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Kicker-Journalisten sind keine Mathematiker

Mai 1st, 2009

Wenn ich nett sein wollte, würde ich Rainer Franzke nur ein gestörtes Verhältnis zu den Grundrechenarten vorwerfen. Oder eine schlampige Einstellung zu journalistischen Grundtugenden. Wahrscheinlicher ist aber, dass er seine Leser für dumm verkaufen will.

In seinem Kommentar verteidigt er die neue Anstoßzeit – Sonntags  um 15.30 – mit zwei Argumenten, die beide haarsträubend sind.

Erstes Argument: Die Anstoßzeit habe eingeführt werden müssen, “denn ohne die etwa 200 Millionen Euro von Premiere hätte die Liga vor einem Crash-Szenario gestanden.”

Nope.  Die Liga hätte vielleicht weniger kassiert, aber mit Sicherheit wäre Premiere nicht komplett von Bord gegangen, denn der Sender ist auf Gedeih und Verderb auf die Bundesliga angewiesen.

Zweites Argument: “Die Amateure hängen am Tropf der Liga, die ihnen ohne das Geld aus dem Pay-TV die etwa 11,1 Millionen Euro aus ihren Einnahmen nicht hätte zukommen lassen können.”

Nope.

Erstens: Während Herr Franzke die Pay-TV-Einnahmen pro Saison nennt, sind diese 11,1 Millionen wohl die kumulierte Summe über die Vertragslaufzeit (nehme ich an, denn er erwähnt mit keinem Wort, wie er auf den Betrag kommt). Im Kicker-Bericht zum DFB-Bundestag sehen die Zahlen noch so aus:

In den Spielzeiten 2009/10 und 2010/11 kassiert der DFB jeweils 4,75 Millionen Euro, in der Saison 2011/12 sechs Millionen Euro. Im Gegenzug wird der DFB den Ligaverband auch in Zukunft an den Einnahmen der Nationalmannschaft beteiligen.

Zweitens: Dem DFB sind lt. Wikipedia  rund 26.000 Vereine angeschlossen. Teilt man 4,75 Millionen durch 26.000, so bekommt jeder Amateur-Verein pro Saison 182 Euro von der DFL. Pro Heimspieltag sind das 10,70 Euro.

Das Almosen der DFL macht also wirtschaftlich bereits dann keinen Sinn, wenn bei einem Amateur-Club wegen der neuen Anstoßzeit nur zwei zahlende Zuschauer pro Spieltag fern bleiben. Und dabei ist noch nicht eingerechnet, dass die DFL auch ohne die neue Anstoßzeit ein hübsches Sümmchen gezahlt hätte.

Und wie wenig Ahnung Franzke vom Amateur-Fußball hat, zeigt sich spätestens im letzten Satz:

Das neue Sonntags-Spiel “ermöglicht, so verrückt es ist, dass noch immer im Breitensport an der Basis Prämien bezahlt werden.”

Die Prämien werden sicher nicht von den 182 DFL-Euros pro Saison gezahlt, sondern von den lokalen Geschäftsleuten, die ihre Eitelkeit über den Fußball pflegen. Dass Prämien in der Kreisliga ohnehin pervers sind, das wäre mal ein Thema, das der Kicker aufgreifen könnte.

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Zurück von der ZDF-Seebühne – Ein Erfahrungsbericht

Juni 24th, 2008

Am Wochenende wollte ich ein wenig EM-Luft schnuppern. Das ZDF hat mit der Bregenzer Seebühne einen aus deutscher Sicht unschlagbaren Standort für sein Fussball-Stadl gefunden. Leider ist die geographische Lage einer der größten Nachteile der Veranstaltung. Denn es unterscheidet sich in keiner Weise von einem beliebigen Public-Viewing in Deutschland. Von 5.000 Zuschauern sind 4.800 Deutsche. Klein-Mallorca.

Im Gegensatz zu Mallorca weiß man kurz hinter der deutsch-österreichischen Grenze den Touristen-Ansturm nicht auszunutzen. Eine Stunde nach Spielende werden die Bürgersteige hochgeklappt und die komplette Innenstadt macht dicht. Der das Aftergame-Bier suchende Fan fühlt sich ein wenig verarscht. Eine geeignete Party bietet ziemlich exklusiv das ZDF unweit des Übertragungsorts an. Angesichts der Abzocker-Preise, die bereits in der Seebühne verlangt werden – ca. 30% über dem, was man in einem Bundesliga-Stadion zahlt – habe ich mir das allerdings geschenkt.

Die Übertragung des Spiels an sich lief etwa genau so ab, wie man es vermuten würde. Vor der Bühne verteilt das ZDF reichlich Material, mit dem man in der ein oder anderen Weise Radau machen kann. Vor der Übertragung hüpft ein Einheizer vor den Tribünen rum und macht die Menge heiß. Die Protagonisten Kerner, Kloppo, Urs betreten ca. eine Minute vor Beginn der Übertragung die Bühne. Von der Moderation ist dank den 3.000 verteilten Rasseln wenig bis gar nicht zu hören. Auffällig: Während JBK konzentriert auf und ab wandert, guckt Klopp gut gelaunt in die Menge, genießt offensichtlich die Stimmung und klopft im Takt von “Viva Colonia” das Mikro gegen seinen Oberschenkel. Nach der Moderation, kaum ist das Spiel angepfiffen, verschwindet das Trio Richtung VIP-Raum.

Nach dem Spiel leert sich die Seebühne rasend schnell. Obwohl ausverkauft, muss es im Fernsehen mal wieder nach einem sehr mäßigen Besuch ausgesehen haben. Die Höllander sind sowieso längst weg, hinter mir feiern fünf Russen. Nach dem unfreiwillig kurzen Abstecher in die Altstadt gibts noch zwei Flaschen Bier auf der Seepromenade. Das wars. Auch wenn der Tipp vielleicht ein wenig spät kommt: Wer internationale EM-Stimmung genießen möchte, sollte lieber in einen Austragungsort fahren. Bregenz ist was für EM-Piefkes.

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Gastbeitrag: Dieb ohne Ehre?

April 26th, 2008

Per Mail erreichte mich dieser Text, gezeichnet vom “Kommando Schwarzer Abt”. Klingt martialisch, was dahinter steckt, weiß ich nicht. Auf Nachfragen, worum es sich bei diesem Kommando handelt und welche Personen dahinter stecken, bekam ich leider keine befriedigende Antwort, sondern pathetische Ansagen a la:

Ich spreche für die unterdrückten und enteigneten Fans in der Kurve. Für mehr Freiheit und Freiraum, für mehr Selbstbewußtsein gegenüber Borussia und dem Fußball-Marketing Zirkus. Meine Stimme richtet sich gegen die Stigmatisierung von Fußballfans durch die Massenmedien, gegen Hochsicherheitstrakte, Verbote, Einschränkungen und Überwachung. Und das nicht personifiziert. Anliegen die unsere Fanvertreter (Fanprojekt/Fanbeauftragte) öffentlich thematisieren sollten, jedoch nicht tun. Ich bin gegen die zunehmende Ausgrenzung von Fußballfans und für mehr Leidenschaft in der Kurve, für unseren Aufstieg und für den Klassenerhalt des FCs.

Allzulange kann der Autor die Volljährigkeit noch nicht erreicht haben, denn der Name Klaus Gerster sagte ihm gar nichts. Meine Irritation angesichts der Titulierung “Schwarzer Abt” konnte er dementsprechend nicht nachvollziehen. Nichtsdestotrotz ist es ein eloquenter Text, der durchaus einen respektablen Standpunkt vertritt.

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Köln – Borussia 1:1, 7.4.2008

Dieb ohne Ehre?

Die Fahnen sind weg! Geklaut! Mit einem ganz einfachen Trick; drei 15jährige können sich nach dem St. Pauli Spiel frei aus dem Raum hinter Block 18 bedienen. Ein Typ vom Catering schließt gutgläubig auf. Großartig. Super Coup!

Hätten wir das nicht alle gerne hinbekommen? Dem FC kurz vor dem Derby ein paar Fahnen klauen, zusammen nähen und beim Spiel in der Kurve präsentieren und dann zerreißen, am liebsten verbrennen. Und auf der Asche tanz der VFL. Natürlich!

Die Ultras lösen sich daraufhin auf. Was für ein Haufen Jammerlappen. Die Fahne ist weg. Würde ich das Stück Stoff mit ins Bett nehmen, wenn es mir so wichtig wäre? Ja, ich würde. Doch die Ultras überlassen es Gott und einem Catering Mann. Warum hat so ein Trottel überhaupt den Schlüssel für die Schatzkammer? Nun, was tun? AUFLÖSEN!

Warum nicht den Geißbock von der Weide entführen und ein Tauschgeschäft aushandeln; Hennes gegen Fahne. Fertig. Geht die Fahne im Block hoch wird das kölsche Vieh gegrillt! Doch wir wackeln beim Spiel nur wütend am Zaun und schmeißen ein paar Räucherstäbchen. Was für eine brillante Aktion.

Wie zu erwarten überschlägt sich der Boulevard mit Schwachsinn: „Randale in Köln – Schnappt endlich die Feuerchaoten“ (1). Es wird der Eindruck erweckt, dass es sich um eine Horde von Fußballverbrechern handelt, die mit Drohgebärden Stadien und Städte in Aufruhr bringen können und die innere Sicherheit ernsthaft bedrohen.

Der DFB bestraft Borussia mit 7500,- € und der Verein distanziert sich von seinen Fans. „Wir sind vereint unter der Raute, hier wird jeder akzeptiert…ganz egal was auch passiert (2) 1994 schmückten Bengalos noch die Titelseite des Fohlen Echos (3) , doch die Zeiten ändern sich. Ex-Trainer, Trunkenbold und DSF-Plaudertasche Lattek folgt massenmedial verbreiteten Vorurteilen und weiß: „Solche Leute haben mit Fußball gar nichts zu tun. Sie sollten mit aller Härte bestraft werden“ (4). Wer hat das nur wie hinbekommen, dass heute alles kriminalisiert wird? Wer hat uns das Spiel geklaut?

Aber nicht nur die schreiende Öffentlichkeit fordert Konsequenzen, auch die Fanvertretung ist für mehr Repressionen. „Die Kölner Ordnungskräfte…hätten eingreifen können“ (5). Nein! ORDNER AUS DER KURVE, DAMIT DIE KURVE LEBT! Vergessen? Der Kölner Fanbeauftragte wird aufgefordert Namen zu nennen. Es sollen Köpfe rollen: „Auf den bekannten Fotos von eurer Kurve würde ich, wenn das meine Szene wäre, mindestens 20 Mann mit Namen nennen können(6) Und auch verraten? Mir wird ein wenig anders bei dem Gedanken, dass meine Fanvertretung mich an Polizei oder Kölner ausliefern würde.

Apropos Kölner: Alexander Voigt glaubt, der „Skandal kostet uns den Sieg“ (7) und ein FC-Fanclub entschuldigt sich öffentlich für die Aktion: „Irgendwo sollte die Rivalität kein Spiel beeinflussen“ (8) Doch! Ich wünsche mir jedes Wochenende genau das: Wir nehmen Einfluss auf das Spiel. Wir sind der 12. Mann, oder? Wir haben sogar von Joris van Hout das Trikot übernommen, „denn nur den Fans gehört das Spiel“ (9), zumindest doch ein Teil davon! Und wenn das Zerreißen einer Fahne hilft, bitte, ich bin dabei!

Durch die fortschreitende Kommerzialisierung des Fußballs wird uns jedoch nur die Rolle der lustigen Stimmungsmacher zuteil. Vielleicht bald in der Punica-Oase an der Weisweiler Allee? Als reibungslos funktionierende Sportkonsumenten. Wir aber wollen, trotz Groningen, Konfetti, Bengalos und Rauch im Stadion, keine Ordner und Polizei, keine Überwachungskameras, keine Zäune und keinen Jünter. Ich möchte im Block Fahnen verbrennen können und dem FC die Pest an den Hals wünschen. Doch „lassen wir uns mal überraschen was da in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren auf die Kölner zukommt“ (10). Das ist wohl als Aufforderung zu verstehen.

Mit viel Spaß und Glück dabei!

Der Schwarze Abt

(1) Bild, 9.4.2008
(2) B.O.: Wir sind Borussia, CD, 2002
(3) Fohlen Echo, 26.2.1994, Nr.5 29.Jahrgang
(4) Udo Lattek, Express 8.4.2008
(5)Thomas Ludwig, NK Extra, 13.4.2008
(6)Tower, NK Extra, 13.4.08
(7) Express, 9.4.2008
(8) J. Lintermann, Fan Club „anti-bayern”, RP, 9.4.08
(9) B.O.: Dein Verein, CD, 2002
(10) Tower, NK Extra, 13.4.08

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Statistik blows your mind

Januar 29th, 2008

“Sollten Sie Ihre Familienplanung noch nicht beendet haben, dann ist jetzt der optimale Zeitpunkt, um sich darum zu kümmern. „Geben Sie alles!“ Wenn Ihr Nachwuchs im Herbst geboren wird, dann hat er eine deutlich höhere Chance Fussballprofi in der 1. oder 2. Bundesliga zu werden.”

Großartig, das Physik-meets-Fußball-Blog bei DerWesten. So, keine Zeit mehr. Ich muss kurz was erledigen.

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Doppelter Geburtstag

Dezember 23rd, 2007

Jesus und Seitenwahl.de haben Geburtstag. Jesus hat mich nicht persönlich kontaktiert, ihm eine Laudatio zu halten, aber immerhin Seitenwahl. Diese Ehre haben nicht viele, der Bundesfinanzminister so gerade noch. Ich bin nicht nachtragend. Dir, Heiland, also auch alles Gute zum Jubeltage. Und vom Bolzplatz allen ein frohes Fest.

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Sieht gut aus: Spox.com

Dezember 7th, 2007

Misstrauen ist angebracht. Premiere macht ja mächtig Wirbel um die neue Sport-Seite für Deutschland, spox.com. Mein erster Eindruck, den ich am Ende der letzten Saison gewonnen hatte, täuschte. Damals waren nur ein paar bunte Bilder und null Inhalt vertreten. Das hat sich geändert.

Mittlerweile ist Spox tagesaktuell und pumpt eine Menge Inhalt in die Seite rein. Mainz gegen Köln? Kein Problem. Live-Ticker ist vorhanden und fünf Minuten nach Abpfiff ein erster Spielbericht auf der Seite. Ralf Schumacher kündigt seinen Rücktritt aus der Formel 1 an? Auch das absolut zeitnah berichtet. Die Mindestanforderungen sind also erfüllt.

Die Navigation ist angenehm, man erkennt die Schwerpunkte. Fußball, Formel 1, US-Sports, Eishockey und der Jahreszeit angepasst Wintersport. In der rechten Seitenleiste wird kontextabhängig Bonusmaterial zur schriftlichen Berichterstattung angeboten. Was vor allem da rockt: Wo die Seite bewegte Bilder von Premiere zeigen darf, zum Beispiel wird das Spitzenspiel der DEL in der Zusammenfassung in einen Youtube-artigen Fenster angeboten.

Spox-tv hingegen, die Zentrale für die Filmschnipsel, war wegen Überlastung gerade nicht zu erreichen. Freitagsabends um 21 Uhr habe ich das nicht erwartet. Etwas armselig sind auch die Bundesliga-Vorschau-Videos. Bei diesen handelt es sich um langweilig Diashows, über die ein trockener Kommentar gesprochen wird. Da hatte ich mir doch bewegte Bilder aus der Vorwoche erwartet – aber das ließen die Rechte wahrscheinlich nicht zu.

Richtungsweisend finde ich das Seiten-Design. Das sieht gut aus, das sind viele Bilder, da wird ein Voting deutlich hübscher aufbereitet als beim Kicker. Das schmeichelt dem Auge, wird Puristen aber eher abschrecken. Auch der Live-Ticker bietet einiges mehr fürs Auge als Konkurrenzangebote.

Im Bereich Specials erwartet den Leser ein Flash-Tsunami. Neben einer Menge Werbung auch das Spox-E-Magazine. Das ist extrem inhaltsleer, dafür umso bunter. Verzichtbar.

Insgesamt ist spox.com das bessere sport1.de. Für kicker.de dürfte es keine wirkliche Gefahr sein, da geht man aus anderen Gründen hin. Nämlich um originäre Kicker-Inhalte zu finden. Langfristig könnte spox.com ein echter Bookmark werden, wenn Premiere dort sowas wie “Alle Spiele, alle Tore” oder die Highlights aus der NFL oder MLB in bewegten Bildern präsentiert. Denn das könnte das (der? die?) eigentliche USP sein. Cooler Look plus bewegte Bilder, einfach eine Generation weiter als andere Sportseiten.

Sehr viel Wert wird auf User-generated-content gelegt. Die Leser können sehr einfach ein Blog anlegen und bisher wird diese Option für mich überraschen häufig genutzt (416 neue Sportblogs – Verdammt!). Aber klar ist auch, dass 99% der zunächst Engagierten wieder abspringen werden. Lesenswert sind z.B. das Football-Blog von Andreas Renner oder das Poker-Blog von Michael Kleiner. Aber das sind eben bezahlte Blogger, von denen man Lesenswertes erwarten darf.

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Funktionäre vs. Fan-Unternehmer – Hartplatzhelden verklagt

November 26th, 2007

Tatort Kreisliga: Der Württembergische Fußballverband (wfv) fühlt sich bestohlen durch das eher unbekannte Filmportal Hartplatzhelden. Die Seite bietet Amateurfußballern die Möglichkeit, Szenen aus den Kicks des Wochenendes hochzuladen und von den Usern und einer Jury bewerten zu lassen. “Unlautere Leistungsübernahme” beklagt der wfv laut heise.de. Die Begründung in Kurzform: Der Fußballverband organisiert den kompletten Spielbetrieb und leitet daraus das Exklusiv-Recht ab, bewegte Bilder von den Spielen in kommerzieller Weise zu verwerten bzw. diese Rechte zu vermarkten.

Zunächst zu den objektiven Fakten.

Hartplatzhelden.de ist ein kommerzielles, werbefinanziertes Unternehmen, dass nicht aus reinem Enthusiasmus betrieben wird, sondern auch mit der Perspektive, irgendwann mal einen Gewinn abzuwerfen. Es wirkt auch nicht völlig unprofessionell, sondern hat u.a. prominente Protagonisten aus dem Fußballgeschäft gewonnen, dort mitzuarbeiten.

Der DFB hat mit Fußball.de ein Portal am Start, dass extrem attraktiv für Sponsoren ist. Mit der Verpflichtung, dass jeder Heimverein innerhalb kürzester Zeit nach dem Abpfiff das Ergebnis dort eintragen muss, hat man für den Amateurbereich ein System geschaffen, dass sogar schneller ist, als Lokaljournalisten die Resultate auch nur eintelefonieren können. Massive Zugriffe sind die Folge. Und damit hat man eine Basis, die natürlich in Richtung Hartplatzhelden-Konzept ausbaubar ist – mit ungleich größeren Umsatzchancen.

Soweit also sind die Beweggründe für die Klage nachvollziehbar. Dem wfv muss man ebenfalls zugute halten, dass nicht in Amoklauf-Manier geklagt wurde, sondern dass zunächst eine Aufforderung an Hartplatzhelden voraus ging, das Angebot aus dem Netz zu nehmen. Dennoch: An der ganzen Geschichte gibt es diverse Punkte, die mir persönlich gehörig auf den Sack gehen.

Zunächst einmal geht hier der DFB (also der von der DFL getrennte Amateur-Verband) nicht im eigenen Namen vor, sondern schickt einen Landesverband an die Front. Dass hier der DFB in die Strategie nicht involviert sein soll, glaubt nur jemand, der auch unterschreibt, dass die USA das irakische Volk befreien will. Man will das Ganze einfach auf kleiner Flamme abkochen.

Zweiter Punkt: Leidtragender ist nicht ein Google, eine Sat1Pro7 AG, sondern eine Popel-GmbH, die von Leuten geführt wird, die ihre Freizeit und ihr Engagement dafür aufopfern, Fußballkultur in Deutschland zu pflegen und Umsätze im Cent-Bereich machen. Nämlich als Protagonist Oliver von indirekter-freistoss.de und zwei Partner. Da liegt natürlich der Verdacht nahe, dass man sich nicht gegen das Anwaltsheer eines Großkonzerns eine blutige Nase holen, sondern gegen Kleinunternehmer einen Präzedenzfall schaffen will.

Dritter Punkt: Die Klage basiert wohlgemerkt nicht auf Urheberrechten, sondern auf dem Wettbewerbsrecht. Der Fußballverband beruft sich darauf, dass er sich in der eigenen Satzung die Verwertung von “Fernseh- und Hörfunkübertragungen” vor. Eigene Satzung gut und schön. Doch da kann man alles reinschreiben, was gerade gut klingt. Eine Übertragung (sic!) von Kreisliga-Gebolze wäre nicht ansatzweise möglich, ohne die Zuschauer, die mit ihrer eigenen Kamera am Spielfeldrand die Bilder aufzeichnen. Die Zugriffszahlen pro Film sind ein Witz. Der DFB will also all die Freiwilligen zu billigen Frondiensten verpflichten, Exklusivrechte zu bedienen und ihre Urheberrechte an einen Monopolanbieter abzugeben.

Vierter und wichtigster Punkt: Wenn die Herren Funktionäre nun auch noch die letzten Grottenkicks zu kommerzialisieren versuchen, dann hab ich keinen Bock mehr. Das was ich und viele andere am Wochenende abliefern, gehört keinem außer uns. Das ist Allgemeingut. Ich bezahle meine Vereins-Beiträge und finanziere damit den Laden. Mit dem, was ich selber produziere, möchte ich anstellen, was ich möchte. Ob bei Youtube oder meinetwegen Blinde-Fußballer.de – das sollte mir überlassen bleiben. Ich wähle das beste Angebot. Der DFB darf sich gerne in Konkurrenz dazu begeben. Und sollte angesichts der finanziellen Voraussetzungen auch kein Problem haben, ein besseres Portal zu schaffen als zum Beispiel Hartplatzhelden. Wenn man diese Entwicklung verpennt ist es ganz schlechter Stil, den Konkurrenten auf gerichtlichem Wege beseitigen zu wollen.

Leider wird dieser Fall nicht zu denen durchdringen, die davon betroffen sind, nämlich zu den Amateur-Kicker. Dazu ist die Causa zu unbedeutend. Bleibt nur zu hoffen, dass die Klage auf Richter treffeb wird, die nicht wie unsere Innen- und Wirtschaftsminister “Leute haben, die das Internet für mich bedienen” (O-Ton Michael Glos).

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Ganz groß: Spielanalyse-Feature auf SpOn

November 9th, 2007

So sieht für mich die Zukunft des anspruchsvollen Sportjournalismus aus. Keine Scheißhausparolen, sondern eine Analyse des Sports mit modernen Mitteln. Ob die Schlüsse, die Biermann hier zieht und ob er den Finger an der richtigen Stelle in die Wunde legt, ist diskutabel. Aber das ganze basiert auf einer objektiven Grundlage – und das macht Spaß.

In der verlinkten Szene zum Beispiel vermisse ich einen für mich offensichtlichen Hinweis. Der Angriff läuft gut, bis der Ball auf Grossmüller kommt. Der spielt aber auf links außen zu Lövenkrands. Dort hat der Gegner eine 2:1 Überzahl. Hätte er den Ball in die Mitte gespielt, auf den heranstürmenden Bordon oder auf Ernst, wäre dort eine 3:2 Überzahl zustande gekommen. Der ballführende Spieler hätte sich entscheiden können, ob er den Ball auf den Kasten kickt oder, falls er geblockt wird, dem dann frei werdenden Stürmer zupasst.

Davon abgesehen: Ein erfolgreicher Angriff über außen findet nur dann statt, wenn der Flügelspieler es schafft, den Ball an seinem Gegenspieler vorbeizuspielen. Das erfordert es individuelle Überlegenheit, die gegen Chelsea nicht gegeben ist, wenn sie gut stehen. Bereits bei Balleroberung standen fünf Leute kompakt in der Defensive, ich kann keinen erfolgsversprechenden Laufweg erkennen. Da kann man nicht von sehr viel Platz für einen schnellen Konter sprechen.

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Von Foren und Blogs (Update: und Toni Kroos)

Oktober 25th, 2007

Ich sag es wie es ist: Ich mag Fußball-Foren nicht. Ich habe mich vor einigen Jahren intensiv bei torfabrik.de beteiligt, es waren ruhige Zeiten. Als noch nicht jeder Bauer eine Flatrate hatte. Man konnte fundiert diskutieren und bekam meistens fundierte Antworten.

Irgendwann schlugen auch dort die Trolle auf. Plötzlich waren Threads vollgestopft mit unterirdischen Abhandlungen, die auf alles eingingen, aber nicht auf die zuvor vorgebrachten Argumente.

Heute teilen sich die Foren-Besucher in zwei größere Gruppen auf. Diejenigen, die ihre Bild-Zeitungs-bestimmten Ansichten runtertippen und diejenigen, die auf der Arbeit nicht viel zu tun haben und deswegen ca. 70 Posts am Tag raushauen, so dass ein Thread über das letzte Heimspiel gerne mal darin endet, dass über der Omma ihren eingewachsenen Zehennagel berichtet wird.

Diese Umstände haben mich originär dazugebracht, ein Blog zu starten, weil ich hoffte, dass sich hierher zwar wenige verirren würden, aber dafür diejenigen, die sich wirklich Gedanken machen, bevor sie einen Kommentar abgeben oder im eigenen Blog einen Beitrag posten.

Ich bin nicht enttäuscht worden. Die Diskussion findet hier auf einem anderen Niveau statt. In der Regel themenorientiert und differenziert. Was allerdings passiert, wenn ein Blog-Eintrag in einem Forum verlinkt wird, konnte man vorgestern bei dogfood erleben. Da schlagen plötzlich die Trolle, die man glaubte hinter sich gelassen zu haben wieder auf. Ganz grausam.

Und bevor ich diesen Post schließe noch eine kurze Anmerkung zum aktuellen Geschehen: Was geht eigentlich mit dem Toni Kroos? Fünf Minuten drin und serviert Klose schon wieder eine Maßflanke auf die Stirn? Oliver, mit diesem Vorhaben wird das wohl nix mehr.

(Update eine Minute später: Kroos haut seinen zweiten Freistoß direkt rein. Oliver, bitte übernehmen Sie).

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Mein Fazit zum Kirch-Deal

Oktober 16th, 2007

Durch zwei verlängerte Urlaubswochenende ist es hier ein bisschen ruhig geworden, was die originären Beiträge angeht. Die Diskussion zu den letzten Posts ging aber munter weiter. Also direkt weiter mit mit einem Thema, in dem richtig was drinsteckt: Der Kirch-Deal. Dazu empfehle ich auf jeden Fall den Beitrag auf dem Ball-Blog und natürlich sehr fundiert bei dogfood hier und hier.

Was die Fakten angeht, ist an diesen Stellen schon alles gesagt, deswegen gehe ich direkt in die Abteilung “Meinung” über:

1. Kirch unfähig?

Ich verstehe den ganzen Wind darum nicht, dass Kirch die Bundesliga vor einigen Jahren “im Stich gelassen” hätte. Der Kerl ist mit seiner Firma insolvent gegangen. Das heißt nichts anderes, als dass er sich selbst am meisten ins Knie gefickt hat mit dem Deal. Er hat die Rechte deutlich zu hoch bewertet und sein Business-Modell ist nicht aufgegangen.

Wenn man als DFL in einer Versteigerung die Rechte zu extrem knapp kalkulierten Preisen raushaut, muss man das Restrisiko einrechnen, dass der Verwerter den Preis nicht refinanzieren kann.

Daraus kann man Kirch keine pauschale Unfähigkeitsbescheinigung ausstellen. In einer sehr langen Karriere zuvor hat er viel, viel mehr richtig gemacht als falsch.

2. Der Preis

Wenn ich mir den ganzen Wind nochmal um die Nase wehen lasse, den z.B. Uli Hoeneß abgesondert hat, was die Bundesliga-Rechte tatsächlich wert wären, finde ich den Abschluss extrem defensiv. Die Beträge klingen zunächst hoch (vor allem der über sechs Jahre kumulierte Betrag), aber tatsächlich ist es eine Steigerung von ca. 60 Millionen pro Saison (je nachdem welcher Rechnung man glauben will). Bis, sagen wir, 2009 ist das in Ordnung. Aber was danach geht, das könnte finanziell eine ganz andere Liga sein. Wohlgemerkt: Könnte.

Unter Umständen bleibt der Wert der Rechte auch stabil. Und dann hätte die DFL einen guten Deal gemacht. Aber wir reden hier über 2015. Und wenn dann andere europäische Ligen fetteste Kohle machen, weil die Preise steil nach oben gehen, wird der Katzenjammer groß sein.

Okay, an deutlichen Wertsteigerungen ist die DFL mit rund der Hälfte beteiligt, aber die Hälfte von verdammt viel Geld ist immer noch sehr viel Geld, dass der Liga durch die Lappen gehen könnte.

Mir scheint, dass in der DFL-Entscheidung eine Menge Risiko-Begrenzung ist, weil man nicht weiß, wie sich der Pay-TV-Markt angesichts der Breitbandevolution (und damit der Evolution der Geschäftsmodelle) entwickelt.

3. Die zentrale Produktion

Für mich ist das der eigentliche Geniestreich bei dem Deal und tatsächlich nach vorne gedacht. Um mal das Verhältnis aufzuzeigen: Wir reden jetzt über 2015. Das ist also so, als hätten wir 1999 über die aktuelle Situation diskutiert. Flächendeckende DSL-6000-Anbindung – wer hätte davon 99 auch nur geträumt? Da werden sich ganz andere Verteilungsstrukturen entwickelt haben. Vielleicht einzelne Internet-TV-Anbieter, die einzelne Spiele kaufen wollen. Was weiß ich – in dem Bereich halte ich jede angeblich sichere Prognose für Chuzpe. Mit vorproduzierten Inhalten hält man sich auf jeden Fall alle Türen offen.

Ob die DFL den Fans einen Gefallen getan hat – das bezweifele ich allerdings, weil eine Aufsplittung der Rechte zu befürchten ist. Ein Rundum-Sorglos-Paket, in dem ein Premiere alle Spiele plus CL zeigt wie 2003, halte ich zumindest ab 2012 für nicht mehr selbstverständlich.

Fazit:

Die DFL hat die auf lange Sicht sichere Alternative gewählt, die kurzfristig hohe Erträge verspricht. Dabei hat sie die potentielle Aufsplitterung der Übertragungen in Kauf genommen und einiges an Mitspracherecht auf lange Zeit aufgegeben. Gleichzeitig hat sie potentielle Profite vielleicht voreilig an Sirius abgegeben. Vieles von dem, was der Deal wert ist, hängt an noch unbekannten Faktoren, vor allem den Vorgaben für die Free-TV-Verwertung.

Kurz gesagt: Ich halte den Abschluss für einen Fehler, allerdings nicht aus Misstrauen gegenüber den neuen Rechte-Inhabern.

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