Der Marin-Abschied: War schön!
„Von 25 Journalisten in Gladbach haben vielleicht zwei den Wert von Tomas Galasek erkannt. Der schießt zwar kaum Tore und ist auch kein Marko Marin, der auf drei Quadratmetern vier Mann ausspielt, worauf die Fans zurecht vor Freude zu onanieren beginnen.“
Dieses Zitat war wohl ein wunderbares Fazit dessen, was Marko Marin in den letzten beiden Jahren für Mönchengladbach geleistet hat. Er war nicht der Basisspieler, der die Mannschaft alleine eine Klasse besser gemacht und alle anderen mitgerissen hat. Aber er war der Spieler, der die Glanzpunkte setzte, der die Kurve kollektiv hat mit der Zunge schnalzen lassen, der in unmöglichen Situationen eine Lösung fand. Mit seinen Dribblings und Standards hat er Gladbach die Punkte gesichert, die zum Aufstieg und Klassenerhalt bitter nötig waren.
Galasek mag wichtiger sein, aber für einen Marin geht man ins Stadion. Und er kann in knappen Spielen den Unterschied ausmachen.
Mag sein, dass er nicht der defensiv stärkste Spieler ist und körperlich eigentlich nicht gegenhalten kann. Das hat ihn im letzten Jahr ein wenig ausgebremst und ihn Einsatzzeit gekostet, denn im Abstiegskampf muss man manchmal andere Prioritäten setzen. Aber wenn man einen Spieler dieser technischen und kreativen Klasse hat, müssen normalerweise die 10 anderen Spieler 10% mehr laufen, um ihm die Freiheiten zu gewähren.
Sein Disput mit Meyer existierte wohl nur in den Medien. Legendär der Doppelpass, in dem Hans Meyer die Elite des deutschen Sportjournalismus vorführte, weil diese Marins Einsatzzeiten um das sechsfache unterschätzte.
Nein, Marin war einer der wichtigsten Gladbacher Spieler der letzten beiden Jahre – auch wenn er punktuell auf der Bank Platz nehmen musste. Er war auch deutlich wichtiger als Baumjohann. Jener hatte tatsächlich nur wenige, dafür aber ebenfalls spektakuläre Momente. Die deutlich höhere Konstanz hatte aber Marin.
Marins Wechsel kann ich ihm nicht mal übel nehmen. Er hat die Saison durchgespielt ohne Ansprüche anzumelden und hat erst nach dem Klassenerhalt klar seine Ambitionen geäußert. Gegenüber vielen anderen Jungstars in den letzten Jahren wählt er (ohne dass ich seine anderen Angebote kennen würde) einen Verein, bei dem er realistische Entwicklungsmöglichkeiten hat – ein logischer Schritt. Bei Bremen kann er sich – neidlose Anerkennung – besser weiterentwickeln als bei Gladbach, weil er dort eben nicht ständig im Abstiegskampf steckt, sondern mit Rückendeckung frei aufspielen und damit seine Stärken einbringen kann.
Ich hoffe und zweifle nicht daran, dass er diesen Schritt packt, denn er kann eine der größten Attraktionen der Liga werden – einer dem man gerne zuguckt, unabhängig von der Vereinszugehörigkeit.
Der einzige Wermutstropfen ist für mich die Ablöse: Wenn man so ein Ausnahmetalent unter Vertrag hat, dem in wenigen Jahren alle Optionen offen stehen können, dann muss man dafür eine höhere Ablöse kassieren als 8,5 Millionen – auf Basis dessen, was im Moment für weniger talentierte Spieler als Summen aufgerufen werden (z.B. Kevin Prince Boateng, Demba Ba). Aber da man Reisende nicht aufhalten kann und Marins Vertrag nur noch ein Jahr lief, nimmt man was man kriegen kann.
Edit: Ich habe zwei Postings von mir über Marin ausgegraben: ein ganz altes, als Marin noch in der A-Jugend spielte und eines aus der zweiten Liga, das allerdings schon jene Schwächen beschreibt, die ihm immer noch anhaften.
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Schöne Sachen, die die Post bringt
Normalerweise mag ich den Postboten nicht. Wenn etwas im Briefkasten landet, will in der Regel jemand etwas von mir. Meistens Geld. Heute kamen gleich drei wunderbare Lieferungen an.
Erstens: Meine Dauerkarte für die neue Saison.
Ich hoffe, ich werde wirklich Spaß daran haben – in der letzten Saison war dieses Ticket eher eine Garantie für Verdruß. Ein Lob muss ich an dieser Stelle an die Borussia zollen: die ganze Saison kostet mich 163 Euro – 9,50 Euro pro Spiel. Das ist echt ein fairer Preis und wenn man mal über den Tellerrand guckt, was in anderen europäischen Ligen so los ist, mag ich das gar nicht zu laut sagen, sonst kommt noch jemand im Gladbacher Marketing auf dumme Ideen.
Zweitens: Meine neuen Fußballschuhe.
Die Teile hat mir Under Armour kostenlos zur Verfügung gestellt. Ich habe, wie viele andere Blogger auch, eine Einladung zur Präsentation dieser Schuhe (die ersten überhauot von UA) und der neuen Hannover-Trikots bekommen. Da ich zu der Veranstaltung nicht anreisen kann, habe ich einfach mal nachgefragt, ob ich nicht ein Paar Schuhe bekomme unter der Auflage, eine Review darüber zu schreiben. Ich habe nicht damit gerechnet, aber die Firma ist drauf eingegangen – für mich ein guter Deal. Bevor Nachfragen kommen: Der PR-Kollege, mit dem ich gemailt habe, hat betont, dass ich der einzige Blogger wäre, dem sie die Treter stellen würden. Demnächst – nach Beginn der Vorbereitung Ende Juli – an dieser Stelle also eine ehrliche Kritik aus Sicht eines mäßig talentierten Kreisliga-Fußballers.
Achso: Das dritte Paket enthielt ein cooles Poster, das mir der Kollege r0ssi hat zukommen lassen (habe ich erwähnt, dass ich im Nebenjob großer Sci-Fi-Fan bin?).
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Eberl und Frontzeck – frischer Wind?
Vor wenigen Wochen noch, stand ich der sportlichen Leitung der Borussia sehr skeptisch gegenüber. Da war kein renommierter Name auf der Position des Sportdirektors verpflichtet worden, sondern mal wieder einer aus der eigenen Nachwuchsabteilung: Max Eberl.
Max Eberl ist keiner mit internationalen Kontakten. Keiner, der Beziehungen hat und darüber den einen oder anderen Geheimtipp bekommen würde. Max Eberl ist ein Arbeiter, wie er es auch schon auf dem Fußballfeld war.
Es passte für mich ins Bild. Rolf Königs ist ein Sonnenkönig und was man so hört lässt vermuten, dass er gerne Ja-Sager um sich versammelt und Kontra nur ganz schlecht verträgt. Das ist nicht ungewöhnlich für einen Unternehmer alter Schule, aber in einem von ihm nicht gelernten Bereich sicher nicht förderlich.
Die Installation Eberls rundete das Ganze ab. Ein willfähriger Steigbügelhalter auf der entscheidenste Position des Vereins, der wenig Widerworte gibt. Das Trauma Ziege immer noch im Hinterkopf, als ein B-Jugend-Trainer zum Entscheider befördert wurde und nach einer guten Saison alles kollabierte.
Umso erstaunlicher ist es, wie viel Profil Max Eberl in den letzten Wochen an den Tag gelegt hat. Eine angeblich 500-seitige Ausarbeitung zur Zukunft der Borussia soll er vorgelegt haben. Und er hat mal kurz die strategische Ausrichtung des Vereins neu definiert. Und alles, was von seinem Konzept bisher nach Außen gedrungen ist, gefällt mir nicht nur, ich kann es 100% so unterschreiben und es deckt sich mit den Gedanken, die ich in diesem Blog schon länger hege:
Dass ein Verein eine Philosophie haben sollte, die unabhängig ist von Trainern. Dass der Verein System und Grundstrategie vorgeben sollte, um Kontinuität gewährleisten zu können und nicht alle halbe Jahre die Aufstellung neu ausrichten muss. Denn nur dann ist gewährleistet, dass man mit dem vorhandenen Spielermaterial arbeiten kann und nicht nach dem Gusto des neuen „Erfolgscoachs“ erstmal auf Einkaufstour gehen muss und fünf neue Flügelstürmer einkaufen muss, weil bisher 4-4-2 gespielt wurde.
Max Eberl hat diese Philosophie in nettere Worte gekleidet. Der Verein baue dem Trainer eine Autobahn. Wie dieser darauf fahre, bleibe ihm überlassen. Aber nach links und rechts gebe es eben eine Begrenzung.
An diesem Punkt kommt die Personalie Michael Frontzeck ins Spiel. Den besten Kommentar dazu habe ich auf Seitenwahl.de gelesen. Es gebe nichts, was gegen Frontzeck sprechen würde. Aber es gebe auch keine Argumente für ihn.
Frontzeck hat seine Teams bisher genau dahin trainiert, wo sie hingehören. Er hat keine Überraschungen nach oben oder nach unten geschafft. Sollte er an diese Tradition anknüpfen, stünden immer drei Mannschaften unter Mönchengladbach in der Tabelle. Das ist doch schon mal was.
Im Kontext, nach allem was Eberl hat verlauten lassen, passt Frontzeck haargenau in das Profil. Als ich die Anforderungen las: fleißig, loyal, anpassungsfähig – wusste ich, es kann nur auf Frontzeck oder Funkel hinauslaufen. Frontzeck ist uneitel, ehrlich und glaubwürdig. Er ist kein großer Stratege, aber ein Teamplayer.
Um den beschriebenen Neuanfang zu machen, kann er also genau der richtige Mann sein – um ein, zwei solide Saisons zu spielen, den Verein wieder in der Bundesliga zu etablieren und Ruhe in den Verein einkehren zu lassen. Aber diese –geringe – Erwartungshaltung muss er bestätigen. Ich glaube eher, dass Frontzeck nach der Hinrunde entlassen wird, als dass er ein zweiter Thomas Schaaf wird. Ich traue ihm nicht zu, eine Überraschungssaison zu spielen. Ich traue ihm nicht zu, aus der Mannschaft viel mehr rauszuholen, als das Spielermaterial erwarten lässt.
Zum Glück bin ich mit meinen Prognosen an dieser Stelle in der letzten Saison ganz mies gefahren. Hoffentlich liege ich also falsch – mit der Perspektive ins gesicherte Mittelfeld.
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