Der neue Bundesliga-Deal: Die DFL geht auf Nummer Sicher

November 28th, 2008

Die Details zum neuen Bundesliga-Rechte-Deal wurden heute schon ausführlichst bei dogfood vorgestellt und diskutiert.

Mein Eindruck: Die DFL hat Premiere heftigst den Rücken gestärkt und leistet mit diesem Vertrag erstmal Aufbauarbeit, damit in vier Jahren ein wieder erstarkter Partner am Start ist, der sich mit einem deutlich verbesserten Angebot für die Treue in der Krise bedankt.

Natürlich nicht ohne Eigennutz. Bei Premiere weiß man was man hat. Wären die Rechte an z.B. ESPN gegangen, wäre Premiere in der Existenz bedroht und man würde mittelfristig ebenfalls nur einen Bieter für die Rechte haben, den man aber zurzeit in Puncto Qualität, Vermarktung und Zusammenarbeit kaum einschätzen kann. Und Premiere hat in den letzten Monaten die Weichen gestellt, um zurück in die Erfolgsspur zu finden.

Die ARD hat einen dicken Coup gelandet und wird sich zweifellos öffentlichkeitswirksam auf die Schulter klopfen. Das sollte Anlass sein, noch mal zu hinterfragen, ob es die Aufgabe eines öffentlich-rechtlichen Senders ist, mit den Gebühren Fußball-Profis zu subventionieren (Randnotiz: Die ÖRs haben einen höheren Etat als das Verteidigungsministerium 9 von 14 Bundesministerien. Könnte ich mich ständig drüber aufregen).  Mich würde das Bieterverhalten der ARD interessieren. Im Prinzip könnte Fritz Raff hingehen und sagen: Egal was die Konkurrenz macht, wir legen eine Million drauf. Ob es wirklich so läuft?

Schade finde ich, dass das DSF nicht mehr am Sonntag berichten wird. Bei der ARD erwarte ich  die Sonntagssportschau als schnell abgefrühstückten Happen zwischen Tatort und Anne Will, Dauer ca. 30 Minuten. Das DSF hat sich – jenseits aller Kritik an der marktschreierischen Werbung und der Qualität der Kommentatoren – für die Sonntagsspiele Zeit genommen. 20 Minuten für jedes Spiel. Man sah deutlich mehr als nur Torraumszenen, sondern bekam einen Eindruck vom Spielverlauf.

Zurück zu Premiere: Kaum vier Stunden nach Ende der DFL-PK feiert sich der Sender ab, als hätten gerade eine Million Neu-Abonnenten unterschrieben. Mehr Live-Spiele als jemals zuvor usw. Ich bin gespannt, ob die Exklusivität tatsächlich zieht, oder ob der Schuss nach hinten losgeht.

Für mich als Fan ist das Angebot ab 09/10, wie an dieser Stelle schon ausführlich begründet, deutlich weniger attraktiv als bisher. Wie ich den Reaktionen hier und an anderer Stelle entnehmen konnte, geht es ausnahmslos jedem so. Ich habe bisher keine einzige Stimme gehört, die es als positiv empfindet, dass man nun jedes Wochenende quasi vom Frühstück bis zum Abendessen Live-Spiele bekommt. Das Premium-Produkt und Kaufargument Konferenz wird sowohl am Samstag und erst Recht am Sonntag entwertet. Für Zweitliga-Fans ist der neue Vertrag sogar durchweg ein Griff ins Klo. Zufrieden werden nur die Sportbars sein, die künftig  einige Stunden mehr trinkendes Publikum haben dürften.

Genau deshalb, weil das Premiere-Programm trotz mehr Exklusivität nicht attraktiver ist als zuvor, sehe ich auch kaum eine Einschränkung für die Sportschau durch das neue Top-Spiel am Samstag. Wer bisher auf ein Pay-TV-Abo verzichten konnte, wird sich auch jetzt keins holen. Wer bisher bereit war, für die Live-Übertragung zu zahlen, wird es auch weiterhin tun. Die Zahl der Wechselwilligen in die eine oder andere Richtung wird sich im niedrigen sechsstelligen Bereich bewegen, sollte Premiere die Preisstruktur nicht großartig ändern.

Mein Vertrag mit Arena läuft im Januar aus. Ich werde abwarten, welche Angebote Premiere bis dahin macht. Die aktuelle Aufteilung der Pakete ist hirnrissig. Bundesliga für 20 Euros – soweit alles klar. Will ich zusätzlich DFB-Pokal und CL, muss ich noch mal 15 Euro für das Sportpaket drauflegen. Und jetzt wird es irrwitzig: American Sports auf NASN sind nicht im Sport-Paket, sonder im Star-Paket drin, das noch mal 10 Euro extra kostet. Wäre das im Sport-Paket drin, würde ich es nehmen. Aber so verzichte ich auf beides, weil es pure Abzocke ist. 45 Euros, nur um alle Sportsender zu bekommen – ich lach mich tot.

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Seifert, Kind, DFL – bitte unters Kopfkissen legen

November 21st, 2008

Der altehrwürdige Telegraph titelt “Bundesliga shows English Premier League how to take football fans into the 21st century”. Autor Jeremy Wilson beschwört all das als Zukunftskonzept für die Premiere League, was Seifert, Kind und Co gerade mit der Abrissbirne bearbeiten.  Sein Besuch im Gladbacher Stadion beim Spiel gegen Bayern “underlined some of the alternative ideas and structures that English administrators should consider.”

Und weiter: “It is doubtful whether any country has succeeded quite like Germany in transporting the soul of football from yesteryear into a safe and modern environment while still producing an outstanding international team and thriving domestic competition. The Bundesliga (...) could also serve as a future example to an English system currently straddling a tight-rope between world domination and the risk of alienating parts of its traditional support base.”

Diesen Artikel sollten sich die Kollegen bei der DFL ausdrucken und unter das Kopfkissen legen. Viel Kohle und die weltbesten Spieler bedeuten nämlich noch lange kein attraktives Angebot für die Fans. Denn im direkten Vergleich zur Bundesliga, “the contention that England hosts the most exciting world league is highly debatable.”

(Redaktioneller Einwurf: Die spielerische und taktische Qualität stand beim Artikel außen vor. Das ist ein anderes Thema, das aber imho nichts mit der finanziellen Ausstattung der Clubs zu tun hat. Wie kurtspaeter vor ein paar Tagen hier richtig kommentierte: Die deutschen Clubs sind in den letzten Jahren nicht gegen englische ausgeschieden, sondern gegen schottische, griechische, holländische).

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Neuer DFL-Spielplan: Der Fan bleibt draußen

Oktober 31st, 2008

Das Bild, dass die DFL vom, Bundesliga-Fan hat sieht so aus:

  • sozial vereinsamt

  • keine familiären Verpflichtungen

  • keine Hobbys außer Fußball im Fernsehen

  • kein Interesse an Live-Spielen im Stadion

  • und – obwohl alles bisher genannte eindeutig auf einen alkoholkranken Hartz-4-Empfänger schließen lässt – Zahlungsbereitschaft ohne Ende

So etwa lässt sich die neue TV-Rechte-Ausschreibung zusammenfassen. Jedenfalls, wenn man die Aussage ernst nimmt, dass das gefundene Modell ein “attraktives Angebot für Fans” darstellt.

Ich kann nur inständig hoffen, dass Seifert und Co bewusst ist, dass diese Aussage zynische PR-Scheiße ist. Dass Attraktivität einzig und alleine für Pay-TV-Sender geschaffen werden sollte.

Selbst das ist nicht der Fall. Ich habe bereits vor einem halben Jahr festgestellt, dass ein Spielplan, wie er jetzt vorgelegt wurde, viele Verlieren kennt, aber keinen echten Gewinner. Daran hat sich nichts geändert, denn die Ausschreibung wurde nur im Detail verändert.

Meine Aussagen von damals kurz zusammengefasst (und um einige Punkte erweitert):

  1. Die Zweitliga-Clubs werden massiv benachteiligt, weil die Spiele zu Unzeiten angepfiffen werden (Fr. 18 Uhr Sa. 13 Uhr, So. 13.30). Für Auswärtsfans ist bei längerer Anreise keine einzige der Anstoßzeiten einzuhalten, außer mit einem Tag Urlaub oder Anreise am Vortag incl. Hotelkosten.

  2. Die Drittliga-Clubs werden jeder exclusiven Anstoss-Zeit am Wochenende beraubt

  3. Die Amateur-Fußballer – übliche Anstoßzeit Sonntags 15 Uhr – bekommen ein Erstliga-Spiel als Konkurrenz vor die Nase gesetzt und werden noch mehr Zuschauerschwund haben als es schon der Fall ist (dass die Kultur, seinen Stadtteils- bzw. Ortsverein zu verfolgen, massiv nachgelassen hat, werde ich bei Gelegenheit in einem eigenen Post thematisieren).

  4. Familienväter werden kaum rechtfertigen können, Sonntagsmittags die Glotze anzuwerfen.

  5. Den Auswärtsfans in allen Ligen wird die An- und Abreise an einem Tag erheblich erschwert.

  6. Die Stadiongänger können je nach Anstoßzeit die Zusammenfassungen der anderen Spiele nicht mehr anschauen.

  7. Der reine Fernseh-Fan muss abartig viel Zeit aufwenden, will er alle Geschehnisse live verfolgen

Zusammenfassend: Die DFL hat den Pay-TV-Sendern Exklusivität ausschließlich auf Kosten der Fans zur Verfügung gestellt. Und nicht nur der Fans, die gar kein Interesse an Pay-TV haben. Auch die zahlende Kundschaft wird deutlich benachteiligt.

  • Konnte ich vorher mit einem Zeiteinsatz von 6 Stunden pro Wochenende (und das war selbst mir schon zuviel) alle Bundesliga-Spiele verfolgen und damit das Angebot, für das ich viel Geld zahle, voll wahrnehmen, muss ich nach dem neuen Modell 10 Stunde aufwenden.

  • Bin ich ein Vereins-Fan, konnte ich vorher einigermaßen sicher sein, das Spiel meines Bundesliga-Vereins auf jeden Fall anschauen zu können. Jetzt verpasse ich mindestens zwei Spiele pro Saison, weil ich Sonntags um 15.30 selbst spiele (oder weil ich je nach persönlichem Zeitplan zu einer anderen Anstoßzeit Besseres vorhabe).

Für den Fan ist das neue Angebot also weniger attraktiv als das bisherige, mithin weniger wert und die  Zahlungsbereitschaft sinkt.

Das 18.30-Spiel am Samstag als Kaufanreiz zu verstehen, halte ich für naiv.  Bin ich bereit, für Exklusivität Geld auszugeben, habe ich es auch schon vorher gemacht. Wenn nicht, warte ich eben bis zum Sonntag, um die Zusammenfassung zu sehen. Ob es nun zwei oder drei Spiele sind, die ich erst mit Verspätung serviert bekomme, wird mir die Geldbörse nicht lockerer sitzen lassen.

Fakt ist: Echte Exklusivität darf die DFL dem Pay-TV aufgrund kartellrechtlicher Probleme nicht bieten. Stattdessen basteln sich Seifert und Genossen ein Pseudo-Exklusivität zusammen, die in Wahrheit genau das Gegenteil von dem Beabsichtigten erreicht. Damit gibt die Bundesliga einen ihrer wenigen Trümpfe aus der Hand. Die im Gegensatz zu anderen Ligen noch vorhandene Fan-Orientierung, die die Werbewirtschaft mit großzügigen Sponsor-Verträgen honoriert.

Ich hoffe, dass die ARD erkennt, dass die Gebühren nicht dazu da sind, Fußball-Millionäre zu füttern. Sondern dass die Free-TV-Rechte zu einem echten Marktpreis (der deutlich niedriger ist als der aktuelle Kurs) an Private durchgereicht werden.  Das wäre ein erheblicher Dämpfer, der die Gedanken der Verantwortlichen in eine vernünftige Richtung lenken könnte. Und dass die Werbepartner knallhart kalkulieren, dass Exklusivität für das Pay-TV weniger Exklusivität für die eigene Präsenz darstellt.

Meine Theorie lautet schon seit längerem, dass Christian Seifert als Vollwurst in die Annalen des deutschen Profi-Fußballs eingehen wird. Weil er ein Manager ist, der vielleicht bei Karstadt die richtige Besetzung war (Karstadt 2000 – 2005, Erfolgsgeschichte anyone?),  aber keinerlei Fingerspitzengefühl für sein aktuelles Geschäft hat.  Der nicht versteht, dass mangelnde Pay-TV-Einnahmen keine Frage des Spielplans, sondern der sehr speziellen deutschen Strukturen sind.

Schlimmer als diese Personalie finde ich allerdings die Zustimmung zu einem solchen Konzept durch die Profi-Vereine in persona DFL, die sich damit ganz weit von der Basis entfernen und unter anderem leere Stadien in der bis dahin als weltbeste gefeierten zweiten Liga in Kauf nehmen.

Nur noch eins zum Schluss: Das ewige Argument, der Fan könne ja nicht wollen, dass die Bundesliga international in der zweiten Reihe spielt, ist für die Füße. Mehr als 50 Prozent selbst der Erstligavereine haben keine dauerhafte europäische Perspektive. Bei denen geht es nur ums nationale Geschäft und darum, dieses so interessant wie möglich zu halten. Extrem hohe Einnahmen für Bayern München aus der CL stehen dem diametral entgegen.

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Überflüssiger Artenschutz für Hopp – aber was ist die Konsequenz?

September 24th, 2008

Mit der freien Meinungsäußerung ist es ja so eine Sache. Sobald es ungemütlich wird, halten manche Menschen nicht mehr viel von ihr. Der DFB hat eine “Lex Hopp” erlassen, nach der “Pöbeleien” gegen den Mäzen künftig auch sportgerichtlich geahndet werden können.

Klar, sobald es in den Bereich der körperlichen Bedrohung geht – und so kann man angesichts der Bescheuerten, die in einem Fußballstadion rumlaufen, ein Plakat mit einem Fadenkreuz interpretieren – muss man handeln.

Aber dazu braucht man keine Sonderregelung. Das kann man in den vorhandenen Strukturen angemessen verfolgen. Der DFB kann weiterhin mantraartig Fairniss einfordern. Nur wird es sie nicht geben. Und zwar mit Recht. Jeder Anhänger hat das Recht, seinen Unmut über Entwicklungen im professionellen Fußball lautstark kund zu tun. Egal ob sich der Protest auf eine Person fixiert und egal ob berechtigt oder nicht.

Dass dies deftig artikuliert wir, hat durchaus etwas mit der Fankultur zu tun. Im Optimalfall erreicht der DFB, dass die Gesänge ein wenig abgemildert werden. An der Sache ändert sich nichts. Nur würde ich gerne wissen, welche Sanktion ein Sportgericht verhängen könnte und gegen wen sich diese richtet. Gehe ich recht in der Annahme, dass sich eine Strafe nur gegen den Verein richten kann, da die Zuschauer nicht der Sportgerichtsbarkeit unterliegen?

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Konkurrenz für Fortuna Köln: Noch ein Club der Fans

Juni 17th, 2008

Einen Profi-Fussballverein graswurzelmäßig zu übernehmen scheint ein Trend zu werden. Nach deinfussballclub.de hat nun auch unser-fussball-club.de Ambitionen angemeldet. Nun scheinen die Betreiber eine gesunde Portion Optimismus mitzubringen. Denn deinfussballclub.de konnte trotz monatelanger Arbeit, dem Aushängeschild Sönke Wortmann und der mit viel Brimborium angekündigten Fokussierung auf Fortuna Köln bisher nicht mehr als gut 6.000 der notwendigen 30.000 Mitglieder gewinnen.

Unser-fussball-club.de ist  gerade mal einen Monat online und obendrein 10 Euro Mitgliedsbeitrag  und 10 Euro Verwaltungsgebühr, insgesamt also 20 Euro teurer als die Konkurrenz. Erinnert mich irgendwie an den Film “Beim ersten Mal”, in dem ein paar zugekiffte Abhänger eine Internetseite aufbauen wollen, auf der man nachlesen kann, in welchen Filmen welche prominente Schauspielerin eine Nacktszene hat. Nachdem sie sich zwei Jahre lang täglich sieben bis 15 Videos reingezogen haben, erfahren Sie zufällig von Mr. Skin.

Aber egal. Die Jungs von unser-fussball-club.de haben mir einen hübschen kleinen Fußball geschickt haben, weshalb ich hiermit die Werbetrommel für sie rühre.

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Lucarelli: Ein halbes Jahrsgehalt reicht für eine Zeitung

Januar 19th, 2008

Geht es um Christiano Lucarelli, geht es um einen der letzte echten Helden im Fußball. Unter Gehaltsverzicht als Torschützenkönig von der Serie A in die zweite Liga zu seinem Heimatverein gewechselt, dessen Tattoo er auf seinem Unterarm trägt – das sagt alles. Umso größer war das Geschrei, als er nach vier Saisons den AV Livorno verließ, um bei Schatjor Donezk anzuheuern.

Im Gegensatz zu 99,99 Prozent aller anderen Profis hatte er eine gute Begründung, Liebe gegen Geld zu tauschen. Er, der bekennende Kommunist, wollte eine “unabhängige” Tageszeitung in seiner Heimatstadt gründen. Und dafür brauchte er Startkapital, das ihm der AC nicht bieten konnte. Ein Wechsel innerhalb Italiens kam für ihn nicht infrage. Angeblich, weil er es als Verrat empfunden hätte.

Nach einem halben Jahr in der Ukraine hat er sich scheinbar eines besseren besonnen. Er wechselt nach der Hinrunde, die er als Joker zumeist auf der Bank verbacht hat, zum AC Parma. Nun ist dies ein zweischneidiges Schwert.

Auf der einen Seite klingt es sehrt nach Lippenbekenntnis, wenn einer nach sechs Monaten im Ausland in die Heimat zurückkehrt und dann genau das macht, was er vorher aus moralischen Gründen abgelehnt hat, nämlich für einen anderen Club in Italien als Livorno zu spielen. Da hätte es sicher auch einige Angebote aus dem näheren Ausland gegeben (Bayern München steht zurzeit sehr auf italienische Stürmer hab ich gehört).

Auf der anderen Seite hat er seine Ankündigung in die Tat umgesetzt und sein Brutto-Schachtjor-Gehalt für die sechs Monate, nämlich 2 Millionen Euro, in die “Corriere di Livorno” inverstiert. Mangels Italienischkenntnissen kann ich die Qualität dieser Publikation nicht beurteilen. Bemerkenswert finde ich die Aktion dennoch allemal.

Via Spielfeldrand-Magazin und mit Infos der Wikipedia.

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myfootballclub.com: Besser in Deutschland investieren?

Januar 5th, 2008

Angeregt durch einen Post von Jürgen Kalwa hab ich mir mal Gedanken über das aktuelle Standing von myfootballclub.com gemacht. Dieser Fanzusammenschluss hat einen kleinen Verein namens Ebbsfield United gekauft. Laut Wallstreet Journal wird die Beteiligung der Fans an diesem Verein ein Kampf gegen Windmühlen. In der fünften Liga spielend, steht angeblich ein Etat von 3 Millionen Euro pro Saison (!). Dagegen verblasst das Kapital von gut 1,4 Millionen, die die rund 53.000 neuen Eigentümer eingezahlt haben natürlich ein wenig.

Nun kenne ich mich in der englischen fünften Liga nicht wirklich aus, aber 3 Millionen scheint mir extrem utopisch für diese Klasse, und wenn Ebbsfield diesen Etat zustande bringen, dürfte einem Durchmarsch in die dritte Liga eigentlich nichts im Wege stehen.

Aber ich will es auf deutsche Verhältnisse übertragen. Hierzulande wird unter www.klub-der-fans.de Geld eingesammelt. Von den angepeilten 50.000 zahlenden Mitgliedern sind bisher leider erst rund 5.00o am Start. Sieht nach einem Rohrkrepierer aus. Nichtzuletzt sicher auch deswegen, weil viele deutsche Fans lieber in das englische Original eingezahlt haben. Das soll mich aber nicht von Gedankenspielen abhalten.

Würde das Ziel erreicht, hätte klub-der-fans.de 2,5 Millionen Euro für seine Einkaufstour. Das entspricht dem Etat eines mittelmäßigen Drittligisten. Oder eines herausragenden Vierligisten. Ganz oben auf der Einkaufsliste steht im Moment Waldhof Mannheim. Das hat aktuell einen Etat von 1,5 Millionen pro Saison und damit einen der höchsten in der Oberliga.

Nun, was würde passieren, stiege klub-der-fans.de ein? Zunächst gäbe es eine dicke Finanzspritze, die für eine Saison in der vierten Liga reichen würde und den Verein zum absoluten Krösus der Liga machen würde oder konkurrenzfähig in der dritten Liga. Mehr aber auch nicht.

Der Schluss daraus: Mit einem einmaligen Buy-In von 50 Euro ist es für den Fan nicht getan. Diesen Betrag müsste er jede Saison leisten, um den Verein in den ersten Jahren im Spiel zu halten. Das sollte aber kein großes Problem sein. 50 Euro ist ein normaler Vereins-Beitrag. Im Endeffekt nichts anderes, nein sogar billiger, als würden die Teilhaber Mitglied bei Waldhof Mannheim werden.

Nun kommen die Sideeffects, die das ganze wirklich akttraktiv machen. Über den “Verein der Fans” würde deutschlandweit berichtet. Jede Zeitung hätte mindestens einen Bericht auf der ersten Seite des Sportteils, jeder Fernsehsender hätte ein Feature. Für Sponsoren extrem attraktiv.

Gleichzeitig hätte man es bei Waldhof – im Gegensatz zu Ebbsfield – mit einem Traditionsverein zu tun, der eine großes, brachliegendes Fanpotential hat. Ein Fanpotential, das im Moment schwer angekotzt ist vom aufstrebenden Möchtegern-Club Hoffenheim, nur 25 Kilometer entfernt. Und ein 35.000-Mann-Stadion, das aktuell zu 5% ausgelastet ist.

Dieser Verein könnte also eine echte Renaissance erleben, würde ihm nur der Dornröschen-Kuss gegeben. Doch was fehlt dazu? Genau: Die Publicity.

Hätte ich etwas zu sagen in einem coolen Unternehmen, wie es SAP sein könnte (das aber an Hoffenheim vergeben ist) würde ich jetzt gemeinsame Sache mit den Fans machen. Ich würde mit einem Sponsorenvertrag einsteigen, einen rationalen Betrag beisteuern und dann mit einer dicken Werbetour dafür sorgen, dass sich 50.000 Fans zusammenfinden, die den Rest zahlen. Ich würde den Leuten da draußen das Sagen geben und mich im Licht der Coolheit sonnen. Und darauf vertrauen, dass die Sache mindestens in die zweite Liga geht, aber dank Medienpräsenz gefühlt erste Liga ist. Win-win in Marketingdeutsch gesprochen.

Das wäre für mich das Konzept für einen Verein der Fans.

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100 Euro für Uerdingen

Dezember 30th, 2007

Wenn ich 100 Euro übrig hätte, würde ich es wahrscheinlich an Orang-Utans spenden. Eine andere aussterbende Art ist der Fußballer des KFC Uerdingen. In der Grotenburg drohen nämlich die Flutlichter für immer auszugehen. Selbst legendäre Aktionen wie die Versteigerung eines Kaderplatzes via eBay haben das Vereinskonto nicht retten können. Jetzt sucht der KFC via Xing junge, erfolgreiche und obendrein gutaussehende Sponsoren, die die Tradition retten. Ich sag mal so: Wer sich noch Aleksandar Ristic als Trainer leisten kann, dem muss ich keine Kohle rüberschieben. Aber vielleicht haben andere ein weicheres Herz als ich.

P.S.: Von der eigentlichen URL der Aktion www.traditionsretter.de wird man auf eine andere Domain umgeleitet, wo die eigentliche Inhalte stehen. Und die heißt www.firmenparkplatz.de. Das nenne ich Betriebssporttradition.

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Funktionäre vs. Fan-Unternehmer – Hartplatzhelden verklagt

November 26th, 2007

Tatort Kreisliga: Der Württembergische Fußballverband (wfv) fühlt sich bestohlen durch das eher unbekannte Filmportal Hartplatzhelden. Die Seite bietet Amateurfußballern die Möglichkeit, Szenen aus den Kicks des Wochenendes hochzuladen und von den Usern und einer Jury bewerten zu lassen. “Unlautere Leistungsübernahme” beklagt der wfv laut heise.de. Die Begründung in Kurzform: Der Fußballverband organisiert den kompletten Spielbetrieb und leitet daraus das Exklusiv-Recht ab, bewegte Bilder von den Spielen in kommerzieller Weise zu verwerten bzw. diese Rechte zu vermarkten.

Zunächst zu den objektiven Fakten.

Hartplatzhelden.de ist ein kommerzielles, werbefinanziertes Unternehmen, dass nicht aus reinem Enthusiasmus betrieben wird, sondern auch mit der Perspektive, irgendwann mal einen Gewinn abzuwerfen. Es wirkt auch nicht völlig unprofessionell, sondern hat u.a. prominente Protagonisten aus dem Fußballgeschäft gewonnen, dort mitzuarbeiten.

Der DFB hat mit Fußball.de ein Portal am Start, dass extrem attraktiv für Sponsoren ist. Mit der Verpflichtung, dass jeder Heimverein innerhalb kürzester Zeit nach dem Abpfiff das Ergebnis dort eintragen muss, hat man für den Amateurbereich ein System geschaffen, dass sogar schneller ist, als Lokaljournalisten die Resultate auch nur eintelefonieren können. Massive Zugriffe sind die Folge. Und damit hat man eine Basis, die natürlich in Richtung Hartplatzhelden-Konzept ausbaubar ist – mit ungleich größeren Umsatzchancen.

Soweit also sind die Beweggründe für die Klage nachvollziehbar. Dem wfv muss man ebenfalls zugute halten, dass nicht in Amoklauf-Manier geklagt wurde, sondern dass zunächst eine Aufforderung an Hartplatzhelden voraus ging, das Angebot aus dem Netz zu nehmen. Dennoch: An der ganzen Geschichte gibt es diverse Punkte, die mir persönlich gehörig auf den Sack gehen.

Zunächst einmal geht hier der DFB (also der von der DFL getrennte Amateur-Verband) nicht im eigenen Namen vor, sondern schickt einen Landesverband an die Front. Dass hier der DFB in die Strategie nicht involviert sein soll, glaubt nur jemand, der auch unterschreibt, dass die USA das irakische Volk befreien will. Man will das Ganze einfach auf kleiner Flamme abkochen.

Zweiter Punkt: Leidtragender ist nicht ein Google, eine Sat1Pro7 AG, sondern eine Popel-GmbH, die von Leuten geführt wird, die ihre Freizeit und ihr Engagement dafür aufopfern, Fußballkultur in Deutschland zu pflegen und Umsätze im Cent-Bereich machen. Nämlich als Protagonist Oliver von indirekter-freistoss.de und zwei Partner. Da liegt natürlich der Verdacht nahe, dass man sich nicht gegen das Anwaltsheer eines Großkonzerns eine blutige Nase holen, sondern gegen Kleinunternehmer einen Präzedenzfall schaffen will.

Dritter Punkt: Die Klage basiert wohlgemerkt nicht auf Urheberrechten, sondern auf dem Wettbewerbsrecht. Der Fußballverband beruft sich darauf, dass er sich in der eigenen Satzung die Verwertung von “Fernseh- und Hörfunkübertragungen” vor. Eigene Satzung gut und schön. Doch da kann man alles reinschreiben, was gerade gut klingt. Eine Übertragung (sic!) von Kreisliga-Gebolze wäre nicht ansatzweise möglich, ohne die Zuschauer, die mit ihrer eigenen Kamera am Spielfeldrand die Bilder aufzeichnen. Die Zugriffszahlen pro Film sind ein Witz. Der DFB will also all die Freiwilligen zu billigen Frondiensten verpflichten, Exklusivrechte zu bedienen und ihre Urheberrechte an einen Monopolanbieter abzugeben.

Vierter und wichtigster Punkt: Wenn die Herren Funktionäre nun auch noch die letzten Grottenkicks zu kommerzialisieren versuchen, dann hab ich keinen Bock mehr. Das was ich und viele andere am Wochenende abliefern, gehört keinem außer uns. Das ist Allgemeingut. Ich bezahle meine Vereins-Beiträge und finanziere damit den Laden. Mit dem, was ich selber produziere, möchte ich anstellen, was ich möchte. Ob bei Youtube oder meinetwegen Blinde-Fußballer.de – das sollte mir überlassen bleiben. Ich wähle das beste Angebot. Der DFB darf sich gerne in Konkurrenz dazu begeben. Und sollte angesichts der finanziellen Voraussetzungen auch kein Problem haben, ein besseres Portal zu schaffen als zum Beispiel Hartplatzhelden. Wenn man diese Entwicklung verpennt ist es ganz schlechter Stil, den Konkurrenten auf gerichtlichem Wege beseitigen zu wollen.

Leider wird dieser Fall nicht zu denen durchdringen, die davon betroffen sind, nämlich zu den Amateur-Kicker. Dazu ist die Causa zu unbedeutend. Bleibt nur zu hoffen, dass die Klage auf Richter treffeb wird, die nicht wie unsere Innen- und Wirtschaftsminister “Leute haben, die das Internet für mich bedienen” (O-Ton Michael Glos).

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Unbemerkt: Investoren-Alarm bei der DFL

November 8th, 2007

Gestern wies Seitenwahl.de zurecht darauf hin, dass im ganzen Kirch-Gedöns einige Stimmen der letzten DFL-Sitzung untergegangen sind, die forderten, sich ausländischen Investoren zu öffnen. Und zwar durch Abschaffung der 51%-Regel. 51% der
Anteile an einer zur Gesellschaft ausgelagerten Profi-Abteilung müssen (noch) in den Händen des Vereins bleiben. Christian Heimanns hat dazu eine sehr lesenswerten Artikel verfasst, der in Langform das ausdrückt, was ich vor Wochenfrist zum Thema Pay-TV-Einnahmen bei breitnigge kommentierte:

“Das Problem mit den fehlenden Pay-TV-Einnahmen in Deutschland spielt für mich nur auf internationaler Ebene eine Rolle. Und betrifft deswegen nur einige Spitzenclubs. Fakt ist: Auch mit den bisherigen Einnahmen ist die deutsche Liga finanziell unter den Top-Vier-Ligen Europas und muss den aktuellen Uefa-Koeffizienten halten oder verbessern können. Interessiert es einen VfL Bochum oder Eintracht Frankfurt, ob deutsche Mannschaften in der CL konkurrenzfähig sind? Eher nicht.
Das A und O für zwei Drittel der Bundesliga-Vereine und für die Zweitliga-Vereine bleibt unabhängig von den Einnahmen, dass diese zentral verteilt werden. So hält man die Liga so weit wie möglich spannend und für alle Fans attraktiv.

Bis auf wenige Ausnahmen sind eben Fußballvereine in Deutschland keine Wirtschaftsunternehmen, bei denen es um Gewinnmaximierung geht und Dividendenausschüttung geht. Jeder Euro, der mehr eingenommen wird, geht ohne Umwege auf das Konto von Spielern und Beratern.”


Dasselbe Fazit zieht Seitenwahl. Der Einstieg eines Investors bringt einen einmaligen Geldregen, der schnell in die Taschen der Spieler gerieselt ist. Es dauert nicht lange, bis die bisherigen Verhältnisse weitaus fester zementiert sind als zuvor. Es würde nur wenige Gewinner geben. Erstens die Vereine, die sowieso schon international hohe Ambitionen hegen, weil sie auf dieser Ebene finanziell konkurrenzfähiger würden. Und Vereine wie die TSG Hoffenheim, die im Mäzenen-Lotto den dicksten Fisch an Land ziehen.

Aber vielmehr würde es ehrliche und langfristige Arbeit bestrafen. Vereine mit einer solchen Philosophie können nur verlieren.Die deutschen Vereine sollten die vorhandenen Beschränkungen als Chance verstehen. Um ein plumpes Beispiel zu bemühen: Die Playstation 3 ist zwar die fetteste Konsole, aber scheitert an den eigenen Ansprüchen. Die Wii hat bescheidene Mittel, aber bietet Raum für Kreativität und neue Konzepte. Solange es auf nationaler Ebene so fulminant läuft, die Stadien so voll sind und die Liga so spannend, besteht aus Sicht der Fans mit Sicherheit kein Handlungsbedarf. Dafür bietet sich dem deutschen Fußball die Chance, eigene Talente und damit Identifikationsfiguren zu formen. So geil Arsenal spielt: Ich will keine Mannschaft, in der kein einziger Deutscher unterwegs ist im Nordpark sehen.

Themenwechsel: Nächstes Wordpress-Problem. Wie oben zu sehen gibt es in diesem Artikel keine Absätze. Ich werd jeck! In der visuellen Ansicht sind die Absätze vorhanden. In der Code-Ansicht sind keine entsprechenden Tags zu sehen. Füge ich p- oder br-Tags ein, sind sie nach dem Speichern wieder verschwunden. Woran kanns liegen?

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