Früher war alles besser: Kreisliga-Zuschauerschwund mit DFL-Unterstützung

Dezember 5th, 2008

Vor 14 Jahren, als ich  aus der Jugend der Spvgg Lürrip in die Bezirksliga-Mannschaft von Fortuna Mönchengladbach wechselte, waren die Sonntags-Spiele meiner Mannschaft noch ein Treffpunkt. In der Kurve vor dem Vereinsheim gab es kaum eine Lücke. Die Bande war durchweg besetzt mit Alt-Internationalen des Clubs, mit Mitgliedern des örtlichen Schützenvereins und eine Traube Kinder tollte über die Laufbahn. Nach dem Spiel tranken die Spieler zwei bis drei Bier im Vereinsheim und anschließend traf sie sich mit den Zuschauern in der Stadtteils-Kneipe.

Dabei waren die goldenen Zeiten schon lange vorbei. Zehn Jahre zuvor noch standen die Zuschauer in mehreren Reihen um den Platz herum, als die A-Jugend des Vereins in der Niederrhein-Liga gegen Fortuna Düsseldorf gegen den Abstieg spielte. Wollte man sich das Spiel anschauen, musste man an einem Kassierer vorbei, der stolze 5 DM kassierte.

Heute verlieren sich  bei meinem Verein 5 bis 10 Zuschauer an den Seitenlinien. Eintritt wird nicht mehr kassiert, damit überhaupt noch jemand kommt. Selbst Stadtteil-Derbys finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Die Ursache ist natürlich nicht, dass Premiere zeitgleich die zweite Liga zeigt. Die Menschen sind nicht mehr in ihren Gemeinden verwurzelt – das ist die Ursache. Vor 30 Jahren war das Ergebnis der Fortuna Gesprächsstoff in Mönchengladbach-Windberg. Man traf sich in Kneipen und fachsimpelte über die Leistung des Teams, während die Spieler mit an der Theke standen.

Heute trifft man sich nicht mehr in Kneipen und die Spieler selbst in den Kreisligen sind Legionäre, die den Verein wechseln wie die Unterhose, wenig bis gar nicht interessiert am Umfeld und an einem lebendigen Vereinsleben. Das ist keine Klage, sondern eine Beschreibung der Realität.

Dort, wo eine Gemeinde bzw. eine organisierte Gemeinschaft noch funktioniert, da kommen auch noch Zuschauer zu den Spielen. Bei Dorfclubs zum Beispiel. Und bei Vereinen, die von Immigranten gegründet wurden. Vor zwei Wochen spielten wir gegen den Club der kurdischen Gemeinschaft in Schwetzingen, den KSC Schwetzingen. Mit der Mannschaft reisten mehr als 50 Zuschauer an – für die Kreisliga sensationell.

So desolat die Lage ist, durch den neuen Spielplan der DFL wird sie noch schlimmer. Nicht nur die potentiellen Zuschauer geben sich lieber die Bundesliga-Übertragung. Sogar die Spieler bleiben weg, weil sie lieber ihren Verein im Fernsehen anschauen als selbst zu kicken. Dieses Problem kumuliert vor allem in Städten wie Mönchengladbach, wo 90% der Aktiven heißblütige Fans sind.

So sind es nur Lippenbekenntnisse von Theo Zwanziger, wenn er gleichzeitig den Amateurfußball fördern will, aber nicht lautstark gegen den neuen Premiere-Vertrag zu Felde zieht. Kreisliga und Bezirksliga gehören zur Fußball-Kultur, ein fragiles Pflänzchen, dass es aufzupäppeln gelte, würde man so etwas wie soziale Verantwortung ernst nehmen. Dort können  sich junge Spieler Selbstvertrauen holen und Bindung an das soziale Umfeld finden – aber nur solange es ein Umfeld gibt.

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Waldhof: Almosen vom Feindbild

November 27th, 2008

Bitterer geht’s glaub ich nicht für einen Fan. In den letzten 5 Wochen hat Waldhof Mannheim den Aufstieg weitgehend verspielt, hat festgestellt, dass der Kader unglaublich viel zu teuer ist für die Regionalliga und musste sich schließlich erneut von Dietmar Hopp retten lassen.

Genau jenem Dietmar Hopp, der das Feindbild Nummer 1 ist. Dem nicht verziehen werden kann, dass er eine Kreisliga-Mannschaft in die Bundesliga führte statt dem Traditionsverein.

Dass es die Vereinsführung Mannheims war, die die Jahrhundertchance verspielte, als Hopp vor ein paar Jahren noch offen war für ein Waldhof-Engagement – egal.  Dass er dem Verein für 3 Millionen ein Jugendzentrum gebaut hat – egal. Was zählt, ist die verletzte Ehre.

Von seiner Gnade abzuhängen, zum zweiten Mal von ihm vor der Insolvenz gerettet worden zu sein, das tut weh. Und ich bin mir sicher, es gibt nicht wenige, die lieber einen Neustart in der Kreisliga in Kauf genommen hätten, als auf Almosen aus der benachbarten Provinz angewiesen zu sein.

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100 Euro für Uerdingen

Dezember 30th, 2007

Wenn ich 100 Euro übrig hätte, würde ich es wahrscheinlich an Orang-Utans spenden. Eine andere aussterbende Art ist der Fußballer des KFC Uerdingen. In der Grotenburg drohen nämlich die Flutlichter für immer auszugehen. Selbst legendäre Aktionen wie die Versteigerung eines Kaderplatzes via eBay haben das Vereinskonto nicht retten können. Jetzt sucht der KFC via Xing junge, erfolgreiche und obendrein gutaussehende Sponsoren, die die Tradition retten. Ich sag mal so: Wer sich noch Aleksandar Ristic als Trainer leisten kann, dem muss ich keine Kohle rüberschieben. Aber vielleicht haben andere ein weicheres Herz als ich.

P.S.: Von der eigentlichen URL der Aktion www.traditionsretter.de wird man auf eine andere Domain umgeleitet, wo die eigentliche Inhalte stehen. Und die heißt www.firmenparkplatz.de. Das nenne ich Betriebssporttradition.

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Die Rückkehr der Bauunternehmer

September 23rd, 2007

Es gibt eine seltsame Symbiose im Fußball. Der Sport scheint eine Einladung für mehr oder weniger erfolgreiche Baulöwen zu sein, ihre Eitelkeiten auszuleben. Ich habe in meinem Leben in vier Vereinen gespielt. In zwei davon waren eben solche Unternehmer am Start, die ihre kleinbürgerliche Existenz durch Sponsoring höchstens lokal erfolgreicher Mannschaften aufjazzten.

In den Niederungen des deutschen Fußballs läuft es mit solchen Leuten meistens nach demselbem Schema: Sie kaufen sich eine Mannschaft aus Maurern, Kfz-Mechanikern und Elektrikern zusammen, die zwei Spielzeiten lang glänzt, ein- bis zweimal aufsteigt und dann ganz übel die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit aufgezeigt bekommt. Dann kriegen die Stars des Teams “hochdotierte Angebote” (so um die 50 bis 100 Euro pro Spiel) von einem anderen Mäzen und der Laden bricht sowas von auseinander, dass es direkt die zwei Klassen wieder nach unten geht, die man zuvor hinter sich gelassen hatte (im positiven Fall) oder noch viel weiter in die Wald- und Wiesen-Ligen (im negativen Fall).

Man mag mir eine negative Einstellung solchen Stadtteil-Napoleons gegenüber unterstellen. Und wisst ihr was: Das ist richtig. Aus einem Club bin ich bereits rausgeflogen, weil ich einem Vertreter dieser Gattung ordentlich die Meinung gesagt habe. Der hatte, als es gerade wieder schwer nach unten ging, dem Vereinsnachwuchs wie mir eine echte Perspektive geboten, um eine Saison später wieder eine ganze Elf Bezirksliga-Legionäre einzukaufen um uns auf der Bank schmoren zu lassen.

Aber zurück zum Thema, warum ich eigentlich darauf komme. Manche dieser Bauunternehmer schaffen es tatsächlich in den Profi-Fußball. Warum auch immer – im Osten finden sie immer noch eine Spielwiese.

Erinnert sich noch jemand an Dieter Krein? Den Cottbusser Präsident, der mit Ede Geyer die erste Blüte Energies einleitete? Ein absoluter Provinzfürst, der den Verein an den Rande der Insolvenz führte.

Leider hat es den Verein in der Nachfolge nicht besser getroffen. In der Lausitz geht es um Eitelkeiten, um sonst nichts. Wie sonst könnte sich ein Sparkassen-Vorstand anmaßen, auf Bundesliga-Ebene Ahnung haben zu wollen. Mit solchen Ausssagen wie: “Im Interesse der weiteren erfolgreichen Zukunft des FC Energie Cottbus blieb uns letztlich keine andere Wahl, als ein Wechsel auf der Trainerposition.” Hallo? Ohne Sander würde Cottbus heute mit Glück in der Regionalliga kicken.

Aber nicht nur in Cottbus dürfen solche Experten rumverwalten. Auch in Jena wachsen die Ansprüche in den Himmel. Zwei hochverdiente Trainer nacheinander zu feuern – alle Achtung. Und dann noch einen Investor anzuschleppen, der so halbseiden ist, dass die DFL die Zustimmung verweigert – gute Arbeit. Was die Fans von solchen Selbstdarstellern halten, hat Rainer Zipfel heute von der Fankurve mehr als deutlich zu hören bekommen.

Fazit: Egal ob Kreis- oder Bundesliga. Jeder Verein sollte sich vor Sonnenkönigen schützen und auch mal nein sagen. Lieber mit Würde ein paar Ligen tiefer, als abhängig von einem Arschloch.

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