Borussia Mönchengladbach: Hausgemachte Probleme und vorhandenes Potential

August 26th, 2008

Der desolate Saisonstart der Borussia hat etwas von einem Deja-Vu. Wie vor einem Jahr blieb die Borussia nicht nur vom Ergebnis her, sondern auch was die Leistung angeht hinter den Erwartungen zurück. Wie im letzten Jahr herrschen große Personalprobleme im Sturm, ist Neuville verletzt und dem Trainer bleibt kaum eine Wahl, außer auf ein System mit nur einem Angreifer zu setzen. Wie im Vorjahr hat Luhukay seine Stammelf noch nicht gefunden und versucht sich am Try-and-Error-Prinzip.

Im Gegensatz zum Vorjahr sind die meisten dieser Probleme aber hausgemacht. Während vor Jahresfrist kaum Handlungsspielraum vorhanden war, einen weiteren Angreifer zu verpflichten, war der Mannschaftsteil in diesem Jahr offensichtlich unterbesetzt und die Möglichkeit zu Nachbesserung seit geraumer Zeit vorhanden. Dennoch gingen Ziege und Luhukay mit nur drei etatmäßigen Angreifern in die Saison, darunter ein angeschlagener Neuville und ein Friend, der am zweiten Spieltag länderspielbedingt für die erste Elf nicht zur Verfügung stehen würde. Ging man die letzte Saison noch mit einem frisch zusammengewürfelten Kader in die Saison, so schien es vor dieser Spielzeit gerade eine Stärke zu sein, auf eine eingespielte und nur punktuell verstärkte Mannschaft vertrauen zu können.

Vorteil fahrlässig aus der Hand gegeben?

Gerade dieser letzte Vorteil wurde anscheinend fahrlässig aus der Hand gegeben. Natürlich ist gegen eine gewisse Rotation nichts einzuwenden, wenn man einen dichten Kader hat und auf einigen Position die Tagesform entscheidet. Aber es mutet schon sehr seltsam an, wenn auf den Außenverteidiger-Positionen im ersten Spiel ein gelernter offensiver Mittelfeldspieler und ein in der Vorbereitung enttäuschender Neuzugang starten (Ndjeng und Jaures) und die beiden Stammkräfte der letzten Saison bei diesem Experiment nicht mal auf der Bank sitzen (Levels und Voigt). Erst recht, wenn Levels im zweiten Spiel von der Tribüne sofort wieder in die Stammelf befördert wird. Das lässt eine klare Linie vermissen.

Diese Punkte werden vom Boulevard im Moment (natürlich) begeistert aufgegriffen und die sportliche Führung muss es sich selbst ankreiden, so schnell so angreifbar geworden zu sein.

Individuelle Fehler entscheidend

Dabei sind Sturm-Misere und Rotation noch nicht einmal die entscheidenden Faktoren für die mangelnde Punkteausbeute. Viel eklatanter – und daran hat Luhukay am wenigsten Schuld – waren individuelle Fehler, die sämtlichen Toren vorausgegangen waren. War es gegen Stuttgart der Defensiv-Verbund, der den kurzfristigen Ausfall von Rösler taktisch nicht kompensieren konnte beim 1:0, Jaures Ballverlust beim 2:0 und Marins Fehlpass beim 3:0, hatte gegen Hoffenheim der Mittelfeld-Chef Paauwe vor dem 1:0 einen Aussetzer und schaffte es nicht, einen einfachen Pass zu stoppen.

Luhukay muss sich lediglich fragen lassen, warum Schlüsselspieler wie eben Marin, Rösler oder Paauwe zurzeit weit unterhalb ihrer Normalform spielen.

Rückkehr zum 4-4-2?

Es wäre natürlich albern, aufgrund von nur zwei Spielen Trainer und Mannschaft infrage zu stellen. Ich hoffe, dass nach der Rückkehr von Neuville und Friend zurück auf das zuletzt so erfolgreiche 4-4-2 gewechselt wird, was auch in der letzten Saison die entscheidende Maßnahme war. Vielleicht mussten diese zwei Spiele beweisen, dass ein 4-5-1 nicht das System für Gladbach ist, auch wenn es sich auf den ersten Blick aufgrund der Kaderbesetzung anbietet. Will man den Ankündigungen glauben, wäre dieses System auch bei eventuellen Ausfällen spielbar, indem Matmour, der vielversprechende Ansätze zeigte, den Stürmer Nummer 2 markiert.

Ich bin mit sicher, bisher haben wir noch nicht das wahre Gesicht der Mannschaft gesehen. Was das Team dringend braucht ist ein Erfolgserlebnis. Gegen Bremen kann es nur positiv überraschen, denn im Moment haben viele ihre Einschätzung der Borussia nach unten korrigiert.

Spielanalyse bei Seitenwahl.de
Einzelkritik bei Torfabrik.de

Druckversion Druckversion

One Response to “Borussia Mönchengladbach: Hausgemachte Probleme und vorhandenes Potential”

  1. Gilad on August 27, 2008 01:44

    Wird Zeit, dass Gal Alberman wieder spielt.

Trackback URI | Comments RSS

Name (erforderlich)

Email (erforderlich)

Webseite

Sachet, Otze! (Links in der Form: Linktext)


    Ciao

    Twitter
    Counter
    Bolzplatz im Abo