Der Bundesliga-Check Teil 3 – Hertha, KSC, Bochum
VfL Bochum
Der VfL Bochum hat in den letzten Jahren stets die Erwartungen übertroffen und den Klassenerhalt früher gerettet, als von den meisten erwartet. Schritt für Schritt hat sich Marcell Koller einen feinen Kader zusammengestellt, der vor allem in diesem Jahr einen Qualitätssprung gemacht hat. Mit Paul Freier und Vahid Hashemian sind zwei potentielle Stammspieler gekommen, die in einer Mannschaft des unteren Bundesliga-Mittelfelds Leistungsträger sein können und bei Bochum bereits gezeigt haben, dass sie herausragende Leistungen zeigen können. Der Türke Sinan wird Hashemian Konkurrenz machen. Beide neue Stürmer dürften gute Ergänzungen zum quirligen Sestak sein. Weiterer Neuzugang mit Ansprüchen auf einen Stammplatz ist der junge Linksverteidiger Christian Fuchs aus Österreich, dessen Stärken (auch) in der Offensive liegen.
Der VfL ist unter Koller spielstark. Sowohl in der Offensive wie in der Defensive. Das Bällchen läuft auch gegen personell besser besetzte Mannschaften flüssig und schnell nach vorne. In der Abwehr verteidigt die ganze Mannschaft und versteht es, die Räume eng zu machen und Überzahl am Ball herzustellen. Mit Zdebel oder Drabwoski sind taktisch intelligente Arbeiter im zentralen Mittelfeld vorhanden. Was den VfL ein wenig fehlte, die Kreativität, können der bereits in der letzten Saison aufblühende Azouagh und Paul Freier ins Spiel bringen.
Die Taktik wird ein 4-4-2, das entweder mit einer Raute gespielt wird, in der Azouagh oder Ono den Spielmacher markieren, oder mit Zdebel und dem torgefährlichen Dabrowksi als Doppelsechs. Wenn Freier fit ist, ist er auf rechts gesetzt. Hinter diesen Spieler drängen zahlreiche, flexibel einsetzbare Spieler in die erste Elf, die nicht viel schlechter sind: Epalle, Schröder oder Imhof. Im Mittelfeld hat Koller keine Sorgen.
Mit Hashemian oder Sinan wird ein Mittelstürmer auflaufen, Sestak wirbelt drumherum und lässt sich teilweise zurückfallen. Miciel war mit Ambitionen zum VfL gewechselt, scheint im Moment aber nur die Nummer vier zu sein. Die Frage im Sturm lautet: Finden diese Spieler zu ihrer Form? Sestak hatte in der Rückrunde ein Tief, Hashemian hat lange nicht mehr im Stamm gespielt, Sinan konnte sich in türkischen Spitzenmannschaften nie durchsetzen und Miciel enttäuschte bisher. Epalle könnte im Sturm einspringen. Es bleibt ein Fragezeichen. Bisher hat Bochum es aber noch immer geschafft, die Offensive in Topform zu bringen.
Die zentrale Abwehr ist mit Maltritz und Yahia sehr solide besetzt. Allerdings fehlt es an adäquatem Ersatz, falls sich einer der beiden verletzt, weshalb Bochum vor Saisonstart nochmal nachlegen will. Auf der Abwehrseite ging Meichelbeck, für ihn kam Stein. Davon verspricht sich der VfL eine Qualitätssteigerung. Sollte er nicht einschlagen, steht mit Bönig solider Ersatz bereit. Auf links wird Pfertzel auflaufen, der sich gerade gegen Saisonende in guter Form zeigte.
Insgesamt hat Bochum von den nominellen Abstiegskandidaten einen der bestbesetzten und taktisch flexibelsten Kader, ist gut eingespielt und hat sich sehr gezielt verstärkt. Koller hat in den letzten Jahren konstant bewiesen, dass seine Mannschaft höher eingeschätzte Gegner regelmäßig schlagen kann. Bochum wird keine Probleme haben, die Klasse zu halten und sich erneut einen Mittelfeldplatz sichern.
Platz 11
Karlsruher SC
Respektlos und offensiv ausgerichtet hat der KSC in der Hinrunde der letzten Saison, von der Aufstiegs-Euphorie getragen, viele Gegner überrascht und landete auf Platz 6 der Herbstmeisterschaft. In der Rückrunde ging es aber bereits steil bergab und nur Hansa Rostock holte weniger Punkte. Die Saison endete mit einem desaströsen 0:7 gegen den HSV. Den Optimismus hat sich Ede Becker dennoch bewahrt und gibt einen Mittelfeldplatz als Saisonziel aus.
Für die Rückrunde gibt es zwei Deutungsmöglichkeiten: Entweder haben die KSC-Spieler aufgrund der hervorragenden Hinrunde nicht mehr die notwendigen 110% gegeben, oder die Gegner hatten sich auf die Becker-Taktik eingestellt und konnten sie relativ einfach aushebeln.
Das größte Problem des KSC ist, dass zwei Neuzugänge 100 Prozent einschlagen müssen. Mit Hajnal und Eggiman sind die beiden besten Spieler gegangen. Hajnal war an gefühlten 60 Prozent der Tore beteilgt. Ein Erbe, dass Da Silva, trotz zweifellos vorhandener Qualitäten kaum erfüllen kann. Eggiman war der Leader des Teams. Der Ex-Rostocker Sebastian wird genug damit zu tun haben, die Lücke im Abwehrverbund zu stopfen. Die Führung der Mannschaft wird ein anderer, wahrscheinlich Maik Franz, übernehmen müssen.
Die Abwehr des KSC ist dünn besetzt. In der Mitte werden Franz und Sebastian starten, mit Sebastian als Unsicherheitsfaktor. Auf der linken Seite ist Eichner gesetzt. Auf rechts kann und muss zu Beginn der Saison Colazzi Andreas Görlitz ersetzen. Dahinter stehen mit Stoll und Langkamp nur zwei weitere etatmäßige Verteidiger.
Auf den anderen Positionen ist der KSC in der Breite deutlich besser besetzt. Im defensiven Mittelfeld könnten der torgefährliche Porcello und der letztjährige Shooting-Star Mutzel beginnen. Dicht dahinter sind Adoube und Buck. Auf den Außenpositionen stehen mit Carnell, Iashvilli, Freis und Timm gleich vier qualitativ gleichwertige Spieler parat. Allen ist gemeinsam, dass sie sehr offensiv ausgerichtet und schnell sind und vor allem mit Freis und Timm einige Torgefahr ausstrahlen. Im Sturm hat Kennedy in der Rückrunde bewiesen, dass er perfekt in Beckers Taktikschema passt, während sein Backup Kapplani bisher noch nicht seine Bundesligatauglichkeit gezeigt hat. Da Silva ist relativ konkurrenzlos im offensiven Mittelfeld.
Ede Becker favorsiert klar ein 4-5-1, das in der Offensive zu einem 4-3-3 wird. Sein Spiel lebt von den Außen, die das Spiel breit machen und die Konter nach vorne tragen, gleichzeitig aber auch Torgefahr ausstrahlen müssen. Taktische Flexibilität ist nicht die Sache des KSC, deshalb ist die Mannschaft leicht auszurechnen. Strategisch geschulte Mannschaften können sich relativ einfach auf die Aufeinandertreffen einstellen, da Karlsruhe gegen fast keinen Gegner die personelle Klasse hat, mit Einzelaktionen den Erfolg zu zwingen.
Es ist nicht die Sache des KSC, wie Cottbus auf die Chance zu lauern und Drecksspiele für sich zu entscheiden. Der personelle Aderlass ist zu groß, als dass Becker ihn auffangen könnte. Der KSC wird einer der ersten Abstiegsanwärter in der neuen Saison sein.
Platz 17
Hertha BSC Berlin
Die Hertha ist für mich Cottbus auf gehobenem Niveau. Die Unterschiede: Statt No Names aus Osteuropa werden No Names aus Brasilien und Osteuropa verpflichtet und während Energie die Erwartungen meist übererfüllt, bleibt Berlin stets dahinter zurück. Die Attraktivität ist in etwa dieselbe.
Seit Jahren ist die Transferpolitik die gleiche, doch Dieter Hoeneß scheint nichts aus den Fehlern zu lernen und ersetzt einen Mineiro durch einen Cicero. Das ist nicht überzeugend und scheint mir auch in diesem Jahr kein Schritt nach vorne zu sein.
Größte Konstante in Berlin ist – neben Pantelic – die Abwehr. Hier sind Friedrich und Simunic seit Jahren gesetzt. Von Bergen hat eine sehr durchschnittliche Debut-Saison hinter sich, aber scheinbar auch das Vertrauen des Trainers. In der Abwehrmitte soll Kaka einschlagen, ist aber mit dem eingebauten brasilianischen Faktor ausgestattet, ob er in der ersten Saison den Anschluss schafft. Auf links werden große Hoffnungen in Marc Stein, einen Leistungsträger in Rostock gesetzt.
Im defensiven Mittelfeld wäre Kacar gesetzt – doch der weilt zunächst in Peking und verpasst die Vorbereitung. Cicero ist wie Kaka eine Wundertüte. Es würde mich nicht wundern, wenn einer der beiden soliden Dardai oder Lustenberger anfangen sollten.
Auf der Außenposition wurde mit Nicu ein Spieler verpflichtet, der in Wehen für Furore sorgte und sich als einer der torgefährlichsten Mittelfeldspieler der zweiten Liga erwies. Er könnte zum Überraschungscoup der Berliner werden und Pisczek die Stammposition streitig machen. Auf rechts steht das temperamentvolle und agile Eigengewächs Ebert bereit, der vom Talent her noch einen Gang höher schalten könnte. Im zentralen Mittelfeld läuft sicher Raffael auf, der in der Rückrunde mit 10 Scorerpunkte beeindruckte und der Hoffnungsträger der Berliner ist.
Favre favorisiert ein 4-2-3-1 mit Pantelic als einziger Spitze. Sollte Nicu auf links einschlagen und Raffael die Leistung aus der Rückrunde bestätigen, könnten sie ein wenig Last vom Torjäger nehmen. Beide sind für 10 Tore gut. Das größte Manko der Berliner ist nämlich der Sturm, wo hinter Pantelic lange nichts mehr kommt. Insgesamt überzeugt mich der Kader aber nicht, weil zuvieleUnbekannte mitspielen. Sollten alle Neuzugänge einschlagen und die Offensive funktionieren, wäre ein Platz 7 möglich. Die Vergangenheit lehrt aber das Gegenteil.
Platz 13
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One Response to “Der Bundesliga-Check Teil 3 – Hertha, KSC, Bochum”


Der erste Absatz bei Hertha BSC ist Gold, den rahm ich mir ein und häng ihn irgendwo hin.