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Vor dem Derby: Großräumiges Alkoholverbot in Gladbach

Oktober 22nd, 2009

Am Samstag wird das großräumigste Alkoholverbot der Gladbacher Bundesligageschichte gelten.  Die Gründe dafür – unter anderem die Pläne der Ultras und eine Zusammenfassung der Ereignisse beim letzten Aufeinandertreffen -  stehen ausführlich in Amtsblatt.

Für den normalen Fan ärgerlich, aber angesichts der Gefahrenlage nachvollziehbar. Was zuletzt passiert ist, hatte mit gesunder Rivalität nichts mehr zu tun und die Idioten gefährdeten nicht nur sich selbst, sondern auch Unbeteiligte.

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Schon wieder: Gladbach spielt schönen Fußball

August 17th, 2009

Zwei Spieltage und den besten Saisonstart seit 14 Jahren später: Was ist der Unterschied zur letzten Saison? Warum hält der WDR Gladbach plötzlich für eine der Attraktionen der Liga?

Zunächst sicher einmal, weil Gladbach sich viele Torchancen herausspielt, aber mindestens ebenso viele zulässt. Logische Folge sind für die Zuschauer spektakuläre Spiele.

Im Vergleich zur Vorsaison steht die Mannschaft sehr viel tiefer, lauert erst zehn Meter hinter der Mittellinie. Das Ergebnis: Der Gegner bringt die eher langsamen Vertreter der Defensive nicht mehr mit einem einfachen Steilpass in Bedrängnis. Das macht Sinn und war vor allem gegen Berlin erfolgreich.

Sehr gut klappt das Konterspiel. Gladbach hat mit Matmour, Arango und Bobadilla (bisher) ausgezeichnete Stoßspieler, die viele lange Bälle runterpflücken und Richtung Tor tragen. Entwickeln Matmour und Bobadilla jetzt auch noch Torgefahr, Frontzeck würde über eine echte taktische Waffe verfügen.

Wer jetzt fragt: Wäre es dann nicht eine großartige Idee, den Gegner in einer 35-Meter-Zone vor dem eigenen Tor durch hautenges Spiel unter Druck zu setzen und so viele Fehler zu provozieren?, hat absolut Recht. Das passiert bisher leider so gut wie gar nicht. Im Gegenteil. Die beiden 6er Marx und Meeuwis ließen Kacar, Nicu und Cicero unbedrängt aus der Distanz abziehen und aus dem Halbfeld flanken. Marx war extrem fleißig, viel – vielleicht zu viel – nach vorne unterwegs, so dass ihm im Stellungsspiel oft entscheidende Meter fehlten. Die beiden äußeren Mittelfeldspieler sehen die Defensivarbeit eher als Kür denn als Pflicht an. So taten sich die Lücken auf.

Der große Verlierer des Wochenendes auf Gladbacher Seite war zweifellos Christopher Heimeroth. Unter der Woche kam von ihm noch eine Kampfansage per Sport Bild Richtung Logan Bailly. Im Spiel unterlaufen ihm zwei desaströse Fehler, die sogar seine Eignung als Ersatzkeeper infrage stellen.

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Das kürzeste Fußball-High der Welt

August 10th, 2009

Unentschieden, bitterer als Niederlagen. Sowas können nur ganz wenige Mannschaften fabrizieren. Gladbach gehört selbstverständlich dazu. Wir Fans sind zum Glück abgehärtet. Das was gestern passiert ist, ist Normalzustand. Wäre es so weiter gelaufen wie in der ersten Halbzeit, dann hätten wir unser Weltbild neu ordnen müssen.

Der Spielverlauf hat das bestätigt, was bereits vorher klar war. In der Offensive ist die Borussia durchaus gut besetzt. Solange der Gegner sich nicht wehrt, hält sie den Ball aus der eigenen Hälfte heraus.

Aber wehe, da macht jemand Druck. Dann fliegt die Abwehr auseinander, das defensive Mittelfeld verliert den Überblick und Lücken tun sich auf, so groß, man könnte mit einem Laster durch fahren. Dass das Team nicht nur auf einer Abwehrposition ein Tempo-Defizit hat ist ebenfalls nichts Neues.

Gestört hat mich lediglich Michael Frontzeck und seine Schönfärberei, der kollektive Daueraussetzer nach der Halbzeit sei lediglich eine unglückliche Fügung gewesen. Das war hoffentlich nur eine Außendarstellung. Denn wenn ein Mimoun Azouagh drei Mal hintereinander völlig freistehend kurz vor dem 16er den Ball bekommt, dann befindet sich irgendjemand im Tiefschlaf.

Nehmen wir doch einfach das Positive mit: Die Neuzugänge haben mehr als überzeugt. Sowohl Bobadilla als auch Arango zuzuschauen war ein Genuss. Gekontert wurde teilweise wie am Schnürchen und mit einem Tempo, dass ich seit mindestens fünf Jahren nicht mehr gesehen haben.

Und außerdem: Am ersten Spieltag erster sein  – das will ich gar nicht. Das bringt Unglück.

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VfL vs. VfL: Eine undankbare Aufgabe

August 7th, 2009

Einen Tag vor der Saisoneröffnung bin ich fast genauso schlau wie vier Wochen zuvor. Das könnte man Max Eberl als Verdienst anrechnen, denn wann war ich schon mal einen Monat vor Saisonstart bar jeder Hoffnung davon überzeugt, dass es eine verdammt knappe Nummer wird?

Nie! und das zeugt immerhin davon, dass man bei Borussia Mönchengladbach Überzeugungen lebt.

Ich durfte mich immerhin am letzten Samstag versichern, dass nicht alles schlecht ist, ja, dass vielleicht die eine oder andere Lehre in den Köpfen der entscheidenden Personen angekommen ist.

Das erste Mal seit langer, langer Zeit durfte ein 2-Mann-Sturm in persona der in der letzten Saison geschnittenen Colautti und Neuville auflaufen. Und siehe da: eine Leistungssteigerung um gefühlte 300 Prozent. Sowohl der bisher völlig enttäuschende Israeli als auch der alternde Capitano fanden völlig neue, alte Laufwege und fühlten sich offensichtlich pudelwohl in der Aufstellung. In dieser Form meldeten beide Ansprüche auf einen Stammplatz an.

Sensationelles war zu sehen: Standardsituationen, die genau dort landeten, wo sie eigentlich hingehören. Nachdem bereits in der letzten Saison Marin daran erinnern ließ, dass Flanken aus der ruhenden Position nicht zwangsläufig hinter dem Tor landen müssen, ließ El Hurrican Juan Arango vermuten, dass das rhythmische Klatschen der Fans künftig mehr sein könnte als eine spaßige aber brotlose Unterhaltung der Kurve.

Nun sollte an dieser Stelle nicht schon wieder der Optimismus walten. Jeder Leser, der ein wenig googlen kann, würde mir unterstellen, dass dies in den letzten fünf Jahren zu oft der Fall gewesen sei, als dass man ihn noch ernst nehmen könnte.

Nein. Für die Borussia ist gleich das erste Spiel eine Hausnummer. Bochum ist eine Mannschaft, die man kaum einzuordnen weiß. Der VfL aus dem Ruhrgebiet hat kaum Transfers getätigt und sich heimlich durch die Vorbereitung geschlichen. Umso schlechter ist er einzuschätzen.  Ein Auftaktspiel gegen, sagen wir mal, Werder Bremen wäre dankbarer, weil man nur gewinnen könnte. Am Sonntag kann die Borussia beinahe nur verlieren.

Nur eines ist klar: So ein einfaches Spiel wie mit dem FSV Frankfurt wird man nicht haben. Im Gegenteil. Da trifft eine eingespielte Truppe auf eine teilweise neu formierte Mannschaft. Mit einem einzigen Punkt wäre ich zufrieden. Wenn es mehr wird, dann hätte Gladbach bereits einen guten Schritt in die richtige Richtung getan.

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Das Herz der Mannschaft

Juli 18th, 2009

Müsste ich mir den Namen eines Spielers auf das Trikot flocken lassen – es wäre „Levels“.

Tobias Levels spielt unterhalb des Radars der Öffentlichkeit. Er ist keine Säule der Mannschaft. Er ist noch nicht mal eine Stammkraft.

In einem zusammengekauften Kader ist er aber derjenige, der das repräsentiert, was mir wichtig ist. Er spielt seit der D-Jugend im Verein, er kommt aus der Region. Das alleine ist noch kein Verdienst. Was ihn auszeichnet, ist sein Charakter.

Er war nie ein Überflieger. Er hat sich über die Amateur-Mannschaft an die Profis herangekämpft. Sitzt er auf der Bank, klagt er nicht. Steht er auf dem Platz, gibt er 110% und zeigt Mitspielern und Gegnern, wo der Frosch die Locken hat.

Er steht nicht für hohe Fußballkunst, aber wenn es drauf ankommt ist er da. Wie im Rückspiel gegen Cottbus, als er der beste Mann auf dem Platz war und den Last-Minute-Treffer Dantes mit den Worten kommentierte “Das war eine Hormonausschüttung, wie ich sie zuletzt mit fünf Jahren im Phantasialand hatte“.

Nebenbei spricht er 4 Sprachen fließend und macht den Dolmetscher für die Neuzugänge. Und sagt von sich selbst „Mein Herz ist eine Raute“.

Solche Leute muss man haben. Einer, der alle anderen daran erinnert, dass die Borussia kein Allerweltsverein ist. Dass man stolz sein kann, das Trikot zu tragen und jeden Tag dafür arbeiten muss.

Und ich traue ihm zu, dass er in dieser Saison einen Sprung macht. Ich hatte den Eindruck, dass er im Mittelfeld, wie z.B. gegen Cottbus, besser aufgehoben ist als in der Abwehr, weil seine technischen Mängel dort nicht so schnell bestraft werden und er sich deshalb auch mehr zutraut und befreiter aufspielt. Aber egal auf welcher Position – er ist überall zweite Wahl. Das kennt er ja schon.

Interview mit Levels

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Die Litfaßsäulen

Juli 2nd, 2009

Achso, darf an der Stelle ja auch nicht fehlen: ein kurzer Kommentar zu den Gladbach-Trikots in dieser Saion. Viel schlimmer kann es einen Verein nicht erwischen. Weiß, grün, schwarz, gelb, blau, rot (hab ich eine Farbe vergessen?). Ähnlich schlimm erwischte es nur den VfL Bochum vor ca. 10 Jahren. Nur die Bochumer Trikots waren von vorneherein als LSD-Trip designt. Bei Gladbach stimmt mal gar nix. Das sieht aus wie einer dieser Schaltkästen am Straßenrand, der siebenmal mit verschiedenen Konzert-Ankündigungen übertapeziert wurden.

4,5 Millionen kassiert Gladbach für den Augenschmerz. Die Merchandising-Einnahmen aus den Trikot-Verkäufen werden einbrechen – am Ende wird sicher noch dickes ein Plus unter dem Strich stehen. Nur sollte man sich fragen, was es wert ist, sein komplettes (in Wirtschaftssprech) Corporate Design vergewaltigen zu lassen.

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Gladbacher Kaderplanung abgeschlossen – Geht da was?

Juli 1st, 2009

In den nächsten Tagen wird – sollte nicht außergewöhnliches passieren, Juan Arango einen Vertrag mit der Borussia abschließen. Darf man den Worten Max Eberls glauben, wäre damit das Kapitel Einkäufe für diese Saison abgeschlossen (eine bei Gladbach weit interpretierbare Aussage).

Gleichzeitig scheint klar zu sein, wer seine Koffer packen muss und welche Spieler aus dem zweiten Glied sich eine weitere Saison anbieten dürfen. Sehr früh darf man also schon ein Fazit ziehen, ob die Personaldecke mehr verspricht als in der letzten Saison und wo die Sollbruchstellen sind.

Tor: Bailly, Heimeroth, Löhe

Dieser Mannschaftsteil steht zweifellos am wenigsten in der Diskussion. Bailly ist ein absolut bundesligatauglicher Keeper und Heimeroth eine gute Nr. 2. Von Löhe war bisher zu wenig zu sehen, als dass ich ihm Ambitionen unterstellen würde, Heimeroth verdrängen zu können.

Abwehr: Brouwers, Callssen-Bracker, Dante, Daems, Dorda, Jaures, Kleine, Levels, Stalteri

Ist es Gottvertrauen oder Mut, dieser Abwehrreihe ohne weitere Verstärkungen das Vertrauen zu schenken? Der Hühnerhaufen der Hinrunde gewann in der Rückrunde durch Dante und Stalteri zwar zweifellos Stabilität, aber von Sahne war das so weit weg wie Dickmilch. Es standen immer noch 27 Gegentore zubuche – nur vier Mannschaften waren schlechter.

In der Innenverteidigung war Dante selten souverän – Licht wechselte zu oft mit Schatten. Brouwers hat bekannte Defizite in Sachen Schnelligkeit und Spieleröffnung – trotz alledem kamen Callssen-Bracker und Kleine nicht an ihnen vorbei.

Besser sieht die erste Garde auf den Außen aus. Daems und Stalteri machten ihre Sache mehr als ordentlich und sorgten oft genug für Wirbel auf den Flügeln. Hinter den beiden lauert Levels – in den Mitteln beschränkt, aber ein Kämpfer vor den Herrn, ein Charakter und mittlerweile eine Identifikationsfigur für die Fans. Jaures könnte die große Unbekannte sein. In der letzten Saison mit höheren Ambitionen gekommen, aber in eine Seuchen-Saison gerutscht. Hat er sein wahres Potential noch nicht gezeigt? Unwahrscheinlich, aber möglich. Der junge Dorda wurde von Hans Meyer einige Male ins kalte Wasser geworfen, aber auch schon mal vor der Halbzeit ausgewechselt. Gelingt ihm kein großer Entwicklungsschritt, wird er nicht mehr als ein Backup sein.

Mittelfeld: Alberman, Arango, Bradley, Jantschke, Marx, Meeuwis, Neustädter, Reus

Im Mittelfeld hat Gladbach zweifellos die größte Lücke zu stopfen. Mit Baumjohann, Marin und Galasek ging fast die komplette erste Reihe – wobei Galasek sicher schwerer zu ersetzen ist als die beiden Youngster.

Fangen wir beim Positiven an. Mit Bradley steht immer noch ein Juwel auf dem Platz, das beim Confed Cup eindrucksvoll sein Potential unter Beweis gestellt hat. Ihm könnte der Durchbruch gelingen, wenn er trotz der Belastung eine vernünftige Vorbereitung schafft. Er ist laufstark, technisch beschlagen und torgefährlich. In der letzten Saison tauchte er nach guten Auftritten zu oft ab – er muss an Konstanz gewinnen.

Meeuwis ist ein gestandener Spieler aus der Ehredivisie, der quasi eine Stammplatzgarantie hat. Mangels Kenntnis der holländischen Liga kann ich ihn nicht beurteilen, aber ein gesundes Misstrauen bleibt. Ein Touma kam mit ähnlicher Referenz und konnte sich nie durchsetzen.

Ganz im Gegenteil weiß man bei Torben Marx genau, was man bekommt: einen soliden, bundesligatauglichen und im Abwehrkampf gestählten Spieler, von dem man aber auch keine Glanzstücke erwarten darf. Selbst bei Bielefeld war er nicht unumstritten. Er wird versuchen, einen Stammplatz im Mittelfeld zu erkämpfen, kann aber genauso gut auf der Ersatzbank landen. Ein Spieler, der Gladbach weiter bringt, ist er jedenfalls nicht.

Die große Hoffnung ist Arango. Kapitän des RCD Mallorca (neunter Platz  in Spanien), Kapitän der venezuelanischen Nationalmannschaft und einer der besten Spieler aller Zeiten seines Landes (okay, Venezuela, aber trotzdem). Offensiver Mittelfeldspieler, torgefährlich vor allem aus der Distanz und offensichtlich kein Legionär – in Mallorca spielte er fünf Jahre. Ein Profil, bei dem man sich fragt, warum gerade Gladbach ihn bekommen hat. Schottische und türkische Spitzenvereine haben mitgeboten, aber Arango wollte in eine Top-Liga – ein weiteres Zeichen für Charakter. Ich will gar nicht misstrauisch werden, sondern hoffe einfach mal, dass wir ein richtiges Schnäppchen gemacht haben. Einen auf dem Papier besseren bekommt Gladbach nicht.

Der junge Jantschke hat in der letzten Saison sehr gute Ansätze gezeigt, bevor er schwer verletzt wurde. Er ist ein Hoffnungsträger im defensiven Mittelfeld. Ob Alberman tatsächlich die Saison für Gladbach spielen wird? Ich glaube eher nicht. Er konnte sich in keiner Weise durchsetzen. Für Alberman ist das Spiel zu schnell, er ist in seinen Reaktionen zu langsam und er wird nicht über die zweite Reihe hinauskommen.

Reus ist der vielversprechendere der beiden Nachwuchs-Transfers. In Ahlen hat er eine gute Saison gespielt, er scheint technisch beschlagen, aber ob er den Sprung in die Bundesliga schafft – da steht ein dickes Fragezeichen hinter. Gute Zweitligaspieler – das hat uns Gladbacher die letzte Saison gelehrt – fangen eine Klasse höher bei Null an. Neustädter hat noch nicht mal Zweitligaerfahrung. Er hat lediglich sechs Spiele für Mainz gemacht und es dürfte als Sensation gelten, würde er eine Rolle spielen.

Im Mittelfeld könnte auch Levels Ansprüche anmelden. In den letzten Spielen hat er dort teils großartige Leistungen gezeigt. Mit gefiel er dort deutlich besser als in der Abwehr. Ihm tut es offensichtlich gut, eine Absicherung hinter sich zu haben. In dieser Position würden seine Stockfehler nicht so sehr ins Gewicht fallen – und vielleicht gerade deswegen macht er sie nicht mehr.

Im Mittelfeld hängt ganz viel vom Auftreten der Hoffnungsträger Bradley und Arango ab. Bei Meeuwis weiß ich nicht, wo ich dran bin, der Rest ist höchstens unterer Durchschnitt. Während ich das Leistungsvermögen der Abwehr einschätzen kann, ist das Mitteldfeld eine Überraschungstüte. Es könnte den Ansprüchen des Bundesliga-Mittelmaßes genügen – oder auch nicht. Anlass für höhere Ambitionen bietet es jedoch nicht.

Sturm: Bäcker, Bobadilla, Colautti, Friend, Lamidi, Matmour, Neuville

Bobadilla ist nach Arongo der zweite Großtransfer. Der Argentinier ist ein hochtalentierter, bulliger, torgefährlicher Stürmer. Gladbach hat ihn wohl nur bekommen, weil er in den letzten Jahren verletzungsanfällig war. Er hat das Potential, einzuschlagen. Das hängt davon ab, ob er den Sprung aus der schweizer Liga in die deutsche Liga schafft und ob sein Körper mitmacht. Auch hier gilt wie bei Arango: einen auf dem Papier viel besseren kann Gladbach nicht bekommen.

Rob Friend hat eine Seuchensaison hinter sich und laboriert seit einer halben Ewigkeit an einer eigentlich harmlosen Verletzung. Vor seinem Ausfall musste er Zugeständnisse an die erste Liga machen. Er büßte nach dem Aufstieg viel an Durchschlagskraft ein und agierte, wenn er mal in Position kam, unglücklich. Er muss erst noch unter Beweis stellen, dass er ein Guter in dieser Spielklasse ist.

Wenn bei beiden ersten Stürmer das Adjektiv verletzungsanfällig ganz vorne steht, müsste die sportliche Leitung eigentlich hellhörig werden und dahinter nicht nur Breite, sondern auch Klasse aufstellen. Leider sehe ich da wenig.

Matmour wird seinen Stammplatz mit Händen und Füßen verteidigen. Ob im 3er-Sturm auf Außen, im linken offensiven Mittelfeld oder als zweite Spitze, die um den Stoßstürmer wirbelt. Er hat sich gut in der Liga etabliert, muss aber noch an Zielstrebigkeit und Abschluss arbeiten.

Oliver Neuville könnte für einige Einsätze gut sein, aber sein Stern sank angesichts des Gladbacher 3-Spitzen-Sytems bereits in den letzten zwei Jahren schneller als die Bismarck. Sollte Frontzeck auf einen Zwei-Mann-Sturm setzen, könnte er noch mal eine Rolle spielen und als guter Backup fungieren – bei perfekter Gesundheit sogar für die erste Reihe infrage kommen.

Colautti ist seit letzter Saison eigentlich verbrannt. Er war der Chancentod, wenn er denn überhaupt mal eine Torchance bekam. Seine Rolle war undankbar. Er musste Friend als einzige Spitze vertreten und diese Rolle behagte ihm offensichtlich nicht. Wie bei Neuville gilt für ihn: in einem Zweier-Sturm könnte er aufblühen, muss sich aber von ganz hinten wieder rankämpfen.

Bäcker, aus der A-Jugend gleich in den Profi-Kader befördert, hat gute Ambitionen, scheint erfrischend unbedarft und selbstbewusst zu sein. Seine punktuellen Einsätze muss er nutzen. Eine Prognose ist natürlich nicht möglich. Moses Lamidi hat seine punktuellen Einsätze in der Vergangenheit nie genutzt und ich wundere mich, dass er immer noch im Kader steht. Er wird keinerlei Rolle spielen.

Auch im Sturm sehe ich wenig Anlass für Optimismus. Bobadilla ist ein Hoffnungsträger, aber natürlich abhängig von der Vorarbeit der Mitspieler – ich verweise auf meine Einschätzung der anderen Mannschaftsteile. Friend muss sich in der Bundesliga noch beweisen. Dahinter kommt nicht viel und im Verletzungsfall könnte Gladbach einigermaßen blank dastehen.

Fazit: Der Kader bürgt leider nicht für einen sicheren Klassenerhalt. Es sind zwar zwei Transfer-Highlights gesetzt worden, aber das ist zuwenig angesichts der Tatsache, dass dahinter kaum Verstärkungen, sondern nur (bestenfalls) Mitläufer verpflichtet wurden. Zahlreiche Schwachpunkte sind bereits offensichtlich, insbesondere in der Innenverteidigung. Gladbach wird sich mit diesen Spielern erneut auf eine im negativen Sinn spannende Saison einstellen müssen.

Und jetzt seid Ihr dran: Hab ich etwas falsch eingeschätzt? Ist Gladbach doch besser aufgestellt? Traut Ihr einem Spieler eine Überraschungssaison zu?

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Der Marin-Abschied: War schön!

Juni 26th, 2009

„Von 25 Journalisten in Gladbach haben vielleicht zwei den Wert von Tomas Galasek erkannt. Der schießt zwar kaum Tore und ist auch kein Marko Marin, der auf drei Quadratmetern vier Mann ausspielt, worauf die Fans zurecht vor Freude zu onanieren beginnen.“

Dieses Zitat war wohl ein wunderbares Fazit dessen, was Marko Marin in den letzten beiden Jahren für Mönchengladbach geleistet hat. Er war nicht der Basisspieler, der die Mannschaft alleine eine Klasse besser gemacht und alle anderen mitgerissen hat. Aber er war der Spieler, der die Glanzpunkte setzte, der die Kurve kollektiv hat mit der Zunge schnalzen lassen, der in  unmöglichen Situationen eine Lösung fand. Mit seinen Dribblings und Standards hat er Gladbach die Punkte gesichert, die zum Aufstieg und Klassenerhalt bitter nötig waren.

Galasek mag wichtiger sein, aber für einen Marin geht man ins Stadion. Und er kann in knappen Spielen den Unterschied ausmachen.

Mag sein, dass er nicht der defensiv stärkste Spieler ist und körperlich eigentlich nicht gegenhalten kann. Das hat ihn im letzten Jahr ein wenig ausgebremst und ihn Einsatzzeit gekostet, denn im Abstiegskampf muss man manchmal andere Prioritäten setzen. Aber wenn man einen Spieler dieser technischen und kreativen Klasse hat, müssen normalerweise die 10 anderen Spieler 10% mehr laufen, um ihm die Freiheiten zu gewähren.

Sein Disput mit Meyer existierte wohl nur in den Medien. Legendär der Doppelpass, in dem Hans Meyer die Elite des deutschen Sportjournalismus vorführte, weil diese Marins Einsatzzeiten um das sechsfache unterschätzte.

Nein, Marin war einer der wichtigsten Gladbacher Spieler der letzten beiden Jahre – auch wenn er punktuell auf der Bank Platz nehmen musste. Er war auch deutlich wichtiger als Baumjohann. Jener hatte tatsächlich nur wenige, dafür aber ebenfalls spektakuläre Momente. Die deutlich höhere Konstanz hatte aber Marin.

Marins Wechsel kann ich ihm nicht mal übel nehmen. Er hat die Saison durchgespielt ohne Ansprüche anzumelden und hat erst nach dem Klassenerhalt klar seine Ambitionen geäußert. Gegenüber vielen anderen Jungstars in den letzten Jahren wählt er (ohne dass ich seine anderen Angebote kennen würde) einen Verein, bei dem er realistische Entwicklungsmöglichkeiten hat – ein logischer Schritt. Bei Bremen kann er sich – neidlose Anerkennung – besser weiterentwickeln als bei Gladbach, weil er dort eben nicht ständig im Abstiegskampf steckt, sondern mit Rückendeckung frei aufspielen und damit seine Stärken einbringen kann.

Ich hoffe und zweifle nicht daran, dass er diesen Schritt packt, denn er kann eine der größten Attraktionen der Liga werden – einer dem man gerne zuguckt, unabhängig von der Vereinszugehörigkeit.

Der einzige Wermutstropfen ist für mich die Ablöse: Wenn man so ein Ausnahmetalent unter Vertrag hat, dem in wenigen Jahren alle Optionen offen stehen können, dann muss man dafür eine höhere Ablöse kassieren als 8,5 Millionen – auf Basis dessen, was im Moment für weniger talentierte Spieler als Summen aufgerufen werden (z.B. Kevin Prince Boateng, Demba Ba). Aber da man Reisende nicht aufhalten kann und Marins Vertrag nur noch ein Jahr lief, nimmt man was man kriegen kann.

Edit: Ich habe zwei Postings von mir über Marin ausgegraben:  ein ganz altes, als Marin noch in der A-Jugend spielte und eines aus der zweiten Liga, das allerdings schon jene Schwächen beschreibt, die ihm immer noch anhaften.

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Schöne Sachen, die die Post bringt

Juni 26th, 2009

Normalerweise mag ich den Postboten nicht. Wenn etwas im Briefkasten landet, will in der Regel jemand etwas von mir. Meistens Geld. Heute kamen gleich drei wunderbare Lieferungen an.

Erstens: Meine Dauerkarte für die neue Saison.

Ich hoffe, ich werde wirklich Spaß daran haben – in der letzten Saison war dieses Ticket eher eine Garantie für Verdruß. Ein Lob muss ich an dieser Stelle an die Borussia zollen: die ganze Saison kostet mich 163 Euro – 9,50 Euro pro Spiel. Das ist echt ein fairer Preis und wenn man mal über den Tellerrand guckt, was in anderen europäischen Ligen so los ist, mag ich das gar nicht zu laut sagen, sonst kommt noch jemand im Gladbacher Marketing auf dumme Ideen.

Zweitens: Meine neuen Fußballschuhe.

Die Teile hat mir Under Armour kostenlos zur Verfügung gestellt. Ich habe, wie viele andere Blogger auch, eine Einladung zur Präsentation dieser Schuhe (die ersten überhauot von UA)  und der neuen Hannover-Trikots bekommen.  Da ich zu der Veranstaltung nicht anreisen kann, habe ich einfach mal nachgefragt, ob ich nicht ein Paar Schuhe bekomme unter der Auflage, eine Review darüber zu schreiben. Ich habe nicht damit gerechnet, aber die Firma ist drauf eingegangen – für mich ein guter Deal. Bevor Nachfragen kommen: Der PR-Kollege, mit dem ich gemailt habe, hat betont, dass ich der einzige Blogger wäre, dem sie die Treter stellen würden. Demnächst – nach Beginn der Vorbereitung Ende Juli – an dieser Stelle also eine ehrliche Kritik aus Sicht eines mäßig talentierten Kreisliga-Fußballers.

Achso: Das dritte Paket enthielt ein cooles Poster, das mir der Kollege r0ssi hat zukommen lassen (habe ich erwähnt, dass ich im Nebenjob großer Sci-Fi-Fan bin?).

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Eberl und Frontzeck – frischer Wind?

Juni 13th, 2009

Vor wenigen Wochen noch, stand ich der sportlichen Leitung der Borussia sehr skeptisch gegenüber. Da war kein renommierter Name auf der Position des Sportdirektors verpflichtet worden, sondern mal wieder einer aus der eigenen Nachwuchsabteilung: Max Eberl.

Max Eberl ist keiner mit internationalen Kontakten. Keiner, der Beziehungen hat und darüber den einen oder anderen Geheimtipp bekommen würde. Max Eberl ist ein Arbeiter, wie er es auch schon auf dem Fußballfeld war.

Es passte für mich ins Bild. Rolf Königs ist ein Sonnenkönig und was man so hört lässt vermuten, dass er gerne Ja-Sager um sich versammelt und Kontra nur ganz schlecht verträgt. Das ist nicht ungewöhnlich für einen Unternehmer alter Schule, aber in einem von ihm nicht gelernten Bereich sicher nicht förderlich.

Die Installation Eberls rundete das Ganze ab. Ein willfähriger Steigbügelhalter auf  der entscheidenste Position des Vereins, der wenig Widerworte gibt. Das Trauma Ziege immer noch im Hinterkopf, als ein B-Jugend-Trainer zum Entscheider befördert wurde und nach einer guten Saison alles kollabierte.

Umso erstaunlicher ist es, wie viel Profil Max Eberl in den letzten Wochen an den Tag gelegt hat. Eine angeblich 500-seitige Ausarbeitung zur Zukunft der Borussia soll er vorgelegt haben. Und er hat mal kurz die strategische Ausrichtung des Vereins neu definiert.  Und alles, was von seinem Konzept bisher nach Außen gedrungen ist, gefällt mir nicht nur, ich kann es 100% so unterschreiben und es deckt sich mit den Gedanken, die ich in diesem Blog schon länger hege:

Dass ein Verein eine Philosophie haben sollte, die unabhängig ist von Trainern. Dass der Verein System und Grundstrategie vorgeben sollte, um Kontinuität gewährleisten zu können und nicht alle halbe Jahre die Aufstellung neu ausrichten muss. Denn nur dann ist gewährleistet, dass man mit dem vorhandenen Spielermaterial arbeiten kann und nicht nach dem Gusto des neuen „Erfolgscoachs“ erstmal auf Einkaufstour gehen muss und fünf neue Flügelstürmer einkaufen muss, weil bisher 4-4-2 gespielt wurde.

Max Eberl hat diese Philosophie in nettere Worte gekleidet. Der Verein baue dem Trainer eine Autobahn. Wie dieser darauf fahre, bleibe ihm überlassen. Aber nach links und rechts gebe es eben eine Begrenzung.

An diesem Punkt kommt die Personalie Michael Frontzeck ins Spiel. Den besten Kommentar dazu habe ich auf Seitenwahl.de gelesen. Es gebe nichts, was gegen Frontzeck sprechen würde. Aber es gebe auch keine Argumente für ihn.

Frontzeck hat seine Teams bisher genau dahin trainiert, wo sie hingehören. Er hat keine Überraschungen nach oben oder nach unten geschafft. Sollte er an diese Tradition anknüpfen, stünden immer drei Mannschaften unter Mönchengladbach in der Tabelle. Das ist doch schon mal was.

Im Kontext, nach allem was Eberl hat verlauten lassen, passt Frontzeck haargenau in das Profil. Als ich die Anforderungen las: fleißig, loyal, anpassungsfähig – wusste ich, es kann nur auf Frontzeck oder Funkel hinauslaufen.  Frontzeck ist uneitel, ehrlich und glaubwürdig. Er ist kein großer Stratege, aber ein Teamplayer.

Um den beschriebenen Neuanfang zu machen, kann er also genau der richtige Mann sein – um ein, zwei solide Saisons zu spielen, den Verein wieder in der Bundesliga zu etablieren und Ruhe in den Verein einkehren zu lassen. Aber diese –geringe – Erwartungshaltung muss er  bestätigen. Ich glaube eher, dass Frontzeck nach der Hinrunde entlassen wird, als dass er ein zweiter Thomas Schaaf wird.  Ich traue ihm nicht zu, eine Überraschungssaison zu spielen. Ich traue ihm nicht zu, aus der Mannschaft viel mehr rauszuholen, als das Spielermaterial erwarten lässt.

Zum Glück bin ich mit meinen Prognosen an dieser Stelle in der letzten Saison ganz mies gefahren. Hoffentlich liege ich also falsch – mit der Perspektive ins gesicherte Mittelfeld.

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