FCK: Die Essenz der Misere hat ein Gesicht
Es war für mich die Essenz all dessen, was in Kaiserslautern falsch läuft. Ein einziges Interview im DSF. Ein dicker, froschmäuliger Mann, der die erbärmlichen, fettigen Überreste seines Kopfhaars vom linken Ohr quer über die Glatze gekämmt trug, stapfte, das Hemd provisorisch über den gigantischen Bierbauch in die Hose gestopft, aus einem Gasthof im tiefsten Westerwald und begann über die Trainerpolitik des FCK zu referieren.
Man kann sich mein Erstaunen vorstellen, als mir die Einblendung verriet, dass es sich nicht um eine Fanbefragung handelte, sondern um eine offizielle Auskunft des Lauterer Vorstandssprechers. Noch viel größer war mein Erstaunen, als ich den Namen Hans-Artur Bauckhage googelte und sich dieser optische Hartz-IV-Empfänger, der sich mit jeder in die Kamera gegrinsten Aussage tiefer in die Scheiße ritt, als ehemaliger Vize-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz erwies.
Nun ist nicht nur mein Glauben in die Demokratie erschüttert. Ich wurde wieder daran erinnert, dass beim FCK die Zeiten der Provinzfürsten nie geendet haben, nur durch ein kurzes Zwischenspiel, als Rene Jäggi die Hauptverantwortung trug, einen solide wirkenden Anstrich bekommen hatten, der mittlerweile mehr als abgeblättert ist und sämtliche maroden Stellen nicht mehr verbergen kann.
Vermutlich haben dieser Mann, Bauckhage, und seine Mitstreiter aus Versehen gar keine so schlechte Verpflichtung getan. Wenn einer unter diesen Bedingungen arbeiten kann, dann Milan Sasic. Schließlich waren seine drei letzten Trainerstationen die TuS Koblenz, der VfL Hamm und die DJK Gebhardshain-Steinebach. Wo liegt Gebhardshain? Direkt bei Daaden. Und wo hat der Bäckermeister Hans-Artur Bauckhage seinerzeit seine politische Karriere im Gemeinderat begonnen? Genau. In Daaden. Da kann ja fast nicht mehr schief gehen.
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100% Laissez-faire und fünf Punkte weniger
Gladbach hatte beim Rückrundenstart Pech. Pech, dass die Mannschaft zweimal mehr als souverän in ein Spiel gestartet ist. Als Trainer konnte man noch so oft beschwören, dass noch harte Aufgaben warten, dass der Aufstieg kein Selbstläufer ist. In den Köpfen der Spieler waren die drei Punkte nach den günstigen Spielverläufen bereits eingetütet. Die Konsequenz waren unfassbare Unkonzentriertheiten, nicht mehr vorhandener Einsatzwille und geistige Unbeweglichkeit.
Selbst als die Spiele schon längst gekippt waren, als Kaiserslautern mit neun Leuten mehrere hochkarätige Chancen gehabt hatte, als Hoffenheim den Ausgleich erzielt hatte, war das Team nicht mehr in der Lage von 70 zurück auf 100 Prozent zu schalten. Und 70 Prozent reichen nicht aus. Nicht gegen einen dezimierten Abstiegskandidaten und erst recht nicht gegen einen ambitionierten Verfolger.
Diese Dynamik kann sich in zwei Richtungen entwickeln. Die erste, die wahrscheinliche, bedeutet, dass Borussia aufwacht und realisiert, dass es bis zum letzten Spieltag jede Minute um die Zukunft des Vereins geht. Die zweite wäre ein psychologischer Knacks und eine totale Verunsicherung. Die Umstände begünstigen, dass sich die Mannschaft fängt. Trotz der beiden Rückschläge hat sich die Ausgangsposition kaum verändert, weil die Mitkonkurrenten allesamt für die Borussia gespielt haben. Aus der Tabellenführung kann immer noch Selbstbewusstsein gesaugt werden.
Das nächste Spiel ist wegweisend. Es geht gegen Mainz fast um mehr als einen Big Point. Für beide gilt das gleiche: Ein Sieg wäre Balsam für die eigene Seele und dem Konkurrenten wäre ein absoluter Fehlstart in die Rückrunde beschert.
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Live-Blogging: Gladbach – Kaiserslautern
19.47: Tor für Kaiserslautern. Kopfball Runström in der 90. Minute nach einem Freistoß von Halbrechts. Lautern feiert, Gladbach flucht. Dies war einer der überflüssigsten Punktverluste, die ich seit langem gesehen habe. Nach der zweiten Roten Karte hat die Borussia das Laufspiel eingestellt und das Ergebnis noch nicht mal mehr verwaltet. Das war überheblich und phlegmatisch.
19.42: Lautern schnuppert am Ausgleich. Thomas Kleine klärt kurz vor der Linie für den geschlagenen Heimeroth.
19.37: Falls der ein oder andere Zuschauer den Eindruck haben sollte, ST Voyagers Lieutenant Tuvok würde im Lauterer Mittelfeld rumlaufen: Das ist Patrice Bernier, der dringend einen anderen Haarschnitt braucht.
19.31: Kein Tor für Gladbach. Daems hat nicht getroffen. Nach einer Freistoßhereingabe Ndjengs von der Eckfahne verlängert Rösler per Kopf. In diesem Moment steht Daems Abseits und der Linienrichter hebt die Fahne zurecht, als der Innenverteidiger die Kugel über die Linie bugsiert.
19.26: Die erste große Chance nach dem Platzverweis hat Lautern in Person von Bellinghausen, der eine hohe Flanke aus sieben Metern volley neben das Tor drischt.
Rote Karte gegen Josh Simpson! Harte Entscheidung, aber vertretbar. Simpson geht mit gestrecktem Bein in die Knochen von Daems, ohne den Ball treffen zu können. So oder so war das Foul am Gladbacher 16er völlig überflüssig. Rekdals Brecheimer müsste langsam voll sein.
19.21: Beda holt sich die Rote Karte ab – Grätsche in die Achillessehnen von Neuville. Rekdal kotzt gerade am Spielfeldrand ab. Der Kapitän und Abwehrchef dürfte dem FCK mindestens die nächsten beiden Spiele fehlen.
19.15: Bellinghausen hat ebenfalls kein Zielwasser getrunken. Aus sieben Metern schafft er es nicht einzuschieben – Heimeroth bringt seinen Körper zwischen Torlinie und Ball. Eine Volleyabnahme nach der folgenden Ecke klatscht an den Außenpfosten. Langsam werde ich wieder wach.
19.13: Nando Rafael demonstriert zweimal hintereinander, wie man aus fünf Meter freistehend vor dem Tor scheitern kann. Wahrscheinlich wollte er nur seinem Vorbild Neuville nacheifern, der eine Minute zuvor das gleiche zustande gebracht hatte. Das musste die Vorentscheidung sein.
19.05: Wiederapfiff, keine Änderungen auf beiden Seiten. Ndjeng gibt per Freistoß eine erste Kostprobe, dass Gladbach nun vielleicht etwas mehr Ernsthaftigkeit an den Tag legen will. Sippel klärt mit den Fingerspitzen im linken unteren Eck.
18.41: Rösler holt sich mit einer rüden Grätsche die fünfte gelbe Karte ab. Vielleicht holt das die Gladbacher aus dem Dämmerzustand.
18.30: Ein müdes Spiel. Kaiserslautern arbeitet sich an der Gladbacher Verteidigung ab. Die Borussia hingegen beschränkt sich auf das Allernotwendigste. Die meisten Angriffsversuche scheitern, wenn Ndjeng den Ball vertändelt.
18.20: Seit einer viertel Stunde geht nur noch sehr wenig. Lautern hat sich ein wenig berappelt, sprich es lässt keine Großchancen mehr zu. Das ist es aber auch. Wenn mal eine schöne Aktion kommt, dann von Bellinghausen.
Was ist eigentlich aus der ominösen norwegischen Eckballtraube geworden, die der FCK zu Saisonbeginn im Repertoire hatte?
18.08: Rekdal hat die Faxen dicke und schickt die ersten Spieler zum Aufwärmen hinters Tor.
18.03: Beinahe das zweite Tor für die Borussia. Neuville darf sich auf links den Ball zur Flanke sekundenlang zurechtlegen. In der Mitte schafft es die Lauterer Abwehr nicht, den keine 1,80 Meter großen Rafael am Kopfball zu hindern. Glanzparade von Sippel.
Lautern lässt alles das vermissen, was es in einem Spiel gegen Gladbach gefragt wäre. Man könnte meinen, dass die Spieler absichtlich das Gegenteil von dem machen, was ihnen Rekdal mit auf den Weg gegeben hat.
18.00: TOOOOOR für Gladbach! Brutale Abwehrschwäche des FCK bei einer Freistoßflanke von Ndjeng. Rösler köpft nach 51 Sekunden ein.
17.55: Auf Gladbacher Seite eine kleine Überraschung in der Aufstellung. Coulibaly beginnt im linken Mittelfeld. Kleine spielt von Anfang an in der Innenverteidigung, Rafael für den gesperrten Friend im Sturm. Bei Lautern, wie in der Vorrunde mit einer Doppel-6, dürfen die erst vor wenigen Tagen verpflichteten Neuzugänge Mandjeck und Iacob ran.
Gladbach: Heimeroth, Voigt, Daems, Kleine, Levels, Paauwe, Coulibaly, Ndjeng, Rösler -Rafael, Neuville
Lautern: Sippel – Weigelt, Schönheim, Beda, Müller – Mandjeck, Demai, Bernier, Bellinghausen – Iacob, Simpson
17.30: N’abend allerseits. Statt dem geplanten Bierchen im Stadion muss ich mich heute auf Kamillentee vor den Fernseher beschränken. Winter sucks. Meine Laune hellt ein wenig Christoph Daum auf, der den Premiere-Fieldreporter bei jeder Frage sowas von auflaufen lässt:
“Herr Daum, ein Sieg zu Karneval?”
“Karneval? Wen interessiert Karneval? Wir sind hier beim Fußball”
“Aber Ihre Fans würde ein Sieg das Feiern sicher versüßen.”
“Unsere Fans feiern das ganze Jahr, dazu brauchen die weder Karneval noch einen Sieg”
Uiuiui, da ist aber jemandem eine Laus über die Leber gelaufen.
Der Nordpark in Gladbach sieht spärlich besetzt aus. Kaiserslautern scheint wenig Anhang mitgebracht zu haben. Eitel-Sonnenschein herrscht bei Ziege und Luhukay. Da gibts nicht viele Fragen für das Interview. Etwas besseres als “Werden Sie heute versuchen, ein frühes Tor zu erzielen?” sollte einem Journalisten dennoch einfallen.
Erstmals in seiner neuen Funktion vor der Premiere-Kamera: Fritz Fuchs, der für seinen FCK als Ziel ausgibt, am Ende der Saison vor St. Pauli zu stehen. Sonst hat auch er nichts anderes als die üblichen Durchhalteparolen (“Auch heute spielen 11 gegen 11”).
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Schon wieder ein guter Schachzug: Gladbach holt Kleine
Langsam wird’s unheimlich. Gladbach drohte durch einige Ausfälle mit einer mehr als löchrigen Innenverteidigung in die Rückrunde zu gehen. Und was macht der Herr Ziege? Er tätigt ohne Vorankündigung einen absolut sinnvollen Transfer, der das Potential einer langfristige Verstärkung hat. Thomas Kleine hat sich zwar in Hannover nicht durchsetzen können, war aber in der Vorsaison einer der überragenden Zweitliga-Defensivleute und konnte sich obendrein neun Mal in die Torschützenliste eintragen.
Die Lücke, die der Ausfall von Brouwers in der Verteidigung reisst, ist adäquat gestopft und die Borussia sollte bei Standards noch gefährlicher werden – obwohl dies bereits eine der größten Stärken der Mannschaft ist. Zudem hat Kleine das Potential, auch in der ersten Liga eine solide Rolle spielen, so dass eine potentielle Baustelle der Saisonvorbereitung gar nicht erst aufgemacht werden muss. Immer unter dem Vorbehalt, dass Kleine an seine Fürther Form anknüpfen kann.
Klar, alles ist relativ. Ein Top-Mann in der ersten Liga wird er nicht werden. Dazu ist er zu langsam. Aber er ist ein Mann, bei dem man das Leistungsvermögen gut einschätzen kann und man keine Angst vor charakterlichen Schwächen oder mangelnder Einstellung haben muss. Damit fügt er sich wie ein Puzzleteil in das seit einer Saison verfolgte Konzept der Borussia ein.
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Hexenkessel Hoffenheim
Auftrieb der Fan-Massen – Bilder wie man sie sonst nur aus Gelsenkirchen kennt. Beim Vorverkaufsstart für das Gladbacher Gastspiel drängten sich die Anhänger bereits vor Sonnenaufgang v0r der Geschäftsstelle. Im Gegensatz zu Schalker Verhältnissen war der Drops allerdings um 10 Uhr morgens gelutscht. Eine Stunde nach Öffnung der Kassen waren alle Karten vergriffen. Über die TSG-Website wurde ergo kein einziges Ticket angeboten.
Pech für mich, steht die Begegnung quasi direkt vor meiner Haustür doch fest in meinem Terminkalender. Bleiben eBay und das Fan-Forum als letzte Hoffnungen. Sollte einer der geneigten Leser eine Karte übrig haben: Ich nehme sie.
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Kniekiller-Trainingslager
Wenn’s so richtig gut läuft, dann fällt Borussia Mönchengladbach garantiert was ein, sich selbst im Weg zu stehen. Zum Beispiel 3.000 Kilometer mit dem Flieger zurückzulegen, um sein Trainigslager auf einem Kartoffelacker par Exellence abzuhalten. Das Ergebnis sind drei verdehte Knie (Kniee? Knies?) und eine dadurch zum Saisonauftakt völlig zerrupfte Abwehr.
Vor zwei Wochen noch schien es eine ausgezeichnete Idee, Marvin Compper bereits zur Winterpause an 1899 Hoffenheim zu verkaufen und Ze Antonio in die türkische Pampa auszuleihen. Was sollte schon passieren? Da müssten drei Abwehrspieler ausfallen, dass man die beiden wirklich dringend bräuchte. Murphys Law schlug zurück: Roul Brouwers und Johannes van den Bergh verabschiedeten sich zur Kernspintomographie und Gohouri zum Afrika-Cup. Zum Auftakt der Rückrunde verbleibt mit Daems ein Innenverteidiger und mit Voigt ein Linksverteidiger. Dazu sind zwei erprobte Rechtsverteidiger im Kader.
Sollte man das Trainigslager rechtzeitig abbrechen, so dass die Truppe nicht noch weiter dezimiert wird, und die Vorbereitung zum Beispiel auf der Bezirkssportanlage Mönchengladbach-Lürrip fortsetzen (wo sicher ein besserer Rasen liegt als in Malaga), besteht die Hoffnung, die Ausfälle kompensieren zu können. Paauwe geht zurück in die Abwehr und Polanski oder Svärd übernehmen die 6er-Position. Dennoch bliebe die Aufstellung mit heißer Nadel gestrickt.
Bleibt das letzte Opfer zu erwähnen: Roberto Colautti. Für den laut Hans Meyer besten Gladbacher Stürmer bot sich zum Auftakt die Chance, der bisherigen Leistung des gesperrten Rob Friend etwas entgegenzusetzen. Nun wird er es auch in der Rückrunde extrem schwer haben, sich zu empfehlen. Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.
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Die beste Nachricht des jungen Jahres
Gladbach will in der Winterpause keinen neuen Spieler verpflichten. Großartig. Wie sehr habe ich in den letzten Jahren diese Worte gehasst: “Im Vorgriff auf die neue Saison…” [im Anschluss bitte “verpflichten wir” und den Namen einer Total-Graupe einsetzen].
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2. Liga: Die Halbzeitbilanz Teil 3
VfL Osnabrück – Eine absolut positive Erscheinung, nicht nur weil der VfL trotz sehr begrenzter Mittel durchweg die Abstiegsplätze vermeiden konnte. Auch weil unter Pele Wollitz ein anständiger Offensivfussball gespielt wird, der für die meisten Tore der zweiten Tabellenhälfte sorgte. Der Nachteil daran: Osnabrück ist nicht in der Lage gleichzeitig vorne zu glänzen und hinten sicher zu stehen. Dier Abwehr gehört zu den löchrigsten der Liga. Fatal ist ebenfalls die Auswärtsschwäche, da hat der VfL die schlechteste Bilanz aller Zweitligisten. Hoffnung dürfte machen, dass viele Niederlagen auf fremden Platz haarscharf waren. Sollte Wollitz dem Team das Selbstbewusstsein geben können, auch in der Fremde den einen oder anderen Punkt mitzunehmen, dürfte der Klassenerhalt klappen. Aber sicher ist er noch lange nicht und wird er lange nicht sein.
Kickers Offenbach – Wie im Vorjahr gelangen den Kickers ein sensationeller Auftakt – gefolgt von einem noch sensationelleren Einbruch. Der Rücktritt von Wolfgang Frank kam sicher zu früh, doch er wurde adäquat ersetzt. 17 Tore sind viel zu wenig, und das obwohl der Sturm mit Türker eigentlich der beste Mannschaftsteil sein sollte und seine Qualität bereits in den Vorsaison bewiesen hat. Das wirft kein gutes Licht auf das Mittelfeld, das zu langsam in die Vorwärtsbewegung kommt. Auch die Abwehr ist kein Prunkstück. Bezeichnend für die beiden letztgenannten Mannschaftsteile ist, dass Sichone und Reich sowas wie Hoffnungsträger für die Rückrunde sind. Normal sollte es in die dritte Liga gehen, außer Andersen verpasst der Mannschaft ein neues Gesicht.
Erzgebirge Aue – Nachdem Schädlich ein unterdurchschnittliche Mannschaft jahrelang auf konstant hohem Niveau gehalten hat, kam in der Hinrunde der fast schon logische Einbruch – irgendwann spielt ein solcher Verein eine Saison gegen den Abstieg. Eine der Ursachen ist sicherlich, dass Aue keine herausragenden Akteure wie einstmals Juskowiak mehr verpflichten konnte – vom verletztungsgeplagten Torwart Bobel mal abgesehen. Ob Schädlich mit seinem Rücktritt dem Verein einen Gefallen getan hat – sicher nicht. Mit ihm und ein paar Verstärkungen im Rücken hätte ich Erzgebirge durchaus den Klassenerhalt zugetraut. So glaube ich – unabhängig vom neuen Trainer – nur sehr bedingt an eine erfolgreiche Rückrunde.
1. FC Kaiserslautern - Hier muss man nicht viel schreiben. Pures Chaos, das trotz mittelfeldtauglicher Mannschaft den Abstieg bedeuten könnte. Einzig Kjetil Rekdal gefällt mir gut, der auf Valium sein muss, um die Verhältnisse am Betzenberg so stoisch ertragen zu können. Auch wenn ich es ihm nicht gönne, wird der Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag dauern.
FC Carl Zeiss Jena – Noch so ein Chaos-Club. Zwei Trainerentlassungen und ein von der DFL abgelehnten Großinvestor stehen in dieser Saison bereits in der Bilanz und nun soll es ein Newbie aus dem eigenen Stall richten – das wird nicht klappen, an der Mannschaft haben sich schon zuviele Coaches die Zähne ausgebissen. Und auf der Torwartposition hat keine anderes Team im Profi-Fußball ein solches Problem. Das verunsichert den Verein schon seit Saisonbeginn.
SC Paderborn – Der einzige, der noch an den Klassenerhalt glaubt, ist wohl der Präsident. Alle anderen sehen auf die nackten Fakten und schreibenden SC ab. Aber: Der Saisonstart war katastrophal, die letzten Spiele der Hinrunde deuteten einen echten Aufschwung an. Paderborn hat mit einigen Remis bewiesen, dass es auch gegen gute Mannschaften konkurrieren kann. Die Abwehr ist die viertbeste der Liga. Es sind also durchaus Ansätze vorhanden, die auf Besserung hoffen lassen. Schafft es Fach, die Offensive in Schwung zu bringen und zwei bis drei echte Verstärkungen in der Winterpause zu holen, kann es mit dem Klassenerhalt tatsächlich noch klappen.
Fazit: Bei den Aufstiegskandidaten wird es für mich keine Überraschungen mehr geben. Die laufen so ins Ziel, wie sie jetzt bereits stehen. Dazu ist Gladbach zu konstant und Mainz und Köln haben sich gerade erst gefunden und werden in der Rückrunde Souveränität zeigen.
Auf den Abstiegsplätzen sehe ich Osnabrück, Aue, Jena und Offenbach, evtl. wird auch St. Pauli nochmal unten ran rücken. Paderborn tippe ich optimistisch auf die Überraschungsmannschaft der Rückrunde, Lautern wird es gerade so schaffen.
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2. Liga: Die Halbzeitbilanz Teil 2
SV Wehen – Der unterschätzteste Verein der zweiten Liga hat die Kritiker Lügen gestraft. Mit einem absolut konkurrenzfähigen Kader in die Saison gegangen, sorgte die Hock-Truppe zunächst für eine Überraschung nach der anderen. Als die anderen Vereine merkten, dass Wehen kompakt steht, aber in der Offensive limitiert ist, ging es ein wenig bergab. Gegen ebenso limitierte Gegner reichte es, aber für höhere Ansprüche reichte es nicht mehr. Wehen wird sich im Mittelfeld einpendeln.
TuS Koblenz – Die TuS lebt von der Rapolderschen Defensive. Koblenz schießt nicht viele Tore, ist aber immer für ein 1:0 gut. Das individuelle Potential ist nicht höher als bei Abstiegskandidaten, aber die Mannschaft bewegt sich gut. Nach oben wird nicht viel gehen, aber mit dem Abstieg wird sie auch nichts zu tun haben.
FC St. Pauli – Pauli wird mal wieder vom Pauli-Feeling getragen. Es gab vor der Saison eigentlich keinen Grund, warum diese Mannschaft nicht absteigen sollte. Aber sie schaffte es immer wieder Spiele durch puren Willen wie gegen Mainz zu gewinnen. Dafür steht Stanislawski. So wird es weitergehen.
Alemannia Aachen – Wer machte vor der Saison den Unterschied bei Aachen? Erstens Schlaudraff, zweitens Rösler. Beide sind weg und es wurde kein adäquater Ersatz gefunden. Das alleine hätte noch nicht für eine so enttäuschende Saison gesorgt. Die Krux lag in den Standards. Ohne die massive Abwehrschwäche bei Freistößen und Ecken stünde Aachen mindestens auf Augenhöhe mit 1860 und Fürth. Der neue Coach hat also einen einfachen Job, schnelle Resultate zu erzielen.
FC Augsburg – Meine Enttäuschung der Saison. In doppelter Hinsicht. Vor dem Trainerwechsel war es oft desaströs. Nach dem Trainerwechsel zu Ralf Loose, von dem ich viel halte, wurde es zunächst kaum besser. Aber dann kam der Schlussspurt. In den letzten vier Spielen drei Siege. So hat sich Augsburg eine gute, selbstbewusste Ausgangsposition erspielt, die in der Rückrunde für das gesicherte Mittelfeld reichen sollte.
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2. Liga: Die Halbzeitbilanz Teil 1
Erste Liga kann doch jeder – bei Bolzplatz gibt’s die Halbzeit-Einschätzung der zweiten Liga.
Borussia Mönchengladbach – Nennt es Zweck-Pessimismus – ich hatte meine Zweifel vor der Saison. Die wurden an den ersten drei Spieltagen bestätigt. Luhukay ließ ein naives System spielen, die Mannschaft sah kein Land. Nach der 1:4-Niederlage in Mainz folgten personelle und taktische Korrekturen, die keine Frage mehr offen ließen. Seitdem keine Niederlage mehr, dafür 13 Siege. Das war großes Tennis. Angesichts der individuellen Stärke und der erfolgreichen Spielanlage sollte nix mehr anbrennen.
1. FC Köln – Es ist ein verdammt hartes Stück Arbeit für Christoph Daum. Nach den ersten zehn Spieltagen hatte man den Eindruck, dass es einfach nicht passt in der Mannschaft. Helmes traf nicht, gab frustriert die Kapitänsbinde ab. Das Mittelfeld funktionierte nicht, die Spielweise wirkte pomadig und so gar nicht mitreißend. Lediglich herausragende Einzelleistungen, insbesondere von Novakovic, hielten den FC in Schlagdistanz zu den Aufstiegsplätzen. Die letzten sieben Spieltage brachten noch mal eine Ausbeute von 15 von 21 möglichen Punkten. Das sah zwar immer noch nicht optimal aus, war aber erfolgreich. Mein Gefühl sagt mir, dass Köln in die Spur gefunden hat und weiter punkten wird.
SC Freiburg - Die Wundertüte der Liga brachte viel mehr, als man in ihr vermutet hatte – und knüpft an die Tradition an. Die Spielanlage ist wie unter Finke zum Zungeschnalzen, das Kurzpassspiel lebt. Aber wie unter Finke fehlt oft die letzte Konsequenz. Gegen gut sortierte Defensivreihen fallen zu wenig Tore. Freiburg wird weiter eine gute Rolle spielen, aber am Ende nur einen fünften oder sechsten Platz belegen.
Spvgg Greuther Fürth – Die Überraschungsmannschaft der Liga. Nicht nur, weil sie auf dem fünften Platz steht, sondern auch, weil sie das Potential hat, noch weiter nach oben zu kommen. Trotz des großen Umbruchs haben die Fürther ihre Spielweise fortgesetzt, ohne brillierende Spielmacher, ohne Torjäger auf Sieg zu spielen. Fürth wird bis zum letzten Spieltag um den Aufstieg mitspielen.
1860 München – Der Geheimtipp hat sich in seiner Rolle etabliert. Dass die Serie zum Auftakt nicht ewig hätte fortgesetzt werden können war klar. Mit weniger Verletzungspech würde die Bilanz dennoch vielleicht besser aussehen. Der eingeplante Leitwolf Schroth konnte noch gar nicht eingreifen. Dafür haben bereits abgeschriebene Kandidaten wie Göktan oder di Salvo Akzente gesetzt. Gegen Ende der Hinrunde fehlten diese Garanten oder gingen in ein Leistungstief. Für Konstanz sorgten hingehen Jungspunde wie die Bender-Zwillinge. Wenn es nicht in diesem Jahr mit dem Aufstieg klappt, wird 1860 in der nächsten Saison eine feste Größe sein.
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