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Der Bundesliga-Check Teil 2 – Bielefeld, Cottbus, Dortmund

August 10th, 2008

Arminia Bielefeld

Nach vier Spielzeiten sollte man meinen, dass sich ein Verein in der Bundesliga etabliert und einige Schritte Richtung Mittelfeld gemacht hat. Nicht so die Arminia. Die Qualität des Kaders ist eines Aufsteigers kaum würdig. Vor der letzten Saison hieß die sportliche Leitung noch Middendorp/Saftig, nun Frontzeck/Dammeier. Eine gelungene Premiere sieht anders aus.

In der Abwehr stehen mit Schuler, Mijatovic und Kucera solide, erfahrene Spieler, die aber kaum für höhere Weihen geeignet sind. Konkurrenz sollen sie von Lamey und Herzig bekommen, beides keine Spieler, die sich durch ausgezeichnete Leistungen aufgedrängt haben. Eher handelt es sich um solide Zweitliga-Akteure.

Der Schwachpunkt der Bielefelder sollte aber im Mittelfeld liegen. Schlechter geht es in der Bundesliga kaum. Herzstück ist Rüdiger Kauf, ein rustikaler Arbeiter mit Pferdelunge, der aber nicht für spielerische Highlights berühmt ist. Gleiches gilt für Torben Marx. Aussichten auf den dritten Platz hat Oliver Kirch, der bei Gladbach nie über den Status des Einwechselspielers hinausgekommen ist. Südafrikas Nationalspieler Nkosi hat bisher den Anschluss bei der Arminia nicht geschafft, dass der Knoten noch platzt ist unwahrscheinlich. Der junge Aigner hat Potential und könnte sich in die Stammformation spielen.

Im Sturm hat die Arminia mit Sadik und Katongo zwei Hoffnungsträger verpflichtet, allerdings nicht mit Durchschlagsgarantie. Katongo hatte in der dänischen Liga bei Bröndby keine Einsatzgarantie, der junge Sadik hat sich bisher nur in der finnischen Liga beweisen können. Daniel Halfar hat in der letzten Saison einen ordentlichen Einstand erlebt und könnte in diesem Jahr seinen Durchbruch erleben. Einzige Konstante im Sturm ist Artur Wichniarek, bester Fußballer im Team und mit eingebauter 10-Tore-Garantie.

Der Trainer Michael Frontzeck hat eine seltsame Saison hinter sich. Als Nachfolger von Ernst Middendorp übernahm er eine Mannschaft am Boden. Bielefeld startete furios in die letzte Spielzeit und stand nach drei Spieltagen auf eine CL-Platz. Danach ging gar nichts mehr. Frontzeck startete mit einer Niederlagen-Serie in seine Amtszeit, durfte aber dank einer Menge Rückhalt und vielen Schuldzuschreibungen Richtung Middendorp die Saison zu Ende trainieren. Er rettete das Polster der ersten Spieltage über die Zeit, ohne dabei überzeugend spielen zu lassen oder einen guten Punkteschnitt zu holen. Angesichts dessen ist er einer der ersten Kandidaten für die erste Entlassung der Saison.

Viele taktische Möglichkeiten hat er nicht. Es dürfte auf ein 4-3-3 hinauslaufen. Im Sturm hat Bielefeld die größte Auswahl. Mit Wichniarek, Katongo, Kamper und Halfar stehen einige fähige Außenstürmer im Kader. Der Abgang von Christian Eigler war unnötig und hat Bielefeld Qualität geraubt. Im Mittelfeld stehen kaum genug Spieler für eine Dreier-Kette bereit, ein Vierer-Mittelfeld wird schwer zu besetzen sein. Die Abwehrkette ist unterer Bundesliga-Durchschnitt. Überraschungs-Potential sehe ich nur bei Nico Herzig, der sich in die Innenverteidigung spielen könnte, sodass Kucera als Mittelfeld-Alternative mit Kauf eine Doppel-Sechs spielen könnte.

Insgesamt reicht die personelle Besetzung aber nicht für die Bundesliga. Bielefeld steckt bis zum Schluss im Absteigskampf und schafft den Klassenerhalt nicht.

Platz 18

Energie Cottbus

Wie jedes Jahr ist es schwierig, eine fundierte Prognose über Cottbus abzugeben, denn der Verein ist auf unbekannte Neuzugänge aus Ost-Europa angewiesen, die man kaum einschätzen kann. Auf der anderen Seite kann man auch nicht viel falsch machen, wenn man Energie als sicheren Absteiger tippt.

In der Abwehr lässt Prasnica eine solide Viererkette spielen. Ziebig, Cventanoviv, Mitreski waren bisher gesetzt. Der Türke Atan kann sowohl auf links als auch in der Mitte auf einen Stammplatz hoffen. Auf der rechten Seite agierte bislang Da Silva, mit Pavicevic kam harte Konkurrenz, der als Stammkraft in die Saison starten sollte.

Im Mittelfeld lasst Prasnica vorzugsweise drei zentrale Spieler auflaufen, unterstützt von zwei Außen, die in der Offensive als Außenstürmer agieren. Skela ist Dreh- und Angelpunkt und kreatives Hirn der Mannschaft. Hinter ihm sichern der Führungsspieler Rost und Angelov ab. Mit Kurth ist ein Charakter zur Mannschaft gestoßen, der den Konkurrenzkampf anheizt. Der Chinese Shao ist eine Alternative. Mit Rangelov, Sörensen und Rivic ist auf den Außen viel Qualität für Cottbusser Verhältnisse vorhanden.

Im Sturm könnte Energie wieder mal Glücksgriffe getan haben. Iliev und Jula haben in der rumänischen bzw. griechischen Liga eine sehr gute Rolle gespielt und lassen Torgefahr erwarten.

Mit diesen beiden Spielern könnte Prasnicar sein  4-5-1 zugunsten eines 4-4-2 aufgeben, denn Cottbus hat offensiv deutlich mehr Möglichkeiten als in der letzten Saison. Der Kader hat an Qualität gewonnen, gehört aber trotzdem zum Kreis der Abstiegskandidaten. Schafft es der Trainer sein Team erneut taktisch so gut einzustellen wie in der letzten Saison, ist der Klassenerhalt möglich. Es sind zwar keine großen Namen vorhanden, aber der Kader birgt mehr Qualität als der einiger Mitkonkurrenten. Cottbus geht in die Relegation und hält die Klasse.

Platz 16

Borussia Dortmund

Borussia Dortmund ist so etwas wie die Wundertüte der Liga. Das Team hat eigentlich alles, was man für die Uefa-Cup-Quali braucht. Denn die große Schwachstelle in der Abwehr wurde ausgemerzt – allerdings nicht mit Qualitätsgarantie, sondern mit hoffnungsvollen Talenten. Von dieser Abwehrreihe wird es auch abhängen, welche Rolle die Borussia in der neuen Saison spielen kann.

In der letzten Saison standen mit Kovac und Wörns zwei Altstars in der Innenverteidigung, die höchstens durch Übersicht glänzten. Aber was nützt die beste Analyse der Situation, wenn man nicht schnell genug ist, diese zu bereinigen? Die Ersatzleute Amedick und Brzenska konnten ihre großen Chancen nicht nutzen und wurden folgerichtig in die zweite Liga transferiert. Ein völliger Neuanfang soll mit Subotic, Hummels und Santana gelingen. Neven Subotic traue ich die erste Liga zweifelsfrei zu. In der letzten Saison schlug er in Mainz ein wie eine Granate. Außer Marcell Jansen hat mich kaum ein Abwehrspieler unter 20 Jahren mich in den letzten Jahren mehr überzeugt. Santana und Hummels streiten sich um den anderen Stammplatz – ich habe keine Zweifel, dass Klopp auch hier eine überzeugende Wahl treffen wird. Dede ist auf links eine absolute Konstante im Dortmunder Auf und Ab der letzten Jahre und mit Owomoyela sollte auf rechts – wenn er von Verletzungen verschont bleibt – eine deutliche spielerische Verbesserung gewonnen sein.

Im Mittelfeld  hat Dortmund in der Breite eine Qualität, wie kaum ein anderer Verein, es fehlt allerdings an den herausragenden Typen. Auf der 6er-Position bieten sich mit Kehl, Kringe, Tinga und Sahin gleich vier Spieler an, wobei Kringe einer der unterschätztesten Bundesliga-Spieler sein dürfte. Kringe bietet viel Dynamik und für meinen defensiven Mittelfeldspieler sehr viel Torgefahr. Wo Sahin nach seiner Zeit in Rotterdam steht, ist nicht klar. Wer vor zwei Jahren als Europas Top-Talent ausgerufen wurde, kann jedenfalls nicht so schlecht sein. Kehl scheint als Kapitän gesetzt, Tinga wird es schwer haben. Für die kreative Zentrale wurde Hajnal geholt. Bei ihm ist fraglich, ob er höheren Ansprüchen genügt. Aufgrund der Tiefe des Kaders kann Dortmund es verschmerzen, wenn er den Sprung vom KSC in eine Mannschaft mit höherem Konkurrenzdruck nicht schafft. Damit wären wir bei Frederico, Hajnals Vorgänger beim KSC. Er ist der Backup im offensiven Mittelfeld, wird aber wahrscheinlich keine große Rolle spielen.

Auch der Sturm der Dortmunder gefällt mir sehr gut. In der ersten Elf sollten Frei und Petric auflaufen. Frei hat ein Seuchenjahr hinter sich, seine Qualität hat er im Jahr davor mehr als bewiesen. Petric würde eine Art hängende Spitze spielen, kann auch im offensiven Mittelfeld auflaufen. Torgefährlich ist er auf jeden Fall und für mich der beste Spieler der Borussia. Wenn beide in Topform sind, geht über dieses Stürmer-Duo wenig in der Bundesliga. Mit Valdez und Klimovicz stehen dahinter zwei Stürmer, die in fast jeder anderen Mannschaft in der Stammelf spielen würden.

Jürgen Klopp favorisiert ein 4-4-2, von dem er selten abweichen wird. Warum auch? Er hat genug Alternativen, um es trotz Ausfällen spielen zu lassen. Den klassischen Spielmacher mag er hingegen nicht, weshalb Hajnal nicht auf seiner angestammten Position spielen, sondern eher über außen kommen dürfte. In der Zentrale starten wahrscheinlich Kehl und Kringe, wobei Kringe den offensiveren Part übernimmt. Auf der rechten Seite könnte Kuba den Durchbruch erleben. 4-5-1 wäre durchaus eine Alternative. Petric oder Hajnal könnten vor der Doppelsechs spielen, auf Außen stehen mit Kuba, Buckley oder Valdez  pfeilschnelle Spieler parat.

Trotz den großartigen Möglichkeiten wird Dortmund ein Jahr brauchen, um sich neu zu finden. Deshalb wird es nicht direkt mit dem Uefa-Cup-Platz klappen. Zweifelsohne wird es für den einen oder anderen Überraschungs-Coup reichen.

Platz 8

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8 Responses to “Der Bundesliga-Check Teil 2 – Bielefeld, Cottbus, Dortmund”

  1. Nick on August 10, 2008 14:32

    Platz 8 für den BVB - das schätze ich ähnlich ein. Die Spiele werden ansehnlicher werden, aber bis in der Abwehr die richtige Stabilität gefunden ist, wird es noch eine Weile dauern.

    Allerdings traue ich Tamas Hajnal durchaus eine wichtige Rolle zu. Er hat das Spielmacher-Format, das Petric und vor allem Federico in der letzten Saison vermissen ließen (wobei Petric im Sturm natürlich absolut zu überzeugen wusste, gerade in der Hinrunde). Im Pokal und in den Testspielen sah das schon sehr vielversprechend aus. Zumindest solange Tinga noch verletzt ist, wird Hajnal wohl in der zentralen Position bleiben und eher Kringe über außen kommen.

  2. Any Given Weekend on August 12, 2008 18:20

    So läuft die Saison…

    Eigentlich bin ich kein großer Freund von Saisonprognosen. Nicht mehr. Nach DER letzten BVB-Saison. Aber gar nichts zu sagen, wäre auch schwach für einen Fußballblogger. Deshalb hier ein paar mal mehr, mal weniger gewagte Vorhersagen.
    Meister wird …

  3. Jan Droste on August 21, 2008 13:52

    vergrabt sein gehirn an der biegung des flusses. traurig das man über arminia immer das gleiche zu lesen bekommt ohne einmal ordentliche fakten oder argumente präsentieren zu können. naja was man in bielefeld leistet wird halt nirgendswo gesehen aber das einzigste was mich jetzt daran stört ist das ich eine minute verschwendet habe um diesen artikel zu lesen

  4. Dülp on August 21, 2008 14:26

    @Jan Droste: Was sind denn für dich ordentliche Fakten und Argumente? Nur solche, die dir in den Kram passen? Ich hab ja nix gegen Kritik, aber mangelnde Argumentation kannst du mir nicht vorwerfen. Es wäre schön gewesen, wenn du als Bielefeld-Insider geschrieben hättest, was deiner Ansicht nach daran nicht stimmt.

  5. Robert Klemme on August 22, 2008 09:37

    Mich hat an dem Text über die Arminia auch einiges gestört: was hat ein Wechsel der sportlichen Führung in der letzten Saison mit einer “gelungenen Premiere” zu tun? Ist ein 2:2 gegen Werde etwa nicht gelungen? Der als mäßig beschriebene Schuler hat in dem Spiel z.B. einen sehr guten Pass gespielt, der die Bremer Abwehr aushebelte und ein Tor einläutete. Natürlich ist er kein Weltstar, aber er hat es auch nicht verdient, auf Zweitliganiveau geschrieben zu werden. Dass Frontzeck z.T. wegen der “Schuldzuschreibungen Richtung Middendorp” die Saison bis zum Ende bleiben durfte, ist ziemlich neben der Realität: ihm blieben nicht mehr besonders viele Spiele und die Bielefelder verstehen – wie jeder eigentlich -, dass es eine Zeit braucht, bis ein neuer Trainer reüssiert. Woher die Gewissheit kommt, dass er einer der ersten Kandidaten für eine Ablösung ist, bleibt mir völlig schleierhaft. Überhaupt stört mich dieser Duktus des Ich-weiß-Bescheid-wie-es-ausgeht; wer auch nur eine Saison erlebt hat, weiß das die BL immer für alle möglichen Überraschungen gut ist. Jeder “Experte”, der solche Gewissheiten raushaut, disqualifiziert sich in meinen Augen selber.

  6. Dülp on August 22, 2008 21:17

    @Robert Klemme: Zum Zusammenhang “Wechsel der sportlichen Führung” und “gelungene Premiere”: Dammeier und Frontzeck hatten erstmals die Gelegenheit, die Mannschaft nach ihren Vorstellungen zu verstärken und taktisch aufzustellen. Das habe ich mit “Premiere” gemeint. Nicht aber das Spiel gegen Bremen, das fand statt, nachdem ich den Beitrag geschrieben habe.

    Frontzeck blieb nicht mehr viel Zeit? Das halte ich für eine gewagte Aussage. Ihm blieb die komplette Rückrunde. Die ersten 10 (!) Spiele konnte er keinen Sieg landen. So viel Zeit bekommt beinahe kein Trainer. Und es ist ja nicht so, dass er die Klasse souverän gehalten hätte.

    Dass er der erste Trainer ist, der rausfliegt, ist natürlich keine Gewisskeit, sondern ein Tipp, so wie die ganze Prognose ein Tipp ist. Ich würde mir niemals anmaßen zu glauben, dass ich damit richtig liege.

  7. O-Jay on August 23, 2008 01:16

    Who cares for Bielefeld? Ich merke immer erst an der Abschlußtabelle, dass die überhaupt mitgespielt haben. Bielefeld, WOB und Cottbus sind der Grund, warum ich mir manchmal das amerikanische Profiligen-Konzept ohne Auf- und Abstieg wünsche. Aber nur wirklich nur manchmal.

  8. O-Jay on August 23, 2008 01:17

    Kommentar-Modifikation möglich? Bitte ein “nur” streichen …

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