Gemein: Kein eigenes Internet für Hessen
Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hat heute das bwin-Verbot aufgehoben. Dem Unternehmen hatten die Behörden untersagt, den hessischen Bürgern Sportwetten über das Web anzubieten. Die trockene Urteilsbegründung: “Der Senat vermag nicht zu erkennen, wie das Internet auf Hessen beschränkt werden soll.”
Wow, 2007 und langsam scheint der Groschen zu fallen.
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Trikots für die Hälfte?
Heute gab’s einen sehr interessanten Artikel im Handelsblatt. Ein Portrait über den Chef von “do you football”. Wem das nichts sagt: Das ist der Ausrüster von St. Pauli und dem FC Augsburg, Das ist erstmal nichts Besonderes. Aber sobald man sich die Trikotpreise bei den beiden Vereinen anschaut, erkennt man, dass da etwas anders läuft als anderswo.
Die Firma ist mit einem klaren Statement in die Ausrüstung von Profi-Mannschaften eingestiegen. Man will den Fans ein Saison-Trikot zum erschwinglichen Preis anbieten und betrachtet die Politik der üblichen Ausrüster als Abzocke. 69 Euro für ein Shirt ist in den Augen der Geschäftsleitung völlig abgehoben von der finanziellen Situation der Fans. Das Ziel war, ein Shirt in der gleichen Qualität zum halben Preis zu machen.
Das Ergebnis erreichte fast die Zielsetzung: Ein Shirt für 39 Euro. Und im Fall von St. Pauli resultierte eine 600-prozentige Steigerung des Stückverkaufs. Statt zuvor 3.000 Hemden sollen 18.000 über den Tisch gegangen sein. Wohlgemerkt in der Saison vor dem Aufstieg.
Interessant ist dabei die Politik der Firma: Auf “große” Vereine hat sie keinen Bock. Einen FC Köln würde sie im Moment nicht ausrüsten. Selbst die Verhandlungen mit Hansa Rostock hat sie abgebrochen. Der Geschäftsführer ist der Ansicht, dass er sich über die Kleinen hocharbeiten muss und vor allem dort seine Marktlücke ist.
Kein Wunder, angesichts der Summen, die ein Ausrüster zahlen muss, um in das Geschäft zu kommen. Normalerweise geht er in Vorleistung und muss gucken, wie er seine Kohle wieder rausbekommt. Bei “do you football” wird wenig bis gar nichts gezahlt, aber Ausrüster und Verein teilen sich die Gewinne.
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Mein Fazit zum Kirch-Deal
Durch zwei verlängerte Urlaubswochenende ist es hier ein bisschen ruhig geworden, was die originären Beiträge angeht. Die Diskussion zu den letzten Posts ging aber munter weiter. Also direkt weiter mit mit einem Thema, in dem richtig was drinsteckt: Der Kirch-Deal. Dazu empfehle ich auf jeden Fall den Beitrag auf dem Ball-Blog und natürlich sehr fundiert bei dogfood hier und hier.
Was die Fakten angeht, ist an diesen Stellen schon alles gesagt, deswegen gehe ich direkt in die Abteilung “Meinung” über:
1. Kirch unfähig?
Ich verstehe den ganzen Wind darum nicht, dass Kirch die Bundesliga vor einigen Jahren “im Stich gelassen” hätte. Der Kerl ist mit seiner Firma insolvent gegangen. Das heißt nichts anderes, als dass er sich selbst am meisten ins Knie gefickt hat mit dem Deal. Er hat die Rechte deutlich zu hoch bewertet und sein Business-Modell ist nicht aufgegangen.
Wenn man als DFL in einer Versteigerung die Rechte zu extrem knapp kalkulierten Preisen raushaut, muss man das Restrisiko einrechnen, dass der Verwerter den Preis nicht refinanzieren kann.
Daraus kann man Kirch keine pauschale Unfähigkeitsbescheinigung ausstellen. In einer sehr langen Karriere zuvor hat er viel, viel mehr richtig gemacht als falsch.
2. Der Preis
Wenn ich mir den ganzen Wind nochmal um die Nase wehen lasse, den z.B. Uli Hoeneß abgesondert hat, was die Bundesliga-Rechte tatsächlich wert wären, finde ich den Abschluss extrem defensiv. Die Beträge klingen zunächst hoch (vor allem der über sechs Jahre kumulierte Betrag), aber tatsächlich ist es eine Steigerung von ca. 60 Millionen pro Saison (je nachdem welcher Rechnung man glauben will). Bis, sagen wir, 2009 ist das in Ordnung. Aber was danach geht, das könnte finanziell eine ganz andere Liga sein. Wohlgemerkt: Könnte.
Unter Umständen bleibt der Wert der Rechte auch stabil. Und dann hätte die DFL einen guten Deal gemacht. Aber wir reden hier über 2015. Und wenn dann andere europäische Ligen fetteste Kohle machen, weil die Preise steil nach oben gehen, wird der Katzenjammer groß sein.
Okay, an deutlichen Wertsteigerungen ist die DFL mit rund der Hälfte beteiligt, aber die Hälfte von verdammt viel Geld ist immer noch sehr viel Geld, dass der Liga durch die Lappen gehen könnte.
Mir scheint, dass in der DFL-Entscheidung eine Menge Risiko-Begrenzung ist, weil man nicht weiß, wie sich der Pay-TV-Markt angesichts der Breitbandevolution (und damit der Evolution der Geschäftsmodelle) entwickelt.
3. Die zentrale Produktion
Für mich ist das der eigentliche Geniestreich bei dem Deal und tatsächlich nach vorne gedacht. Um mal das Verhältnis aufzuzeigen: Wir reden jetzt über 2015. Das ist also so, als hätten wir 1999 über die aktuelle Situation diskutiert. Flächendeckende DSL-6000-Anbindung – wer hätte davon 99 auch nur geträumt? Da werden sich ganz andere Verteilungsstrukturen entwickelt haben. Vielleicht einzelne Internet-TV-Anbieter, die einzelne Spiele kaufen wollen. Was weiß ich – in dem Bereich halte ich jede angeblich sichere Prognose für Chuzpe. Mit vorproduzierten Inhalten hält man sich auf jeden Fall alle Türen offen.
Ob die DFL den Fans einen Gefallen getan hat – das bezweifele ich allerdings, weil eine Aufsplittung der Rechte zu befürchten ist. Ein Rundum-Sorglos-Paket, in dem ein Premiere alle Spiele plus CL zeigt wie 2003, halte ich zumindest ab 2012 für nicht mehr selbstverständlich.
Fazit:
Die DFL hat die auf lange Sicht sichere Alternative gewählt, die kurzfristig hohe Erträge verspricht. Dabei hat sie die potentielle Aufsplitterung der Übertragungen in Kauf genommen und einiges an Mitspracherecht auf lange Zeit aufgegeben. Gleichzeitig hat sie potentielle Profite vielleicht voreilig an Sirius abgegeben. Vieles von dem, was der Deal wert ist, hängt an noch unbekannten Faktoren, vor allem den Vorgaben für die Free-TV-Verwertung.
Kurz gesagt: Ich halte den Abschluss für einen Fehler, allerdings nicht aus Misstrauen gegenüber den neuen Rechte-Inhabern.
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Die Rückkehr der Bauunternehmer
Es gibt eine seltsame Symbiose im Fußball. Der Sport scheint eine Einladung für mehr oder weniger erfolgreiche Baulöwen zu sein, ihre Eitelkeiten auszuleben. Ich habe in meinem Leben in vier Vereinen gespielt. In zwei davon waren eben solche Unternehmer am Start, die ihre kleinbürgerliche Existenz durch Sponsoring höchstens lokal erfolgreicher Mannschaften aufjazzten.
In den Niederungen des deutschen Fußballs läuft es mit solchen Leuten meistens nach demselbem Schema: Sie kaufen sich eine Mannschaft aus Maurern, Kfz-Mechanikern und Elektrikern zusammen, die zwei Spielzeiten lang glänzt, ein- bis zweimal aufsteigt und dann ganz übel die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit aufgezeigt bekommt. Dann kriegen die Stars des Teams “hochdotierte Angebote” (so um die 50 bis 100 Euro pro Spiel) von einem anderen Mäzen und der Laden bricht sowas von auseinander, dass es direkt die zwei Klassen wieder nach unten geht, die man zuvor hinter sich gelassen hatte (im positiven Fall) oder noch viel weiter in die Wald- und Wiesen-Ligen (im negativen Fall).
Man mag mir eine negative Einstellung solchen Stadtteil-Napoleons gegenüber unterstellen. Und wisst ihr was: Das ist richtig. Aus einem Club bin ich bereits rausgeflogen, weil ich einem Vertreter dieser Gattung ordentlich die Meinung gesagt habe. Der hatte, als es gerade wieder schwer nach unten ging, dem Vereinsnachwuchs wie mir eine echte Perspektive geboten, um eine Saison später wieder eine ganze Elf Bezirksliga-Legionäre einzukaufen um uns auf der Bank schmoren zu lassen.
Aber zurück zum Thema, warum ich eigentlich darauf komme. Manche dieser Bauunternehmer schaffen es tatsächlich in den Profi-Fußball. Warum auch immer – im Osten finden sie immer noch eine Spielwiese.
Erinnert sich noch jemand an Dieter Krein? Den Cottbusser Präsident, der mit Ede Geyer die erste Blüte Energies einleitete? Ein absoluter Provinzfürst, der den Verein an den Rande der Insolvenz führte.
Leider hat es den Verein in der Nachfolge nicht besser getroffen. In der Lausitz geht es um Eitelkeiten, um sonst nichts. Wie sonst könnte sich ein Sparkassen-Vorstand anmaßen, auf Bundesliga-Ebene Ahnung haben zu wollen. Mit solchen Ausssagen wie: “Im Interesse der weiteren erfolgreichen Zukunft des FC Energie Cottbus blieb uns letztlich keine andere Wahl, als ein Wechsel auf der Trainerposition.” Hallo? Ohne Sander würde Cottbus heute mit Glück in der Regionalliga kicken.
Aber nicht nur in Cottbus dürfen solche Experten rumverwalten. Auch in Jena wachsen die Ansprüche in den Himmel. Zwei hochverdiente Trainer nacheinander zu feuern – alle Achtung. Und dann noch einen Investor anzuschleppen, der so halbseiden ist, dass die DFL die Zustimmung verweigert – gute Arbeit. Was die Fans von solchen Selbstdarstellern halten, hat Rainer Zipfel heute von der Fankurve mehr als deutlich zu hören bekommen.
Fazit: Egal ob Kreis- oder Bundesliga. Jeder Verein sollte sich vor Sonnenkönigen schützen und auch mal nein sagen. Lieber mit Würde ein paar Ligen tiefer, als abhängig von einem Arschloch.
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