Meine Fan-Seele auf dem Prüfstand
Ein paar Wochen war es sehr ruhig hier. Mir fehlte schlichtweg die Lust, mich mit Fußball zu beschäftigen. So angepisst war ich bisher in meiner Fan-Karriere noch nie. Die Gladbacher Personalpolitik treibt mich zur Weißglut.
Was ich erlebe, ist Advocaat Reloaded. Ein Trainer erklärt den Kader für untauglich und darf mehr oder weniger blind einkaufen. Das ist mir viel zu einfach.
Natürlich musste Meyer in der Abwehr nachlegen. Aber das hätte sachlich und punktuell ablaufen könne. Stattdessen wurde die Qualität in allen Mannschaftsteilen infrage gestellt. Und mir schmeckt es nicht, dass jeder, den man als Charakterkopf bezeichnen könnte, abgesägt wurde. Das konterkariert alles, was noch vor Kurzem als Philosophie ausgerufen wurde.
Mag sein, dass mit den neuen Spielern die Stammelf auf ein besseres Niveau gehoben wurde. Nur fehlt mir bisher der Glaube daran. Hinter fast jedem Transfer steht ein großes Fragezeichen und aufgrund der bisherigen Erfahrung fehlt mir das Vertrauen in das Gladbacher Händchen.
In der Innenverteidigung soll ein Dante helfen. In der französischen Liga konnte er sich nicht durchsetzen, in der belgischen war er ein Leistungsträger. Ob das auf Anhieb reichen wird? Bundesliga ist ein anderer Schnack. Ein Madlung auf dieser Position – der ebenfalls zur Diskussion stand – hätte mich deutlich mehr überzeugt.
Stalteri hat in der Premiere League Defizite in Tempo und Spiel bewiesen und ihm mangelt es an Spielpraxis. Ob er auf Anhieb eine klare Verbesserung gegenüber Voigt darstellt oder ob er ähnlich eingeht wie der mit Vorschusslorbeeren geholte Jaures? Ich tendiere zunächst zu zweiter Option.
Galasek soll ja in der tschechischen Liga der totale Abräumer gewesen sein. Aber da schießen auch Marek Heinz und Vaclav Sverkos knapp 20 Tore pro Saison. Ein Siegel für die aktuell vorhandene Qualität ist das für mich nicht. Mit einem halben Jahr Vertrag im Rücken wird das Herzblut nicht in Strömen fließen.
Bailly ist der einzige Neuzugang, dem ich vorbehaltlos zustimme. Der Junge ist entwicklungsfähig, kann angeblich gut mitspielen und beendet für’s erste die unselige Torwart-Diskussion. Apropos Diskussion. Diskussionswürdig ist das, was dahinter passiert ist. Nicht Heimeroth geht, sondern der gerade von Meyer zur Nr. 1 beförderte Gospodarek. Das versteht kein Mensch. Wenn man Heimeroth so absägt, muss man ihn abgeben. Selbst dann, wenn Gospodarek auch geht. Dann sitzt eben Löhe als Nr. 2 auf der Bank.
Hätte ich nicht eine Dauerkarte – der Nordpark würde mich sobald nicht wiedersehen. Sollte es tatsächlich für den Klassenerhalt reichen, wäre meine Euphorie dennoch sehr gebremst. Ich habe, was ich nicht für möglich gehalten hätte, eine emotionale Distanz zu dem Verein aufgebaut. Nein: Die emotionale Distanz hat sich von selbst aufgebaut. Ein seltsames Gefühl.
Druckversion
Gladbachs Bankrotterklärung
Aus der Überschrift ist es nicht schwer zu schließen, wie ich das Spiel gegen Cottbus einordne. Es war eine der schlimmsten Vorstellungen, die in den letzten Jahren von diesem Verein dargeboten wurden. Was mich konsterniert hinterlässt, ist der Zustand der Abwehr, die nicht mal gegen eine absolut limitierte Offensive zu einem Ansatz von Ordnung und Souveränität findet.
Die rechte Abwehrseite, in der Vorwoche schon die Sollbruchstelle, wurde mit Gohouri neu besetzt, aber in keiner Weise stabiler. Es war nahezu lächerlich, wie mit nur einem Doppelpass das komplette Gefüge zur Implosion gebracht wurde. Das reicht einfach nicht, das hat nichts mit Athletik und Schnelligkeit zu tun, das ist taktischer Kindergarten.
Das Erstaunlichste an diesem Spiel war, dass Gladbach durchaus die Möglichkeiten hatte, das Spiel in der zweiten Halbzeit zu drehen. Beim Stand von 1:2 hatte alleine Rob Friend eine ganze Hand voll Chancen, auszugleichen. Das war nicht Gladbacher Klasse geschuldet, sondern der Tatsache, dass Energie nicht weiter die offensiv die Abwehr bearbeitete, sondern sich zurückzog. Es war einfach das Mindeste, was man gegen einen solchen Gegner erwarten kann, aber kein Stück mehr.
Gladbach ist jetzt mit dem KSC Abstiegskandidat Nr. 1 und sollten nicht in der Winterpause drei neue Abwehrspieler kommen, die die Qualität klar verbessern, dann wird es nicht reichen.
Druckversion
VfB Stuttgart: Auch Meistertrainer haben keinen Bonus
Armin Veh ist die zweite Trainerentlassung nach Jos Luhukay. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht unbedingt nahe liegt, gibt es doch einige Parallelen. Beide Trainer sind im Endeffekt daran gescheitert, dass sie den Kader nicht ausgewogen zusammengestellt haben. Dass sie mehr in die Breite eingekauft haben als in die Spitze, dass es auf bestimmten Positionen ein Überangebot gibt, auf anderen hingegen zu wenig Konkurrenz.
Ein klarer Unterschied: Während Veh diese Mängel klar zugegeben und sich angekreidet hat und auch Heldt die logischen Konsequenzen zieht und ein deutlich systematischeres Scouting verspricht (s. etwa in der Mitte der Seite, der gesamte Diskussionsthread ist lesenswert), hat man aus Gladbach in dieser Beziehung bisher nichts gehört.
Das Stuttgarter Spiel ist zu zentrumslastig ausgelegt. Zwei Systeme wurden im Meisterjahr konsequent gespielt. Eine Raute und wenn das Personal dafür nicht vorhanden war, ein zentrales 3-er-Mittelfeld mit zwei offensiven Außen und einem Stürmer. Stattdessen wechselte Veh die taktischen Aufstellungen munter durch. Von Doppelsechs mit zwei offensiven Außen-Mittelfeldspielern zu einem 4-5-1 zurück zur Raute. Auch das erinnert fatal an Gladbach – nur auf höherem Niveau.
Was nicht so einfach zu analysieren ist, aber sicher auch teilweise durch die genannten Faktoren beeinflusst wurde, ist die Formschwäche vieler Schlüsselspieler. Ein Hilbert hat nie mehr zu seiner Form zurückgefunden. Pardo steht neben sich. Gomez findet in dieser Saison nicht in die Spur. Das sind Punkte, die tatsächlich gegen den Trainer sprechen, darauf haben Sportdirektor und Vorstand nur geringen Einfluss.
Was mir bei Stuttgart im Moment außerdem fehlt: eine klare Einschätzung der eigenen Möglichkeiten. Vor allem eine Einordnung der Meisterschaft. Nämlich dass der VfB eine historische Chance mit viel Glück, Einsatz und einer Serie genutzt hatte. Aber dass dies ein absolut außergewöhnliches Ereignis war, dass so nur alle 20, 30 Jahre passiert. Das hätte geholfen, die Erwartungshaltung zu relativieren.
Man hätte nur mit einem ähnlich glücklichen Händchen wie das Bremens an diese Saison anknüpfen können. Heldt investierte viel Geld, aber in die falschen Leute. 8 Millionen wurden für einen Bankdrücker Marica ausgegeben, auf einer Position, die eigentlich das geringste Sorgenkind war. Stattdessen wurde das offensive Mittelfeld nicht adäquat ersetzt, wo eine Investition in dieser Größenordnung angebracht gewesen wäre. Heldt und Veh zockten und holten mit Bastürk und später Simak zwei Kandidaten, die oft mit sich selbst zu viel zu tun haben, um Top-Leistung zu bringen.
Man muss den Verantwortlichen zugute halten, dass es nicht einfach ist, Top-Qualität zu holen. Auch mit 8 Millionen spielt man in einem Bereich, in dem englische Clubs Spieler der Marke Kevin Prince Boateng verpflichten. Hier schließt sich der Kreis. Der VfB Stuttgart hat erkannt, dass systematisches Scouting oberste Priorität haben muss und dort selbst der FC Köln einen deutlichen Vorsprung hat.
Besser als das Abschneiden in den letzten 5 Spielen gegen Gegner aus der unteren Tabellenhälfte ist die Qualität des VfB aber allemal. Das hat dann nichts mehr mit Scouting oder Kaderzusammensetzung zu tun, sondern geht tatsächlich auf die Kappe des Trainers. Man hätte sich nur gewünscht, dass eine Meisterschaft und die Einsicht in die eigenen Fehler Armin Veh ein wenig mehr Kredit verschafft hätte. Dass der VfB Stuttgart und vor allem seine Fans gerne auf hohem Niveau jammern und Krisen gerne mit leeren Rängen bestrafen ist bekannt. Aber als Gladbach-Fan, der die Entlassung Luhukays gutgeheißen hat, darf ich meinen Mund nicht zu voll nehmen.
Weitere Stimmen bei Südtribüne und Dugehstniemalsallein (mit der selbsternannt besten Überschrift aller Zeiten).
Druckversion
Gladbach: Dreckig aber wichtig
Gladbach hat einen der wichtigsten Siege der Saison gelandet. Überlebenswichtig. Cottbus und Bielefeld sind – aktuell beurteilt – die Mannschaften, die man hinter sich lassen muss, um zumindest in der Relegation zu landen. Zum Restprogramm der Borussia in der Hinrunde gehören Bayern, Schalke, Leverkusen und eben Cottbus.
Trotz des Sieges ist nichts besser geworden. Bielefeld hätte drei Tore alleine in der ersten Halbzeit erzielen können, wenn nicht müssen. Die Arminia war zwingender. Gladbach hat durch Einzelaktionen eines einzigen Spielers das Spiel gewonnen. Gegen einen besseren Gegner hätte es nie und nimmer gereicht.
Unter “positiv” schreibe ich in meinen Notizblock nur hinein, dass Gladbach auch nach der Führung zahlreiche Torchancen entwickelte und sich nicht ausschließlich in die eigene Hälfte hineindrängen ließ.
Was mir zu denken gibt: Auch Meyer rotiert wie Luhukay zu seinen besten Zeiten – unabhängig vom Verletzungspech. Eine Hierarchie in der Mannschaft bildet sich nur sehr langsam raus, Stammplatzgarantien gibt es nur für vier oder fünf Spieler.
Augen zu und durch bis zur Winterpause, was anderes ist es im Moment nicht. Ein Unentschieden am nächsten Wochenende, das wäre ein weiterer Schritt nach vorne.
Druckversion
Neuer DFL-Spielplan: Der Fan bleibt draußen
Das Bild, dass die DFL vom, Bundesliga-Fan hat sieht so aus:
- sozial vereinsamt
- keine familiären Verpflichtungen
- keine Hobbys außer Fußball im Fernsehen
- kein Interesse an Live-Spielen im Stadion
- und – obwohl alles bisher genannte eindeutig auf einen alkoholkranken Hartz-4-Empfänger schließen lässt – Zahlungsbereitschaft ohne Ende
So etwa lässt sich die neue TV-Rechte-Ausschreibung zusammenfassen. Jedenfalls, wenn man die Aussage ernst nimmt, dass das gefundene Modell ein “attraktives Angebot für Fans” darstellt.
Ich kann nur inständig hoffen, dass Seifert und Co bewusst ist, dass diese Aussage zynische PR-Scheiße ist. Dass Attraktivität einzig und alleine für Pay-TV-Sender geschaffen werden sollte.
Selbst das ist nicht der Fall. Ich habe bereits vor einem halben Jahr festgestellt, dass ein Spielplan, wie er jetzt vorgelegt wurde, viele Verlieren kennt, aber keinen echten Gewinner. Daran hat sich nichts geändert, denn die Ausschreibung wurde nur im Detail verändert.
Meine Aussagen von damals kurz zusammengefasst (und um einige Punkte erweitert):
- Die Zweitliga-Clubs werden massiv benachteiligt, weil die Spiele zu Unzeiten angepfiffen werden (Fr. 18 Uhr Sa. 13 Uhr, So. 13.30). Für Auswärtsfans ist bei längerer Anreise keine einzige der Anstoßzeiten einzuhalten, außer mit einem Tag Urlaub oder Anreise am Vortag incl. Hotelkosten.
- Die Drittliga-Clubs werden jeder exclusiven Anstoss-Zeit am Wochenende beraubt
- Die Amateur-Fußballer – übliche Anstoßzeit Sonntags 15 Uhr – bekommen ein Erstliga-Spiel als Konkurrenz vor die Nase gesetzt und werden noch mehr Zuschauerschwund haben als es schon der Fall ist (dass die Kultur, seinen Stadtteils- bzw. Ortsverein zu verfolgen, massiv nachgelassen hat, werde ich bei Gelegenheit in einem eigenen Post thematisieren).
- Familienväter werden kaum rechtfertigen können, Sonntagsmittags die Glotze anzuwerfen.
- Den Auswärtsfans in allen Ligen wird die An- und Abreise an einem Tag erheblich erschwert.
- Die Stadiongänger können je nach Anstoßzeit die Zusammenfassungen der anderen Spiele nicht mehr anschauen.
- Der reine Fernseh-Fan muss abartig viel Zeit aufwenden, will er alle Geschehnisse live verfolgen
Zusammenfassend: Die DFL hat den Pay-TV-Sendern Exklusivität ausschließlich auf Kosten der Fans zur Verfügung gestellt. Und nicht nur der Fans, die gar kein Interesse an Pay-TV haben. Auch die zahlende Kundschaft wird deutlich benachteiligt.
- Konnte ich vorher mit einem Zeiteinsatz von 6 Stunden pro Wochenende (und das war selbst mir schon zuviel) alle Bundesliga-Spiele verfolgen und damit das Angebot, für das ich viel Geld zahle, voll wahrnehmen, muss ich nach dem neuen Modell 10 Stunde aufwenden.
- Bin ich ein Vereins-Fan, konnte ich vorher einigermaßen sicher sein, das Spiel meines Bundesliga-Vereins auf jeden Fall anschauen zu können. Jetzt verpasse ich mindestens zwei Spiele pro Saison, weil ich Sonntags um 15.30 selbst spiele (oder weil ich je nach persönlichem Zeitplan zu einer anderen Anstoßzeit Besseres vorhabe).
Für den Fan ist das neue Angebot also weniger attraktiv als das bisherige, mithin weniger wert und die Zahlungsbereitschaft sinkt.
Das 18.30-Spiel am Samstag als Kaufanreiz zu verstehen, halte ich für naiv. Bin ich bereit, für Exklusivität Geld auszugeben, habe ich es auch schon vorher gemacht. Wenn nicht, warte ich eben bis zum Sonntag, um die Zusammenfassung zu sehen. Ob es nun zwei oder drei Spiele sind, die ich erst mit Verspätung serviert bekomme, wird mir die Geldbörse nicht lockerer sitzen lassen.
Fakt ist: Echte Exklusivität darf die DFL dem Pay-TV aufgrund kartellrechtlicher Probleme nicht bieten. Stattdessen basteln sich Seifert und Genossen ein Pseudo-Exklusivität zusammen, die in Wahrheit genau das Gegenteil von dem Beabsichtigten erreicht. Damit gibt die Bundesliga einen ihrer wenigen Trümpfe aus der Hand. Die im Gegensatz zu anderen Ligen noch vorhandene Fan-Orientierung, die die Werbewirtschaft mit großzügigen Sponsor-Verträgen honoriert.
Ich hoffe, dass die ARD erkennt, dass die Gebühren nicht dazu da sind, Fußball-Millionäre zu füttern. Sondern dass die Free-TV-Rechte zu einem echten Marktpreis (der deutlich niedriger ist als der aktuelle Kurs) an Private durchgereicht werden. Das wäre ein erheblicher Dämpfer, der die Gedanken der Verantwortlichen in eine vernünftige Richtung lenken könnte. Und dass die Werbepartner knallhart kalkulieren, dass Exklusivität für das Pay-TV weniger Exklusivität für die eigene Präsenz darstellt.
Meine Theorie lautet schon seit längerem, dass Christian Seifert als Vollwurst in die Annalen des deutschen Profi-Fußballs eingehen wird. Weil er ein Manager ist, der vielleicht bei Karstadt die richtige Besetzung war (Karstadt 2000 – 2005, Erfolgsgeschichte anyone?), aber keinerlei Fingerspitzengefühl für sein aktuelles Geschäft hat. Der nicht versteht, dass mangelnde Pay-TV-Einnahmen keine Frage des Spielplans, sondern der sehr speziellen deutschen Strukturen sind.
Schlimmer als diese Personalie finde ich allerdings die Zustimmung zu einem solchen Konzept durch die Profi-Vereine in persona DFL, die sich damit ganz weit von der Basis entfernen und unter anderem leere Stadien in der bis dahin als weltbeste gefeierten zweiten Liga in Kauf nehmen.
Nur noch eins zum Schluss: Das ewige Argument, der Fan könne ja nicht wollen, dass die Bundesliga international in der zweiten Reihe spielt, ist für die Füße. Mehr als 50 Prozent selbst der Erstligavereine haben keine dauerhafte europäische Perspektive. Bei denen geht es nur ums nationale Geschäft und darum, dieses so interessant wie möglich zu halten. Extrem hohe Einnahmen für Bayern München aus der CL stehen dem diametral entgegen.
Druckversion
Live-Blogging: Wolfsburg – Gladbach
21.48: Endstand 0:3. Gladbach im Stil eines Absteigers. Selbst nach dem 0:2 hat die Mannschaft es nicht geschafft, auch nur irgendeine Chance zu entwickeln. Das Offensiv-Spiel war in der zweiten Halbzeit tot wie eine Wasserleiche.
Dieses Spiel musste man nicht gewinnen, aber man hätte sich Selbstbewusstsein holen können. Das Gegenteil ist er Fall, die Bundesligatauglichkeit steht einmal mehr infrage und angesichts der zweiten Halbzeit muss man an dieser erheblich zweifeln. Völlig unverständlich, warum Gladbach trotz eines Rückstands sich einigelte und nicht mal im Ansatz Pressing spielte und Druck auf die Wolfsburger Abwehr entwickelte. Nur in den ersten 20 Minuten ging ein kleines bisschen, allerdings auch ohne echte Chancen zu entwickeln.
Meyer hat viel Arbeit vor sich, Gladbach knüpfte nahtlos an die Leistungen unter Luhukay an. Es wäre Zeit für eine längere Pause. Leider gibt es die genau jetzt nicht.
Natürlich war nicht dieses Spiel entscheidend. Entscheidend werden die nächsten beiden Spiele gegen Frankfurt und Bielefeld. Es wird ein großer Kampf werden.
21.31: Zweiter Elfer für Wolfsburg. Erneut völlig berechtigt. Albermann holt Gentner unnötig von den Beinen, Misimovic verwandelt ganz sicher.
21.30: Wolfsburg schaltet drei Gänge zurück. Gladbach ist nicht in der Lage, sich auch nur eine einzige Chance herauszuspielen. Das ist ganz schlecht.
21.20: Das ist verdammt noch mal zu wenig. Bei Balleroberung in der Abwehr stehen oft sechs Gladbacher auf einer Linie am 16er und es gibt keine Anspielstation im Mittelfeld. Das kann man bei 0:0 machen, aber nicht bei 0:2.
21.15: Tor für Gladbach, leider irregulär. Hohe Flanke auf Friend, der sich mit vollem Körpereinsatz beim Kopfball im Fünfer durchsetzt und den Ball an die Latte nagelt. Der Abstauber ist drin. Aber Kempter entscheidet auf Foul von Friend und zückt sogar die gelbe Karte. Durch die rosarote Gladbach-Brille betrachtet würde ich sagen: rustikaler Körpereinsatz, sonst nix.
21.13: Gladbach mach viel zu wenig, stellt sich trotz Rückstand hinten rein und schafft in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit keinen einzigen Angriff zu starten, geschweige denn einen Angriff in Tornähe zu bringen. Das ist ganz schlecht.
21.12: 2:0 Wolfsburg, Kopfball-Tor Madlung. Freistoß vom 16er-Eck, Madlung kann sich in enger Deckung durchsetzn und nickt locker ein.
21.oo: Gladbach ohne Wechsel aus der Kabine. Ich warte auf Marin. Gladbach braucht dringend mehr Ballsicherheit im Mittelfeld, damit die Mannschaft nachrücken kann und aus der Defensive rauskommt.
20.41: Es hatte sich angekündigt. Gladbach stand zu wackelig. Es war eine Frage der Zeit, bis ein Wolfsburger so einfach durchgehen kann. Die Art und Weise, wie er und anschließend Grafite gestoppt wurden, war naiv. Das waren zwei Elfmeter innerhalb einer Sekunde. Der erste wurde nur wegen Vorteil nicht gegeben.
Gladbach hat gut angefangen, hätte eigentlich Selbstvertrauen tanken können, aber dann völlig unverständlich das aggressive Pressing eingestellt und sich hinten rein drängen lassen.
20.39: Elfmeter für Wolfsburg. Blödes, übermotiviertes Foul von Frederic Löhe. 1:0 durch Grafite.
20.30: Wolfsburg feldüberlegen, Gladbach nur mit Entlastungsangriffen. Die werden aber nicht mal gefährlich. Im Moment ist das zuwenig, vor allem weil man jederzeit das Gefühl hat, dass Magaths Truppe ein Tor schießen könnte.
Löhe agiert unsicher, irrt bei hohen Bällen durch den Strafraum. Die Abwehr lässt zu viel in Höhe des 16ers zu. Zu Beginn des Spiels hat man gesehen, wie Wolfsburg zu schlagen wäre: Aus der eigenen Defensive raushalten, vorne entschlossen und früh attackieren. Irgendwann zwischen den 10 und 15. Minute hat Gladbach den Druck eingestellt.
20.18: Löhe mit zwei Unsicherheiten kurz hintereinander. Einmal unter der Flanke durchgesegelt, einmal in einer kniffligen Situation mit einer zu inkonsequenten Faustabwehr 16 Meter vor dem Tor, die Dzeko auf den Fuß fällt. Der zieht direkt ab und verfehlt nur um Zentimeter.
Sobald Wolfsburg in der Nähe des Gladbacher Tors auftaucht, wird es brenzlig. Das geht nicht lange gut. Die anfängliche Überlegenheit der Gladbacher ist Geschichte. Die Gastgeber jetzt klar Herr auf dem Platz.
20.13: Toller Angriff von Gladbach, dirigiert von Alberman. Wieder sehr breite Spielanlage, der Ball wechselt zweimal den Flügel, bevor Matmour auf Bradley flankt, der den Ball nicht unter Kontrolle bekommt und eher harmlos in die Arme von Benaglio schiebt.
20.10: Wolfsbrug startet sehr nervös mit hoher Fehlpassquote. Gladbach attackiert früh, spielt Forechecking in der gegnerischen Hälfte. Das Aufbauspiel des VfL scheint konstruktiv, das Spiel wird breit gemacht.
Die erste Riesenchance hat dennoch Wolfsburg. Eine weite Flanke von Hasebe setzt Dzeko per Kopf an die Unterkante der Latte. Ein Spiegelbild des Bayern-Tors von letzter Woche.
19.59: Die Aufstellungen:
Wolfsburg: Benaglio – Riether, Madlung, Barzagli, M. Schäfer – Josué – Hasebe, Gentner – Misimovic – Grafite, Dzeko
Gladbach: Löhe – Svärd, Kleine, Daems, Voigt – Alberman, Paauwe – Matmour, Bradley, van den Bergh – Friend
Bei Gladbach also auf dem Papier kein 4-4-2, sondern ein 4-5-1 wie in der Vorwoche, allerdings kann sich das auf dem Platz ganz anders darstellen.
19.55: Faustdicke Überraschung im Gladbacher Tor. Für den verletzten Gospodarek spielt nicht Heimeroth, sondern der dritte Mann Frederic Löhe. Höchststrafe für den ehemaligen Stammkeeper. Auf links läuft tatsächlich van den Bergh für Marin auf, einer der bei seinen wenigen Einsätzen in der zweiten Liga immer überzeugte, aber nie eine echte Chance bekam.
19.50: Die letzten 5 Spiele ging bei Wolfsburg wenig. 1 Sieg, 2 Remis, 2 Niederlagen. Der VfL ist im Moment kein übermächtiger und vor allem kein gefestigter Gegner. Heute geht es für Magath also schon um einiges. Nervosität statt breiter Brust. Das ist die Chance für die Borussia.
Bei Gladbach hatte Meyer keine Zeit, die Lehren aus dem Karlsruhe-Spieler seiner Mannschaft zu vermitteln. Das Feintuning dürfte also noch Luhukayscher Schule entspringen, Meyers Einflussmöglichkeiten beschränkt sich auf das Psychologische.
19.45: Der Express kündigte heute morgen einen (Überraschung) Systemwechsel bei Gladbach an. 4-4-2 statt 4-5-1, Marin auf die Bank, van den Bergh rein. Ob’s stimmt?
Druckversion
Fernvergleich: Borussia vs. Hoffenheim
Zwei Spiele habe ich mir an diesem Wochenende in voller Länge angeschaut. Gestern Borussia gegen den KSC, heute Hoffenheim gegen HSV. Borussia und Hoffenheim haben gewonnen, aber damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf.
Ich habe ganz deutlich gesehen, wie weit zwei Interpretationen desselben Spielsystems auseinanderliegen können.
Gestern hatte Gladbach lediglich Glück, dass ein höchst verunsicherter Gegner zu Gast war. Es war ein teilweise grausiges, mutloses Spiel. In den ersten 20 Minuten entwickelte sich ein Fehlpassfestival deluxe. Beide Mannschaften strotzten nur so vor überflüssigen Fehlern. Und es war nicht so, dass die defensiven Mittelfeldreihen einen unglaublichen Druck entwickelten und die Fehler forcierten. Es waren ein Stocki und ein Nuttenball nach dem anderen.
Die Borussia hatte nur eine gute Viertelstunde. Die fand direkt vor der Halbzeitpause statt. Gut in dem Sinne, dass der KSC kaum in die gegnerische Hälfte kam. Torchancen gab es trotzdem nur eine. Die führte über einen ideenlosen hohen, langen Ball zum Tor. Einzig Marin setzte hin und wieder Aktzente indem er ein Dribbling ansetzte und Richtung 16er zog.
Nach der Pause staffelte sich Gladbach extrem tief, in der Schlussphase standen 10 Spieler auf Höhe des eigenen 16ers und versuchten irgendwie die Führung über die Zeit zu retten. Es war teilweise ein betteln um den Ausgleich. Ein Aufatmen gab es nur zwei, drei Mal, als Friend oder Neuville nach einem Befreiungsschlag den Ball sicherten, ins Mittelfeld zurückpassten, um der Mannschaft Gelegenheit gaben aufzurücken.
Bezeichnend war der ruppige Zweikampf Kleine gegen Kapplani in der letzten Minute, kurz nachdem Coulibaly in einem der kurzen Entlastungsmomente die Latte getroffen hatte, als der KSC-Stürmer mit dem Rücken zum Tor zu Boden ging und der bis dahin excellente Deniz Aytekin keinen Strafstoß gab. Mit dem Karma des Trainers Luhukay hätte es Elfer gegeben.
Fußballerisch war es die gleiche Magerkost wie in den Wochen zuvor. War etwas anderes zu erwarten? Wahrscheinlich nicht. Kein Trainer kann in einer Woche eine Mannschaft spielerisch umkrempeln. Aber Gladbach hatte mal wieder das Glück, das zum Beispiel gegen Köln fehlte, und das für den psychologischen Schub sorgen könnte.
Ganz anders Hoffenheim. Das war in der ersten Halbzeit Fußball von einem anderen Stern. Ich weiß nicht, wie das funktioniert hat.
Gegen Rangnicks Dreier-Mittelfeld mit zwei 10ern schien der HSV oft Platz zum kombinieren zu haben, aber wenn der Pass gespielt werden sollte, war immer ein Hoffenheimer Fuß im Weg. Rangnicks Jungs sind gelaufen wie die Hasen. Und sie sind nicht nur schneller gelaufen und haben mit überragendem Aufwand verschoben und die Lücken zugemacht. Im Kopf waren sie noch schneller. Siehe das 3:0. Der Schiedsrichter hatte in einer kniffligen Situation auf Freistoß TSG entschieden, obwohl Hamburg ein Foul gegen sich reklamierte. Als Petric noch sitzend lamentierte, hatte sich Ba schon den Ball geschnappt, kurz auf Sahilovic eröffnet, der Obasi steil in die verwaiste HSV-Innenverteidung schickte. Obasis Abschluss war nur noch die Krönung.
Bereits zuvor hatte die Hoffenheimer Offensive gekreiselt wie Schalke in den 30er Jahren. Das Spiel war breit wie aus dem Bilderbuch. Beim 2:0 hat Sahilovic den Ball auf Außen, zieht in die Mitte, Obasi geht vor ihm vorbei auf Außen, zieht so seinen Gegenspieler mit und macht die Lücke auf, in die Sahilovic reindribbelt und den schargen Pass in die Mitte spielen kann. Die verwandelt Ibisevic in seiner üblichen Manier, von hinten im vollen Tempo Richtung Tor sprintend. Es sah aus wie ein Standard-Spielzug aus dem Lehrbuch, der einer Mannschaft wie dem HSV niemals passieren darf. Aber gerade wenn es so leicht aussieht, steckt hohe Kunst dahinter.
Es hätte zur Halbzeit 4:0 oder 5:0 stehen können. Hoffenheim entwickelte mit seinem rochierenden Sturm soviel Chancen, dass sie für zwei Spiele hätten reichen können. 15:3 war die Torschussbilanz in den ersten 45 Minuten. In der zweiten Hälfte schaltete die TSG offensichtlich einen Gang zurück und der HSV war trotzdem nicht das bessere Team. In der heutigen Form ist Hoffenheim ganz klar ein Anwärter auf die ersten Plätze. Die Bundesliga wird darauf warten, wann die Serie reißt. Mal sehen, ob sie reißt.
Druckversion
Perspektiven für Gladbach
Zwangspausen können zur rechten Zeit kommen. Ob nun einer Grippe geschuldet, wie an dieser Stelle, oder dem Länderspielplan, wie in der Bundesliga. Man hat Zeit, seine Gedanken zurecht zu rücken.
Die Demission Jos Luhukays hat vor wenigen Wochen noch keiner erwartet und keiner hätte sich vorstellen können, sie zu befürworten. In der Analyse der letzten Wochen war es eine unausweichliche Entscheidung. Glaubt man an einen Trainer und glaubt man daran, dass seine Linie den Erfolg bringen wird, dann hält man auch nach sechs Niederlagen in sieben Spielen an ihm fest. Die Auftritte der Mannschaft ließen aber nicht an eine Wendung zum Guten glauben. Eher im Gegenteil zeigte die Formkurve nach unten und die Verunsicherung wuchs von Woche zu Woche, ebenso wie der Druck der Medien und der Fans.Wahrscheinlich waren es die Lehren aus der Abstiegssaison, als der Verein zu lange an Jupp Heynckes festhielt, bis die Situation eskalierte und nicht mehr zu retten war, die nun zu einer schnellen Reaktion führten und dem Nachfolger alle Optionen offen halten.
In einem Kommentar habe ich kurz nach dem Rauswurf gelesen, dass es zwar ein peinlicher Trainerverschleiß ist, den die Borussia in den letzten fünf Jahren aufzuweisen hat, aber jede Entlassung für sich gesehen zu ihrem Zeitpunkt ihre Berechtigung hatte. Diese Feststellung kann ich unterschreiben. Es wird Zeit, genau daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und die Weichen neu zu stellen.
- Der Verein muss eine Philosophie entwickeln, die unabhängig von einem Trainer funktioniert. Borussia muss für ein Spielsystem und für eine bestimmte Art, Fußball zu spielen, stehen. So kann man langfristigen Kaderaufbau betreiben. Dazu gehört auch, die Taktik nicht im Wochentakt zu ändern.
- Ein neuer Trainer muss für dieses Spielsystem stehen. Es geht nicht darum, den größten oder populärsten Namen zu verpflichten.
- Bei der Verpflichtung des neuen Trainers darf man nicht nur die auf dem Markt verfügbaren Kandidaten in die Auswahl nehmen. Mir hat es imponiert, dass Hannover 96 eine klare Vorstellung hatte, wer der neue Trainer werden sollte, und dafür konsequent eine sechsstellige Ablöse gezahlt hat. Gladbach sollte sich genau anschauen, welche Talente in der zweiten und dritten Liga unter Vertrag stehen und wenn sie an einen dieser Kandidaten glauben, nichts unversucht lassen. Osnabrücks Pele Wollitz zum Beispiel ist ein taktisch geschulter, rhetorisch und motivatorisch starker Trainer mit Erfahrung im Abstiegskampf.
- Scouting muss groß geschrieben werden. Wenn man einen Spieler lange beobachtet hat und überzeugt ist, er passt zur eigenen Philosophie, kann man auch viel Geld in die Hand nehmen. Charakterstarke, aber leistungsschwache Spieler bringen in der ersten Liga genauso wenig wie Ballzauberer a la Insua, die zwar begnadet sind, aber es in Gladbach nicht umsetzen können. Diesen Weg hat Gladbach zwar eingeschlagen, aber scheinbar fehlte vor der Saison der Mut zur großen Investition. Perspektivspieler der Marke Michael Bradley sind sinnvolle Ergänzungen. Es kann aber nicht sein, dass keine einzige Neuverpflichtung einen klaren Stammplatz hat und die Mannschaft auf Anhieb verstärkt. Dieser Zug ist vorerst abgefahren.
Unglücklich agiert die Borussia auch mit der Positionierung des Sportdirektors. Diese Stelle steht im Organigramm für die langfristige sportliche Entwicklung. Die damit betraute Person sollte erstens sich selbst so verkaufen und zweitens vom Vorstand entsprechend dargestellt werden. Dass Christian Ziege vor der Saison seine Ambitionen mittelfristig im Trainergeschäft formuliert und der Präsident ihn am liebsten sofort dorthin versetzen will, zeugt nicht gerade von klaren Vorstellungen und kontinuierlicher Planung. Gladbachs Sportdirektor sollte sich im Moment vor allem um den Aufbau von Strukturen kümmern, die lange sträflich vernachlässigt wurden. Ziege als Interims-Trainer einzusetzen kann nur schief gehen. Ist er auf Anhieb erfolgreich, leidet der nächste Trainer unter dem langen Schatten. Setzt er die Niederlagenserie fort, ist sein Position geschwächt.
Druckversion
Vor dem Derby
Es ist das Spiel des Jahres. Egal wie die Weichen vorher gestellt sind. Ein Sieg im Derby gegen Köln ist für die Gladbacher Fanseele noch viel wichtiger als jedes 3:0 gegen Bayern sein könnte.
In dieser Saison stehen die Vorzeichen aber in besonderer Art. Es ist für die Borussia ein viel wichtigeres Spiel als für den FC. Köln hatte genausowenig geglänzt wie Mönchengladbach. Aber dann kam das Schalke-Spiel. Der FC packte eine in der Überlegenheit völlig unerwartete Glanzleistung aus und stellte das Umfeld bis auf weiteres mehr als zufrieden. Christoph Daum hat bisher das Soll erfüllt und schürte mit dieser Vorstellung die Hoffnung auf mehr.
Das völlige Gegenteil in Gladbach. Luhukay kriecht auf den Brustwarzen dem Spiel entgegen. Alle Vögel pfeifen von den Dächern, dass es das letzte Spiel für den Coach sein könnte. Die Gladbacher Fans treibt nur noch Zweck-Optimismus. So recht überzeugt von einem Sieg ist keiner. Das Vertrauen in die sportliche Führung tendiert gen Null.
Ich möchte sogar nicht ausschließen, dass einige Fans insgeheim mit einer Niederlage liebäugeln, damit ein klarer Schnitt gemacht werden kann. Das ist natürlich Schwachsinn, denn dieses Spiel wird die Weichen für die nächsten Begegnungen stellen, die allesamt gegen direkte Konkurrenten gehen.
Dieses Spiel ist dafür gemacht, eine Aufstellung zu finden. Eine Stammelf, auf die der Trainer für die nächsten Spiele vertrauen kann. Gladbach wird, so sind die Vorzeichen, endlich von der Ein-Stürmer-Taktik abrücken und mit Neuville und Friend einen schlagkräftigen Sturm aufstellen. Außerdem wird Marin auflaufen, auf der anderen Seite Matmour. Gladbach wird sich ausnahmsweise nicht nach der Aufstellung des Gegners richten – für mich der Irrtum der bisherigen Saison – sondern selbst die Initiave ergreifen.
Ich erwarte keinen Sturmlauf, aber den Versuch zu dominieren. Und ich hoffe darauf, dass Luhukay auch berücksichtigt, dass es die Standards waren, die in der letzten Saison oft den Unterschied gemacht haben. Im bisherigen Saisonverlauf hat der Trainer die Borussia um diese Stärke beraubt, weil in der Mitte die Abnehmer für die Flanken fehlten – allen voran Rösler.
Köln kommt mit einem 4-5-1, so viel ist sicher. Die Frage ist nur, wie offensiv die Außen ausgerichtet sind. Wahrscheinlich wird sich der FC erstmal zurückziehen und im Halbfeld versuchen, die Borussia zu Fehlern zu zwingen und sie so mürbe zu machen. Lange Bälle auf Novakovic, der jeden Steilpass verarbeiten kann, sind die Waffe, mit der die bisher desolate Glabdacher Abwehr zu knacken sein dürfte.
Es ist einfach viel zu offensichtlich, dass die Gladbacher Defensive , auch wenn sie über 80 Minuten gut steht, immer wieder Aussetzer hat. Das muss Luhukay abstellen. Am besten, in dem er eine klare offensive Linie vorgibt, aber gleichzeitig ein Mittel findet, klare Anspiele in den Kölner Sturm zu verhindern.
Dass er schlechte Leistungen noch länger absurd gut redet, ist eher unwahrscheinlich. Sollte es noch eine schlechte Leistung geben, dann wird im nächsten Spiel wohl ein Anderer an seiner Stelle sitzen.
Druckversion
Überflüssiger Artenschutz für Hopp – aber was ist die Konsequenz?
Mit der freien Meinungsäußerung ist es ja so eine Sache. Sobald es ungemütlich wird, halten manche Menschen nicht mehr viel von ihr. Der DFB hat eine “Lex Hopp” erlassen, nach der “Pöbeleien” gegen den Mäzen künftig auch sportgerichtlich geahndet werden können.
Klar, sobald es in den Bereich der körperlichen Bedrohung geht – und so kann man angesichts der Bescheuerten, die in einem Fußballstadion rumlaufen, ein Plakat mit einem Fadenkreuz interpretieren – muss man handeln.
Aber dazu braucht man keine Sonderregelung. Das kann man in den vorhandenen Strukturen angemessen verfolgen. Der DFB kann weiterhin mantraartig Fairniss einfordern. Nur wird es sie nicht geben. Und zwar mit Recht. Jeder Anhänger hat das Recht, seinen Unmut über Entwicklungen im professionellen Fußball lautstark kund zu tun. Egal ob sich der Protest auf eine Person fixiert und egal ob berechtigt oder nicht.
Dass dies deftig artikuliert wir, hat durchaus etwas mit der Fankultur zu tun. Im Optimalfall erreicht der DFB, dass die Gesänge ein wenig abgemildert werden. An der Sache ändert sich nichts. Nur würde ich gerne wissen, welche Sanktion ein Sportgericht verhängen könnte und gegen wen sich diese richtet. Gehe ich recht in der Annahme, dass sich eine Strafe nur gegen den Verein richten kann, da die Zuschauer nicht der Sportgerichtsbarkeit unterliegen?
Druckversion

