Tales from the Kreisliga: Vorbereitung und Hallensaison
Ich weiß gar nicht, warum es Menschen gibt, die die Winterpause nicht abschaffen wollen. Oder die Sommerpause. Oder beides. Pausen in der Kreisliga haben nur einen Effekt: Mir ist ein paar Wochen langweilig, ich nehme zu und anschließend gibt es “Vorbereitung”. Für Nicht-Fußballer. “Vorbereitung” bedeutet Training ohne Ball. Meistens empfiehlt der Trainer Fußballschuhe und Laufschuhe mitzubringen. Das mit den Fußballschuhen erwähnt er nur, damit überhaupt jemand kommt. Tatsächlich reichen Laufschuhe.
Auf meine alten Tage spiele ich erstmals in einem Verein, bei dem es “Vorbereitung” nicht gibt. Wahrscheinlich aufgrund der Einschätzung, dass eine 10-prozentige Steigerung der Kondition im Durchschnitt immer noch nicht eine merkbare Verbesserung bringen würde.
Masochist, der ich bin, habe ich mich daraufhin einmal in der Woche unserer B-Jugend angeschlossen, wo immerhin ein bisschen was im Ausdauerbereich geht.
Die Winterpause hat, das muss ich eingestehen, nicht nur Nachteile. Es ist die Zeit der Hallenturniere. Ich liebe Hallenturniere. Es ist nicht kalt, es ist nicht nass. Es gibt Bockwurst und Kuchen. Und vor allem gibt es fetzige Spiele, bei denen man schnell kombinieren kann und häufig an den Ball kommt.
Leider erreichen Vereine der dunkelsten Kreisligatiefen nicht viele Einladungen zu solchen Veranstaltungen und deswegen muss ich mich mit einem einzigen Termin zufrieden geben. Und leider zeichnet sich bereits im Vorfeld ein Desaster ab. Als einziger C-Ligist unter A- und Bezirksklasse-Vereinen scheint es bereits im Vorfeld nur um Schadensbegrenzung zu gehen. Und wenn ich von den Fähigkeiten meiner Mitspieler auf dem Großfeld Schlüsse ziehen darf, ist das keine gewagte Prognose.
Was uns mangels Fähigkeiten bleibt, ist eine gewiefte Taktik. Und so habe ich mein Team bereits auf einen Spielzug eingeschworen. Mit dem kann eigentlich nix schiefgehen.
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Ungleiche Derbys
Saure-Gurken-Woche in der Bundesliga heißt für Profi-Vereine leidige Pflicht. Wald-und-Wiesen-Vereine rufen zu Jubiläums-Spielen. Vor drei Wochen, während der Länderspielpause, hatte mein Heimatverein die Ehre, ein 1:13 gegen die Gladbacher Borussia einzustecken. Anlass war der 100-jährige Geburtstag von Fortuna Mönchengladbach.
Die Borussia hat eine Art Abkommen mit der Region. Wo auch immer ein rundes Jubiläum gefeiert wird, treten die Profis an. Immer im Sinne der Amateur-Förderung. Denn 700 Zuschauer wie bei dieser Veranstaltung hat heute keine Bezirksliga-Club mehr. Früher – aber das war vor meiner Senioren-Zeit – soll das bei einigen Vereinen auch bei normalen Saisonspielen nicht selten gewesen sein. Das war vor Privatfernsehen.
Der sportliche Wert solcher Veranstaltungen ist für die Profis ähnlich einzuordnen wie ein Kurztrip nach Süd-Ost-Asien: Man könnte in dieser Zeit deutlich Sinnvolleres anstellen als marketingverordnete Fanpflege abzureißen.
Für die Amateur-Spieler bleibt eine Geschichte, die sie noch den Enkeln erzählen können. Dass man damals, 2007, dem Rob Friend mal so richtig weggeschruppt hat. Oder so ähnlich.
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Tales from the Kreisliga: Serie ganz bitter beendet
Es ist einer dieser Tage, an denen man am liebsten seinen Rücktritt vom aktiven Fußball erklären möchte. Weil man sich fragt: Warum tue ich mir so einen Scheiß eigentlich an.
Mit einer Serie von fünf ungeschlagenen Spiel im Rücken waren wir angetreten. Pessimisten hätten gesagt: Mit einer Serie von fünf sieglosen Spielen. Ansichtssache. Das Selbstbewusstsein sprach für erstere Lesart.
Die Rahmenbedingungen: unfassbar kalt, heftiger Regen. Ein Wetter für ein gutes Buch. Aber nicht für Fußball. Mit einem Sieg am Ende steckt man das weg. Nach einer 0:4-Klatsche nicht. Da zieht man alles in Zweifel. Vor allem wenn man einen Kick abliefert, den auch 11 Volleyballerinnen noch zustande gebracht hätten. Keine einzige echte Torchance, keine Laufwege, keine Pässe – nichts.
Wohlgemerkt: Die Spielanlage des Gegners war nicht viel besser. Aber im Sturm lief ein 1,95 Meter großes, kahlköpfiges, durchtrainertes Monster rum, dass uns alleine nass gemacht hat. Wenn man so einen in der C-Liga sieht, steht eigentlich fest, dass der Typ am Ball nix kann. Sonst wäre er schon aufgrund der Statur zwei Klassen höher. Dieses Ungetüm allerdings konnte alles: Köpfen, schießen, dribbeln. Vier Tore, viermal das Tier.
Ich durfte mich zunächst im Mittelfeld, danach auf dem linken Verteidiger versuchen. Für die Außenbahn sind diese Tage die undankbarsten. Die Muskulatur ist zu, der Ball wiegt drei Kilo und dann versucht man eine Flanke nach der anderen reinzuschlagen. Die Pille hebt einfach nicht ab, sondern bleibt, egal wie weit man sich beim Schuss zurücklehnt, einen halben Meter über der Asche.
Was mich aber richtig abfuckt, während ich mich 90 Minuten durch so eine Grottenveranstaltung schleppe: 18-jährige, die einmal bös umgemäht werden und sich dann in der Halbzeit auswechseln lassen weil “die Schürfwunden so brennen.” Da werde ich echt bekloppt. Sind wir hier in Italien, oder was?
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Tales from the Kreisliga: Still unbeaten
Kann man ein Unentschieden in der Kreisliga C temperamentvoller feiern als einen Weltmeistertitel? Man kann. Wenn ich mir die emotionslose Danksagung an alle Sponsoren vom Kimi Raikönnen reinziehe, dann war das eine Party, die wir nach dem 1:1 gegen den Tabellenzweiten abgefackelt haben.
Das heißt allerdings nicht viel. Wir haben uns lediglich gut gelaunt abgeklatscht. In der Formel 1 feiert man halt ein wenig bescheidener.
Mein vierter Einsatz für meinen neuen Verein bedeutet immerhin eine Bilanz von zwei Siegen und zwei Unentschieden. Bei den drei Niederlagen der bisherigen Saison habe ich mich – man könnte behaupten geschickt – verletzt oder krank abgemeldet.
Ansonsten fragte man sich an diesem Tag, warum man sich nicht ein gemütlicheres Hobby ausgesucht hat. Regnerisch, scheiße-kalt und dann noch gegen einen türkischen Verein als Kontrahent. Was in der Regel mehrere rote Karten und einen unangenehmen Abgang vermuten lässt.
Nichts davon war der Fall. Der Schiedrichter war geschätzte 15 Lenze alt, hatte die Partie aber gut im Griff. Und der Gegner kam kaum zum Zug, sondern wir als Aussenseiter machten das Spiel. Wäre nicht der völlig blinde Pass unseres Linksverteidigers in den Lauf des gegenrischen Mittlelstürmers gewesen, als solider Rückpass auf unseren Innenverteidiger gedacht, wäre nichts angebrannt.
Wenn man dann, 50 Minuten nach einer Maßflanke zum Ausgleich, allerdings unter einer Dusche steht, die gefühltes 2 Grad kaltes Wasser ausspuckt, weiss man wieder, wo die eigenen fußballerischen Qualitäten angesiedelt sind. Ganz weit unten, dort wo es nicht mal einen Thermostat gibt. In der Kreisliga.
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