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Saison-Prognose Teil 1

August 8th, 2009

Selten war eine Saison schwieriger zu tippen als diese. Nur in einem sind sich so ziemlich alle einig: in den Mannschaften auf den ersten zehn Plätzen und in den Mannschaften auf den hinteren acht. Das einzige Team, das in der Klassengesellschaft schwierig einzuordnen ist, dürfte Hertha BSC sein, die aufgrund der Vorsaison eher oben, aufgrund des Personals eher unten rangieren dürfte.

VfL Wolfsburg

Meister werden ist schon schwierig genug, aber danach noch die komplette Mannschaft gegen alle Widerstände halten und sogar noch verstärken – das ist das Sahnehäubchen auf der Schüssel. Wenn man sich anschaut, wer da alles wie lange verlängert hat, dann kann man nur zu dem Schluss kommen: Der VfL ist in der Gehaltsklasse Bayern München gelandet. Im Gegensatz zu Bayern kann Wolfsburg personell übergangslos an die letzte Saison anknüpfen. Das ist ein großer Vorteil.

Armin Veh spaltet die Beobachter. Ganz großes scheint man ihm nicht zuzutrauen. Mein Eindruck von ihm ist, dass er mit gutem Material sehr gut arbeiten kann, eher langfristig als kurzfristig Probleme bekommen kann.

Spieler, die vor zwei Jahren noch unter ferner Liefen genannt wurden, haben sich zu absoluten Leistungsträgern entwickelt und werden immer noch unterschätzt, zum Beispiel Gentner oder Schäfer. Ich glaube, dass Wolfsburg wieder ganz oben mitspielen wird.

1. Platz

Bayern München

Louis van Gaal wird gerade von den Medien abgefeiert, als wäre Jesus in München auferstanden. Das schmeckt mir nicht. Klar, ich halte auch viel von ihm und mag ihn als Charakter sehr gerne. Nur: Autorität und Profil alleine sind noch keine Garantie für den Erfolg.

Bayern hat für mich eine große Baustelle in der Defensive. Wer mit einem Badstuber und einem Rensing als Stammkräfte in die Saison geht, dem fehlt die Klasse, um über den Dingen zu schweben. Wer Braafheid und Pranjic neben Gomez als Top-Einkäufe präsentiert, der ist nicht mehr als einer von vielen Anwärtern auf die Meisterschaft.

Van Gaal wird seine Probleme bekommen, wenn er zwei, drei Spiele hintereinander nicht gewinnt. Das wird Hans Meyer auf hohem Niveau. Wenn ich ehrlich bin: Ich würde es gerne sehen. Nicht weil ich Bayern schlechtes gönne. Nur aufgrund des Unterhaltungsfaktors.

3. Platz

VfB Stuttgart

Der VfB ist mir in der Vorbereitung gehörig auf den Sack gegangen. Kommt dieser Stürmer oder jener? Erstaunlich, dass Horst Heldt am Ende nicht enttäuscht, sondern sogar begeistert hat. Hleb ist für mich der Top-Transfer der Saison – ein besserer Schnapp sogar als Bayerns Neuzugang Gomez und dazu deutlich günstiger. Dazu der Russe mit dem komischen Namen im Sturm als Dark Knight – das ist mehr als überzeugend.

Die Stärke von Stuttgart liegt aber nicht in den Neuzugängen, sondern im bereits vorhandenen Material. Samy Khedira und Serdar Tasci hatten bisher den Ruf als Talente – dabei waren sie schon Leistungsträger und werden der neuen Saison ihren Stempel aufdrücken.

Einzig auf den Außenverteidigerpositionen sehe ich Schwachstellen. Magnin spielt seit zwei Jahren bereits auf der Kippe zur Ersatzbank und Träsch muss seine Qualität erst noch beweisen. Auf allen anderen Positionen hat sich Stuttgart unterhalb des Radars zur absoluten Spitzenmannschaft entwickelt.

2. Platz

Hertha BSC

Wie schon oben geschrieben: Die Hertha kann ich am allerschlechtesten einschätzen. Das Personal reicht gerade mal für einen Mittelfeldplatz. Klar, da sind einige sehr gute Spieler dabei. Kacar zum Beispiel, Friedrich oder Raffael. Ebert schaue ich wirklich gerne zu. Aber dann sind da auch Leute wie Piszczek, Stein oder Lustenberger, die auch bei einer Mannschaft des unteren Mittelfeldes nicht gesetzt wären.

Es liegt an Favre, ob er wieder eine Mannschaft aus den Einzelbausteinen zusammenschweißen kann, die die individuellen Schwächen durch Teamwork ausgleichen kann. Da mit Simunic der wichtigste Baustein den Verein verlassen hat, glaube ich nicht an eine nur annähernd ähnlich erfolgreiche Saison. Aber das schreibe ich jedes Jahr über die Hertha. Um mit nicht die Finger zu verbrennen, gebe ich einen Sicherheitstipp ab und platziere sie genau in der Mitte.

11. Platz

Hamburger SV

Beim HSV habe ich den Eindruck: Was in den letzten Jahren mühsam mit den Händen aufgebaut wurde, hat der Vorstand mit dem Arsch wieder eingerissen. Im Vergleich zu Stuttgart hatte Hamburg dieselben Karten in der Hand. Doch während im Schwabenland mit glücklichem Händchen klare Kontinuität gewahrt wurde, herrscht in der Hansestadt das verwaltete Chaos.

Jol weg, Beiersdorfer weg, Stress mit den Fans. Diese Saison kann ein Neuanfang sein oder eine Übergangssaison. Es liegt an Labbadia. Trotz offensichtlich bewusster Entscheidung für den Coach glaube ich nicht, dass Hamburg eine gute Wahl getroffen hat. Aus seinem Engagement in Leverkusen schließe ich: Labbadia ist verbissen und legt die Maßstäbe an seine Spieler, die er an sich selbst gestellt hat. Ein Psychologe ist er nicht. Im absoluten Top-Bereich geht das nicht gut.

Zum Positiven: Mit Rozehnahl, Berg und Elia wurden Knaller verpflichtet. Trochowski, Petric und Guerrero sollten in dieser Saison endgültig zu absoluten Leistungsträgern werden. Die Innenverteidigung ist  top besetzt. Das Mittelfeld bietet eine gute Mischung aus Erfahrung und Spielfreude. Vom Personal her zählt Hamburg zu den Anwärtern auf die ersten drei Plätze. Alleine die sportliche Führung lässt mich zweifeln, dass es nicht zu höheren Weihen reicht.

7. Platz

Borussia Dortmund

Es ist schon ein wenig strange, was Klopp mit Dortmund macht. Er holt Spieler, die er aus gemeinsamer Zeit in der unteren Hälfte der Liga kennt, aber von denen er weiß, dass sie sein System perfekt umsetzen können: taktisch extrem diszipliniert und lauffreudig. Dass ein Feulner oder ein Zidane aber nicht unbedingt geeignet sind, ein Team in den europäischen Wettbewerb zu schießen, dürfte auch dem blindesten Beobachter klar sein.

Aber genau deshalb ist Klopp vielleicht genau der richtige Mann am richtigen Platz. Er muss Dortmund durch eine Übergangsphase navigieren, um in zwei, drei Jahren richtig anzugreifen.

Erstaunlich, wie sehr der Trainer in nur einem Jahr dem Verein seinen Stempel aufgedrückt hat. Einen Frei – ehemals Torschützenkönig – lässt er bedenkenlos ziehen. Stattdessen holt er Zweitligaspieler, die plötzlich auf höherem Niveau funktionieren, und rührt mit einer der jüngsten Abwehrreihen der Liga Beton an.

Da steckt ein klarer Plan dahinter und deshalb wird der BVB eine – gemessen an den Ansprüchen – erfolgreiche Saison spielen

8. Platz

1899 Hoffenheim

Hoffenheim hat eine seltsame Saison hinter sich. In der Hinrunde lagen Fußballkenner Rangnick zu Füßen. Danach verscherzte sich der Trainer viele Sympathien mit zweifelhaften Interviews.

Nichtsdestotrotz hat Hoffenheim den jüngsten Kader, alle Spieler gehalten und das Team mit Simunic und Hildebrand extrem verstärkt. War in der letzten Saison noch die Offensive das Maß aller Dinge, ist jetzt auch die Abwehr ein Prunkstück.

Hoffenheim spielt für mich zweifellos den besten und attraktivsten Fußball der Liga, hat eine klare Philosophie und brillante Einzelspieler.

In der letzten Saison wirkte die Mannschaft unbedarft. Das muss sie konservieren. Wenn die Verantwortlichen es schaffen, die Jungs auf dem Boden zu halten (ich sage nur: Ba), kann die Mannschaft spielerisch an die Hinrunde 2008 anknüpfen – sie kann aber nicht die Konstanz haben, die man braucht, um ganz oben anzuklopfen.

6.  Platz

Schalke 04

Schalke ist für mich neben Hertha die Mannschaft, die ich am schlechtesten einschätzen kann. Kann der Magath-Faktor sofort zünden? Er könnte. Personell sind in der Stammelf alle Voraussetzungen vorhanden.

Damit es für die vordersten Plätze reicht, müsste aber bei einigen Spielern der Knoten platzen. Der Knoten, der zum Beispiel bei Kevin Kuranyi seit drei Jahren eher enger wurde als sich zu lockern. Der Knoten, der Ivan Rakitic und Halil Altintop um die Beine hängt.

Würden alle Spieler ihre Möglichkeiten so ausreizen wie ein Heiko Westermann, Schalke wäre ein klarer Kandidat für die europäischen Plätze. Dagegen steht nur die im Vergleich schwache Bank.

Mit dem Magath-Faktor tippe ich die Knappen auf einen knappen Europa-League-Platz.

5. Platz

Bayer Leverkusen

Leverkusen ist eine junge Mannschaft, in der alles vorhanden ist, was für den Erfolg notwendig ist. Kroos, Barnetta, Castro, Derdiyok,  Augusto, Kießling. Das sind handfeste Argumente für schönen und erfolgreichen Fußball.

Nur traue ich dem Trainer nicht. Jupp Heynckes ist der große Hype gewesen, weil er mit Bayern in vier Spielen das erreichte, was man erwarten durfte. Er gilt als Protege junger Spieler. Nur gerade dabei verrennt er sich gerne und ist wenig flexibel. Auf Schalke, in Gladbach und Frankfurt hat er bewiesen, dass er Vereine hinrichten kann.

In Leverkusen wird es nicht so krass, aber auch nicht erfolgreich,

9. Platz

Werder Bremen

Bremen ist die Mannschaft, auf die ich mit der meisten Spannung warte. Thomas Schaaf stellt sein System um und setzt dabei mit Özil und Marin auf extrem junge, aber umso kreativere Spieler. Normalerweise würde man von einer Übergangssaison sprechen, aber ich hoffe auf mehr und gönne es Werder.

Mit Frings und Borowski steht ein erfahrendes defensives, aber dennoch torgefährliches Mittelfeld auf dem Platz, das die Fehler der jungen Außen abfangen können sollte. Der Sturm ist nicht überragend, aber auf hohem Niveau ausgeglichen besetzt.

Personell agiert Bremen (noch) nicht ganz oben. Dennoch könnte Werder die beste Spielkultur der Liga zeigen.

4. Platz

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FC Köln: Öl ins Ekstase-Feuer

Juli 21st, 2009

Ich schreibe es nicht gerne. Das was Köln in dieser Saison an Transfers tätigt, gefällt mir wirklich gut. Die heutige Verpflichtung von Maniche war eine Verstärkung da, wo ich bisher die Schwachstelle im Kader gesehen habe. Das Mittelfeld war mir – abgesehen von Petit – zu schwach besetzt.

Einen besseren als den neuen Portugiesen kann ein Verein wie Köln nicht verpflichten. Maniche ist nicht mehr der Jüngste, konnte sich zuletzt auf höchstem Niveau nicht durchsetzen und wechselte die Vereine wie Unterhosen. Wäre es nicht so, wäre er niemals zum FC gewechselt – schon gar nicht ablösefrei. Sein Potential hat er zur Genüge unter Beweis gestellt.

Kölns Fans befinden sich dank Poldi eh schon in Ekstase. Jetzt werden sie noch einen Gang raufschalten. Sogar Stefan will sich ein Trikot beflocken lassen.

Zwei echte Knüller, dazu mit Freis ein ambitionierter Außenflitzer und mit Schorch ein Mann für die Zukunft – das hat Hand und Fuß.

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Der Marin-Abschied: War schön!

Juni 26th, 2009

„Von 25 Journalisten in Gladbach haben vielleicht zwei den Wert von Tomas Galasek erkannt. Der schießt zwar kaum Tore und ist auch kein Marko Marin, der auf drei Quadratmetern vier Mann ausspielt, worauf die Fans zurecht vor Freude zu onanieren beginnen.“

Dieses Zitat war wohl ein wunderbares Fazit dessen, was Marko Marin in den letzten beiden Jahren für Mönchengladbach geleistet hat. Er war nicht der Basisspieler, der die Mannschaft alleine eine Klasse besser gemacht und alle anderen mitgerissen hat. Aber er war der Spieler, der die Glanzpunkte setzte, der die Kurve kollektiv hat mit der Zunge schnalzen lassen, der in  unmöglichen Situationen eine Lösung fand. Mit seinen Dribblings und Standards hat er Gladbach die Punkte gesichert, die zum Aufstieg und Klassenerhalt bitter nötig waren.

Galasek mag wichtiger sein, aber für einen Marin geht man ins Stadion. Und er kann in knappen Spielen den Unterschied ausmachen.

Mag sein, dass er nicht der defensiv stärkste Spieler ist und körperlich eigentlich nicht gegenhalten kann. Das hat ihn im letzten Jahr ein wenig ausgebremst und ihn Einsatzzeit gekostet, denn im Abstiegskampf muss man manchmal andere Prioritäten setzen. Aber wenn man einen Spieler dieser technischen und kreativen Klasse hat, müssen normalerweise die 10 anderen Spieler 10% mehr laufen, um ihm die Freiheiten zu gewähren.

Sein Disput mit Meyer existierte wohl nur in den Medien. Legendär der Doppelpass, in dem Hans Meyer die Elite des deutschen Sportjournalismus vorführte, weil diese Marins Einsatzzeiten um das sechsfache unterschätzte.

Nein, Marin war einer der wichtigsten Gladbacher Spieler der letzten beiden Jahre – auch wenn er punktuell auf der Bank Platz nehmen musste. Er war auch deutlich wichtiger als Baumjohann. Jener hatte tatsächlich nur wenige, dafür aber ebenfalls spektakuläre Momente. Die deutlich höhere Konstanz hatte aber Marin.

Marins Wechsel kann ich ihm nicht mal übel nehmen. Er hat die Saison durchgespielt ohne Ansprüche anzumelden und hat erst nach dem Klassenerhalt klar seine Ambitionen geäußert. Gegenüber vielen anderen Jungstars in den letzten Jahren wählt er (ohne dass ich seine anderen Angebote kennen würde) einen Verein, bei dem er realistische Entwicklungsmöglichkeiten hat – ein logischer Schritt. Bei Bremen kann er sich – neidlose Anerkennung – besser weiterentwickeln als bei Gladbach, weil er dort eben nicht ständig im Abstiegskampf steckt, sondern mit Rückendeckung frei aufspielen und damit seine Stärken einbringen kann.

Ich hoffe und zweifle nicht daran, dass er diesen Schritt packt, denn er kann eine der größten Attraktionen der Liga werden – einer dem man gerne zuguckt, unabhängig von der Vereinszugehörigkeit.

Der einzige Wermutstropfen ist für mich die Ablöse: Wenn man so ein Ausnahmetalent unter Vertrag hat, dem in wenigen Jahren alle Optionen offen stehen können, dann muss man dafür eine höhere Ablöse kassieren als 8,5 Millionen – auf Basis dessen, was im Moment für weniger talentierte Spieler als Summen aufgerufen werden (z.B. Kevin Prince Boateng, Demba Ba). Aber da man Reisende nicht aufhalten kann und Marins Vertrag nur noch ein Jahr lief, nimmt man was man kriegen kann.

Edit: Ich habe zwei Postings von mir über Marin ausgegraben:  ein ganz altes, als Marin noch in der A-Jugend spielte und eines aus der zweiten Liga, das allerdings schon jene Schwächen beschreibt, die ihm immer noch anhaften.

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Borussia Mönchengladbach – das Saisonfazit

Mai 27th, 2009

Als Gladbacher, das hat sich einmal mehr herausgestellt, muss man leidensfähig sein. Diese Saison hat alles an Nerven gekostet, was ein Fußballfan aufbringen kann. Und obwohl es gut geendet ist und das Saisonziel erreicht wurde, muss ich ein absolut negatives Fazit ziehen.

Nach dem letzten Bundesligaabstieg versprach die Vorstandsetage, dass nun alles anders, alles besser würde. Man wolle auf kontinuierliche Arbeit setzen, eine Mannschaft mit Charakter aufbauen – dies sollte gar einer der Hauptkriterien bei Neuverpflichtungen werden – und das Kaufhaus des Westens sollte für alle Zeit die Tore schließen.

Es kam alles anders. Die Saison war ein einziges großes Missverständnis.

Luhukay und Ziege gingen mit sehr viel Vertrauensvorschuss in die Spielzeit – hatten sie doch im Jahr zuvor aus dem Nichts einen stimmigen Kader aufgebaut, der Typen beinhaltete, mit denen sich alle Fans identifizieren konnten.

Viel Breite, keine Spitze

Mit dem gleichen Personal gingen sie in die neue Saison und glaubten, ihn nur punktuell und in der Breite verstärken zu müssen. Diese „Breite“ ging jedoch soweit, dass Luhukay und Ziege einen Kader zusammenkauften, der jedes System spielen können sollte und zwar mit voller Absicht – ein aufgeblähter Kader, nichts in der Spitze.

Als es in die Saison hineinging wurde klar, dass Luhukay tatsächlich System und Personal von Spiel zu Spiel auf den Gegner einstellen wollte. Flexibilität total, Kontinuität null.

Man könnte es ein Experiment nennen. Das Experiment explodierte vor den Augen der Verantwortlichen. Das in der zweiten Liga eingespielte System, das auf bestimmte Stärken setzte, wurde komplett demontiert.

Stärken demontiert

In der Vorsaison waren die Stärken: Flügelspiel mit zwei kopfballstarken Abnehmer, Friend und Rösler, in der Mitte. Und saustarke Standards, bei denen unter anderem Brouwers und Gohouri die Überlegenheit im Strafraum klar machten.

In den ersten Spielen in der ersten Liga gab es das alles nicht mehr. Scorer-König Ndjeng, der zugegeben nie mehr die Top-Form erreichte, wurde aussortiert. Für ihn lief Matmour auf, der aufs Tor zieht, aber nicht flankt. Ohne Rösler (der sich ebenfalls aufgrund mangelnder Fitness auf dem Team katapultierte) gab es keinen mehr, der aus dem Mittelfeld in den Strafraum stieß. Vieles kam zusammen. Die Kopfballmacht war passe.

Passe war auch die Hierarchie. Die Leitwölfe Voigt, Rösler und Paauwe konnten von ihrer Leistungen her dem Team nicht mehr helfen und hinterließen eine Lücke, die bis zur Winterpause brach lag.

Abwehrschwäche war absehbar

Diese Punkte habe ich so vor der Saison nicht erwartet. Ich hatte erwartet, dass es ein großer Kampf wird. Dass sogar mit einem Rösler in Alemannia-Form vorne war gehen würde. Ich glaubte, dass die Verantwortlichen die Stärken kennen und ausbauen, aber zumindest nicht demontieren würden. Es kam anders.

Nicht nur, dass vorne alles was lief, nicht verfolgt wurde. Die sich ankündigende Abwehrschwäche wurde ignoriert. Dies war die größte Verfehlung von Ziege und Luhukay: Zwar wurden sehr viele Spieler zu verpflichten, aber nicht auf den vakanten Positionen zum Beispiel auf der rechten Abwehrseite. Stattdessen zwei bis drei Neuverpflichtungen auf der völlig überbesetzten 6er-Position.

Keine Lehren aus der Vorsaison

Trotz all dem hätte es vielleicht besser laufen können, hätte man die Lehren aus der Vorsaison ernst genommen. Dort hatte nur ein 4-4-2 funktioniert, mit dem 4-5-1 stand eine (für einen Aufsteiger) desaströse Bilanz. Aber Luhukay legte sich auf einen Stürmer fest und hielt nicht am erfolgreichen System fest.

Und als Meyer kam, wurde es nicht besser. Diesen Vorwurf muss man Meyer machen, obwohl er im Endeffekt erfolgreich war. In der Hinrunde hat er alles vergeigt, auch weil er in seiner Taktik nicht flexibel war.

Er schob es auf die „mangelnde Balance“. Aber das ist zu einfach. Man muss die Karten spielen, die man hat, und nicht das Spiel, für das man die Karten nicht hat. Einen Neuville als klaren 4-4-2 Stürmer kalt zu stellen – das darf man sich mit diesem Spielermaterial eigentlich nicht leisten.

Viel Glück in der Rückrunde

In der Rückrunde wurden zwar 20 Punkte geholt, aber es war längst nicht alles Sonnenschein.

Meyer beförderte Baumjohann zum Spielgestalter. Der hatte zwar einige lichte Momente, aber viel mehr Schatten. Abgesehen von den Situationen, die man in der Sportschau gesehen hat und einigen anderen gefälligen Pässen, war er vor allem phlegmatisch und hat mich zur Weißglut getrieben. In jedem Moment wünschte ich mir Marin auf seiner Position. Ich bin froh, dass er bei Bayern gelandet ist.

Aushilfsstürmer Colautti zeigte in jedem Moment, dass er nicht bundesligatauglich ist und ein System mit ihm als einzige Spitze nicht funktionieren kann.

Bailly und Galasek top, Dante mit viel Schatten

Das einzige Highlight: Galasek und Bailly wurden gekauft und retteten der Borussia den Arsch. Bei Bailly hat man gesehen, wie viel Punkte Unterschied zwischen einem mittelmäßigen und einem guten Bundesligatorwart liegen. Galasek war die ordnende Hand und der lange vermisste Führungsspieler.

Stalteri konnte zwar nicht wirklich auftrumpfen, schloss aber die Lücke in der Verteidigung – ebenfalls ganz wichtig.

Dante war der Spezialkandidat. Er taumelte zwischen Genie und Wahnsinn. Im letzten Spiel gegen Dortmund hätte ich ihn zur Halbzeit – wenn nicht früher – ausgewechselt. So schlecht war er. Aber am Ende köpfte er das 1:0, wie er schon in zwei Spielen  zu vor ein  entscheidendes Tor markierte.

Klassenerhalt nur mit viel Glück

Meyer hat in der Rückrunde nicht alles richtig gemacht, aber seinen Dickschädel durchgesetzt und wurde am Ende mit sehr, sehr, sehr viel Glück belohnt. Das ist kein Grund, seine Arbeit nicht zu hinterfragen, denn er hat vor allem von der Schwäche der Konkurrenz profitiert.

Er hat sehr gut und punktuell eingekauft, er hat die Mannschaft gerettet. Aber Gladbach hat bis auf zwei, drei Spiele nicht so gespielt, wie es die Punkteausbeute von 20 Zählern vermuten lässt. Da war verdammt viel Glück dabei.

Nichtsdestotrotz – einen Trainerwechsel möchte ich nicht heraufbeschwören. Viel zu viel ist bei Gladbach passiert. Meyer hatte extrem schwierige Ausgangsbedingungen und wenn er noch eine Saison dran hängt, glaube ich, dass er die Borussia in ruhigeres Fahrwasser bringen kann.

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Magath, der Künstler des Abgangs

Mai 6th, 2009

Ich gebe zu, die Überschrift ist eine Replik auf den Titel beim Indirekten Freistoß „Die Kunst des Abgangs ist Magath nicht gegeben“. Dort zitiert Oliver u.a. die Stuttgarter Zeitung: Magath hinterließe bei seinen Abgängen verbrannte Erde.

Das mag sein. Aber keiner hat die Mechanismen des Trainergeschäfts so gut verstanden wie Magath und macht sie sich zunutze. Und kann man ihm zum Vorwurf machen, in diesem gnadenlosen Geschäft vor allem an sich zu denken?

Erfahrung mit Hire & Fire hat er zur Genüge. Ob HSV, Bremen oder Frankfurt – auf seinen ersten Trainerstationen bekam er die Spielregeln des Geschäfts zu spüren und musste nach nicht allzu langer Zeit seinen Posten räumen. Daraus zog er seine Schlüsse. Seine erste echte Erfolgsstation war der VfB Stuttgart. Er führte den Verein vom Abstiegskandidaten zum CL-Teilnehmer. Und als ein besseres Angebot kam, griff er zu. Das musste er. Wie oft bekommt man die Chance, Bayern-Trainer zu werden? Genau. Für Emotionen ist da kein Platz.

Magath hat in den ersten Jahren seiner Trainerkarriere am eigenen Leib erfahren hat, dass man stets an den eigenen, bereits erreichten Erfolgen gemessen wird und nicht an den realistischen Perspektiven einer Mannschaft. Je mehr man vorlegt, desto wahrscheinlicher ist es, in der nächsten Saison die Vorgaben der Vereinsführung und die Erwartungen der Fans zu verpassen.

Nicht zuletzt war es Magath, der später seinen Rauswurf beim FC Bayern lakonisch und anscheinend kaum enttäuscht kommentierte, man dürfe als Trainer nicht damit rechnen, länger als zwei oder drei Jahre bei einem Verein arbeiten zu können.

Der Wechsel auf dem Höhepunkt ist für einen Trainer immer die logischste Entscheidung. Das hat er verstanden.

Was sollte er noch mit dem VfL Wolfsburg erreichen? In dieser Saison trifft seine exzellente Arbeit, mit der er eine Mannschaft weit über ihre Möglichkeiten geführt hat, auf die turnusmäßige Schwäche der Bayern. Er hat seinen Marktwert auf das Optimum gesteigert. Würde er beim VfL bleiben, könnte er nur noch verlieren.

Aber, und das sei betont, Magath ist nicht feige. Mit dem FC Schalke hat er sich die aktuell schwierigste Aufgabe im deutschen Fußball ausgesucht. Extrem hohe Erwartungen treffen auf einen schlecht zusammengestellten Kader bei einem Verein, der sein Budget arg zusammenstreichen muss.

Einmalig und kaum zu fassen sind die Bedingungen, auf die sich Schalke eingelassen hat: Magath als Trainer, Manager und Vorstandsmitglied in Personalunion. Allein diese Machtfülle darf eigentlich keinen Zweifel an seiner strategischen Kompetenz aufkommen lassen und macht ihn zum Künstler des Abgangs.

Siehe auch: Königsblog

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DFB windet sich aus dem Doping-Fall

März 6th, 2009

Irgendwie war es so zu erwarten, denn in allem, was die DFB-Verantwortlichen von sich gegeben haben, schien durch, dass die Spieler verschont werden sollen und dass das Strafmaß in diesem Präzendenzfall milde ausfallen werde: Janker und Ibertsberger, die beiden Zu-Spät-Pinkler, sind auf ganzer Linie freigesprochen worden und alle Schuld wurde den Doping-Beauftragten der TSG und damit dem Verein angelastet.

Nun gut. Sollte es tatsächlich so sein, wie es Theo Zwanziger betont, dass der “Sachverhalt akribisch untersucht” wurde und die Spieler tatsächlich nichts von der Doping-Probe wussten, dann ist das in Ordnung. Allerdings bewahre ich mir deutliche Zweifel an dieser Aussage, denn der DFB selbst hat aufgrund seines bisherigen Umgangs mit dem Thema ein großes Interesse daran, dass die Angelegenheit geräuschlos über die Bühne geht – den bekannten Klüngel mit Hoffenheim noch gar nicht in die Betrachtung einbezogen.

Dem Verein droht laut SpOn jetzt eine Geldstrafe von – heyheyhey -  bis zu 150.000 Euro. Bliebe es dabei, es wäre ein Witz. Auch ohne die Vereinsbrille aufzuhaben, kann das nicht die Sanktion sein. Damit irgendjemand irgendetwas versteht, muss ein Punktabzug dazu kommen. Sonst wäre das bisherige System, Vereinsangehörige als Dopingbeauftragte einzusetzen, eine Generalbefreiung von jeglichen Konsequenzen in Dopingfällen.

Immerhin scheint der DFB seine Schlüsse zu ziehen und setzt künftig Chaperons ein. Dass dies nicht viel früher passiert ist, sondern im Prinzip eine Freifahrtschein für Manipulationen ausgestellt wurde, kann gar nicht oft genug betont werden.

Edit: Hintergrundmaterial und die DFB-Erklärung im Wortlaut gibt es bei Jens Weinreich.  Ich habe ihn übrigens mit dem Zwanziger gegen Zwanziger unterstützt. Wer Fußball-Fan ist, sollte es genauso machen.

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Meine Rückrunden-Prognose

Januar 30th, 2009

Ich gebe zu, ich bin berüchtigt für meine unzutreffenden Saisonprognosen und lande bei den Kollegen vom Ball-Blog regelmäßig auf den unteren Plätzen. Das kann aber auch daran liegen, dass bei meinen Tipps sehr viel Wunschdenken mitschwingt und ich ungern die sichere Nummer wähle, sondern Überraschungen platziere. Die wirklichen Überraschungen sind dann natürlich ganz andere Mannschaften, was mich doppelt Punkte kostet.

1899 Hoffenheim

In meinem Umfeld lautet die klare Meinung: Absturz. Eine durchschnittliche Rückrunde und nicht mehr als Platz 6 am Ende. Da halte ich mal dagegen. Den Ausfall von Ibisevic wird das Team kompensieren, Sanogo zwar keine 17, aber trotzdem ordentlich Hütten machen. 1899 wird außerdem davon profitieren, dass sich auf den folgenden Plätzen weiterhin keine Mannschaft als klare dritte Kraft etablieren kann.

Platz 2

Bayern München

Was soll man anderes prognostizieren als die Meisterschaft?

Platz 1

Hertha BSC Berlin

In der letzten Woche noch mal solide verstärkt durch Babic und Cufre, geht Berlin als kompakte Mannschaft ohne Stars in die Rückrunde. Die Neueinkäufe haben eingeschlagen. Aber in der Hinrunde haben die Berliner einige knappe Spiele für sich entscheiden können, die genauso gut auch andersrum hätten ausgehen können. Deshalb darf man nicht erwarten, dass Hertha die Punktausbeute bestätigen kann. Dennoch wird die Saison ein großer Schritt nach vorne, selbst wenn am Ende nichts herausspringen sollte.

Platz 7

HSV

Wer hätte nicht De Jong für 20 Millionen verkauft? Ein Geniestreich. Für die Mannschaftsqualität dennoch eine herber Verlust. Ob Rincon ein Ersatz sein kann, ist fraglich. Hamburg wird nicht ganz an die Hinrunde anknüpfen können, aber Jol wird die Weichen für die nächste Saison stellen, international abschließen und dann richtig für die neuen  Saison aufrüsten können.

Platz 4

Leverkusen

Diese Mannschaft hat mir neben Hoffenheim in der Hinrunde am besten gefallen und hat Steigerungspotential. Bekommt Labbadia wird in die junge Truppe mehr Konstanz reinbrigen und eine sehr erfolgreiche Rückrunde spielen.

Platz 3

Borussia Dortmund

Ob Boateng eine Verstärkung ist? Ich glaube nicht. Dortmund hat eine solide Mannschaft, aber keine überzeugende. Damit es für höhere Ansprüche reicht, muss sich die neu formierte Abwehr ein weiteres halbes Jahr einspielen und das Mittelfeld mit dem lange verletzten Kehl Konstanz finden.

Platz 9

Schalke 04

Personell einer der besten Kader der Liga. Aber wird Rutten den Schlüssel finden und kann 04 eine Aufholjagd starten? Ich sage: Nein. Es stimmt nicht in der Mannschaft und im Verein. Rutten wird den Hut nehmen müssen und Schalke die schlechteste Saison seit Jahren spielen.

Platz 8

Werder Bremen

In der Hinrunde hat einiges nicht gepasst. Diego war in Peking, Pizarro stieß erst spät zum Team, Mertesacker hatte ein Tief. In der Rückrunde werden die Leistungsträger die volle Vorbereitung mitgemacht haben und die Mannschaft besser harmonieren.

Platz 6

VfL Wolfsburg

Beim VfL hat Magath die Mannschaft umgekrempelt und es dauert noch eine Zeit, bis alles so läuft, wie der Trainer es sich vorstellt. Die ersten Schritte dahin werden in der Rückrunde zu erkennen sein. Die Abwehr wird bessern harmonieren als zuvor. Wenn die Offensive die Leistung der Vorrunde bestätigen kann, geht es leicht nach vorne.

Platz 5

VfB Stuttgart

Der Babbel-Effekt wird nicht länger anhalten, es ist in der Rückrunde eine Lame Duck. Das alleine kostet einige Prozent Leistungsvermögen. Stuttgart wird diese schwierige Saison nur mittelmäßig beenden.

Platz 10

FC Köln

Köln war von den schlechten Mannschaften in der Hinrunde die beste. In der Rückrunde wird sie die Euphorie tragen, denn mit dem Podolski-Transfer hat die Vereinsführung ein Zeichen gesetzt und der Palaver lenkt die Aufmerksamkeit von der Mannschaft. Das reicht locker für den Klassenerhalt, auch wenn es nicht ganz so gut läuft wie bisher

Platz 13

Eintracht Frankfurt

Bruchhagen hat mal wieder ein Zeichen gesetzt und mit Funkel verlängert. Die unter dem Trainer übliche Erfolgsserie war bisger noch nicht am Start, wird aber auch aufgrund der klaren Ansage an die Spieler folgen.

Platz 11

Hannover 96

Personell ist 96 am besten ausgestattet von allen Mannschaften im unteren Bereich. Auch wenn da nichts Brillantes folgen wird, die Klasse setzt sich durch.

Platz 12

Arminia Bielefeld

Bielefeld hat eine Lebensversicherung namens Wichniarek. Bleibt der Stürmer fit, könnte es reichen. Aber nur knapp.

Platz 15

KSC

Seit der überragenden Rückrunde vor anderthalb Jahren geht es steig bergab, Ich sehe nicht, was dies ändern sollte.

Platz 18

Cottbus

Wie immer hat Cottbus eigentlich keine Chance. Ich hoffe, sie nutzen sie diesmal ausnahmsweise nicht.

Platz 17

VfL Bochum

Ich glaube immer noch, dass Bochum sich gut verstärkt hat und bisher unter dem Leistungsvermögen agiert. Deshalb geht es nach oben.

Platz 14

Borussia Mönchengladbach

Ohne Argumentation. Ich hoffe auf den Relegationsplatz

Platz 16

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Bundesliga-Blog USA

Januar 25th, 2009

Mich treibt es ja beinahe jedes Jahr in die USA, deshalb weiß, dass auch dort die Bundesliga geschaut wird. Viele Spiele laufen sogar live, was mit schon das ein oder andere Mal den Arsch gerettet hat. Mittlerweile, und das ist bisher an mir vorbei gegangen, wird dort auch über die Bundesliga gebloggt. Und zwar ambitioniert.


Dank eines Backlinks bin ich auf bundesligatalk.com aufmerksam geworden und werde mir das Geschehen dort etwas näher anschauen.

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Genau jetzt wäre ich gerne Köln-Fan

Januar 23rd, 2009

Fritz Walter wurde in seinem Heimatort ein Denkmal gesetzt, das Stadion in Kaiserslautern trägt seinen Namen. Vor dem Hamburger Stadion steht Uwe Seelers Fuß in Bronze.

Warum? Diese beiden Spieler blieben ihrem Verein ihre gesamte Karriere treu, obwohl sie finanziell deutlich bessere Angebote ausschlugen und in ambitionierteren Mannschaften hätten spielen können.

Heute muss sich ein Spieler öffentlich abwatschen lassen, wenn er nicht alleine auf das Konto und die potentielle Titelsammlung schielt, sondern  seinem Herzen folgt und zu dem Verein wechselt, bei dem er sich zuhause fühlt.

In Deutschland wird dies scheinbar nicht mehr gewürdigt. Ich habe keinen Kommentar ohne ironischen Unterton gelesen (außer in der Lokalberichterstattung), in dem ihm dies als Charakterstärke angerechnet oder allgemein als positives Signal im kommerzialisierten Fußball-Geschäft gewertschätzt würde (anderslautende Beiträge bitte ich in den Kommentaren zu verlinken). Vielmehr wird beinahe überall seine Qualität relativiert.

Ich freue mich, dass nach langer Zeit mal wieder ein Fußballer Zeichen gesetzt hat: Es gibt auch noch Dinge, die nicht in Zahlen messbar sind. Als Kölner Fan hätte ich im Moment eine gute Zeit. Bin ich aber leider nicht.

Der Podolski-Transfer ist ja nicht nur ein Transfer an sich, sondern auch ein Zeichen, wo es in der Zukunft hingehen soll. Wenn eine Mannschaft wie Köln oder Gladbach aufsteigt und sich in der Liga hält, dann gibt es für den nächsten Schritt eigentlich keine andere Alternative als groß zu investieren, um wieder dahin zu kommen, wo man sich gefühlt sowieso seit zwei Jahrzehnten befindet.

Es ist eine Menge Risiko dabei – aber scheiß drauf. Nachher kann Köln keiner vorwerfen, eine Chance nicht genutzt zu haben.

So sieht es also in Köln aus: Die Stadt  fällt in einen kollektiven Rausch, Torhüter Mondragon würde für den Podolski-Transfer auf Gehalt verzichten und sogar Novakovics Achillessehnen-Reizung erfährt ob der positiven Schwingungen eine wundersame Heilung.

Sollte man das aktuell genaue Gegenteil Kölns suchen, man würde in Gladbach fündig. Hier suchen Spieler das Weite. Steve Gohouri zieht es nach England und um diese Ambition zu unterstreichen übt er sich in demonstrativer Lustlosigkeit. Dabei ist er der Abwehrspieler, der physisch noch am ehesten höheren Ansprüchen gerecht werden könnte  – vorausgesetzt man treibt ihm Undiszipliniertheiten und Unkonzentriertheiten aus.

Sueddeutsche.de stimmt angesichts der Leistungen in den Vorbereitungsspielen bereits einen Abgesang an. Und die ARD setzt unser Kompetenz-Team nur noch in Anführungszeichen und stellt Max Eberl unangenehme, aber notwendige Fragen.

Wird langsam Zeit, dass die Rückrunde beginnt, bevor ich in Depressionen verfalle.

Update: Positive Kommentare gab es doch. Habe ich gerade bei Indirekter Freistoß gelesen.

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Transfervergleich: Gladbach – Hoffenheim

Januar 9th, 2009

Es heißt ja immer, dass Hoffenheim mit den Hopp’schen Millionen nur so um sich schmeißt, während Traditionsvereine wie Gladbach oder Köln von der Hand in den Mund leben. Schauen wir doch mal was transfermarkt.de für die letzten drei Saisons an Ausgaben für Neuzugänge ausspuckt:

  • Hoffenheim: 30,1 Millionen

  • Gladbach: 27,2 Millionen

Tatsächlich. Hoffenheim hat mehr investiert als der Mitaufsteiger. Die Zahlen sind nicht bestätigt, Gladbach könnte sogar mehr ausgegeben haben als die TSG oder andersrum – die Differenz könnte defacto ein wenig größer sein (Dietmar Hopp gibt die Transferausgaben mit 25 Mios an). Das ändert nichts an der Tatsache, dass Gladbach knapp 30 Mios das Klo runtergespült hat und wie wild kleinere Summen für unterdurchschnittliche Spieler verbrannte, während Hoffenheim große Summen in wenige sehr gute Spieler investierte.

So viel also dazu, dass Hoffenheim nur aufgrund des Mäzenentums an der Spitze steht. Gladbach hätte sich mit den vorhandenen Mitteln dieselbe Mannschaft zusammenkaufen können. Fragt sich: War es ein Vorteil oder ein Nachteil, auf eine vorhandene Bundesliga-Mannschaft aufzubauen? Hatte Rangnick sogar eine bessere Ausgangsposition, weil er seinen Kader aus dem Nichts und ohne Anspruchshaltung aufbauen konnte? Wie seht ihr das?

Die Einzelauflistung:

Gladbach 

08/09

  • Bailly 2,5 Mio

  • Bradley 2,5 Mio

  • Dante 2,5 Mio

  • Matmour 2,6 Mio

  • Galasek 0,05 Mio

  • Alberman 0,65 Mio

  • Callsen-Bracker 0,75 Mio

07/08

  • Friend 1,2 Mio

  • Colautti 1,6 Mio

  • Schachten 0,2 Mio

  • Brouwers 0,25 Mio

  • Coulibaly 0,45 Mio

  • Rösler 0,5 Mio

  • Paauwe 0,5 Mio

  • Ndjeng 0,67 Mio

  • Kleine 0,7 Mio

06/07:

  •  Heimeroth 0,75 Mio

  • Insua  4 Mio

  • Svärd 0,3 Mio

  • Baumjohann 0,25 Mio

  • Gohouri 1,5 Mio

  • Thygesen 1,5 Mio

  • Degen 1 Mio

  • Delura 0,1 Mio

Hoffenheim:

08/09:

  • Wellington: 4,5 Mio

  • Beck 3,2 Mio

  • Özcan: 1 Mio

  • Gustavo: 1 Mio

  • Vorsah: 1 Mio

07/08:

  • Eduardo: 7 Mio

  • Obasi: 5 Mio

  • Haas: 0,05 Mio

  • Ba: 3 Mio

  • Ibertsberger: 0,25 Mio

  • Compper: 0,2 Mio

  • Nilsson: 1,9 Mio

  • Weis: 0,15 Mio

  • Ibisevic: 1 Mio

06/07:

  • Hesse 0,06 Mio

  • Copado: 0,3 Mio

  • Sahilovic: 0,25 Mio

  • Mesic: 0,17 Mio

  • Janker: 0,1 Mio

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