Der Bundesliga-Check Teil 5: HSV, Wolfsburg, Stuttgart

August 15th, 2008

VfB Stuttgart

Einer völlig überraschende Meisterschaft nachzulegen ist schwierig. Automatisch werden die Ansprüche nicht an der vorhandenen Qualität, sondern am unerwartet Erreichten gemessen. Im Umfeld ploppen überzogene Erwartungen auf.

Den VfB hat in der letzten Saison die Realität eingeholt, aber er hat diese Phase unbeschadet überstanden. Ich hatte die Transferpolitik gelobt und war ebenso überrascht wie wahrscheinlich Veh und Heldt, dass das eigentlich gute Konzept nicht aufgegangen ist.

Das lag aber nicht nur an den aus verschiedenen Gründen enttäuschenden Neuzugängen Bastürk, Schäfer und Marica. Vor allem fanden Leistungsträger der Meisterschaftssaison wie Hilbert nicht mehr zu ihrer Top-Form zurück oder waren wie Gomez und Delpierre lange verletzt.

Das Konzept der punktuellen Verstärkung hat Stuttgart beibehalten. Mit Simak, Lanig, Boulahrouz und Lehmann sind Hoffnungsträger und gestandene Profis für die Problempositionen verpflichtet worden.

Im Tor steht Lehmann außerhalb jeder Diskussion. Natürlich wird er nicht jünger. Aber für zwei Saisons auf Top-Niveau wird es zweifellos noch reichen. Der schwierige Charakter Lehmann wird unter Veh zum Führungsspieler und erhält die notwendige Rückendeckung. Boulahrouz bringt internationale Erfahrung in die Abwehr, ist aber nicht mal automatisch gesetzt, weil Tasci in blendender Form in die Saison geht.

Im offensiven Mittelfeld gibt es eine besondere Situation. Zwei äußerst talentierte Spielmacher konkurrieren um den Stammplatz, gelten aber jeder für sich als Pflegefall. Bastürk aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit, Simak wegen seiner Alki-Vergangenheit und seinem schwierigen Charakter. Beide brauchen  die volle Unterstützung der sportlichen Leitung und Simak ein sehr geordnetes Umfeld.

Sind beide fit und in Form, hat Stuttgart zwei Waffen. Der eine dribbelstark, wendig und immer für eine Überraschung gut, der andere mit viel Übersicht und Tempo und einem unwiderstehlichen Tordrang.

Klappt es mit beiden nicht, hat Veh immer noch den ehemaligen Fürther Martin Lanig in der Hinterhand, der beinahe noch torgefährlicher ist als Simak. Er könnte der lachende Dritte im Konkurrenzkampf sein, aber auch auf der rechten Seite im Mittelfeld spielen.

In der Innenverteidigung hat Stuttgart wie beschrieben keine Probleme. Auf den Außen der Viererkette sieht es ähnlich aus. Magnin auf links ist defensiv solide und für seine Flankenläufe gefürchtet. Auf rechts steht Osorio, Hilbert kann diese Position offensiver interpretieren.

Im linken Mittelfeld ist Hitzlsperger gesetzt. Er hat in seiner Stuttgarter Zeit eine erstaunliche Entwicklung gemacht. Am Anfang noch oft auf der Bank ist er zum absoluten Führungsspieler gereift und strahlt Torgefahr aus. Seine einzige Schwäche ist, dass er zu oft aus hoffnungsloser Position aufs Tor schießt. Pavel Pardo ist mit seiner emsigen Spielweise einer des besten Sechser der Liga. Mit Khedira steht ein Spieler aus dem erweiterten Kreis der Nationalmannschaft als Backup bereit. Auf rechts muss Hilbert bestätigen, dass die Meisterschaftssaison keine Eintagsfliege war. Mit seiner Power kann er Abwehrreihen sprengen, hat dies aber in der letzten Saison zu selten gezeigt.

Im Sturm könnte der im letzten Jahr absolut enttäuschende, sauteure Marica zur Überraschung mutieren. Die Vorbereitung lässt darauf schließen, dass er in Stuttgart angekommen ist. Da mit Cacau aber ein Konkurrent da ist, der schon oft abgeschrieben wurde, sich aber immer wieder durchgesetzt und viele Tore geschossen hat, ist das ein Luxusproblem. Gomez hatte zuletzt eine Durststrecke. Doch selbst wenn er nicht in Form ist, dürfte er einer der besten Stürmer der Liga sein.

Armin Veh hat seinen Kader für ein klares 4-4-2 entwickelt. Auf allen Positionen ist Stuttgart doppelt besetzt und kann ohne Qualitätsverlust Ausfälle kompensieren. Auffallend ist die Dichte an großartigen Talenten, die ihre Lehrzeit langsam hinter sich haben und zu Leistungsträgern avancieren können. Für mich ist das eine überzeugende Mischung, die einen der internationalen Plätze erreichen wird.

Platz 5

VfL Wolfsburg

Der VfL Wolfsburg hat zum Großangriff geblasen und von allen Bundesligamannschaften die namhaftesten Transfers getätigt. Alleine die Tatsache dass es sich bei den beiden Großeinkäufen um italienische Nationalspieler handelt, hat Symbolcharakter und setzt ein Ausrufezeichen. Zu Felix Magath passt es, dass es sich dabei nicht um Mittelfeldzauberer oder Knipser handelt, sondern um solide Verteidiger.

Zaccardo und Barzagli zusammen mit Schäfer, einem fitten Costa und Begnalio im Tor . damit hat Wolfsburg eine Abwehr auf allerhöchstem Bundesliganiveau. Mit Simunek und Riether stehen zwei Ersatzleute bereit, die sich sicher nicht mit der Auswechselbank anfreunden werden und in der letzten Saison absolut überzeugt haben.

Nicht verstärkt wurde das Mittelfeld. Im Gegenteil. Mit Marcelinho hat der VfL einen launischen, aber kreativen, torgefährlichen Spielmacher verloren, der zudem Kapitän und Führungsspieler war. Ob Misimovic, der bei Nürnberg als einer der wenigen zu überzeugen wusste, diesen Verlust vollständig  kompensieren kann, wage ich zu bezweifeln.

In der defeniven Zentrale ist Josue gesetzt. Auf den Außenpositionen ist der Konkurrenzkampf größer. Gentner hat in Wolfsburg einen Riesenschritt nach vorne gemacht und klopft an der Tür zur Nationalelf. Er ist wie Josue gesetzt. Hasebe hat sich in der letzten Saison heimlich still und leise auf rechts etabliert. Er kämpft gegen Santana um einen Stammplatz. Mit Adlung, dem Neuzugang aus Fürth, steht ein Hoffnungsträger in Wartestellung und auf Krzynowek kann man sich immer verlassen.

Nicht überzeugend ist Wolfsburg im Sturm. Dort stehen mit Dzeko und Grafite nur zwei etatmäßige Stürmer, als adäquater Ersatz kommt nur der gelernte Mittelfeldspieler Dejagah infrage. Das reicht nicht für die Bundesligaspitze. Radu und Boakye wurden kurzfristig abgegeben, so dass Magath hier noch nachlegen muss.

Bisher ließ Magath stets ein 4-4-2 spielen, meistens mit Raute. Im Sturm könnte das Spielermaterial dafür kanpp werden, Graftite ist bereits verletzt. Eventuell muss der VfL auf ein 4-5-1 umstellen, was aufgrund der ordentlichen Besetzung im Mittelfeld möglich, aufgrund fehlender Außenflitzer aber nicht optimal wäre.

Die tatsächlich getätigten Transfers des VfL haben mich sehr überzeugt. In der Defensive gibt es kaum etwas besseres in der Liga. Die Offensive braucht allerdings noch dringend Verstärkung, die auch kommen wird. Dennoch gilt der alte Spruch: Der Strum gewinnt das Spiel, die Abwehr die Meisterschaft. Deshalb wird der VfL noch besser abschneiden als in der letzten Saison.

Platz 3

Hamburger SV

Der HSV hat eine sehr seltsame Transferpolitik betrieben. Auf der Haben-Seite stehen mit Aogo und Pitroipa nur zwei Neuzugänge, dazu noch aus der zweiten Liga. Im Soll hingegen Van der Vaart, der Mann, mit dem das Spiel der Mannschaft stand und fiel. Das ist ein klarer Qualitätsverlust und die Vereinsführung hat keine Argumente, eine Entwicklung nach vorne zu fordern.

Auf der anderen Seite könnte es eine Befreiung für Hamburg sein, nicht mehr auf Gedeih und Verderb von einem Spieler abhängig zu sein. Die Verantwortung verteilt sich auf mehr Schultern und junge Spieler wie Trochowski sind gefragt, den nächsten Schritt zu machen und die Lücke zu füllen.

Doch nicht nur der Abgang des Regisseurs mit eingebauter Torgarantie macht mich pessimistisch. Der HSV hatte offensichtliche Schwachstellen und diese wurden in keiner Weise ausgemerzt.

Ja, ich rede vom Sturm. Während Olic sich in der letzten Saison wacker geschlagen hat, untermauerte Guerrero seinen Ruf als Chancentod. Der Valdez von Hamburg. Mit Zidan sitzt ein eigentlich hervorragender Torjäger, aber auch ein Pflegefall auf der Bank. Er braucht ganz viel Rückhalt, um zu Topform aufzulaufen, und er wird ihn wahrscheinlich nicht bekommen.

Auf den Außenpositionen im Mittelfeld stehen mit Trochowski und Pitroipa zwei hoffnungsvolle Talente. Trochowski muss in dieser Saison den Durchbruch schaffen, er ist bisher zu oft mittelmäßig. Pitroipa ist ein begnadeter, unbedarfter Dribbler, der in der Vorbereitung voll eingeschlagen und hohe Erwartungen geweckt hat. Er könnte einer der Bundesliga-Newcomer der Saison werden. In der Zentrale klafft nach dem Abgang von VdV eine Lücke, die eventuell Jarolim ausfüllen muss.

Die Offensive ist insgesamt zu schwach besetzt, um um die internationalen Plätze zu spielen. Überzeugend ist hingegen die Defensive. Mit de Jong und Kompany ist das defensive Mittelfeld mit intelligenten, kampfstarken aber gleichzeitig technisch beschlagenen Spielern besetzt.  Mathijsen und Reinhardt sind in der Mitte ein sowohl erfahrenes, wie auch kopfballstarkes Duo mit guter Spieleröffnung. Auf rechts weckte Boateng in der letzten Saison hohe Erwartungen und erkämpfte sich einen Stammplatz, den er nun gegen Demel verteidigen muss. Auf links könnte der junge, hochtalentierte Aogo statt dem fahrigen und zu temperamentvollen Atouba auflaufen.

Der Kader des HSV reicht nicht, um die Platzierung der letzten Saison zu bestätigen. Entscheidend wird sein, wie Jol als Trainer einschlägt. Auch wenn die Fans reichlich gemeckert haben, hat Stevens die Mannschaft am Rande des Leistungspotentials trainiert, so dass es nicht viel Luft nach oben gibt. Der HSV wird nur im Mittelfeld landen.

Platz 9

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One Response to “Der Bundesliga-Check Teil 5: HSV, Wolfsburg, Stuttgart”

  1. klinkinho on August 16, 2008 10:17

    fussballmanager real: zidan gegen petric. mohammad zurück bei kloppo und in meiner kickermannschaft, der alleine sind wahrscheinlich 200punkte.

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