Das Herz der Mannschaft

Juli 18th, 2009

Müsste ich mir den Namen eines Spielers auf das Trikot flocken lassen – es wäre „Levels“.

Tobias Levels spielt unterhalb des Radars der Öffentlichkeit. Er ist keine Säule der Mannschaft. Er ist noch nicht mal eine Stammkraft.

In einem zusammengekauften Kader ist er aber derjenige, der das repräsentiert, was mir wichtig ist. Er spielt seit der D-Jugend im Verein, er kommt aus der Region. Das alleine ist noch kein Verdienst. Was ihn auszeichnet, ist sein Charakter.

Er war nie ein Überflieger. Er hat sich über die Amateur-Mannschaft an die Profis herangekämpft. Sitzt er auf der Bank, klagt er nicht. Steht er auf dem Platz, gibt er 110% und zeigt Mitspielern und Gegnern, wo der Frosch die Locken hat.

Er steht nicht für hohe Fußballkunst, aber wenn es drauf ankommt ist er da. Wie im Rückspiel gegen Cottbus, als er der beste Mann auf dem Platz war und den Last-Minute-Treffer Dantes mit den Worten kommentierte “Das war eine Hormonausschüttung, wie ich sie zuletzt mit fünf Jahren im Phantasialand hatte“.

Nebenbei spricht er 4 Sprachen fließend und macht den Dolmetscher für die Neuzugänge. Und sagt von sich selbst „Mein Herz ist eine Raute“.

Solche Leute muss man haben. Einer, der alle anderen daran erinnert, dass die Borussia kein Allerweltsverein ist. Dass man stolz sein kann, das Trikot zu tragen und jeden Tag dafür arbeiten muss.

Und ich traue ihm zu, dass er in dieser Saison einen Sprung macht. Ich hatte den Eindruck, dass er im Mittelfeld, wie z.B. gegen Cottbus, besser aufgehoben ist als in der Abwehr, weil seine technischen Mängel dort nicht so schnell bestraft werden und er sich deshalb auch mehr zutraut und befreiter aufspielt. Aber egal auf welcher Position – er ist überall zweite Wahl. Das kennt er ja schon.

Interview mit Levels

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8 Responses to “Das Herz der Mannschaft”

  1. Enno (welt-hertha-linke) on Juli 18, 2009 22:47

    “...besser aufgehoben ist als in der Abwehr, weil seine technischen Mängel dort nicht so schnell bestraft werden…”

    Ein herrlicher Satz für eine Ode an seinen Lieblingsspieler!

  2. Ragman on Juli 21, 2009 20:16

    „Mein Herz ist eine Raute“
    hmmm, sowas sagte Marin doch auch oder ?
    btw: Die Raute hat er ja immer noch

  3. Dülp on Juli 21, 2009 21:41

    @Ragman: Genau, Marin hat sich alle Optionen offen gehalten: Gladbach, Bremen oder HSV

  4. C. Antonius on Juli 22, 2009 13:13

    Ich stimme zu, dass Levels vor die Abwehr gehört, aber nicht wegen seiner technischen Limitierung, sondern seiner nicht vorhandenen Schnelligkeit in der Rückwärtsbewegung. Im Mittelfeld kommen die Gegner in der Regel noch nicht so schnell an…

    Technisch finde ich ihn gar nicht mal so schlecht.

  5. Stefan (Weltsicht Südtribüne) on Juli 22, 2009 14:11

    Wieso gehen mir gerade Namen wie Voigt, Cullmann, Cichon durch den Kopf?

    Ich kann Tobias Levels’ Können nicht einschätzen, aber die Beschreibung erinnert mich sehr an die oben genannten ehemaligen FC-Spieler, deren Einstellung zwar vorbildlich war, deren fußballerische Mängel aber nie ausgleichen konnte. Fahrstuhlspieler eben.

  6. steckschuss on Juli 27, 2009 03:29

    Schätze Levels ganz genauso ein – unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung, aber wichtig in mancherlei Hinsicht. Voigt, Cullmann… naja. Aber der Vergleich mir Cichon ist fast schon unverschämt :)

  7. Jannik on August 7, 2009 00:00

    Als sich mein Bruder das neue Trikot geholt hat und von mir wissen wollte, wer hinten drauf soll, musste ich auch nicht lange überlegen. Jetzt läuft er mit der 22 rum;)

    PS: Unwesentlich, aber ich glaube, das mit der Hormonausschüttung hat er nach seinem Tor gegen Hamburg gesagt. Obwohl das gegen Cottbus ja besser die Kollektiv-Stimmung umschrieben hätte.

  8. Dülp on August 7, 2009 00:21

    Gut, der Vergleich mit Voigt oder Cullmann entbehrt nicht jeder Grundlage. Levels ist erst 22 und muss jetzt beweisen, dass er höheren Ansprüchen genügt als die vorgenannten. Ich traue es ihm in dieser Saison zu.

    Im Pokalspiel gegen den FSV Frankfurt war er nach dem Abgang von Neuville Kapitän, was sein Standing in der Mannschaft unterstreicht.

    Allerdings hat er es in eben jenem Spiel auch geschafft, von ca. 25 Flankenmöglichkeiten kein einziges Mal an die Grundlinie zu ziehen, sondern alle aus dem Halbfeld zu vergeigen.

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