Außenverteidiger. Einfach erklärt.
Marcell Janssen im SZ-Interview:
SZ: Eine Weile war es ja fast eine Karrieregarantie,
Linksverteidiger zu sein. Es wurde jeder Nationalspieler,
der diese Position halbwegs konnte: Heinrich, Bode, Tarnat,
spaeter Rahn oder Rau. Jetzt gibt es ploetzlich eine grosse
Auswahl hochqualifizierter junger Linksverteidiger: Marcell
Jansen, Philipp Lahm, Christian Pander. Haben Sie dafuer
eine Erklaerung?
Jansen: Ich glaube, dass in der Nachwuchsarbeit inzwischen
viel mehr Wert auf die Aussenverteidiger-Position gelegt
wird. Die wird im internationalen Fussball immer wichtiger:
Die Abwehrbollwerke sind so perfekt, da kommt man oft nur
noch mit Fluegelspiel durch. Dazu braucht man gute
Aussenverteidiger.
Wenn man einen Spieler wie Ribery vor sich hat, dann
weiss man, dass der Ball wahrscheinlich ankommt, wenn man
mal marschiert.
SZ: Haben Sie das Gefuehl, dass diese
Erkenntnis in der Öffentlichkeit schon angekommen ist?
Jansen: Wenn ich ehrlich bin: nein. Ich glaube, dass man
sich in Deutschland bisher viel zu wenig mit dem rechten
oder linken Verteidiger befasst hat. Ich behaupte, dass
vielen Leute das Rollenprofil gar nicht klar ist.
SZ: Das muessen Sie erklaeren.
Jansen: Der Begriff sagt es doch schon: In erster Linie
sind wir Verteidiger. Als ich in Gladbach anfing, haben die
Leute gesagt: Guck mal, ein echter Gladbacher Jung, wie der
marschiert! Wenn ich von fuenf Flanken vier hinters Tor
gehauen habe, war das auch egal. Dann kam einmal Altintop
ueber meine Seite, der war damals in Kaiserslautern und
Fuehrender der Torjaegerliste, und ich war so stolz, dass
ich ihn ausgeschaltet habe. Am naechsten Tag schaue ich in
die Zeitung, und was sehe ich? Note vier!
SZ: Und was sagt Ihnen das?
Jansen: Ein moderner Aussenverteidiger muss auch
Qualitaeten nach vorne haben, aber es darf nicht so sein,
wie es oft dargestellt wird: Spielt der Aussenverteidiger
normal, kriegt er die Note drei, und wenn er eine einzige
Flanke reinhaut und der Stuermer hat zufaellig einen guten
Tag und trifft, kriegt der Aussenverteidiger eine Zwei. Wenn
du aber die gleiche gute Flanke fuenfmal schlaegst und der
Stuermer semmelt den Ball fuenfmal drueber, kriegst du
wieder eine Drei. Weil’s kein Assist war! Aber was hab ich
denn mit der Leistung des Stuermers zu tun? Ich will, dass
meine Arbeit bewertet wird, und nicht das, was andere draus
machen.
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5 Responses to “Außenverteidiger. Einfach erklärt.”


Hab mich damals beim Lesen schon gewundert, wie es kommt, dass einer, der doch offensichtlich selbst besser weiß, was er tut, als die, die das mit ihren Noten bewerten, so viel auf eine lächerliche Bewertung von irgendjemandem in irgendeiner Zeitung gibt, dass er da ellenlang erklären muss, warum das eigentlich unfair ist.
Innere Souveränität sieht anders aus, kann man in dem Alter auch beileibe nicht erwarten, aber das lässt doch tief blicken, welche Macht respektive Einfluss die Jungs von der Schreibe tatsächlich haben, zumindest auf die Psyche der Spieler. Darüber war ich sehr erstaunt.
Die Frage der SZ an Jansen war ja, ob das Rollenprofil des Außenverteidigers der deutschen Öffentlichkeit bewusst ist. Und da finde ich es durchaus legitim auf die Benotung in Kicker, BamS etc. zu verweisen, weil diese die Wahrnehmung bei den Fans absolut bestimmt.
Wer kein Hardcore-Fußballgucker ist, bildet sich die Meinung über diese Noten und der zugehörigen Berichterstattung (davon nehme ich mich höchstens in Teilen aus). Und wenn da steht: “Jansen gestern schlecht, weil keine Assists”, dann kann man das durchaus mal ansprechen.
Ich finde, im Gegenteil zu deiner Interpretation, hat er seine Argumentation clever an den Noten aufgehängt. Denn das ist plakativ und anschaulich und er muss nicht Zitate aus den Berichten bemühen, um seine Aussagen zu untermauern. Jansen ist kein hochanalytischer Geist, aber auf jeden Fall bauernschlau.
Finde auch, dass er nur auf die Frage geantwortet hat . das allein adelt ihn ja fast schon, verglichen mit den üblichen Blabla-Interviews anderer Nachwuchskicker, die in fast allen Profivereinen in die Interviewschule gezerrt werden. Deshalb reden die auch alle das Gleiche, ohne dabei etwas zu sagen.
Trotzdem erstaunt es mich, dass MJ diese Benotungen überhaupt erwähnt. Ist so ähnlich wie vor ein paar Wochen im FAZ-Interview, als er sich darüber aufgeregt hat, dass Fans im Internet über seine Frisur diskutieren… Aber irgendwie auch wieder rührend.
sehr interessanter Artikel! werd ich weiter empfehlen!
Aussenverteidiger haben einen der wichtigsten Jobs in der Mannschaft. Viele Angriffe des Gegners kommen über die Flügel. Wenn man da keinen guten Aussenverteidiger in der mannschaft hat, siehts schlecht aus!