Zurück von der ZDF-Seebühne – Ein Erfahrungsbericht

Juni 24th, 2008

Am Wochenende wollte ich ein wenig EM-Luft schnuppern. Das ZDF hat mit der Bregenzer Seebühne einen aus deutscher Sicht unschlagbaren Standort für sein Fussball-Stadl gefunden. Leider ist die geographische Lage einer der größten Nachteile der Veranstaltung. Denn es unterscheidet sich in keiner Weise von einem beliebigen Public-Viewing in Deutschland. Von 5.000 Zuschauern sind 4.800 Deutsche. Klein-Mallorca.

Im Gegensatz zu Mallorca weiß man kurz hinter der deutsch-österreichischen Grenze den Touristen-Ansturm nicht auszunutzen. Eine Stunde nach Spielende werden die Bürgersteige hochgeklappt und die komplette Innenstadt macht dicht. Der das Aftergame-Bier suchende Fan fühlt sich ein wenig verarscht. Eine geeignete Party bietet ziemlich exklusiv das ZDF unweit des Übertragungsorts an. Angesichts der Abzocker-Preise, die bereits in der Seebühne verlangt werden – ca. 30% über dem, was man in einem Bundesliga-Stadion zahlt – habe ich mir das allerdings geschenkt.

Die Übertragung des Spiels an sich lief etwa genau so ab, wie man es vermuten würde. Vor der Bühne verteilt das ZDF reichlich Material, mit dem man in der ein oder anderen Weise Radau machen kann. Vor der Übertragung hüpft ein Einheizer vor den Tribünen rum und macht die Menge heiß. Die Protagonisten Kerner, Kloppo, Urs betreten ca. eine Minute vor Beginn der Übertragung die Bühne. Von der Moderation ist dank den 3.000 verteilten Rasseln wenig bis gar nicht zu hören. Auffällig: Während JBK konzentriert auf und ab wandert, guckt Klopp gut gelaunt in die Menge, genießt offensichtlich die Stimmung und klopft im Takt von “Viva Colonia” das Mikro gegen seinen Oberschenkel. Nach der Moderation, kaum ist das Spiel angepfiffen, verschwindet das Trio Richtung VIP-Raum.

Nach dem Spiel leert sich die Seebühne rasend schnell. Obwohl ausverkauft, muss es im Fernsehen mal wieder nach einem sehr mäßigen Besuch ausgesehen haben. Die Höllander sind sowieso längst weg, hinter mir feiern fünf Russen. Nach dem unfreiwillig kurzen Abstecher in die Altstadt gibts noch zwei Flaschen Bier auf der Seepromenade. Das wars. Auch wenn der Tipp vielleicht ein wenig spät kommt: Wer internationale EM-Stimmung genießen möchte, sollte lieber in einen Austragungsort fahren. Bregenz ist was für EM-Piefkes.

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Die wahre deutsche Mannschaft schießt Portugal ab

Juni 20th, 2008

Oh ja. Oooh ja. So wird Fußball gespielt. Räume eng machen, im Mittelfeld sofort attackieren, dauernd doppeln und sobald sich ein bisschen Raum bietet hineinstoßen. Und wenn dann wenig geht, die Standards nutzen.

Zwischen den Vorrunden-Spielen und diesem Viertelfinale lagen Welten. Und das trotz einem deckungsgleichen Spielermaterial. Mit einer klaren, überfälligen taktischen Umstellung hat Jogi Löw die Nationalmannschaft wieder konkurrenzfähig gemacht.

Lief das zentrale Mitteldfeld, in persona Frings und Ballack, bisher ihren Gegenspielern hinterher, war es heute, mit einem Mann mehr ausgestattet, absolut dominant. Ballack machte zwar ähnlich viel Kilometer wie in den Partien davor, konnte sich aber, anders als zuvor, immer wieder in die Angriffe einschalten und sich bei Flanken anbieten.

Podolski interpretierte seine Position offensiv wie bisher, hatte aber mit Hitzlsperger stets einen Backup, der die Räume zulief, ohne dass die Mannschaft dadurch andere Räume öffnen musste (Nichtsdestotrotz muss man feststellen, dass besonders in der ersten Halbzeit viele Angriffe aufgrund Podolskis mangelndem Defensivverhalten über die linke Seite kamen. Frappierend beim Anschlusstreffer, als er in Stürmermanier nach einem gescheiterten Angriff bereits abgeschaltet hatte, und ein eigentlich unglaublich einfach abzufangender Pass den Konter einleitete).

Überragend am heutigen Tag: Schweinsteiger, der gegenüber Fritz eine 100-Prozentige Qualitätssteigerung ins Spiel brachte. Von ihm gingen extrem viele Ideen nach vorne aus und in der Defensivbewegung war er so aggressiv, dass er den Bremer Außen im Vergleich ganz alt hat aussehen lassen. Selbst wenn Portugal den Ball in der eigenen Hälfte sicher hatte, versuchte Schweini zu stören und ließ den Abwehrspielern keine Zeit zum Spielaufbau.

Philipp Lahm blüht auf seiner linken Seite wieder auf. Nach einem ganz starken Spiel gegen Österreich  legte er gegen Portugal nach. Alleine in den ersten 20 Minuten gewann er sieben bis acht Defensiv-Zweikämpfe ohne Foul zu spielen und leitete anschließend Gegenangriffe konstruktiv ein.

Wenn ich schon mit Lob um mich schmeiße, darf ich Arne Friedrich nicht aussparen. Wie er den besten Spieler der Welt kalt stellte, das hatte Klasse. Ronaldo blieb in diesem Spiel ganz blass.

Nun könnte ich resümieren, dass es sich tatsächlich so verhält, wie ich vor wenigen Tagen vermutete. Dass Deutschland nicht so schlecht ist, wie es die Begegnungen gegen Österreich und Kroatien vermuten ließen. Dass Löw eine B-Takitik für die Vorrunde hatte, um Sicherheit und Euphorie bei Portugal, Holland und Spanien aufkommen zu lassen.  Und nun seine A-Taktik auspackt. Kann es anders sein, wenn man zunächst einen Fritz statt einem Schweinsteiger oder Borowski auflaufen lässt? Wahrscheinlich nicht. Nun sehen wir die wahre deutsche Mannschaft. Insgesamt eines der besten Spiele seit der WM.

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Zurück aus der EM-freien Zone, Teil 2

Juni 14th, 2008

Ohne Zweifel: In den USA ist Soccer immer noch nicht angekommen. Es ist wie mit Badminton oder Volleyball hierzulande: Die Leute spielen es, aber sie wollen nicht zuschauen. Immerhin versuchen die Sender, allen voran ESPN, den Sport voranzubringen. Alle Spiele werden live übertragen – leider sehr sachlich, ohne die Leidenschaft rüberzubringen. Dabei sollte gerade das Nationalstolz-Moment den Amerikanern gut gefallen. ESPN2 hat für die EM schottische (!) Journalisten verpflichtet, was aufgrund des Dialekts bei der Bevölkerung einiges Schmunzeln hervorruft. Sowohl im Studio als auch beim Live-Kommentar muss man als Nicht-Native-Speaker arg konzentrieren, um den Ausführungen folgen zu können.

Das Bild der Übertragung rund ums Spiel unterscheidet sich deutlich von den deutschen Gepflogenheiten und knüpft an die sonstige Sportberichterstattung an. Im Studio reden vor und nach dem Spiel drei Experten in einer tagesthemenartigen Kulisse. Während beim Football mindestens drei Hall-of-Fame-Spieler daran teilnehmen, sitzen beim Soccer neben dem Moderator ein ältlicher schottischer Journalist und Julie Foudy, eine der besten Frauenfußballerinnen der letzte Jahren. Also etwa so, als würde JBK Hacki Wimmer und Steffi Jones an seiner Seite hätte.

Interessieren tun sich für das Geschehen nur die Randgruppen. WASPs bleiben bei Football und Baseball. Das Spiel Portugal – Tschechien habe ich am Flughafen Charlotte, North Carolina verfolgt. Neben mir: Latino-Kinder mit einer großen Euphorie für Portugal (btw. für Christiano Ronaldo, der er anscheinend zum Weltstar gebracht hat) und Mitarbeiter der mexikanischen und chinesischen Imbissbuden, die gerade Mittagspause machten.

Für die EM ist es eine denkbar schlechte Zeit in den USA. Denn just zum Auftakt starteten die NHL- und die NBA-Finals. Ganz groß im Kurs: Eishockey. Zumindest in Pittsburgh, wo ich geurlaubt habe. Der erst 20-jährige Kapitän der Pens, Sidney Crosby, ist bereits sowas wie ein Monument. Wo immer man in Pittsburgh hinkommt gibt es Trikots, T-Shirts und Kappen mit seiner Nummer 87. Den Rest des Landes, außer Detroit und Pittsburgh, halten die Basketball-Endspiele in Atem. Denn dort treffen mit den Lakers und den lange leidenden Celtics die beiden traditionsreichsten Teams aufeinander.  Als neutraler Beobachter würde ich sagen, dass Boston in letzter Zeit ein wenig verwöhnt wurde, was die sportlichen Resultate der einheimischen Teams anbetrifft. Deshalb: Go Lakers.

Apropos amerikanischer Sport:  Für Football-Interessierte sollte das Saison-Heft der Sports Illustrated Pflichtprogramm sein. Großartiger Journalismus, von dem sich Kicker und Co in Sachen Analyse der Kader eine dicke Scheiber abschneiden können.

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Zurück aus der EM-freien Zone

Juni 12th, 2008

12 Tage ohne Internet – das fühlt sich für mich mittlerweile an wie 12 Tage ohne die notwendige Prothese. Ich weiß gar nicht, wo ich mit dem bloggen anfangen soll.

Also fang ich einfach dort an, wo es mich am meisten juckt. Auch wenn es nicht originell ist, es ist die deutsche Nationalmannschaft. Nach zwei Spielen bin ich enttäuscht, aber nicht enttäuscht aufgrund der puren Resultate. Ich habe einfach nicht das Gefühl, dass Löw ein Winning Team auf den Platz schickt. Ich habe das Gefühl, dass Löw viele unnötig schlechte Entscheidungen trifft.

Löw hatte in der Quali eine Mannschaft, die ausgezeichnet funktionierte. Dieses Team hat er auseinandergerissen. Weil er nicht, wie ein Rehagel es machen würde, die beste Mannschaft auf den Platz stellt, sondern weil er bestimmte Namen in der Aufstellung sehen will. Er kann sich im Sturm nicht entscheiden, stattdessen lässt er Podolski im linken Mittelfeld auflaufen, um Gomez einen Platz zu geben. Gegen Polen hat das funktioniert. Poldi konnte einen dritten Stürmer markieren. Aber für die internationale Klasse ist ein Mann ohne Defensivqualitäten auf dieser Position vergeudet. Vor allem, wenn man dahinter einen Jansen hat, der seine Stärken ebenfalls in der Offensive hat.

Auf der rechten Seite das genaue Gegenteil. Mit einem Fritz im rechten Mittelfeld darf man alles erwarten, aber keine Kreativität und Ideen. Wenn er einen Ball in den Lauf bekommt, wird er in 60% der Fälle eine annehmbare Flanke reinhauen, ansonsten ist er ein reagierender Spieler. Dahinter Philip Lahm. Seit er auf der rechten Seite spielt, ist er in meinen Augen geradezu eingebrochen. Seine Stärke ist der einfache Move auf der linken Seite: Flanke anttäuschen, in die Mitte ziehen, Abschluss suchen. Auf der rechten Seite hat er dies bisher kaum einmal geschafft.

Warum zum Henker Löw David Odonkor zur Halbzeit gegen Kroatien eingewecheslt hat, bleibt mir verschlossen. Odonkor ist ein Konter-Spieler, der mit seinem Speed dann gut ist, wenn die Abwehr aufgrückt ist. Aber Kroatien stand schon vor dem 1:0 tief, so dass man viel mehr einen ballsicheren Spieler wie Schweinsteiger viel früher gebraucht hätte.

All diese Details zusammengenommen führen zu einem deutlichen Fazit: Deutschland ist im Moment nicht im Ansatz die Mannschaft, die dominiert, so wie es unter Klinsmann noch der Fall war. Es ist nicht mehr im Ansatz der Offensivdrang zu sehen, der die Nationalmannschaft für einen kurzen Zeitraum ausgezeichnet hat. Löw muss sich fragen lassen, warum er wenig nachvollziehbare Personalentscheidungen trifft, warum er sein Mittelfeld der Spielstärke und der Dominanz beraubt, die es mit anderen Außen durchaus haben könnte.

Zum Glück sind erst zwei Spiele gespielt. Denn um in diesem Turnier mehr zu leisten, als nur das Viertelfnale, braucht es eine 100-prozentige Steigerung.

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Kurzer Hype für nix – Marin nicht dabei

Mai 28th, 2008

Ja, es war eine tolle Story. Ein 19-jähriger aus der zweiten Liga mischt die Nationalmannschaft auf. Welcher Journalist hätte sich nicht darauf gestürzt? Genau keiner.

Ich habe in den letzten Tagen keinen Artikel gelesen, in dem Marin seinen EM-Platz nicht bereits sicher gehabt hätte. Als hätten sie es herauf beschwören wollen. Wenn dann gerade einen Tag nichts passiert wäre, hätte man immer noch den Joker in der Tasche gehabt und hätte wieder einmal etwas über den kleinen Dribbler mit der bosnischen Herkunft schreiben können, der sich für die deutsche Nationalmannschaft entschieden hat. Und wenn alles perfekt gelaufen wäre, dann hätte dieser Marin im Viertelfinale in der 80. Minute, kurz nach seiner Einwechslung, drei Gegenspieler auf dem linken Flügel vernascht und die Vorlage zum entscheidenden Tor gemacht.

So aber müssen sich die Journalisten eine andere Geschichte suchen und ich frage mich: War das notwendig? Hat Jogi Löw mit der überraschenden Trainingslager-Nominierung irgendjemandem einen Gefallen getan?

Wenn man es positiv sehen will: Löw hat Marin die Chance geben wollen, in eine EM-Vorbereitung reinzuschnuppern und ihm ein klares Signal gesendet, dass er der Mann der Zukunft ist.

Wenn man es negativ sehen will: Löw hat Marin unberechtigte Hoffnungen gemacht und die Nachwuchshoffnung muss nun die Enttäuschung verarbeiten und könnte einen Knacks für die Zukunft bekommen.

Welche Alternative dem eigenen Gusto entspricht, muss jeder für sich entscheiden. Um ein objektives Urteil fällen zu können, müsste man die Gespräche kennen, die zwischen beiden abgelaufen sind. So wie sich Marin geäußert hat, schien er nicht völlig überrascht von seiner Aussortierung.

Die Begründungen, die Löw in der Öffentlichkeit hat verlauten lassen, dürften indes nur als fadenscheinig gelten. Dass es vom kämpferischenher Defizite gegeben habe (konnte ich gegen Weißrussland beileibe nicht erkennen. Eher im Gegenteil). Dass es von der zweiten Liga ein zu großer Sprung zur internationalen Klasse sei (hat man schon vorher gewusst).

Vielmehr wahrscheinlich ist, dass es bereits vor der Einladung um Trainingslager einen klaren Kader gab, an dem nur im Extremfall etwas geändert worden wäre. Für mich das deutlichste Anzeichen dafür: Die Spieler, die gegen Weißrussland mit den Nummer 24, 25 und 26 aufgelaufen sind, waren Helmes, Jones und Marin. Das ist durchaus in Ordnung, solange dies den Betroffenen mit dieser Deutlichkeit mitgeteilt wurde.

Als Gladbach-Anhänger ist mir sowieso das Hemd näher als die Jacke. Wir brauchen zu Beginn der nächsten Saison unbedingt einen ausgeruhten Marin. Wie die Form junger Spieler unter der Turnier-Belastung leider kann, haben wir zur Genüge an Podolski, Schweinsteiger oder Borowski gesehen. Ich kann Löws Entscheidung also nur begrüßen.

P.S.: Vielleicht, aber auch nur vielleicht, war es der Hype an sich, der Marin die EM-Teilnahem gekostet hat. Mir Sicherheit hat es Löw nicht geschmeckt, wie in den letzten Tagen berichtet wurde.

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Der EM-Kader: Keine Optionen sind auch Optionen

Mai 16th, 2008

Der meistzitierte Kommentar zum deutschen EM-Kader in den Blogs und bei Twitter war heute wohl: “Panik bei Panini”. Als ob es ein wahres Favoriten-Kegeln gegeben hätte und ein No-Name nach dem anderen berufen worden wäre. Ich zitiere beispielhaft dogfoods Ausrufezeichen bei der Mittelfeldnominierung:

Ballack – Hitzlsperger – Rolfes(!) – Frings – Schweinsteiger – Trochowski(!) – Borowski(!) – Jones(!) – Odonkor() – Marin(!)

Auf den ersten Blick kann man sich bei dem ein oder anderen fragen: Was hat der bei einer EM verloren? Dann allerdings sollte man darüber nachdenken, welcher andere verfügbare Spieler es mehr verdient hätte. Hier fallen mir nur zwei Kandidaten ein, die tatsächlich übergangen wurden. Zum ersten Ernst, der eine solide Saison bei Schalke gespielt hat, aber in der Nationalmannschaft noch nie ein gutes Standing hatte und aufgrund seiner eindimensionalen Ausrichtung als Sechser zu viele andere vor sich hat. Zum anderen – ein für mich eigentlich sicherer Kandidat – Hilbert. Auf den Flügelpositionen gibt es kaum Alternativen. Als reinrassiger Außenläufer hätte ich ihn definitiv mitgenommen.

Die beiden vieldiskutierten Odonkor und Marin haben Alleinstellungsmerkmale, aufgrund derer man die Nominierung rechtfertigen kann. Odonkor, trotz Formschwäche, ist eine Waffe, wenn in der letzten Viertelstunde Flanken in Kontersituationen gebraucht werden. Marin ist eine Waffe, wenn man in der letzten Viertelstunde einen kompakten Abwehrblock durch Einzelaktionen knacken muss.

Die Graupe für mich im Kader: Trochowski. In der Rückrunde mit der schlechtesten Leistung aller im Kader und ohne Qualitäten, die die Mannschaft sonst nicht aufweisen kann.

In der Abwehr wurden Manuel Friedrich und Gonzalo Castro übergangen, der sicher keine schlechtere Saison als Arne Friedrich oder Clemens Fritz gespielt haben. Hier war wahrscheinlich das desolate Leverkusener Saisonfinale mitverantwortlich und die Tatsache, dass der andere Friedrich eine Stein im Brett hat.

Im Sturm waren die Härtfälle programmiert. Auch hier wieder Leverkusener Schwächephase: Vor anderthalb Monaten hätte Kießling sicher noch den Vorzug vor Helmes bekommen. Doch der drehte gerade in den letzten sechs Spielen groß auf.

Insgesamt also geht die ausgerufene Überraschung vor allem auf die Personalie Hildebrand zurück, die tatsächlich heftig ist. Aber auch hier ist die Überraschung nicht groß aufgrund der Leistung, sondern aufgrund der bisherigen DFB-Personalpolitik. In der Tradition durfte sich Hildebrand wohl tatsächlich als gesetzte Nummer 2 und Nummer 1 nach der EM fühlen. Weil es gerade bei den Torhütern selten um die Tagesform ging, sondern um langfristige Aufbauarbeit. Aber ganz ehrlich: Was die Leistung angeht, ging in den letzten anderthalb Jahren an Adler nichts vorbei. Fast jedesmal, wenn ich ihn gesehen habe, war er überragend, der beste deutsche Torwart. Und Enke war über die letzten vier Saisons der beste Keeper der Bundesliga. Also auch hier: Die Leistung und die Perspektive für die EM hat entschieden.

Meine Gratulation an Löw, Flick und Köpke. Sie hatten kaum Optionen. Der Pool, aus dem sie auswählen konnten, war extrem begrenzt. Die Optionen, die sie gezogen haben, sind gut. Es gibt einen klaren Stamm und es gibt Special-Team-Player und insgesamt haben sich Leistung und taktische Alternativen durchgesetzt.

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