuholen, als das Spielermaterial erwarten lässt.
Zum Glück bin ich mit meinen Prognosen an dieser Stelle in der letzten Saison ganz mies gefahren. Hoffentlich liege ich also falsch – mit der Perspektive ins gesicherte Mittelfeld.
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9 Responses to “Eberl und Frontzeck – frischer Wind?”


Prognose?
Das ist doch genau der Punkt, diese riesige Erwartungshaltung. Ich denke, dass Eberl und Frontzeck ihre Sache richtig gut machen werden, aber trotzdem werden wir gegen den Abstieg kämpfen. Nicht so knapp, wie in der vergangenen Saison, vielleicht sollte der Nichtabstieg etwas früher feststehen, aber mehr als Platz 12 oder 13 ist vorerst nicht drin. In der darauf folgenden Saison kann dann das von Dir erwähnte “gesicherte Mittelfeld” angestrebt werden und danach werden wir sehen…
Was ich meine ist, dass die Erwartungen erst einmal niedrig sein MÜSSEN und dem Team samt Trainer und Sportdirektor Zeit gelassen werden muss.
Bitte nicht schon wieder Druck nach den ersten vier Spieltagen, sondern der vielbeschworenen Kontinuität eine Chance geben!!
PS: und auf so einen Egoisten wie Marin kann ich gerne verzichten.
Jetzt frage ich mich von außen nur, welches Konzept Eberl verfolgt. Die bisherigen Transfers erinnern mich eher an ein “Weiter so!” Unter vielen Verpflichtungen wird schon einer passen, oder so.
@ElkeHB: Im Prinzip hast du völlig recht. Auf der anderen Seite: wenn Gladbach bereits 6 Millionen für Neuzugänge ausgegeben hat und jetzt ggf. nochmal 7 Mios für Arango auf den Tisch legen könnte – dann bekommst du einfach die Erwartungshaltung, dass man sich zumindest von Mainz, Freiburg, Bochum punktemäßig distanzieren möchte. Wir Gladbacher sind ja nicht besonders gut darin aus der jüngeren Vergangenheit zu lernen.
Meine persönliche Erwartungshaltung lautet: Eine gewisse Konstanz, was Ausrichtung und Stammpersonal angeht und dass vor der Saison dafür gesorgt wird, alle Baustellen zu schließen. Und möglichst keinen einzigen Spieltag auf einem Abstiegsplatz verbringen.
@Stefan: Das ist dir nicht ohne Grund aufgefallen. Man weiß bisher nur von der Existenz dieses mysteriösen Konzeptpapiers, vom Inhalt ist bisher nichts nach außen gedrungen. Außer Rahmenpunkte wie zum Beispiel ein durchgängiges System von der E-Jugend bis zu den Senioren.
Am den bisherigen Neuzugängen konnte man ebenfalls noch nichts ablesen. Eigentlich läuft es so wie jedes Jahr: Der Kader wird erstmal mit ein paar Millionen auf 35,36 Leute aufgepustet und anschließend landen 10 Aussortierte zum Sonderpreis auf dem Grabbeltisch.
Wenn man etwas Positives erkennen möchte, dann vielleicht, dass anscheinend die Baustellen im Kader (Off. MF, Sturm, Abwehrzentrum) angegangen werden. Warum allerdings erstmal wieder drei defensive Mittelfeldspieler verpflichtet wurden – das kann ich beim besten Willen nicht verstehen.
Naja, die Profileigenschaft “anpassungsfähig” ist mindestens zweideutig. Leute die mir sagen, sie seien anpassungsfähig, begegne ich mit Skepsis, weil sie unter Umständen in vorauseilendem Gehorsam zu sehr an Altem festhalten und Loyalität mir Kreativlosigkeit verwechseln. Vielleicht meint man aber auch nur das realistische Einschätzen der Möglichkeiten (bspw. hinsichtlich des Kaders).
Ich verstehe “anpassungsfähig” im Sinne von undogmatisch und teamfähig. Eine Person, die nicht stur eigenen Ideen hinterher läuft, sondern auch Vorgaben umsetzen kann und sich dazu nicht zu schade ist.
Meiner Meinung nach hat Eberl die Marin-Geschichte sehr souverän und geschickt gelöst; sein Gesellenstück sozusagen. Durch geschickte Interview-Aussagen hat er sich eine Position der Stärke verschafft. Vieles ist zwar Spekulation, aber andere wären vielleicht mit 2 Millionen weniger vom Verhandlungstisch weggegangen.
@C.Antonius: Ich finde es gut, dass Eberl die Sache in trockene Tücher gebracht hat – Reisende kann man nicht aufhalten. Aber ich hätte mir doch eine höhere Ablöse für Marin versprochen angesichts der Ablösesummen, die im Moment auch in Deutschland für andere, weniger talentierte, weniger besondere Spieler aufgerufen werden. Deshalb würde ich es nicht Gesellenstück nennen, sondern eine ordentliche Abwicklung im Rahmen der Möglichkeiten.
@Dülp
sehe ich nicht ganz so, aus den folgenden Gründen: die 12-Mio Grenze eines Jansen war in diesem Jahr nicht zu packen
– wegen der allgemeinen Wirtschaftslage – weil relativ früh klar war, dass es nur einen ernsthaften Bieter gab (also ein Monopson, ich Klugscheißer), und der war nicht Bayern – Borussia eigentlich in einer schwachen Position war, da sie trotz aller Aussagen, das Geld nicht unbedingt zu brauchen, auf jeden Fall jetzt verkaufen mussten. Alles andere war geschickter Bluff. Wenn man bedenkt, dass die Gegenseite ein paar Jährchen mehr Erfahrung besitzt, war das schon sehr gut von Eberl.
Und abgesehen davon halte ich die 8.5 (?) Mio. für Marin schlicht überteuert.
@C.Antonius: Vielleicht ist Marins Marktwert tatsächlich niedriger, als ich ihn aus dem Gefühl heraus taxiere – und ich gehe mal davon aus, dass es noch einen Nachschlag gibt, abhängig von Einsätzen, Länderspieleinsätzen etc.
In Eurem Blog habt ihr ebenfalls aus dem Handgelenk 10 Mios aufgerufen – und ich hatte das Gefühl, das wäre die allgemeine Stimmungslage auch in der Presse gewesen.
Ende letzter Saison hatte der HSV ebenfalls Interesse angemeldet, aber der Spieler war zum Verhandlungszeitpunkt mir Bremen bereits einig – es liegt nicht nur an der Anzahl der potentiellen Interessenten, sondern auch an den Präferenzen des Spielers.
Als Gesellenstück könnte es sich im Laufe der Saison herausstellen, wenn Arango Marin adäquat ersetzt und noch ein paar bisher vermisste Qualitäten einbringen kann – dann wäre es in der Differenz der Ablösesummen ein sehr gutes Geschäft.