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Der EM-Kader: Keine Optionen sind auch Optionen

Mai 16th, 2008

Der meistzitierte Kommentar zum deutschen EM-Kader in den Blogs und bei Twitter war heute wohl: “Panik bei Panini”. Als ob es ein wahres Favoriten-Kegeln gegeben hätte und ein No-Name nach dem anderen berufen worden wäre. Ich zitiere beispielhaft dogfoods Ausrufezeichen bei der Mittelfeldnominierung:

Ballack – Hitzlsperger – Rolfes(!) – Frings – Schweinsteiger – Trochowski(!) – Borowski(!) – Jones(!) – Odonkor() – Marin(!)

Auf den ersten Blick kann man sich bei dem ein oder anderen fragen: Was hat der bei einer EM verloren? Dann allerdings sollte man darüber nachdenken, welcher andere verfügbare Spieler es mehr verdient hätte. Hier fallen mir nur zwei Kandidaten ein, die tatsächlich übergangen wurden. Zum ersten Ernst, der eine solide Saison bei Schalke gespielt hat, aber in der Nationalmannschaft noch nie ein gutes Standing hatte und aufgrund seiner eindimensionalen Ausrichtung als Sechser zu viele andere vor sich hat. Zum anderen – ein für mich eigentlich sicherer Kandidat – Hilbert. Auf den Flügelpositionen gibt es kaum Alternativen. Als reinrassiger Außenläufer hätte ich ihn definitiv mitgenommen.

Die beiden vieldiskutierten Odonkor und Marin haben Alleinstellungsmerkmale, aufgrund derer man die Nominierung rechtfertigen kann. Odonkor, trotz Formschwäche, ist eine Waffe, wenn in der letzten Viertelstunde Flanken in Kontersituationen gebraucht werden. Marin ist eine Waffe, wenn man in der letzten Viertelstunde einen kompakten Abwehrblock durch Einzelaktionen knacken muss.

Die Graupe für mich im Kader: Trochowski. In der Rückrunde mit der schlechtesten Leistung aller im Kader und ohne Qualitäten, die die Mannschaft sonst nicht aufweisen kann.

In der Abwehr wurden Manuel Friedrich und Gonzalo Castro übergangen, der sicher keine schlechtere Saison als Arne Friedrich oder Clemens Fritz gespielt haben. Hier war wahrscheinlich das desolate Leverkusener Saisonfinale mitverantwortlich und die Tatsache, dass der andere Friedrich eine Stein im Brett hat.

Im Sturm waren die Härtfälle programmiert. Auch hier wieder Leverkusener Schwächephase: Vor anderthalb Monaten hätte Kießling sicher noch den Vorzug vor Helmes bekommen. Doch der drehte gerade in den letzten sechs Spielen groß auf.

Insgesamt also geht die ausgerufene Überraschung vor allem auf die Personalie Hildebrand zurück, die tatsächlich heftig ist. Aber auch hier ist die Überraschung nicht groß aufgrund der Leistung, sondern aufgrund der bisherigen DFB-Personalpolitik. In der Tradition durfte sich Hildebrand wohl tatsächlich als gesetzte Nummer 2 und Nummer 1 nach der EM fühlen. Weil es gerade bei den Torhütern selten um die Tagesform ging, sondern um langfristige Aufbauarbeit. Aber ganz ehrlich: Was die Leistung angeht, ging in den letzten anderthalb Jahren an Adler nichts vorbei. Fast jedesmal, wenn ich ihn gesehen habe, war er überragend, der beste deutsche Torwart. Und Enke war über die letzten vier Saisons der beste Keeper der Bundesliga. Also auch hier: Die Leistung und die Perspektive für die EM hat entschieden.

Meine Gratulation an Löw, Flick und Köpke. Sie hatten kaum Optionen. Der Pool, aus dem sie auswählen konnten, war extrem begrenzt. Die Optionen, die sie gezogen haben, sind gut. Es gibt einen klaren Stamm und es gibt Special-Team-Player und insgesamt haben sich Leistung und taktische Alternativen durchgesetzt.

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2 Responses to “Der EM-Kader: Keine Optionen sind auch Optionen”

  1. dreieckeneinelfer.twoday.net on Mai 16, 2008 23:51

    Mit 3 Zweitligaspielern und Odonkor gegen Österreich…

    Welch ein Schelm, der Herr Löw! Zunächst sieht es so aus, als wolle er nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Bis das Spiel gelaufen ist, und Österreich erkannt haben wird, dass Deutschland sogar mit zwei Zweitligajunioren, einem …

  2. Der deutsche EM2008 Kader | sebsn.de Der Blog! on Mai 17, 2008 20:38

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