Die wahre deutsche Mannschaft schießt Portugal ab
Oh ja. Oooh ja. So wird Fußball gespielt. Räume eng machen, im Mittelfeld sofort attackieren, dauernd doppeln und sobald sich ein bisschen Raum bietet hineinstoßen. Und wenn dann wenig geht, die Standards nutzen.
Zwischen den Vorrunden-Spielen und diesem Viertelfinale lagen Welten. Und das trotz einem deckungsgleichen Spielermaterial. Mit einer klaren, überfälligen taktischen Umstellung hat Jogi Löw die Nationalmannschaft wieder konkurrenzfähig gemacht.
Lief das zentrale Mitteldfeld, in persona Frings und Ballack, bisher ihren Gegenspielern hinterher, war es heute, mit einem Mann mehr ausgestattet, absolut dominant. Ballack machte zwar ähnlich viel Kilometer wie in den Partien davor, konnte sich aber, anders als zuvor, immer wieder in die Angriffe einschalten und sich bei Flanken anbieten.
Podolski interpretierte seine Position offensiv wie bisher, hatte aber mit Hitzlsperger stets einen Backup, der die Räume zulief, ohne dass die Mannschaft dadurch andere Räume öffnen musste (Nichtsdestotrotz muss man feststellen, dass besonders in der ersten Halbzeit viele Angriffe aufgrund Podolskis mangelndem Defensivverhalten über die linke Seite kamen. Frappierend beim Anschlusstreffer, als er in Stürmermanier nach einem gescheiterten Angriff bereits abgeschaltet hatte, und ein eigentlich unglaublich einfach abzufangender Pass den Konter einleitete).
Überragend am heutigen Tag: Schweinsteiger, der gegenüber Fritz eine 100-Prozentige Qualitätssteigerung ins Spiel brachte. Von ihm gingen extrem viele Ideen nach vorne aus und in der Defensivbewegung war er so aggressiv, dass er den Bremer Außen im Vergleich ganz alt hat aussehen lassen. Selbst wenn Portugal den Ball in der eigenen Hälfte sicher hatte, versuchte Schweini zu stören und ließ den Abwehrspielern keine Zeit zum Spielaufbau.
Philipp Lahm blüht auf seiner linken Seite wieder auf. Nach einem ganz starken Spiel gegen Österreich legte er gegen Portugal nach. Alleine in den ersten 20 Minuten gewann er sieben bis acht Defensiv-Zweikämpfe ohne Foul zu spielen und leitete anschließend Gegenangriffe konstruktiv ein.
Wenn ich schon mit Lob um mich schmeiße, darf ich Arne Friedrich nicht aussparen. Wie er den besten Spieler der Welt kalt stellte, das hatte Klasse. Ronaldo blieb in diesem Spiel ganz blass.
Nun könnte ich resümieren, dass es sich tatsächlich so verhält, wie ich vor wenigen Tagen vermutete. Dass Deutschland nicht so schlecht ist, wie es die Begegnungen gegen Österreich und Kroatien vermuten ließen. Dass Löw eine B-Takitik für die Vorrunde hatte, um Sicherheit und Euphorie bei Portugal, Holland und Spanien aufkommen zu lassen. Und nun seine A-Taktik auspackt. Kann es anders sein, wenn man zunächst einen Fritz statt einem Schweinsteiger oder Borowski auflaufen lässt? Wahrscheinlich nicht. Nun sehen wir die wahre deutsche Mannschaft. Insgesamt eines der besten Spiele seit der WM.
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12 Responses to “Die wahre deutsche Mannschaft schießt Portugal ab”


[...] Meinungen zum deutschen Spiel gibt es z.B. hier, hier, hier und hier. 20. Juni 2008 | Kategorie: EM 2008 | Autor: tomse Tags: deutschland, [...]
[...] Dülp: Zwischen den Vorrunden-Spielen und diesem Viertelfinale lagen Welten. Und das trotz einem deckungsgleichen Spielermaterial. [...]
Deutschland steht im Halbfinale der EM 2008…
Ballack & Co gewinnen verdient 3:2 gegen Portugal
Michael Ballack und vor allem einem stark spielenden Bastian Schweinsteiger ist der 3:2 Sieg gegen Portugal im Viertelfinale der Euro 2008 zu verdanken. Die als hoher Favorit ins Viertelfinale gegan…
“Schweinsteiger, der gegenüber Fritz eine 100-Prozentige Qualitätssteigerung ins Spiel brachte.”
Richtig. Auch richtig: Schweinsteiger, der gegenüber Schweinsteiger eine ??00-Prozentige Qualitätssteigerung ins Spiel brachte.
Ich glaube nicht, dass Löw eine B-Taktik für die Vorrunde hatte. Der war meiner Meinung nach überzeugt von dem, was er da versucht hat und hat dann darauf reagiert, dass er damit falsch lag.
Ich finde es absolut lächerlich, anzunehmen, dass man irgendwo irgendwie “bewusst schlechter” spielt als möglich, das als Marschroute. Es sei denn, man ist schon qualifiziert, dann ja. Aber sonst niemals.
Hmmm,
ja auch ich reihe ich ein die Riege all derer die diesem Spiel viel Positives abgewinnen konnten. Die Leistungssteigerung sehe ich allerdings eher aus anderer Warte. Gegen vermeintlich schwächere Vorrundengegner (Paradebeispiel: Kroatien) wurde mit angezogener Handbremse und vehementer Arroganz gespielt. Auf der leichten Schulter wurde ein madiger durchschaubarer Fussball runtergespielt und unser überbewerteter Kapitän tat das völlig Falsche. Statt angemessen zu reagieren und die Mannschaft anzupeitschen übte er sich in peinlichem Lamentieren und Rumgezicke und langweilte damit nicht nur die Schiedsrichter sondern war maßgeblich am Untergang beteiligt.
Portugal als hochkarätiger Gegner wurde ernstgenommen und gleich ganz anders angegangen. Nach der bisher einzigen Spielsituation Ballacks (Freistoß gegen Österreich) ist er an diesem Tag mit dem richtigen Fuss aufgestanden und hat meine kritische Haltung ein wenig gemindert. Dennoch wird er leider NIEMALS der entscheidende weltbewegende Spielgestalter sein, den sich alle erhoffen und sein Zenit ist überschritten. Dennoch glaube ich an ein Finale Italien Deutschland und bin gespannt. Lahm wirds richten.
Ja, Deutschland hat ein gutes Spiel gezeigt…
Es heisst ja, dass jede Mannschaft im Verlauf eines Turniers mal einen schlechten Tag einzieht. Wenn die deutsche Nationalelf Glück hat, hat sie diesen Tag vielleicht schon in der Vorrunde gehabt.
Ausserdem gilt die Nationalmannschat Deutschlands ja auch als “Turnier- Team”...
Mein EM Ausblick…
[...] Wer hätte gedacht, dass wir Portal vom Platz bolzen und auf direktem Weg in das Halbfinale einziehen? [...]...
Clemens Fritz sah gegen Polen doch noch ganz gut aus. Am Anfang der EM gab es wirklich keinen Grund, Schweinsteiger von Beginn an zu bringen. Eine ‘B-Taktik’ kann ich mir wirklich auch nicht vorstellen. Ansonsten: Übereinstimmung mit der Analyse!
@Cornelius: Ballack hatte sicher nicht seine besten Tage in der Vorrunde, aber du siehst ihn wirklich zu negativ. Ein Spielgestalter im Sinne von Spielmacher war er nie und wird er auch nicht mehr werden. Er hat andere Qualitäten. Seine Torgefahr, sein überragendes taktisches Verständnis. Dazu kommen fantastische physische Qualitäten. In allen bisherigen Spielen war er der deutsche Spieler, mit den meisten Kilometern.
Seinen Zenit hat er längst nicht überschritten. Im Gegenteil. Alle statistischen Werte, die er bei Chelsea eingefahren hat, deuten darauf hin, dass er nie besser war. Er lief nie schneller und mehr, hat nie schneller den Ball weitergeleitet.
@nick: Klar sah Fritz ganz gut aus. Er hat für sein Vermögen gut gespielt. Nur reicht dies meiner Meinung nach für die Spitzenklasse nicht aus. Vom Potential her ist Schweinsteiger einfach eine ganze Klasse besser, nur dass er dies bei Bayern in den letzten zwei Jahren nur ganz selten ausspielen konnte. Fritz ist für mich ein überdurchschnittlicher Bundesligaspieler, der auf der rechten Seite in Bremen an der Grenze seines Könnens spielt. Nicht mehr und nicht weniger.
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