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Der Bundesliga-Check Teil 1 – Gladbach, Hoffenheim, Köln

August 7th, 2008

Die Sommerpause ist vorbei. Dank eines zweiwöchigen Blog-Trainingslagers dürfte ich genug Grundkondition für die neue Saison aufgebaut haben. Pünktlich mit dem Start der Pflichtspiele gibt es den Bundesliga-Check. Heute: Die Aufsteiger.

Borussia Mönchengladbach

Langsam dämmert es auch dem letzten Gladbach-Fan: Das mit dem Star-Einkauf wird nichts mehr. Luhukay und Ziege starten mit dem Aufstiegs-Kader in die neue Saison, ergänzt nur durch vier Einkäufe, die vom Namen her nicht unbedingt in der Kategorie “Verstärkungen” laufen. In der Vorbereitung hat sich gezeigt, dass nur der Israeli Gal Alberman Ambitionen auf einen sicheren Startplatz hat. Sein Auftreten allerdings macht Hoffnung auf einen Überraschungs-Coup. Der Freiburger Karim Matmour ist nah dran an der Stammformation. Callsen-Bracker und der international erfahrene Jaures müssen sich erstmal hinten anstellen.

Gladbach hat zwar keine herausragenden Spieler, aber einen extrem dichten Kader, in dem der Konkurrenzkampf sehr hoch ist. Jeder Ausfall könnte beinahe ohne Leistungsverlust kompensiert werden. Die sportliche Leitung hat zudem in ihrer kurzen Amtszeit auf charakterlich einwandfreie Spieler wert gelegt, sodass Hahnenkämpfe und Ego-Trips ausgeschlossen scheinen.

Bereits in Liga zwei standen zahlreiche Spieler im Kader, deren Anspruch eigentlich die Eliteklasse ist: Neuville, Marin, Rösler, Paauwe, Touma, Daems. Mit Ndjeng, Brouwers und Friend haben in der letzten Saison weitere Spieler  untermauert, dass sie mehr können als zweite Liga. Das Team sollte also personell erstligatauglich sein und ist besser besetzt als einige Konkurrenten im Abstiegskampf.

Luhukay hat zahlreiche taktische Möglichkeiten. In der letzten Saison war das 4-4-2 die Erfolgsformation und soll auch in der ersten Liga die Grundformation darstellen. In der Abwehrzentrale stehen zunächst Brouwers und Daems. Auf den Flanken der Viererkette duellieren sich Levels und Gohouri bzw. Voigt und Jaures um die Stammplätze. Die Besetzung ist nicht überragend und könnte zur Schwachstelle werden.

Im Mittelfeld ist Marin auf links wie Paauwe in der Mitte gesetzt. Um den zweiten zentralen Platz balgen sich Rösler und Alberman. Auf rechts gibt es einen Dreikampf zwischen Ndjeng, Touma und Matmour. In diesem Bereich dürfte Gladbach zum Mittelfeld der Liga zählen. Der Sturm ist dünn besetzt. Mit Friend, Neuville und Colautti stehen nur drei etatmäßige Stürmer im Kader, Matmour könnte einspringen. Ist Neuville fit und kann Friend seine Leistung der letzten Saison bestätigen,  dürften die gegnerischen Abwehrreihen einiges zu tun bekommen. Aber Neuville plagt sich bereits zum Saisonauftakt mit einer Verletzung herum. Zweifel, ob es in der Breite reicht, sind angebracht.

Zum Glück kann Luhukay variieren. In den ersten Spielen sollte ein 4-2-3-1 zum Einsatz kommen. Paauwe und Alberman spielen die Doppelsechs, Rösler übernimmt die Rolle der hängenden Spitze und stößt hinter Friend in die Lücken. Diese Formation hat zwar zu Beginn der letzten Saison überhaupt nicht funktioniert, doch sind jetzt die Vorzeichen komplett andere und Gladbach wird sich vorwiegend in der Defensive befinden und nicht das Spiel machen müssen. Die defensivere Formation könnte also funktionieren. Idealerweise könnte die Taktik während des Spiels wechseln, Rösler als Stürmer in einem 4-4-2 fungieren oder sich ins Mittelfeld fallen lassen, während Marin und Matmour auf die Außenstürmerpositionen zu einem 4-3-3 rücken.

Aufgrund der Tiefe des Kaders, der soliden Besetzung und den damit verbundenen strategischen Möglichkeiten sollte Gladbach nichts mit dem Abstieg zu tun haben und sich zwei, drei Spieltage vor Saisonende retten.

Platz 12

TSG Hoffenheim

Den Star-Einkauf, den Gladbach nicht hat, schüttelt die TSG mal kurz aus dem Ärmel. Für rund 5 Millionen kommt das brasilianische Riesentalent Wellington. Nicht dass Hoffenheim auf der Stürmerposition vorher unter Qualitätsmangel gelitten hätte – mit Ba und Obasi war bereits internationale Klasse vorhanden und mit Ibisevic und Copado dahinter durchaus ambitionierter Ersatz. Aber sicher scheint sicher.

Die Stärke Hoffenheims liegt also unzweifelhaft in der Offensive. Die wird es in der ersten Liga wahrscheinlich sogar leichter haben als in Liga zwei, wo rustikale Vereine sich auf Schadensbegrenzung beschränkt haben und als erstes Ziel ausgerufen hatten, diese brillianten Techniker rechtzeitig abzumontieren. In der Vorwärtsbewegung wird die TSG mehr Platz haben und die Mannschaft wird ihn auszunutzen wissen.

Insbesondere, da auch ein spielerisch brilliantes Mittelfeld vorhanden ist, allen voran der unbekümmerte, aber beizeiten zu ehrgeizige Carlos Eduardo. Luiz Gustavo kombiniert Eleganz mit Defensivstärke, Salihovic ist stets torgefährlich und mit Löw, Teber und Seitz steht das gewisse Quantum Erfahrung bereit.

Die einzige Ungewissheit ist die Präsenz der Abwehr. Der von Gladbach geholte Compper überraschte in der Rückrunde als herausragenden, pfeilschneller Innenverteidiger. Ob es für die erste Liga reicht, ist ungewiss. Gleiches gilt für Nilsson, der seine Klasse bisher nur in der schwedischen ersten Liga beweisen konnte. Auf den Außenbahnen  laufen wahrscheinlich Beck und Ibertsberger auf. Beck hat eine Menge Geld gekostet. Bei Stuttgart hat er stets einen soliden Part gespielt, er sollte also keine Probleme haben, in der Stammformation Fuss zu fassen. Ibertsberger sollte in der zweiten Liga gereift sein und ebenfalls eine ordentliche Saison spielen können – wenn auch nicht auf gehobenem Bundesliga-Niveau.

Rangnick dürfte ein 4-4-2 spielen lassen, wobei eine der Mittelfeldpositionen nicht absolut überzeugend besetzt ist. Mit seiner jungen, hungrigen Mannschaft bleibt ihm nicht viel übrig, außer das Heil in der Offensive zu suchen. Angesichts der Klasse des Stürmer würde es mich nicht wundern, wenn gegen schwächere Gegner ein 4-3-3 zum Einsatz käme. Am Ende der Saison wird Hoffenheim viele Tore geschossen, aber auch viele kassiert haben. Aufgrund der individuellen Klasse sollte das Team mit dem Abstieg aber nichts zu tun haben.

Platz 10

1. FC Köln

Der FC fährt ein gefährliche Taktik – aus Sicht eines leidgeprüften Gladbach-Fans. Die Qualität sollen Alt-Stars ins Kader bringen. Natürlich bietet sich diese Strategie für einen finanziell ambitionerten, aber nicht gesegneten Aufsteiger an. Doch sie ist gefährlich.

Der Kader der letzten Saison war kaum bundesligatauglich. Kein Wunder also, dass der Aufstieg erst im letzten Moment klar gemacht wurde. Die größte Lücke klaffte im zentralen Mittelfeld. Dort gab es mit Antar nur eine Stammkraft. Er spielte abwechselnd mit Broich, Mitreski oder Pezzoni.

Der Portugiese Petit soll hier Abhilfe schaffen. Nun fragt sich der Fußball-Kenner: Warum geht ein Petit nach Köln? Manager Meier sagt: Weil keiner wusste, dass er auf dem Markt war und er unbedingt in die Bundesliga wollte. Blödsinn hoch drei. Jeder wechselwillige Spieler – bzw. sein Berater – wird alles dafür tun, dass jeder weiß, was Sache ist. Der Verdacht liegt nahe, dass Petit sich in Köln nochmal die Taschen voll macht, mit dem Herzen aber kaum dabei ist.

Etwas anders sieht die Sache beim zweiten Großeinkauf Wome aus. Er hat praktisch die komplette letzte Saison verletzungsbedingt pausieren müssen. Ob er nochmal zu alter Form findet, scheint fraglich – obwohl er mit 29 im besten Fußballeralter ist.

Die größte Sorge der Kölner sollte sein, ob die Abwehrkette das Tempo der Bundesliga gehen kann. Mohamad wird den Anforderungen als Dreh- und Angelpunkt gerecht. Hoffnungsträger ist Geromel, der aber das berühmte brasilianische Jahr brauchen wird, um sich zu akklimatisieren. Würde er sich eine Auszeit nehmen, stünde mit McKenna ein recht langsamer Spieler in der Anfangsformation. Während Özat aufgrund seiner Übersicht und seinen Führungsqualitäten als Kapitän auf rechts gesetzt ist, wären Matip oder Mitreski in der Mitte eventuell die bessere Wahl in der Zentrale.

Im Mittelfeld sind Petit und Antar zentral gesetzt. Erfüllen sie die Erwartungen, hat Köln dort keine Sorgen. Auf den Außen gibt es einen heißen Kampf. Chihi, Sanou, Vucicevic und Broich sind die Kandidaten, alle nur bedingt bundesligatauglich. Eventuell greift der talentierte Pezzoni in den Konkurrenzkampf ein.

Offensiv müssen Novakovic und Ishiaku beweisen, dass sie ihre guten Leistungen in der ersten Liga bestätigen können. Dahinter sieht es allerdings dunkel aus. Mit Chihi und Scherz stehen nur zwei höchstens solide Ersatzleute parat. Erleidet Köln hier das Verletzungspech, ist kaum Durchschlagskraft vorhanden.

Christoph Daum – der sich erstmals bei einem Abstiegskandidaten beweisen muss – will 4-4-2 spielen lassen. Eine Alternative könnte aufgrund des Stürmermangels ein 4-5-1 sei, wobei Antar und Petit die 6er spielen und Broich hinter der Spitze agiert. Mit Sanou und Chihi wären zwei Spieler vorhanden, die aus dieser Formation offensiv ein 4-3-3 entstehen lassen könnten.

Der stärkste Mannschaftsteil dürfte trotz vorhandener Mängel die Abwehr sein. Im Mittelfeld leidet der FC wie bereits in der letzten Saison unter Qualitätsmängeln. Hier hätten Daum und Meier besser nachlegen müssen – vor allem in der Breite. Der Sturm dürfte in der Stammbesetzung bundesligatauglich sein. Ishiaku und Novakovic dürfen sich allerdings nicht verletzen. Insgesamt reicht das Personal nicht für einen sicheren Klassenerhalt und der FC zittert bis zum Schluss.

Platz 15

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5 Responses to “Der Bundesliga-Check Teil 1 – Gladbach, Hoffenheim, Köln”

  1. Stefan (Weltsicht Südtribüne) on August 8, 2008 15:22

    Auch wenn ich mir selber die eine oder andere Sorge um den FC mache, aber Alt-Stars?????
    Die älteste Neuverpflichtung ist Petit mit 31. Wome ist 29, die anderen Neuverpflichtungen sind zwischen 20 und 25.
    Das würde ich nicht unbedingt als Alt-Stars bezeichnen. Es sei denn, wir reden neuerdings über Bodenturnen.

  2. Dülp on August 10, 2008 00:40

    Verstehe die Bezeichnung “Alt-Star” dahingehend, dass sie die besten Zeiten lange hinter sich haben. So sehe ich auf jeden Fall Wome, trotz seiner erst 29 Lenze. Petit hat seinen letzten oder vorletzten Vertrag unterschrieben. Wenn er dann nach Köln geht, sollte Misstrauen angebracht sein. Ein ambitionierter Spieler seiner Klasse wechselt zu einem Meisterschafts-Anwärter.

  3. Heffer on August 11, 2008 15:29

    Es hätte gerade dem Köln-Teil etwas weniger offene Spekulation gut getan, gerade solche Aburteilungen in “bedingt Bundesligatauglich” halte ich für Kaffeesatzleserei, da ein nicht unbeträchtlicher Teil aller drei betrachteten Mannschaften noch gar nicht in Liga 1 gespielt haben (oder dies mehr schlecht als Recht wie Alex Voigt).

    Einfach mal abwarten ;-)

  4. Dülp on August 11, 2008 20:16

    Natürlich ist das Kaffeesatzleserei. Darum geht es hier doch gerade.

  5. sternburg on August 11, 2008 23:55

    Das Gladbacher Mittelfeld sehe ich anders, gerade im 4-5-1. Albermann und Pauwee auf der Doppelsechs; für die Position hinter Friend oder Colautti dürfte Marin mittlerweile weit genug sein, auf den außen links Touma und rechts Matmour und man hat ausreichend Offensivpotential und vor allem Schnelligkeit. Gerade wegen letzterem sehe ich Rösler heuer eher nicht in der Startformation. Wenn es ans Behaupten geht, kann er dann für Marin, aber vor allem auch auf links außen (wo ich auch gegen die Realität ihn eh immer noch verorte) eingewechselt werden, Svärd als zentrale Einwechslung würde ebenfalls die Defensive verstärken (Pauwee kommt ja nun auch langsam in ein Alter, wo ihm eine Auswechslung hier und da nicht nur unwillkommen sein müsste) und wer möchte, könnte bei Rückstand auch Rösler für eine der beiden Doppelsechser bringen.
    Ausgeglichenheit ist wirklich sehr gut, ob das Grundniveau ausreicht, wir werden sehen (aber ich bin guter Hoffnung).

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