Deutschland, Wales, Beckenbauer, Häßler
Kann sich eigentlich noch jemand erinnern? Mit Sicherheit, wenn man nur alt genug ist. Das nervenzerfetzendste Spiel auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 1990 fand nicht während der Weltmeisterschaft statt. Sonder einige Monate zuvor.
Für Deutschland hätte dieses Turnier, das heute gerne zur Heldenverehrung verklärt wird, fast gar nicht statt gefunden. Denn erst im letzten Qualifikationsspiel gegen Wales wurde das WM-Ticket gelöst.
Deutschland (BRD wohlgemerkt, die DDR spielte eine eigene Quali) war in einer Vierer-Gruppe gelandet, zusammen mit Holland, Wales und Finnland. In Europa qualifizierten sich alle Gruppenersten, die Zweitplatzierten in Fünfer-Gruppen und die beiden besten Zweitplatzierten in Vierer-Gruppen.
Und Deutschland spielte unter Beckenbauer eine – wohlgemeint formuliert – mittelmäßige Runde. Zwei Remis gegen Holland, ein Remis gegen Wales, zwei Siege gegen Finnland. Nicht mal Pflichtprogramm also und ich weiß noch genau, dass Beckenbauer unter den 14-jährigen auf dem Bolzplatz heftigst in der Kritik stand. Als Bundestrainer kaum länger haltbar.
Dann kam der Auftritt gegen Wales. Ein eher glückliches 1:1 zur Halbzeit. Kurz nach Wiederanpfiff schlenzt Häßler einen Freistoß in den Winkel. Danach Zittern. Wales hatte beste Chancen auf den Ausgleich.
Hätte Dänemark an diesem Abend in Rumänien gewonnen, der Siegeszug hätte niemals einen Anfang gefunden.
Was anschließend in Italien passierte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Es war ein Rausch, dessen Ende ich – wie konnten meine Eltern mir das antun – im Urlaub in Österreich erlebte.
Wenn man allerdings heute einen O2-Werbespot sieht, sollte man immer daran denken, dass der Kaiser einstmals ein extrem fragwürdiger Coach war, der zwar zur rechten Zeit aus seiner Mannschaft das Optimum rausgeholt hat, dessen Bilanz zuvor aber mehr als fragwürdig war.
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