Borussia Mönchengladbach – das Saisonfazit
Als Gladbacher, das hat sich einmal mehr herausgestellt, muss man leidensfähig sein. Diese Saison hat alles an Nerven gekostet, was ein Fußballfan aufbringen kann. Und obwohl es gut geendet ist und das Saisonziel erreicht wurde, muss ich ein absolut negatives Fazit ziehen.
Nach dem letzten Bundesligaabstieg versprach die Vorstandsetage, dass nun alles anders, alles besser würde. Man wolle auf kontinuierliche Arbeit setzen, eine Mannschaft mit Charakter aufbauen – dies sollte gar einer der Hauptkriterien bei Neuverpflichtungen werden – und das Kaufhaus des Westens sollte für alle Zeit die Tore schließen.
Es kam alles anders. Die Saison war ein einziges großes Missverständnis.
Luhukay und Ziege gingen mit sehr viel Vertrauensvorschuss in die Spielzeit – hatten sie doch im Jahr zuvor aus dem Nichts einen stimmigen Kader aufgebaut, der Typen beinhaltete, mit denen sich alle Fans identifizieren konnten.
Viel Breite, keine Spitze
Mit dem gleichen Personal gingen sie in die neue Saison und glaubten, ihn nur punktuell und in der Breite verstärken zu müssen. Diese „Breite“ ging jedoch soweit, dass Luhukay und Ziege einen Kader zusammenkauften, der jedes System spielen können sollte und zwar mit voller Absicht – ein aufgeblähter Kader, nichts in der Spitze.
Als es in die Saison hineinging wurde klar, dass Luhukay tatsächlich System und Personal von Spiel zu Spiel auf den Gegner einstellen wollte. Flexibilität total, Kontinuität null.
Man könnte es ein Experiment nennen. Das Experiment explodierte vor den Augen der Verantwortlichen. Das in der zweiten Liga eingespielte System, das auf bestimmte Stärken setzte, wurde komplett demontiert.
Stärken demontiert
In der Vorsaison waren die Stärken: Flügelspiel mit zwei kopfballstarken Abnehmer, Friend und Rösler, in der Mitte. Und saustarke Standards, bei denen unter anderem Brouwers und Gohouri die Überlegenheit im Strafraum klar machten.
In den ersten Spielen in der ersten Liga gab es das alles nicht mehr. Scorer-König Ndjeng, der zugegeben nie mehr die Top-Form erreichte, wurde aussortiert. Für ihn lief Matmour auf, der aufs Tor zieht, aber nicht flankt. Ohne Rösler (der sich ebenfalls aufgrund mangelnder Fitness auf dem Team katapultierte) gab es keinen mehr, der aus dem Mittelfeld in den Strafraum stieß. Vieles kam zusammen. Die Kopfballmacht war passe.
Passe war auch die Hierarchie. Die Leitwölfe Voigt, Rösler und Paauwe konnten von ihrer Leistungen her dem Team nicht mehr helfen und hinterließen eine Lücke, die bis zur Winterpause brach lag.
Abwehrschwäche war absehbar
Diese Punkte habe ich so vor der Saison nicht erwartet. Ich hatte erwartet, dass es ein großer Kampf wird. Dass sogar mit einem Rösler in Alemannia-Form vorne war gehen würde. Ich glaubte, dass die Verantwortlichen die Stärken kennen und ausbauen, aber zumindest nicht demontieren würden. Es kam anders.
Nicht nur, dass vorne alles was lief, nicht verfolgt wurde. Die sich ankündigende Abwehrschwäche wurde ignoriert. Dies war die größte Verfehlung von Ziege und Luhukay: Zwar wurden sehr viele Spieler zu verpflichten, aber nicht auf den vakanten Positionen zum Beispiel auf der rechten Abwehrseite. Stattdessen zwei bis drei Neuverpflichtungen auf der völlig überbesetzten 6er-Position.
Keine Lehren aus der Vorsaison
Trotz all dem hätte es vielleicht besser laufen können, hätte man die Lehren aus der Vorsaison ernst genommen. Dort hatte nur ein 4-4-2 funktioniert, mit dem 4-5-1 stand eine (für einen Aufsteiger) desaströse Bilanz. Aber Luhukay legte sich auf einen Stürmer fest und hielt nicht am erfolgreichen System fest.
Und als Meyer kam, wurde es nicht besser. Diesen Vorwurf muss man Meyer machen, obwohl er im Endeffekt erfolgreich war. In der Hinrunde hat er alles vergeigt, auch weil er in seiner Taktik nicht flexibel war.
Er schob es auf die „mangelnde Balance“. Aber das ist zu einfach. Man muss die Karten spielen, die man hat, und nicht das Spiel, für das man die Karten nicht hat. Einen Neuville als klaren 4-4-2 Stürmer kalt zu stellen – das darf man sich mit diesem Spielermaterial eigentlich nicht leisten.
Viel Glück in der Rückrunde
In der Rückrunde wurden zwar 20 Punkte geholt, aber es war längst nicht alles Sonnenschein.
Meyer beförderte Baumjohann zum Spielgestalter. Der hatte zwar einige lichte Momente, aber viel mehr Schatten. Abgesehen von den Situationen, die man in der Sportschau gesehen hat und einigen anderen gefälligen Pässen, war er vor allem phlegmatisch und hat mich zur Weißglut getrieben. In jedem Moment wünschte ich mir Marin auf seiner Position. Ich bin froh, dass er bei Bayern gelandet ist.
Aushilfsstürmer Colautti zeigte in jedem Moment, dass er nicht bundesligatauglich ist und ein System mit ihm als einzige Spitze nicht funktionieren kann.
Bailly und Galasek top, Dante mit viel Schatten
Das einzige Highlight: Galasek und Bailly wurden gekauft und retteten der Borussia den Arsch. Bei Bailly hat man gesehen, wie viel Punkte Unterschied zwischen einem mittelmäßigen und einem guten Bundesligatorwart liegen. Galasek war die ordnende Hand und der lange vermisste Führungsspieler.
Stalteri konnte zwar nicht wirklich auftrumpfen, schloss aber die Lücke in der Verteidigung – ebenfalls ganz wichtig.
Dante war der Spezialkandidat. Er taumelte zwischen Genie und Wahnsinn. Im letzten Spiel gegen Dortmund hätte ich ihn zur Halbzeit – wenn nicht früher – ausgewechselt. So schlecht war er. Aber am Ende köpfte er das 1:0, wie er schon in zwei Spielen zu vor ein entscheidendes Tor markierte.
Klassenerhalt nur mit viel Glück
Meyer hat in der Rückrunde nicht alles richtig gemacht, aber seinen Dickschädel durchgesetzt und wurde am Ende mit sehr, sehr, sehr viel Glück belohnt. Das ist kein Grund, seine Arbeit nicht zu hinterfragen, denn er hat vor allem von der Schwäche der Konkurrenz profitiert.
Er hat sehr gut und punktuell eingekauft, er hat die Mannschaft gerettet. Aber Gladbach hat bis auf zwei, drei Spiele nicht so gespielt, wie es die Punkteausbeute von 20 Zählern vermuten lässt. Da war verdammt viel Glück dabei.
Nichtsdestotrotz – einen Trainerwechsel möchte ich nicht heraufbeschwören. Viel zu viel ist bei Gladbach passiert. Meyer hatte extrem schwierige Ausgangsbedingungen und wenn er noch eine Saison dran hängt, glaube ich, dass er die Borussia in ruhigeres Fahrwasser bringen kann.
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Yesss! Big Point. Meyer ballt die Faust
Irgendwas stimmt hier nicht. Gladbach hat zweimal hintereinander in der 90. Minute gewonnen. Diese Spielphase war in den letzten zehn Jahren konsequent für den Gegner reserviert.
Irgendwas stimmt also wirklich nicht. Aber man schaut nicht dem Gaul ins Maul, den man sich hart erarbeitet hat. Vor zwei Wochen noch – nach dem Remis gegen Bielefeld – hatte ich mich von der ersten Liga verabschiedet. Jetzt plötzlich nach 6 Punkten brenne ich wieder.
Gegen Schalke war es nur Glück. Gegen Cottbus war Gladbach die klar bessere Mannschaft, ihr fehlte es nur an einem vernünftigem Sturm, um die Sache früher dingfest zu machen. Dass es am Ende eine Ecke war, bei der ein Spieler glücklich seinen Schädel in die Flanke hielt, ist geschenkt.
Vielleicht kommt jetzt all das zurück, was uns Gladbach-Fans in den letzten Jahren verwehrt blieb. Das Tor im richtigen Moment. Das Tor in einem Graupen-Spiel.
Jetzt fehlt wohl nur noch ein Unentschieden, um die Klasse zu halten. Nächste Woche geht es gegen Leverkusen, das in Düsseldorf noch kein Spiel gewonnen hat. Der einzige Zweifel ist: Es wird ein Heimspiel für Gladbach. Zwei Drittel der Fans im Stadion werden Borussen sein. Hoffentlich wird Leverkusen nicht seine Auswärtsstärke ausspielen.
Ein wenig rührend fand ich Meyer nach dem Spiel. Der, der sich sonst nichts anmerken lässt, ballte die Faust vor der Interviewkamera. Das sagt viel über unseren Gemütszustand.
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A New Hope
Was für ein Tag für Gladbach! Es war nicht nur ein Derby-Sieg. Es waren nicht nur 4 Tore gegen Köln. Es war auch die Bestätigung der Vermutung, dass Gladbach wieder lebt.
War es bisher nur die Hoffnung, dass der Klassenerhalt möglich wäre, ist es jetzt der Glaube. Denn Gladbach hat die letzten beiden Spiele nicht zufällig gewonnen. Heute schaffte es die Mannschaft, dass Köln kaum Torgefahr entwickeln konnte. Die Gegentore fielen aus eigentlich harmlosen Situationen durch Distanzschüsse. Dagegen brannte es auf der anderen Seite deutlich häufiger. Marko Marin und Alex Baumjohann zeigten einmal mehr, dass es gegen sie ganz schwer zu verteidigen ist.
Diese Highlights sind nur deshalb möglich, weil die Mannschaft wieder kompakt steht und die Technikern in Szene setzt. Der Unterschied zur Hinrunde liegt in der Verbindung von defensivem Mittelfeld und Abwehr.
Hans Meyer hat lange gebraucht. Jetzt ist seine Handschrift ist zu erkennen und sein ausführender Arm ist Tomas Galasek. Ich muss zugeben: ich habe nicht geglaubt, dass der alte Mann so wichtig sein kann für die Struktur der Mannschaft. Aber er ist es.
Von der Grundaufstellung ist es dasselbe System wie in der Hinrunde. Aber auf dem Platz sieht es ganz anders aus. Die Ordnung stimmt. Michael Bradley findet an Galaseks Seite zu ganz großer Form und Marin und Baumjohann dürfen kombinieren, ohne Angst vor einem Fehler haben zu müssen.
In der Offensive gibt es wohl keine Mannschaft im Tabellenkeller, die Gladbach spielerisch das Wasser reichen kann. Aber das ist auch die Gefahr. Denn nach einer guten Phase schraubt Gladbach gerne einige Gänge zurück und glaubt, nicht mehr kämpfen zu müssen. Gegen Mannschaften, die mitspielen, wie den HSV oder Köln zuhause, ergeben sich gute Kontermöglichkeiten. Aber wenn es gegen Cottbus oder Bochum geht, sind andere Qualitäten gefragt. Gladbach muss jetzt beweisen, dass es seine Qualität auch in Drecksspielen auf den Platz bringen kann.
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Der Doping-Bumerang
Na großartig. Laut Premiere gibt es Doping-Vorwürfe gegen Gladbach. Das einizig Positive: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es ein Spiel betrifft, das Gladbach gewonnen hat.
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Blind und trotzdem glücklich: Der Auftakt einer Serie?
Heute bin ich um zehn Jahre gealtert. So einen unverdienten Punkt hat Gladbach nicht mehr mitgenommen, seit Kasey Keller gegen den HSV ein dritter Arm gewachsen war. Heute hat sich eindeutig gezeigt, dass Gladbach mindestens einen richtigen Transfer in der Winterpause gemacht hat.
Logan Bailly hat unfassbar gut gehalten. Genau so ein Torwart hat Gladbach in der Hinrunde gefehlt. Genau so ein Torwart kann am Ende der Saison den Unterschied machen.
Über die Leistung der zehn anderen Spieler werfe ich das Mäntelchen des Schweigens. Ich hoffe nur, dass der zählbare Erfolg das Selbstbewusstsein stärkt und dass die zwei Spiele ohne Niederlage so etwas wie der Auftakt einer Serie sind.
Es war ruhig hier im Blog und das lag nicht nur daran, dass ich eine Woche lang beruflich offline war. Ich bin immer noch schwer angekotzt von allem, was rund um den Borussia-Park passiert. Ich nehme es nur am Rande war, weil ich mich gar nicht tiefer damit beschäftigen will, und deshalb kann ich nur das beurteilen, was durch die Medien gejagt wird.
Der Brandbrief: Ich kann völlig verstehen, dass die Mannschaft ihren Unmut mit der Personalpolitik äußert. Ist ja keine Tiefenpsychologie. Wenn man dauernd den Eindruck hat, dass Hire & Fire waltet, dann kann man keine Top-Leistung bringen. Dass die Spieler das äußern, in welcher Form auch immer, sollte der sportlichen Leitung zu denken geben. Das direkte Gespräch wäre der konsequente Weg. Wenn es tatsächlich ein von dem Gros der Spieler getragenes Schreiben sein sollte, dann hat diese Form sicher auch ihre Gründe.
Klar, Hans Meyer hat Recht. Die Spieler geht es im Prinzip einen Scheißdreck an, wie der Verein seine Personalpolitik plant und umsetzt. Aber: Wir befinden uns im Jahr 2008 2009 und da muss man seine Angestellten mitnehmen. Die Zeit, in der das Personal autoritäre Ansagen stillschweigend akzeptiert, sind seit ca. 15 bis 20 Jahren vorbei. Wie sich in diesem Punkt die interne von der externen Kommunikation unterscheidet, kann ich nicht beurteilen, ist aber entscheidend.
Dann wurde noch kurzfristig Rainer Bonhof als Vize-Präsident installiert. Rainer Bonhof? Genau. Der Alt-Internationale, der die Borussia als Trainer zum ersten Abstieg führte, der als Co-Trainer von Berti Vogts Fußball aus der Vergangenheit propagierte, der als Coach der schottischen U-21 keinen einzigen Sieg erreichen konnte. Er soll den sportlichen Sachverstand in die Vorstandsetage bringen. Abgesehen davon, dass er vielleicht einige gute Kontakte haben könnte, ist das nicht der Mann, dem ich eine Vision zutraue, wie man Gladbach mittelfristig nach vorne bringen könnte.
Zurück zum heutigen Spiel: Eine Diskussion dürfte beendet sein: Ob ein Christopher Heimeroth ein ordentlicher Rückhalt für Gladbach war. Heute hat man den Unterschied gesehen, den ein Torwart machen kann.
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Genau jetzt wäre ich gerne Köln-Fan
Fritz Walter wurde in seinem Heimatort ein Denkmal gesetzt, das Stadion in Kaiserslautern trägt seinen Namen. Vor dem Hamburger Stadion steht Uwe Seelers Fuß in Bronze.
Warum? Diese beiden Spieler blieben ihrem Verein ihre gesamte Karriere treu, obwohl sie finanziell deutlich bessere Angebote ausschlugen und in ambitionierteren Mannschaften hätten spielen können.
Heute muss sich ein Spieler öffentlich abwatschen lassen, wenn er nicht alleine auf das Konto und die potentielle Titelsammlung schielt, sondern seinem Herzen folgt und zu dem Verein wechselt, bei dem er sich zuhause fühlt.
In Deutschland wird dies scheinbar nicht mehr gewürdigt. Ich habe keinen Kommentar ohne ironischen Unterton gelesen (außer in der Lokalberichterstattung), in dem ihm dies als Charakterstärke angerechnet oder allgemein als positives Signal im kommerzialisierten Fußball-Geschäft gewertschätzt würde (anderslautende Beiträge bitte ich in den Kommentaren zu verlinken). Vielmehr wird beinahe überall seine Qualität relativiert.
Ich freue mich, dass nach langer Zeit mal wieder ein Fußballer Zeichen gesetzt hat: Es gibt auch noch Dinge, die nicht in Zahlen messbar sind. Als Kölner Fan hätte ich im Moment eine gute Zeit. Bin ich aber leider nicht.
Der Podolski-Transfer ist ja nicht nur ein Transfer an sich, sondern auch ein Zeichen, wo es in der Zukunft hingehen soll. Wenn eine Mannschaft wie Köln oder Gladbach aufsteigt und sich in der Liga hält, dann gibt es für den nächsten Schritt eigentlich keine andere Alternative als groß zu investieren, um wieder dahin zu kommen, wo man sich gefühlt sowieso seit zwei Jahrzehnten befindet.
Es ist eine Menge Risiko dabei – aber scheiß drauf. Nachher kann Köln keiner vorwerfen, eine Chance nicht genutzt zu haben.
So sieht es also in Köln aus: Die Stadt fällt in einen kollektiven Rausch, Torhüter Mondragon würde für den Podolski-Transfer auf Gehalt verzichten und sogar Novakovics Achillessehnen-Reizung erfährt ob der positiven Schwingungen eine wundersame Heilung.
Sollte man das aktuell genaue Gegenteil Kölns suchen, man würde in Gladbach fündig. Hier suchen Spieler das Weite. Steve Gohouri zieht es nach England und um diese Ambition zu unterstreichen übt er sich in demonstrativer Lustlosigkeit. Dabei ist er der Abwehrspieler, der physisch noch am ehesten höheren Ansprüchen gerecht werden könnte – vorausgesetzt man treibt ihm Undiszipliniertheiten und Unkonzentriertheiten aus.
Sueddeutsche.de stimmt angesichts der Leistungen in den Vorbereitungsspielen bereits einen Abgesang an. Und die ARD setzt unser Kompetenz-Team nur noch in Anführungszeichen und stellt Max Eberl unangenehme, aber notwendige Fragen.
Wird langsam Zeit, dass die Rückrunde beginnt, bevor ich in Depressionen verfalle.
Update: Positive Kommentare gab es doch. Habe ich gerade bei Indirekter Freistoß gelesen.
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Transfervergleich: Gladbach – Hoffenheim
Es heißt ja immer, dass Hoffenheim mit den Hopp’schen Millionen nur so um sich schmeißt, während Traditionsvereine wie Gladbach oder Köln von der Hand in den Mund leben. Schauen wir doch mal was transfermarkt.de für die letzten drei Saisons an Ausgaben für Neuzugänge ausspuckt:
- Hoffenheim: 30,1 Millionen
- Gladbach: 27,2 Millionen
Tatsächlich. Hoffenheim hat mehr investiert als der Mitaufsteiger. Die Zahlen sind nicht bestätigt, Gladbach könnte sogar mehr ausgegeben haben als die TSG oder andersrum – die Differenz könnte defacto ein wenig größer sein (Dietmar Hopp gibt die Transferausgaben mit 25 Mios an). Das ändert nichts an der Tatsache, dass Gladbach knapp 30 Mios das Klo runtergespült hat und wie wild kleinere Summen für unterdurchschnittliche Spieler verbrannte, während Hoffenheim große Summen in wenige sehr gute Spieler investierte.
So viel also dazu, dass Hoffenheim nur aufgrund des Mäzenentums an der Spitze steht. Gladbach hätte sich mit den vorhandenen Mitteln dieselbe Mannschaft zusammenkaufen können. Fragt sich: War es ein Vorteil oder ein Nachteil, auf eine vorhandene Bundesliga-Mannschaft aufzubauen? Hatte Rangnick sogar eine bessere Ausgangsposition, weil er seinen Kader aus dem Nichts und ohne Anspruchshaltung aufbauen konnte? Wie seht ihr das?
Die Einzelauflistung:
Gladbach
08/09
- Bailly 2,5 Mio
- Bradley 2,5 Mio
- Dante 2,5 Mio
- Matmour 2,6 Mio
- Galasek 0,05 Mio
- Alberman 0,65 Mio
- Callsen-Bracker 0,75 Mio
07/08
- Friend 1,2 Mio
- Colautti 1,6 Mio
- Schachten 0,2 Mio
- Brouwers 0,25 Mio
- Coulibaly 0,45 Mio
- Rösler 0,5 Mio
- Paauwe 0,5 Mio
- Ndjeng 0,67 Mio
- Kleine 0,7 Mio
06/07:
- Heimeroth 0,75 Mio
- Insua 4 Mio
- Svärd 0,3 Mio
- Baumjohann 0,25 Mio
- Gohouri 1,5 Mio
- Thygesen 1,5 Mio
- Degen 1 Mio
- Delura 0,1 Mio
Hoffenheim:
08/09:
- Wellington: 4,5 Mio
- Beck 3,2 Mio
- Özcan: 1 Mio
- Gustavo: 1 Mio
- Vorsah: 1 Mio
07/08:
- Eduardo: 7 Mio
- Obasi: 5 Mio
- Haas: 0,05 Mio
- Ba: 3 Mio
- Ibertsberger: 0,25 Mio
- Compper: 0,2 Mio
- Nilsson: 1,9 Mio
- Weis: 0,15 Mio
- Ibisevic: 1 Mio
06/07:
- Hesse 0,06 Mio
- Copado: 0,3 Mio
- Sahilovic: 0,25 Mio
- Mesic: 0,17 Mio
- Janker: 0,1 Mio
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Meine Fan-Seele auf dem Prüfstand
Ein paar Wochen war es sehr ruhig hier. Mir fehlte schlichtweg die Lust, mich mit Fußball zu beschäftigen. So angepisst war ich bisher in meiner Fan-Karriere noch nie. Die Gladbacher Personalpolitik treibt mich zur Weißglut.
Was ich erlebe, ist Advocaat Reloaded. Ein Trainer erklärt den Kader für untauglich und darf mehr oder weniger blind einkaufen. Das ist mir viel zu einfach.
Natürlich musste Meyer in der Abwehr nachlegen. Aber das hätte sachlich und punktuell ablaufen könne. Stattdessen wurde die Qualität in allen Mannschaftsteilen infrage gestellt. Und mir schmeckt es nicht, dass jeder, den man als Charakterkopf bezeichnen könnte, abgesägt wurde. Das konterkariert alles, was noch vor Kurzem als Philosophie ausgerufen wurde.
Mag sein, dass mit den neuen Spielern die Stammelf auf ein besseres Niveau gehoben wurde. Nur fehlt mir bisher der Glaube daran. Hinter fast jedem Transfer steht ein großes Fragezeichen und aufgrund der bisherigen Erfahrung fehlt mir das Vertrauen in das Gladbacher Händchen.
In der Innenverteidigung soll ein Dante helfen. In der französischen Liga konnte er sich nicht durchsetzen, in der belgischen war er ein Leistungsträger. Ob das auf Anhieb reichen wird? Bundesliga ist ein anderer Schnack. Ein Madlung auf dieser Position – der ebenfalls zur Diskussion stand – hätte mich deutlich mehr überzeugt.
Stalteri hat in der Premiere League Defizite in Tempo und Spiel bewiesen und ihm mangelt es an Spielpraxis. Ob er auf Anhieb eine klare Verbesserung gegenüber Voigt darstellt oder ob er ähnlich eingeht wie der mit Vorschusslorbeeren geholte Jaures? Ich tendiere zunächst zu zweiter Option.
Galasek soll ja in der tschechischen Liga der totale Abräumer gewesen sein. Aber da schießen auch Marek Heinz und Vaclav Sverkos knapp 20 Tore pro Saison. Ein Siegel für die aktuell vorhandene Qualität ist das für mich nicht. Mit einem halben Jahr Vertrag im Rücken wird das Herzblut nicht in Strömen fließen.
Bailly ist der einzige Neuzugang, dem ich vorbehaltlos zustimme. Der Junge ist entwicklungsfähig, kann angeblich gut mitspielen und beendet für’s erste die unselige Torwart-Diskussion. Apropos Diskussion. Diskussionswürdig ist das, was dahinter passiert ist. Nicht Heimeroth geht, sondern der gerade von Meyer zur Nr. 1 beförderte Gospodarek. Das versteht kein Mensch. Wenn man Heimeroth so absägt, muss man ihn abgeben. Selbst dann, wenn Gospodarek auch geht. Dann sitzt eben Löhe als Nr. 2 auf der Bank.
Hätte ich nicht eine Dauerkarte – der Nordpark würde mich sobald nicht wiedersehen. Sollte es tatsächlich für den Klassenerhalt reichen, wäre meine Euphorie dennoch sehr gebremst. Ich habe, was ich nicht für möglich gehalten hätte, eine emotionale Distanz zu dem Verein aufgebaut. Nein: Die emotionale Distanz hat sich von selbst aufgebaut. Ein seltsames Gefühl.
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Ich bin Gladbach-Fan – holt mich hier raus!
So ist es, in Hoffenheim-Land ein Borussia-Fan zu sein: Beim Training meiner Kreisliga-Mannschaft bin ich die Lachnummer und jedesmal, wenn ich eine Chance neben das Tor kicke, schreit der Trainer von der Außenlinie “Gladbaaach! Gladbaaach!”
Aber es ist ja was dran. So viel hätte ich im Laufe der letzten Woche gar nicht essen können, wie ich kotzen wollte. Das Dortmund-Spiel hat mir erstmal die Lust auf Fußball verhagelt und deshalb – dachte ich – käme die Winterpause zur rechten Zeit.
Aber nein: Es ist keine Zeit der Erholung. Die Borussia lässt mich genauso weiter rotieren wie im Laufe der 90 Minuten am Freitag. Drei Dinge bringen mich zur Weißglut:
1. Neuzugänge
Als Neuzugänge scheinen angepeilt: Galasek, Stalteri, Klimowicz, Bastürk und sogar Edgar Davids. Durchschnittsalter: 33,5 Jahre. Alle über ihren Zenit hinaus, langsam und/oder verletzungsanfällig und mangels Einsätzen nicht im Wettkampf-Modus unterwegs (bis auf Galasek).
Möchte man es wohlwollend betrachten, würde man sagen: Meyer gibt der Mannschaft mit geballter Erfahrung und Cleverness Stabilität. Nur lehrt mich die Erfahrung, dass mit alternden Stars nichts zu holen ist. Selbst die Winter-Transfers der legendäre Saison 04/05 waren gegenüber den gehandelten Namen Jungspunde: Elber, Keller, Böhme, Moore und Thijs.
Möchte man weiter Positives interpretieren, dann, dass diese Spieler vielleicht mit einem Halbjahres-Vertrag zunächst zufrieden sind und man sich keinen Ballast für den Gang in die zweite Liga an das Bein bindet. Dafür hätte man dann ein paar neue Jugend-Trainer oder Scouts, denn ganz ohne Perspektive kommen gerade ältere Spieler nicht.
Eine Lösung für die großen Defizite in Sachen Speed und Qualität in der Abwehr ist hingegen nicht in Sicht.
2. Hans Meyers Coaching
Offensichtlich bei dem Kaufhaus-des-Westens-deja-vu ist eines: Auch Hans Meyer kann mit dem aktuellen Kader nicht erfolgreich arbeiten. Dabei muss man ihm den Vorwurf machen, dass er in den wenigen Spielen, die er in der Verantwortung stand, viele Fehler gemacht hat, die man gerade von einem erfahrenen Coach nicht erwartet hätte.
Er traf auf eine völlig verunsicherte und aufgrund der Rotation wenig eingespielte Mannschaft. Die erste Amtshandlung hätte sein müssen, ein festes System und eine klare Stammelf zu etablieren. In beiden Punkten tat Meyer genau das Gegenteil und knüpfte nahtlos an die Ära Luhukay an. Es wechselte Systeme durch und schaffte es sogar, auf der Torwartposition drei Spieler einzusetzen. Statt den Profis das Selbstbewusstsein zurückzugeben, stellte er öffentlich ihre Tauglichkeit infrage.
Von daher ist die aktuelle Einkaufstour nur konsequent. Aber so kann es nicht funktionieren. Als Trainer weiß man, welche Spieler man hat, bevor man einen Vertrag unterschreibt. Und dann sollte man zumindest ein paar Steine auf den anderen lassen. Alles andere ist zu einfach.
3. Das Kompetenz-Team
Die Marke „Kompetenz-Team“ hat der PR-Abteilung sicher einige Lorbeeren eingebracht. Denn, wow!, Gladbach hat erstens Kompetenz und zweitens ein Team in der sportlichen Führung. Leider taugt das Label nicht mehr als der Aufdruck „Light“ auf der Zigarettenpackung.
Was bei Gladbach geht, gibt Hans Meyer vor.
Christian Ziege hat sich erst selbst in der Hierarchie ein paar Stufen nach unten befördert und wurde dann innerhalb kürzester Zeit abgesägt. Wer glaubt schon an die „persönlichen Gründe“? Er war gerüchteweise der Einzige, der gegen die Verpflichtung Meyers als Trainer gestimmt hat. Würde das stimmen, dann müsste man ihm eine gewisse Konsequenz bescheinigen. Allerdings hätte er sich dann gar nicht als Hütchenaufsteller hergeben dürfen, sondern sofort das Handtuch schmeißen müssen.
Mit Max Eberl ist jetzt ein Sportdirektor im Amt, den ich für nicht mehr als einen Grüßaugust halte. Jedenfalls ist er nicht mit der notwendigen Autorität ausgestattet, einem Meyer im Ernstfall Paroli bieten zu können; nicht mit dem Netzwerk ausgestattet, um echte Schnäppchen an Land zu ziehen; und nicht mit einer Vision am Start, die Gladbach zu einem modernen Verein werden lassen könnte.
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Gladbachs Bankrotterklärung
Aus der Überschrift ist es nicht schwer zu schließen, wie ich das Spiel gegen Cottbus einordne. Es war eine der schlimmsten Vorstellungen, die in den letzten Jahren von diesem Verein dargeboten wurden. Was mich konsterniert hinterlässt, ist der Zustand der Abwehr, die nicht mal gegen eine absolut limitierte Offensive zu einem Ansatz von Ordnung und Souveränität findet.
Die rechte Abwehrseite, in der Vorwoche schon die Sollbruchstelle, wurde mit Gohouri neu besetzt, aber in keiner Weise stabiler. Es war nahezu lächerlich, wie mit nur einem Doppelpass das komplette Gefüge zur Implosion gebracht wurde. Das reicht einfach nicht, das hat nichts mit Athletik und Schnelligkeit zu tun, das ist taktischer Kindergarten.
Das Erstaunlichste an diesem Spiel war, dass Gladbach durchaus die Möglichkeiten hatte, das Spiel in der zweiten Halbzeit zu drehen. Beim Stand von 1:2 hatte alleine Rob Friend eine ganze Hand voll Chancen, auszugleichen. Das war nicht Gladbacher Klasse geschuldet, sondern der Tatsache, dass Energie nicht weiter die offensiv die Abwehr bearbeitete, sondern sich zurückzog. Es war einfach das Mindeste, was man gegen einen solchen Gegner erwarten kann, aber kein Stück mehr.
Gladbach ist jetzt mit dem KSC Abstiegskandidat Nr. 1 und sollten nicht in der Winterpause drei neue Abwehrspieler kommen, die die Qualität klar verbessern, dann wird es nicht reichen.
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