Gladbach: Dreckig aber wichtig
Gladbach hat einen der wichtigsten Siege der Saison gelandet. Überlebenswichtig. Cottbus und Bielefeld sind – aktuell beurteilt – die Mannschaften, die man hinter sich lassen muss, um zumindest in der Relegation zu landen. Zum Restprogramm der Borussia in der Hinrunde gehören Bayern, Schalke, Leverkusen und eben Cottbus.
Trotz des Sieges ist nichts besser geworden. Bielefeld hätte drei Tore alleine in der ersten Halbzeit erzielen können, wenn nicht müssen. Die Arminia war zwingender. Gladbach hat durch Einzelaktionen eines einzigen Spielers das Spiel gewonnen. Gegen einen besseren Gegner hätte es nie und nimmer gereicht.
Unter “positiv” schreibe ich in meinen Notizblock nur hinein, dass Gladbach auch nach der Führung zahlreiche Torchancen entwickelte und sich nicht ausschließlich in die eigene Hälfte hineindrängen ließ.
Was mir zu denken gibt: Auch Meyer rotiert wie Luhukay zu seinen besten Zeiten – unabhängig vom Verletzungspech. Eine Hierarchie in der Mannschaft bildet sich nur sehr langsam raus, Stammplatzgarantien gibt es nur für vier oder fünf Spieler.
Augen zu und durch bis zur Winterpause, was anderes ist es im Moment nicht. Ein Unentschieden am nächsten Wochenende, das wäre ein weiterer Schritt nach vorne.
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Meine Borussia: Es geht immer noch schlimmer
Gladbach-Fan zu sein war in den letzten Jahren nie einfach. In diesen Wochen ist es noch schwerer. Die Spielweise der Mannschaft ist so unambitioniert und ideenlos, dass ich mich ernsthaft mit dem direkten Wiederabstieg beschäftige.
Mit wehenden Fahnen unterzugehen, wäre erträglich. An einem Punkt angekommen zu sein, den man seit zwei Jahren hinter sich gebracht zu haben vermutete, ist grausam.
Die Borussia demissioniert drei Spieler, schickt sie zum U23-Training und legt ihnen einen Wechsel ans Herz. Dies wäre angesichts eines aufgeblähten 28-Mann-Kaders nicht weiter erwähnenswert, handelte es sich nicht um drei eigentlich ambitionierte Spieler, die irgendwann mal als Leistungsträger eingekauft worden wären. Hätte es Lamidi, van den Bergh und Schachten getroffen, jeder hätte der Entscheidung zugestimmt. Aber es traf Rösler, Coulibaly und Touma.
Zu einfach wäre es, nun mit dem Finger auf Hans Meyer und einen vermeintlichen eisernen Besen zu zeigen. Die Fehler sind viel früher gemacht worden. Statt auf den wirklich vakanten Positionen – auf rechtem Verteidiger und in der Innenverteidigung – Verstärkungen zu holen, wurden die defensiven Mittelfeldspieler und Außenflitzer Nummer acht, neun und zehn geholt. Die Balance im Kader stimmte hinten und vorne nicht. Auf einer Position konkurrieren sechs Spieler, auf der anderen gibt es noch nicht mal ein Backup für den nicht vorhandenen Stammspieler.
Diese Zusammenstellung darf man nicht nur Luhukay ankreiden. Sie war eine zentrale Aufgabe des so titulierten “Kompetenzteams” Ziege, Eberl und Korrell. Während Luhukay Geschichte ist, sind letztgenannte in Wunschpositionen weiterbefördert worden.
Der 28-Spieler-Kader war ein Ergebnis der fragwürdigen Strategie, alle Systeme spielen können zu wollen. Es lief daraus hinaus, dass tatsächlich alle Systeme gespielt wurden, aber keines mit Können.
Hans Meyer hat eine klare Vorstellung von einem System. Dass er nun ausmistet und nur noch mit den Spielern arbeiten will, von denen er glaubt, dass sie in das System passen, ist absolut folgerichtig und eine notwendige Reinigung. Bittere Entscheidungen sind die notwendige Konsequenz. Ehrlichkeit denen gegenüber, die nicht mehr in den Mannschaftsverbund passen, gehört zur Fairness.
Was irritiert, ist eben, dass es keine No-Names getroffen hat, sondern mit Rösler einen Aufstiegs-Garanten, mit Touma einen mit hohen Ambitionen verpflichteten Außenstürmer und mit Coulibaly einen vermeintlich souveränen Mittelfeld-Backup.
Der Rauswurf ist von Außen kaum zu beurteilen und wird sehr viel mit Gruppendynamik zu tun haben.
Rösler kann in der Bundesliga aufgrund limitierter Mittel kein Leistungsträger sein. In einer ansonsten gut aufgestellten Mannschaft sollte er aber ein ordentlicher Mitläufer sein. Gerade im Gladbacher System wäre ein offensiver Mittelfeldspieler wichtig, der bei Flanken in den Strafraum stößt und einen zweiten Kopfball-Abnehmer neben dem Mittelstürmer markiert. Das war Röslers große Stärke in der Vorsaison. Ebenso war er der Hitzkopf auf dem Platz, der der Mannschaft im Moment abgeht. Paauwe ist zwar ein Chef, aber ein ruhiger Vertreter. Der Borussia mangelt es an Körpersprache. Rösler wird seine Situation sicherlich nicht stillschweigend hingenommen haben. Wenn Meyer für ihn keine Perspektive sah, wollte er sich dieses Unruheherdes entledigen.
Touma war als Granate verpflichtet worden, in der holländischen Liga hatte er auf der Außenstürmerposition für Furore gesorgt. Warum er in Gladbach nie den Durchbruch schaffte, ist rätselhaft und wirft kein gutes Licht auf den Verein, der es nicht schaffte, die zweifellos vorhandenen Qualitäten auch nur annähernd auszureizen. Sein Rauswurf ist insofern bemerkenswert, als auf den Außenstürmerpositionen, die Meyer in seinem System fest etabliert hat, kaum Alternativen zu Matmour und Marin vorhanden sind.
Coulibaly hingegen ist einer von vielen im defensiven Mittelfeld. Bei ihm kann man annehmen, dass Trainingsleistung den Ausschlag gegeben hat.
Nach drei Spielen als verantwortlicher Trainer scheint sich unter Hans Meyer nichts gebessert zu haben. Das System ist kein anderes, die eingesetzten Spieler sind dieselben. Stattdessen scheint mehr Unruhe im Verein zu sein. In den Foren wird bereits heftige Kritik laut.
Aber Meyer hatte zwischen den Spieltagen gar keine Zeit, an grundsätzlichen Dingen zu arbeiten. Er konnte nur versuchen, das Team zu stabilisieren und psychologisch zu arbeiten, was offensichtlich nicht wirklich geglückt ist. Immerhin hat er sich auf ein fixes System konzentriert, auch wenn genau dieses sich in der Vergangenheit als nicht geeignet für die Borussia erwiesen hat. Das musste dem “Kompetenz-Team” klar gewesen sein, als sie den Trainer verpflichteten. Wenn die Zwischenrufer laut werden, sollten sie ihre Stimme gegen die Vereinsführung richten, aber nicht gegen den Trainer.
Meyers Aufgabe ist es, Selbstbewusstsein in die Offensive und Automatik in die Spielzüge und in das Defensiv-Verhalten zu bringen. Die mangelnde Qualität auf bestimmten Positionen können nur Transfers in der Winterpause beheben. Ausnahmsweise würde ich diese begrüßen, wenn wenigstens einigermaßen bundesligataugliches Material gekauft würde.
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Live-Blogging: Wolfsburg – Gladbach
21.48: Endstand 0:3. Gladbach im Stil eines Absteigers. Selbst nach dem 0:2 hat die Mannschaft es nicht geschafft, auch nur irgendeine Chance zu entwickeln. Das Offensiv-Spiel war in der zweiten Halbzeit tot wie eine Wasserleiche.
Dieses Spiel musste man nicht gewinnen, aber man hätte sich Selbstbewusstsein holen können. Das Gegenteil ist er Fall, die Bundesligatauglichkeit steht einmal mehr infrage und angesichts der zweiten Halbzeit muss man an dieser erheblich zweifeln. Völlig unverständlich, warum Gladbach trotz eines Rückstands sich einigelte und nicht mal im Ansatz Pressing spielte und Druck auf die Wolfsburger Abwehr entwickelte. Nur in den ersten 20 Minuten ging ein kleines bisschen, allerdings auch ohne echte Chancen zu entwickeln.
Meyer hat viel Arbeit vor sich, Gladbach knüpfte nahtlos an die Leistungen unter Luhukay an. Es wäre Zeit für eine längere Pause. Leider gibt es die genau jetzt nicht.
Natürlich war nicht dieses Spiel entscheidend. Entscheidend werden die nächsten beiden Spiele gegen Frankfurt und Bielefeld. Es wird ein großer Kampf werden.
21.31: Zweiter Elfer für Wolfsburg. Erneut völlig berechtigt. Albermann holt Gentner unnötig von den Beinen, Misimovic verwandelt ganz sicher.
21.30: Wolfsburg schaltet drei Gänge zurück. Gladbach ist nicht in der Lage, sich auch nur eine einzige Chance herauszuspielen. Das ist ganz schlecht.
21.20: Das ist verdammt noch mal zu wenig. Bei Balleroberung in der Abwehr stehen oft sechs Gladbacher auf einer Linie am 16er und es gibt keine Anspielstation im Mittelfeld. Das kann man bei 0:0 machen, aber nicht bei 0:2.
21.15: Tor für Gladbach, leider irregulär. Hohe Flanke auf Friend, der sich mit vollem Körpereinsatz beim Kopfball im Fünfer durchsetzt und den Ball an die Latte nagelt. Der Abstauber ist drin. Aber Kempter entscheidet auf Foul von Friend und zückt sogar die gelbe Karte. Durch die rosarote Gladbach-Brille betrachtet würde ich sagen: rustikaler Körpereinsatz, sonst nix.
21.13: Gladbach mach viel zu wenig, stellt sich trotz Rückstand hinten rein und schafft in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit keinen einzigen Angriff zu starten, geschweige denn einen Angriff in Tornähe zu bringen. Das ist ganz schlecht.
21.12: 2:0 Wolfsburg, Kopfball-Tor Madlung. Freistoß vom 16er-Eck, Madlung kann sich in enger Deckung durchsetzn und nickt locker ein.
21.oo: Gladbach ohne Wechsel aus der Kabine. Ich warte auf Marin. Gladbach braucht dringend mehr Ballsicherheit im Mittelfeld, damit die Mannschaft nachrücken kann und aus der Defensive rauskommt.
20.41: Es hatte sich angekündigt. Gladbach stand zu wackelig. Es war eine Frage der Zeit, bis ein Wolfsburger so einfach durchgehen kann. Die Art und Weise, wie er und anschließend Grafite gestoppt wurden, war naiv. Das waren zwei Elfmeter innerhalb einer Sekunde. Der erste wurde nur wegen Vorteil nicht gegeben.
Gladbach hat gut angefangen, hätte eigentlich Selbstvertrauen tanken können, aber dann völlig unverständlich das aggressive Pressing eingestellt und sich hinten rein drängen lassen.
20.39: Elfmeter für Wolfsburg. Blödes, übermotiviertes Foul von Frederic Löhe. 1:0 durch Grafite.
20.30: Wolfsburg feldüberlegen, Gladbach nur mit Entlastungsangriffen. Die werden aber nicht mal gefährlich. Im Moment ist das zuwenig, vor allem weil man jederzeit das Gefühl hat, dass Magaths Truppe ein Tor schießen könnte.
Löhe agiert unsicher, irrt bei hohen Bällen durch den Strafraum. Die Abwehr lässt zu viel in Höhe des 16ers zu. Zu Beginn des Spiels hat man gesehen, wie Wolfsburg zu schlagen wäre: Aus der eigenen Defensive raushalten, vorne entschlossen und früh attackieren. Irgendwann zwischen den 10 und 15. Minute hat Gladbach den Druck eingestellt.
20.18: Löhe mit zwei Unsicherheiten kurz hintereinander. Einmal unter der Flanke durchgesegelt, einmal in einer kniffligen Situation mit einer zu inkonsequenten Faustabwehr 16 Meter vor dem Tor, die Dzeko auf den Fuß fällt. Der zieht direkt ab und verfehlt nur um Zentimeter.
Sobald Wolfsburg in der Nähe des Gladbacher Tors auftaucht, wird es brenzlig. Das geht nicht lange gut. Die anfängliche Überlegenheit der Gladbacher ist Geschichte. Die Gastgeber jetzt klar Herr auf dem Platz.
20.13: Toller Angriff von Gladbach, dirigiert von Alberman. Wieder sehr breite Spielanlage, der Ball wechselt zweimal den Flügel, bevor Matmour auf Bradley flankt, der den Ball nicht unter Kontrolle bekommt und eher harmlos in die Arme von Benaglio schiebt.
20.10: Wolfsbrug startet sehr nervös mit hoher Fehlpassquote. Gladbach attackiert früh, spielt Forechecking in der gegnerischen Hälfte. Das Aufbauspiel des VfL scheint konstruktiv, das Spiel wird breit gemacht.
Die erste Riesenchance hat dennoch Wolfsburg. Eine weite Flanke von Hasebe setzt Dzeko per Kopf an die Unterkante der Latte. Ein Spiegelbild des Bayern-Tors von letzter Woche.
19.59: Die Aufstellungen:
Wolfsburg: Benaglio – Riether, Madlung, Barzagli, M. Schäfer – Josué – Hasebe, Gentner – Misimovic – Grafite, Dzeko
Gladbach: Löhe – Svärd, Kleine, Daems, Voigt – Alberman, Paauwe – Matmour, Bradley, van den Bergh – Friend
Bei Gladbach also auf dem Papier kein 4-4-2, sondern ein 4-5-1 wie in der Vorwoche, allerdings kann sich das auf dem Platz ganz anders darstellen.
19.55: Faustdicke Überraschung im Gladbacher Tor. Für den verletzten Gospodarek spielt nicht Heimeroth, sondern der dritte Mann Frederic Löhe. Höchststrafe für den ehemaligen Stammkeeper. Auf links läuft tatsächlich van den Bergh für Marin auf, einer der bei seinen wenigen Einsätzen in der zweiten Liga immer überzeugte, aber nie eine echte Chance bekam.
19.50: Die letzten 5 Spiele ging bei Wolfsburg wenig. 1 Sieg, 2 Remis, 2 Niederlagen. Der VfL ist im Moment kein übermächtiger und vor allem kein gefestigter Gegner. Heute geht es für Magath also schon um einiges. Nervosität statt breiter Brust. Das ist die Chance für die Borussia.
Bei Gladbach hatte Meyer keine Zeit, die Lehren aus dem Karlsruhe-Spieler seiner Mannschaft zu vermitteln. Das Feintuning dürfte also noch Luhukayscher Schule entspringen, Meyers Einflussmöglichkeiten beschränkt sich auf das Psychologische.
19.45: Der Express kündigte heute morgen einen (Überraschung) Systemwechsel bei Gladbach an. 4-4-2 statt 4-5-1, Marin auf die Bank, van den Bergh rein. Ob’s stimmt?
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Fernvergleich: Borussia vs. Hoffenheim
Zwei Spiele habe ich mir an diesem Wochenende in voller Länge angeschaut. Gestern Borussia gegen den KSC, heute Hoffenheim gegen HSV. Borussia und Hoffenheim haben gewonnen, aber damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf.
Ich habe ganz deutlich gesehen, wie weit zwei Interpretationen desselben Spielsystems auseinanderliegen können.
Gestern hatte Gladbach lediglich Glück, dass ein höchst verunsicherter Gegner zu Gast war. Es war ein teilweise grausiges, mutloses Spiel. In den ersten 20 Minuten entwickelte sich ein Fehlpassfestival deluxe. Beide Mannschaften strotzten nur so vor überflüssigen Fehlern. Und es war nicht so, dass die defensiven Mittelfeldreihen einen unglaublichen Druck entwickelten und die Fehler forcierten. Es waren ein Stocki und ein Nuttenball nach dem anderen.
Die Borussia hatte nur eine gute Viertelstunde. Die fand direkt vor der Halbzeitpause statt. Gut in dem Sinne, dass der KSC kaum in die gegnerische Hälfte kam. Torchancen gab es trotzdem nur eine. Die führte über einen ideenlosen hohen, langen Ball zum Tor. Einzig Marin setzte hin und wieder Aktzente indem er ein Dribbling ansetzte und Richtung 16er zog.
Nach der Pause staffelte sich Gladbach extrem tief, in der Schlussphase standen 10 Spieler auf Höhe des eigenen 16ers und versuchten irgendwie die Führung über die Zeit zu retten. Es war teilweise ein betteln um den Ausgleich. Ein Aufatmen gab es nur zwei, drei Mal, als Friend oder Neuville nach einem Befreiungsschlag den Ball sicherten, ins Mittelfeld zurückpassten, um der Mannschaft Gelegenheit gaben aufzurücken.
Bezeichnend war der ruppige Zweikampf Kleine gegen Kapplani in der letzten Minute, kurz nachdem Coulibaly in einem der kurzen Entlastungsmomente die Latte getroffen hatte, als der KSC-Stürmer mit dem Rücken zum Tor zu Boden ging und der bis dahin excellente Deniz Aytekin keinen Strafstoß gab. Mit dem Karma des Trainers Luhukay hätte es Elfer gegeben.
Fußballerisch war es die gleiche Magerkost wie in den Wochen zuvor. War etwas anderes zu erwarten? Wahrscheinlich nicht. Kein Trainer kann in einer Woche eine Mannschaft spielerisch umkrempeln. Aber Gladbach hatte mal wieder das Glück, das zum Beispiel gegen Köln fehlte, und das für den psychologischen Schub sorgen könnte.
Ganz anders Hoffenheim. Das war in der ersten Halbzeit Fußball von einem anderen Stern. Ich weiß nicht, wie das funktioniert hat.
Gegen Rangnicks Dreier-Mittelfeld mit zwei 10ern schien der HSV oft Platz zum kombinieren zu haben, aber wenn der Pass gespielt werden sollte, war immer ein Hoffenheimer Fuß im Weg. Rangnicks Jungs sind gelaufen wie die Hasen. Und sie sind nicht nur schneller gelaufen und haben mit überragendem Aufwand verschoben und die Lücken zugemacht. Im Kopf waren sie noch schneller. Siehe das 3:0. Der Schiedsrichter hatte in einer kniffligen Situation auf Freistoß TSG entschieden, obwohl Hamburg ein Foul gegen sich reklamierte. Als Petric noch sitzend lamentierte, hatte sich Ba schon den Ball geschnappt, kurz auf Sahilovic eröffnet, der Obasi steil in die verwaiste HSV-Innenverteidung schickte. Obasis Abschluss war nur noch die Krönung.
Bereits zuvor hatte die Hoffenheimer Offensive gekreiselt wie Schalke in den 30er Jahren. Das Spiel war breit wie aus dem Bilderbuch. Beim 2:0 hat Sahilovic den Ball auf Außen, zieht in die Mitte, Obasi geht vor ihm vorbei auf Außen, zieht so seinen Gegenspieler mit und macht die Lücke auf, in die Sahilovic reindribbelt und den schargen Pass in die Mitte spielen kann. Die verwandelt Ibisevic in seiner üblichen Manier, von hinten im vollen Tempo Richtung Tor sprintend. Es sah aus wie ein Standard-Spielzug aus dem Lehrbuch, der einer Mannschaft wie dem HSV niemals passieren darf. Aber gerade wenn es so leicht aussieht, steckt hohe Kunst dahinter.
Es hätte zur Halbzeit 4:0 oder 5:0 stehen können. Hoffenheim entwickelte mit seinem rochierenden Sturm soviel Chancen, dass sie für zwei Spiele hätten reichen können. 15:3 war die Torschussbilanz in den ersten 45 Minuten. In der zweiten Hälfte schaltete die TSG offensichtlich einen Gang zurück und der HSV war trotzdem nicht das bessere Team. In der heutigen Form ist Hoffenheim ganz klar ein Anwärter auf die ersten Plätze. Die Bundesliga wird darauf warten, wann die Serie reißt. Mal sehen, ob sie reißt.
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Eine mutige Entscheidung, eine Fehlerkorrektur, der kleinste gemeinsame Nenner
Wir haben Hans Meyer zurück. Wie die meisten Gladbach-Fans, setze ich durchaus Hoffnung in diese Personalie. Die Demission Meyers wird von den meisten Anhängern immer noch als größter Fehler in der jüngeren Vergangenheit erachtet. Wir erinnern uns: Als Gladbach den Klassenerhalt mit Ewald Lienen schaffte, feierte Hans Meyer zusammen mit seinem Nachfolger am letzten Spieltag vor der Fankurve. Man könnte es den familiärsten Trainerrauswurf der Bundesligageschichte nennen.
Mit der erneuten Verpflichtung von Meyer kommt für die Fans so etwas wie der verlorene Sohn nach Hause. Gleichzeitig ist er der kleinste gemeinsame Nenner. Einer, auf den sich in dieser Situation alle einigen können. Er ist qua Historie Hoffnungsträger und der einzige ernstzunehmende Kandidat (der bereit war, sich Gladbach anzutun) auf dem Markt gewesen – außer der Gladbacher Vorstand hätte eine ähnlich mutige Entscheidung wie bei der erstmaligen Verpflichtung Meyers getätigt und ein in der Bundesliga unbeschriebenes Blatt verpflichtet.
Es ist aber auch eine mutige Entscheidung. Meyer hatte bei den Abstiegskandidaten Gladbach und Nürnberg zwar einen guten Start und setzte Maßstäbe, aber gerade als man glaubte in ruhigen Gewässern zu fahren, gerieten seine Teams in den Abstiegstrudel. Seine Art, die vor wenigen Jahren noch als erfrischend und angenehm anti-mainstream galt, wird ihm heute oft vorgeworfen, weil sie sich in der Wahrnehmung abgenutzt hat und zynisch wirkt. Bei ausbleibendem Erfolg wirkt Meyers Art ätzend und kann wie ein Bumerang auf den Verein zurückprallen.
Die erstaunlichste Entwicklung in Gladbach ist aber gar nicht Meyers Verpflichtung, sondern die Umstrukturierung in der sportlichen Führung. Christian Ziege entlässt sich aus eigenem Antrieb aus der Position des Sportdirektors und wird Co-Trainer. Dieser Schnitt ist korrekt, denn man hatte bei Ziege nicht mehr das Gefühl, dass er mit vollem Herzen hinter seiner Aufgabe steht. Vielleicht brauchte Ziege diese Zeit auf seinem Posten, um zu erkennen, dass es nicht das ist, was er in den nächsten Jahren betreiben will. Aber nach außen macht es für mich nicht den optimalen Eindruck. Denn mit dieser Personalie scheint es mir, als wäre Meyer sein Co-Trainer diktiert worden und er habe nicht den Assistenten seines Vertrauens mitbringen können. DieAbsicht ist wohl klar: Ziege als Nachfolger aufbauen und Meyer in zwei Jahren in den Vorstand befördern. Wenn es so läuft, wie beabsichtigt.
Max Eberl auf dem Sportdirektor-Posten ist ein Mann, der aus dem eigenen Stall aufgebaut wurde und vor Jahresfrist auf gleicher Position bei einem ambitionierten Zweitligisten hätte anfangen können. Er hat aber vorgezogen, bei Gladbach in der Jugendarbeit zu bleiben und erntet nun die Früchte seiner Loyalität. Bei ihm kann man sich zumindest sicher sein, dass er mit vollem Herzen dabei ist. Inwieweit er Standards setzen kann, muss sich herausstellen. Seine Kompetenz ist nicht einzuschätzen.
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Perspektiven für Gladbach
Zwangspausen können zur rechten Zeit kommen. Ob nun einer Grippe geschuldet, wie an dieser Stelle, oder dem Länderspielplan, wie in der Bundesliga. Man hat Zeit, seine Gedanken zurecht zu rücken.
Die Demission Jos Luhukays hat vor wenigen Wochen noch keiner erwartet und keiner hätte sich vorstellen können, sie zu befürworten. In der Analyse der letzten Wochen war es eine unausweichliche Entscheidung. Glaubt man an einen Trainer und glaubt man daran, dass seine Linie den Erfolg bringen wird, dann hält man auch nach sechs Niederlagen in sieben Spielen an ihm fest. Die Auftritte der Mannschaft ließen aber nicht an eine Wendung zum Guten glauben. Eher im Gegenteil zeigte die Formkurve nach unten und die Verunsicherung wuchs von Woche zu Woche, ebenso wie der Druck der Medien und der Fans.Wahrscheinlich waren es die Lehren aus der Abstiegssaison, als der Verein zu lange an Jupp Heynckes festhielt, bis die Situation eskalierte und nicht mehr zu retten war, die nun zu einer schnellen Reaktion führten und dem Nachfolger alle Optionen offen halten.
In einem Kommentar habe ich kurz nach dem Rauswurf gelesen, dass es zwar ein peinlicher Trainerverschleiß ist, den die Borussia in den letzten fünf Jahren aufzuweisen hat, aber jede Entlassung für sich gesehen zu ihrem Zeitpunkt ihre Berechtigung hatte. Diese Feststellung kann ich unterschreiben. Es wird Zeit, genau daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und die Weichen neu zu stellen.
- Der Verein muss eine Philosophie entwickeln, die unabhängig von einem Trainer funktioniert. Borussia muss für ein Spielsystem und für eine bestimmte Art, Fußball zu spielen, stehen. So kann man langfristigen Kaderaufbau betreiben. Dazu gehört auch, die Taktik nicht im Wochentakt zu ändern.
- Ein neuer Trainer muss für dieses Spielsystem stehen. Es geht nicht darum, den größten oder populärsten Namen zu verpflichten.
- Bei der Verpflichtung des neuen Trainers darf man nicht nur die auf dem Markt verfügbaren Kandidaten in die Auswahl nehmen. Mir hat es imponiert, dass Hannover 96 eine klare Vorstellung hatte, wer der neue Trainer werden sollte, und dafür konsequent eine sechsstellige Ablöse gezahlt hat. Gladbach sollte sich genau anschauen, welche Talente in der zweiten und dritten Liga unter Vertrag stehen und wenn sie an einen dieser Kandidaten glauben, nichts unversucht lassen. Osnabrücks Pele Wollitz zum Beispiel ist ein taktisch geschulter, rhetorisch und motivatorisch starker Trainer mit Erfahrung im Abstiegskampf.
- Scouting muss groß geschrieben werden. Wenn man einen Spieler lange beobachtet hat und überzeugt ist, er passt zur eigenen Philosophie, kann man auch viel Geld in die Hand nehmen. Charakterstarke, aber leistungsschwache Spieler bringen in der ersten Liga genauso wenig wie Ballzauberer a la Insua, die zwar begnadet sind, aber es in Gladbach nicht umsetzen können. Diesen Weg hat Gladbach zwar eingeschlagen, aber scheinbar fehlte vor der Saison der Mut zur großen Investition. Perspektivspieler der Marke Michael Bradley sind sinnvolle Ergänzungen. Es kann aber nicht sein, dass keine einzige Neuverpflichtung einen klaren Stammplatz hat und die Mannschaft auf Anhieb verstärkt. Dieser Zug ist vorerst abgefahren.
Unglücklich agiert die Borussia auch mit der Positionierung des Sportdirektors. Diese Stelle steht im Organigramm für die langfristige sportliche Entwicklung. Die damit betraute Person sollte erstens sich selbst so verkaufen und zweitens vom Vorstand entsprechend dargestellt werden. Dass Christian Ziege vor der Saison seine Ambitionen mittelfristig im Trainergeschäft formuliert und der Präsident ihn am liebsten sofort dorthin versetzen will, zeugt nicht gerade von klaren Vorstellungen und kontinuierlicher Planung. Gladbachs Sportdirektor sollte sich im Moment vor allem um den Aufbau von Strukturen kümmern, die lange sträflich vernachlässigt wurden. Ziege als Interims-Trainer einzusetzen kann nur schief gehen. Ist er auf Anhieb erfolgreich, leidet der nächste Trainer unter dem langen Schatten. Setzt er die Niederlagenserie fort, ist sein Position geschwächt.
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Vor dem Derby
Es ist das Spiel des Jahres. Egal wie die Weichen vorher gestellt sind. Ein Sieg im Derby gegen Köln ist für die Gladbacher Fanseele noch viel wichtiger als jedes 3:0 gegen Bayern sein könnte.
In dieser Saison stehen die Vorzeichen aber in besonderer Art. Es ist für die Borussia ein viel wichtigeres Spiel als für den FC. Köln hatte genausowenig geglänzt wie Mönchengladbach. Aber dann kam das Schalke-Spiel. Der FC packte eine in der Überlegenheit völlig unerwartete Glanzleistung aus und stellte das Umfeld bis auf weiteres mehr als zufrieden. Christoph Daum hat bisher das Soll erfüllt und schürte mit dieser Vorstellung die Hoffnung auf mehr.
Das völlige Gegenteil in Gladbach. Luhukay kriecht auf den Brustwarzen dem Spiel entgegen. Alle Vögel pfeifen von den Dächern, dass es das letzte Spiel für den Coach sein könnte. Die Gladbacher Fans treibt nur noch Zweck-Optimismus. So recht überzeugt von einem Sieg ist keiner. Das Vertrauen in die sportliche Führung tendiert gen Null.
Ich möchte sogar nicht ausschließen, dass einige Fans insgeheim mit einer Niederlage liebäugeln, damit ein klarer Schnitt gemacht werden kann. Das ist natürlich Schwachsinn, denn dieses Spiel wird die Weichen für die nächsten Begegnungen stellen, die allesamt gegen direkte Konkurrenten gehen.
Dieses Spiel ist dafür gemacht, eine Aufstellung zu finden. Eine Stammelf, auf die der Trainer für die nächsten Spiele vertrauen kann. Gladbach wird, so sind die Vorzeichen, endlich von der Ein-Stürmer-Taktik abrücken und mit Neuville und Friend einen schlagkräftigen Sturm aufstellen. Außerdem wird Marin auflaufen, auf der anderen Seite Matmour. Gladbach wird sich ausnahmsweise nicht nach der Aufstellung des Gegners richten – für mich der Irrtum der bisherigen Saison – sondern selbst die Initiave ergreifen.
Ich erwarte keinen Sturmlauf, aber den Versuch zu dominieren. Und ich hoffe darauf, dass Luhukay auch berücksichtigt, dass es die Standards waren, die in der letzten Saison oft den Unterschied gemacht haben. Im bisherigen Saisonverlauf hat der Trainer die Borussia um diese Stärke beraubt, weil in der Mitte die Abnehmer für die Flanken fehlten – allen voran Rösler.
Köln kommt mit einem 4-5-1, so viel ist sicher. Die Frage ist nur, wie offensiv die Außen ausgerichtet sind. Wahrscheinlich wird sich der FC erstmal zurückziehen und im Halbfeld versuchen, die Borussia zu Fehlern zu zwingen und sie so mürbe zu machen. Lange Bälle auf Novakovic, der jeden Steilpass verarbeiten kann, sind die Waffe, mit der die bisher desolate Glabdacher Abwehr zu knacken sein dürfte.
Es ist einfach viel zu offensichtlich, dass die Gladbacher Defensive , auch wenn sie über 80 Minuten gut steht, immer wieder Aussetzer hat. Das muss Luhukay abstellen. Am besten, in dem er eine klare offensive Linie vorgibt, aber gleichzeitig ein Mittel findet, klare Anspiele in den Kölner Sturm zu verhindern.
Dass er schlechte Leistungen noch länger absurd gut redet, ist eher unwahrscheinlich. Sollte es noch eine schlechte Leistung geben, dann wird im nächsten Spiel wohl ein Anderer an seiner Stelle sitzen.
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Enttäuschung gegen Berlin, Desaster in Cottbus – es brennt!
Langsam wird mir mulmig. Wenn ich mit einer inneren 100-prozentigen Sicherheit eine desolate Niederlage in Cottbus voraussagen kann, nur aufgrund der Aufstellung, dann stimmt irgendetwas hinten und vorne nicht im Hause Borussia Mönchengladbach.
Ich sah bei kicker.de eine Formation, in der Oliver Neuville die einzige Sturmspitze bildete. In der erneut kein Stein auf dem anderen geblieben war gegenüber der letzten Partie weil Luhukay auf fünf Positionen gewechselt hatte. Er bot eine Sturmspitze gegen eine völlig verunsicherte und offensiv in der bisherigen Saison nicht vorhandene Cottbusser Mannschaft auf.
Mit einer solchen Aufstellung baut man eine Mannschaft nicht auf. Man zeigt ihr, dass man selbst gegen die ungefährlichste Mannschaft der Liga den Stift in der Hose hat.
Ich muss Luhukay zugestehen, angesichts der Abwehrleistung gegen Berlin durfte man absolut zurecht Zweifel haben, ob das selbst gegen den schlechtesten Sturm im professionellen Fußball reichen kann. Aber dieses Problem löst man nicht, indem man die Offensive blank zieht. Denn die hatte es immerhin geschafft, den Ball fast über das gesamte Spiel außerhalb der Gefahrenzone zu halten und Berlin fast nie zur Entfaltung kommen zu lassen.
Obwohl Gladbach gegen Berlin gefühlte 80 Prozent Ballbesitz hatte, brannte es deutlich häufiger in der eigenen Abwehr als am gegnerischen Sechszehner. Es war ein obskures Stellungsspiel der Defensivabteilung, das das Berliner Tor erlaubte und der Hertha-Taktik damit voll in die Karten spielte. Der Berliner Beton mit zehn Spielern tief in der eigenen Hälfte war nach dem Führungstreffer schwer zu knacken. Dennoch müssen mehr Torchancen herausspringen, wenn man 60 Minuten auf ein Tor spielt. Da können auch zwei Pfostentreffer nicht als Ausrede gelten.
Ähnlich kurios wie am Samstag war die heutige Vorstellung der Defensive. Cottbus erzielte drei Tore ohne eine einzige Chance aus dem Spiel heraus. Drei Elfmeter zeugen von einer tiefen Verunsicherung des Abwehrverbunds. Und von mangelnder individueller Klasse.
Inwieweit Luhukay für diese Verunsicherung verantwortlich ist, wird in den nächsten Tagen ausreichend im Boulevard diskutiert. Zweifellos lässt er keine Gelegenheit aus, sich angreifbar zu machen. Er lässt keine, aber auch gar keine Linie erkennen, rotiert als ob er in Champions League und Uefa-Cup gleichzeitig vertreten wäre, setzt seinen besten Stürmer auf die Bank, lässt ein 4-5-1 mit einem Neuville spielen, der denkbar ungeeignet ist, als Stoßspitze lange Bälle abzulegen und Flanken zu verwerten und befördert nach Belieben Spieler aus der Stammformation auf die Tribüne und umgekehrt. Ich kann mich an keinen Bundesligatrainer erinnern, der ein ähnlich fahriges Konzept verfolgt hat. Es kann mit viel gutem Willen dahin interpretiert werden, dass er 17 Spieler als gleichwertig betrachtet und jeweils die seiner Ansicht nach auf den Gegner passendste Elf auf den Rasen schickt.
Ich tue mich im Moment sehr schwer damit, optimistisch auf den nächsten Spieltag zu schauen. Die Wahrscheinlichkeit eines Sieges in Hamburg liegt im unteren einstelligen Prozentbereich. Eher sieht es für mich so aus, als hätte Luhukay noch zwei Spiele Gnadenfrist und dürfte spätestens, wenn einer Niederlage gegen den HSV auch kein Erfolg gegen den FC Köln folgen sollte, kaum noch darstellbar sein. Leider hat er bisher seinen Befürwortern wenig Argumente geliefert.
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Live-Blogging: Hannover – Gladbach
Spielende: Bitterstes Lehrgeld hat Mönchengladbach heute gezahlt. Der nach dem Bremen-Spiel aufgekommene Optimismus wurde durch fünf Tore zerbombt.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Und ich weiß nicht, wie sich dieses Spiel so desolat entwickeln konnte.
Gladbach war in den ersten 30 Minuten gleichwertig und stand in der Abwehr sehr souverän. Danach kam Hannover durch einen individuellen Fehler nach dem anderen ins Spiel. Beim 1:0 schafften es drei Spieler nicht, Bruggink vom Ball zu trennen. Beim 2:0 boten die Innenverteidiger Schlaudraff eine Riesenlücke, in die der 96er reinlaufen konnte und Heimeroth sprach viel zu weit vor seinem Tor eine Einladung aus. Das 3:0 völlig katastrophal von Coulibaly und Brouwers. Beim 4:0 macht Schlaudraff 5 (!) Gladbacher nass.
Abgesehen von diesen individuellen Fehlern muss Luhukay merken, dass das 4-2-3-1 nicht das Gladbacher System ist. Drei Niederlagen sprechen eine deutliche Sprache. Auffällig ist, dass die Durchschlagskraft völlig fehlt, wenn nur ein Stürmer auf dem Platz ist und die beiden Außen Matmour und Marin auch für Defensivarbeit zuständig sind. Obwohl die 96er-Abwehr völlig verunsichert war, schaffte es Gladbach fast nie, für Torgefahr zu sorgen. Spätestens zur Halbzeit wäre eine Wechsel und eine taktische Umstellung unbedingt notwendig gewesen.
Ndjeng auf rechtem Verteidger mag eine vielversprechende Idee sein, aber sie geht (noch) nicht auf. Durch seinen Offensivdrang macht er seine Seite viel zu oft auf und bietet dem Gegner eine Angriffsfläche. Die Innenverteidigung hat sich einmal mehr nicht bundesligatauglich gezeigt. Sobald sich Forsell fallen ließ oder auf die Halbposition ausgewichen ist, wussten Browers und Callsen-Bracker nicht, wie sie sich stellen sollten.
Fazit: Die Niederlage geht auf das Konto von Naivität und mangelnder Torgefahr. Das kann abgestellt werden. Aber es wurde auch deutlich, dass Gladbach nur eine Chance hat, wenn die Mannschaft geschlossen und in Topform spielt. Die individuelle Klasse einzelner Spieler (insbesondere in der Abwehr) wurde vor der Saison vielleicht überschätzt und kann nur kompensiert werden, wenn das defensive Mittelfeld die Bälle abräumt.
18.43: Elfer für 96. Klare Fehlentscheidung. Daems grätscht den Ball souverän und völlig fair von Husztis Fuss.
5:1 Forssell.
18.40: Beinahe das 5:1. Forssell setzt sich im Strafraum rustikal durch, spielt Heimeroth aus und hämmert den Ball an den Pfosten des leerenTores.
18.24: Wieder ein Konter von Hannover, wieder brennt es lichterloh, wieder sind Schlaudraff, Huszti und Forssell beteiligt. Wieder sieht die Gladbacher Abwehr wie ein Hühnerhaufen aus. Forssell vergeigt völlig frei aus 10 Metern
TOR für Hannover. Schlaudraff mit einer sensationellen Einzelaktion, dribbelt mit dem Ball quer zum Tor fast die komplette 16er-Linie entlange, schlägt einen Haken und schießt halbhoch ins lange Eck. Erinnerte stark an das Baumjohann-Tor.
18.20: Gladbach drängt auf den Anschlusstreffer. Aber wie in der ersten Halbzeit, sind die Flanken und finalen Pässe viel zu harmlos. Hannover hat den Sieg geistig eingetütet und macht nur noch das Notwendigste.
18.12: 3:1 durch Friend. Geht da noch was? Hannover im Aufbauspiel an der Mittellinie. Baumjohann erobert den Ball, schickt Friend steil, der frei auf Enke zugeht und halbhoch über den fallenden Keeper einnetzt.
18.03: 3:0 für Hannover. Gladbach mit ganz üblen Fehlern. Die ganze Mannschaft ist aufgerückt, da verliert Coulibaly im Aufbauspiel völlig unnötig den Ball und versucht die Situation mit einer öffensichtlichen Schwalbe zu retten. Natürlich pfeift der Schiedsrichter nicht, genausowenig wie beim folgenden Steilpass, bei dem Brouwers unmotiviert und unberechtigt Abseits fordert, statt ins Laufduell mit Forssell zu gehen. Forssell dadurch frei durch, geht auf Heimeroth zu, passt quer auf den ebenso freien Huszti, der nur noch ins leere Tor einschieben muss. Jetzt ist Schadensbegrenzung angesagt.
Halbzeit: Ein nicht unbedingt verdiente Führung für 96. Mitte der ersten Halbzeit hatte Gladbach den Gegner im Griff, Hannover wurde nervös, die Fans pfiffen bereits. Doch dann leistete sich die Borussia unkonzentrierte 5 Minuten. Ein Elfer, eine Großchance und schließlich das Tor durch Huszti waren das Ergebnis.
Gladbach fehlte davor und danach die letzte Konsequenz im Abschluss. Der finale Pass kam nie an, Friend hängt bisher in der Luft. Dennoch steckte Gladbach nie auf und drängte auf den Ausgleich. Klar, dass die Defensive vernachlässigt wurde, aber so offen wie beim 2:0 darf man nicht stehen. Auf dem rechten Flügel verliert Borussia den Ball, der klärende steile Ball landet bei Huszti, der unbedrängt auf Forssell spielt, welcher direkt weiterleitet. Heimeroths Stellungsspiel ist ein Geschenk für den nach nur 3 Spielen bereits angezählten Schlaudraff. Nur eine Minute vor der Halbzeit war der folgende Lupfer eventuell schon die spielentscheidende Situation.
17.43: 2:0 für Hannover. Konter über die verwaiste rechte Gladbacher Abwehrseite. Huszti treibt den Ball nach vorne, passt diagonal nach vorne auf den am 16er postierten Schlaufdraff. Obwohl ihn beide Gladbacher Innenverteidiger bedrängen, kommt Heimeroth aus seinem Kasten und wird locker überlupft. Torwartfehler, aber auch ein Fehler der Gladbacher Defensive. Ndjeng war weit aufgerückt, aber wurde nicht abgesichert.
17.35: Beinahe der Ausgleich durch Matmour. Von Friend sehr schön und völlig frei im 16er angespielt, trifft er nur das Außennetz.
17.33: Tor für Hannover durch Huszti. Bruggink zieht in den Strafraum und ist eigentlich schon gestoppt. Doch der Holländer behauptet den Ball im Fallen gegen drei Borussen und spitzelt ihn zu Huszti, der aus 12 Metern flach ins Eck abzieht.
17.32: Nächste dicke Chance für Hannover. Forsell zieht nach einer Ecke aus spitzem Winkel ab. Der Ball prallt entweder an Heimeroth oder Daems ab.
17.26: Elfer für 96. Baumjohann sägt völlig übermotiviert Forssell auf der 16er-Linie um, statt nur zu blocken. Doof.
HEIMEROTH HÄLT! Huszti kickt unplatziert flach halbrechts. Kein Problem für den Keeper.
17.17: Erneut Unsicherheiten in der 96-Abwehr. Eggiman spielt den Ball völlig unbedrängt am 16er ins Seitenaus. Hannovers Fans werden, wie angkündigt, unruhig: erste Pfiffe gellen durch die Arena.
17.15: Erste Großchance des Spiels – für Gladbach. Coulibaly luxt Balitsch den Ball an der Eckfahne ab, flankt in die Mitte. Marin rutscht am kurzen Pfosten in den Ball, aber Enke steht so gut, dass der Ball nicht an ihm vorbei kann.
17.10: Wenig spektakulärer Auftakt. Das Spiel findet zu 90% 30 Meter vor und hinter der Mittellinie statt. Hannover mit mehr Ballbesitz, findet aber keine Lücke, um den Ball in gefährliche Distanz zu bringen. Meist kloppt 96 den Ball nach einigem Hin- und Hergeschiebe hoch Richtung Strafraum.
Gladbach mit wenigen Kontern, die aber durch individuelle Fehler auf Strafraumhöhe verpuffen.Paauwe muss verletzt raus, für ihn kommt Coulibaly. Ein herber Verlust.
16.55: Gladbach mit derselbem Personal wie in der Vorwoche, aber mit 3er- statt 4er-Kette. Dies wahrscheinlich der Hannoveraner Taktik mit zwei offensiven Außenspielern geschuldet.
Heimeroth – Daems, Callsen-Bracker, Brouwers, Ndjeng – Marin, Albermann, Paauwe, Baumjohann, Matmour – Friend
Enke – Schulz, Eggiman, Vinicius, Balitsch – Huszti, Yankov, Schulz, Bruddink, Schlaudraff – Forssell
16.45: Moinsen zusammen. Gladbach heute mit realistischen Chancen auf einen Auswärtssieg. Geht schließlich gegen den Tabellenletzten. Was den Optimismus leicht trübt: Hecking hatte zwei Wochen Zeit, die Stellschrauben zu justieren. Und früher oder später wird bei Hannover der Knoten platzen. Hoffentlich später.
96 ist mittlerweile so etwas wie ein Auffangbecken für Ex-Borussen. Hecking war als Spieler Anfang der 80er am Bökelberg, Forssell rettete die Borussia 2003 vor dem Abstieg, Schlaudraff wurde vor drei Jahren als untauglich aussortiert, Enke war in seinem Premierenjahr als Profi 1999 am ersten Gladbacher Abstieg beteiligt und Hochstätter führte Gladbach vor zwei Jahren als Manager in die zweite Liga.
Bei Gladbach hat die überragende Vorstellung gegen Bremen die Unkenrufe erstmal verstimmen lassen. Baumjohann gilt in Gladbach als neuer Hoffnungsträger – aufgrund eines einzigen 60-Meter-Solos natürlich ein wenig verfrüht. Viel wichtiger war, dass die Mannschaft als solche funktioniert hat und die in den ersten beiden Spielen zwischen Abwehr und Mittelfeld klaffenden Lücken schließen konnte.
Sollte der VfL an die Form anknüpfen können, wartet auf Hannover ein ganz undankbarer Gegner. Gegen einen Aufsteiger vor eigenem Publikum ist ein Sieg eigentlich Pflicht. Steht es lange 0:0 oder geht Gladbach gar in Führung, werden die Nerven blank liegen und die Fans unruhig. Gladbach wird den Erfolg über die schnellen und trickreichen Außen Marin und Matmour suchen – sehr undankbar für jeden Verteidiger. Nicht viel anders sieht es auf der anderen Seite aus, nur heißen hier die Flügel Schlaudraff und Huszti.
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Borussia Mönchengladbach: Hausgemachte Probleme und vorhandenes Potential
Der desolate Saisonstart der Borussia hat etwas von einem Deja-Vu. Wie vor einem Jahr blieb die Borussia nicht nur vom Ergebnis her, sondern auch was die Leistung angeht hinter den Erwartungen zurück. Wie im letzten Jahr herrschen große Personalprobleme im Sturm, ist Neuville verletzt und dem Trainer bleibt kaum eine Wahl, außer auf ein System mit nur einem Angreifer zu setzen. Wie im Vorjahr hat Luhukay seine Stammelf noch nicht gefunden und versucht sich am Try-and-Error-Prinzip.
Im Gegensatz zum Vorjahr sind die meisten dieser Probleme aber hausgemacht. Während vor Jahresfrist kaum Handlungsspielraum vorhanden war, einen weiteren Angreifer zu verpflichten, war der Mannschaftsteil in diesem Jahr offensichtlich unterbesetzt und die Möglichkeit zu Nachbesserung seit geraumer Zeit vorhanden. Dennoch gingen Ziege und Luhukay mit nur drei etatmäßigen Angreifern in die Saison, darunter ein angeschlagener Neuville und ein Friend, der am zweiten Spieltag länderspielbedingt für die erste Elf nicht zur Verfügung stehen würde. Ging man die letzte Saison noch mit einem frisch zusammengewürfelten Kader in die Saison, so schien es vor dieser Spielzeit gerade eine Stärke zu sein, auf eine eingespielte und nur punktuell verstärkte Mannschaft vertrauen zu können.
Vorteil fahrlässig aus der Hand gegeben?
Gerade dieser letzte Vorteil wurde anscheinend fahrlässig aus der Hand gegeben. Natürlich ist gegen eine gewisse Rotation nichts einzuwenden, wenn man einen dichten Kader hat und auf einigen Position die Tagesform entscheidet. Aber es mutet schon sehr seltsam an, wenn auf den Außenverteidiger-Positionen im ersten Spiel ein gelernter offensiver Mittelfeldspieler und ein in der Vorbereitung enttäuschender Neuzugang starten (Ndjeng und Jaures) und die beiden Stammkräfte der letzten Saison bei diesem Experiment nicht mal auf der Bank sitzen (Levels und Voigt). Erst recht, wenn Levels im zweiten Spiel von der Tribüne sofort wieder in die Stammelf befördert wird. Das lässt eine klare Linie vermissen.
Diese Punkte werden vom Boulevard im Moment (natürlich) begeistert aufgegriffen und die sportliche Führung muss es sich selbst ankreiden, so schnell so angreifbar geworden zu sein.
Individuelle Fehler entscheidend
Dabei sind Sturm-Misere und Rotation noch nicht einmal die entscheidenden Faktoren für die mangelnde Punkteausbeute. Viel eklatanter – und daran hat Luhukay am wenigsten Schuld – waren individuelle Fehler, die sämtlichen Toren vorausgegangen waren. War es gegen Stuttgart der Defensiv-Verbund, der den kurzfristigen Ausfall von Rösler taktisch nicht kompensieren konnte beim 1:0, Jaures Ballverlust beim 2:0 und Marins Fehlpass beim 3:0, hatte gegen Hoffenheim der Mittelfeld-Chef Paauwe vor dem 1:0 einen Aussetzer und schaffte es nicht, einen einfachen Pass zu stoppen.
Luhukay muss sich lediglich fragen lassen, warum Schlüsselspieler wie eben Marin, Rösler oder Paauwe zurzeit weit unterhalb ihrer Normalform spielen.
Rückkehr zum 4-4-2?
Es wäre natürlich albern, aufgrund von nur zwei Spielen Trainer und Mannschaft infrage zu stellen. Ich hoffe, dass nach der Rückkehr von Neuville und Friend zurück auf das zuletzt so erfolgreiche 4-4-2 gewechselt wird, was auch in der letzten Saison die entscheidende Maßnahme war. Vielleicht mussten diese zwei Spiele beweisen, dass ein 4-5-1 nicht das System für Gladbach ist, auch wenn es sich auf den ersten Blick aufgrund der Kaderbesetzung anbietet. Will man den Ankündigungen glauben, wäre dieses System auch bei eventuellen Ausfällen spielbar, indem Matmour, der vielversprechende Ansätze zeigte, den Stürmer Nummer 2 markiert.
Ich bin mit sicher, bisher haben wir noch nicht das wahre Gesicht der Mannschaft gesehen. Was das Team dringend braucht ist ein Erfolgserlebnis. Gegen Bremen kann es nur positiv überraschen, denn im Moment haben viele ihre Einschätzung der Borussia nach unten korrigiert.
Spielanalyse bei Seitenwahl.de
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